Reisetipps Peru & Bolivien

Stichworte Peru & Bolivien

Alte Kulturen

Peru und Bolivien gelten als Wiege der präkolumbischen Zivilisationen Südamerikas. Lange vor den Inka entwickelten sich hier die ersten Hochkulturen. Als älteste städtische Zivilisation ganz Amerikas gilt heute die erst 1999 im Supe-Tal nördlich von Lima entdeckte „Heilige Stadt von Caral“. Funde konnten dort auf das Jahr 2627 v. Chr. datiert werden. Um 850 v. Chr. entstand in den Bergen bei Huaraz die Chavín-Kultur: Der freigelegte Steintempel ist ein düsteres, einer raubtierähnlichen Gottheit geweihtes Labyrinth. Etwas später lebten an der Südküste Perus die Menschen der Paracas-Kultur (550 v. Chr.-100 n. Chr.); sie beherrschten in jener Zeit schon jede heute noch verwendete Stick-, Knüpf- und Maschentechnik. Bald entwickelte sich in der Nachbarschaft die Nazca-Kultur. Mit der Moche-Kultur an der Nordküste (ca 100 v. Chr.-800 n. Chr.) gehört sie zu den ersten komplexen Zivilisationen im heutigen Peru. Baumaterial der Moche war der ungebrannte Adobe-Ziegel. Um 500-600 erblühen am bolivianischen Ufer des Titicacasees und beim heutigen Ayacucho in Peru erste Großreiche mit Städten aus Stein: Tiwanaku (span. Tiuahuanaco) und Wari (span. Huari). Die Wari kannten viele Techniken, die später von den Inka übernommen wurden, u.a. führten sie Statistiken mit Hilfe farbiger Knoten. Dürreperioden beendeten vermutlich ihre Vorherrschaft. Um 900 erwuchs der Moche-Kultur das Reich der Chimú. Als ihre Hauptstadt Chan Chan mit ca. 100000 Einwohnern in voller Blüte stand, waren die Inka noch ein kleines Stammesfürstentum im Hochland. Erst im 15. Jh. besiegten sie die Chimú wie auch die geheimnisvollen „Nebelmenschen“ bei Chachapoyas im östlichen Amazonasdepartment, von denen manche glauben, sie seien keltischer Abstammung gewesen. Internet: Chavín: http://chavin.perucultural.org.pe; Moche: http://losmochicas.perucultural.org.pe; Inka: http://incas.perucultural.org.pe

Architektur

Hütten und Häuser aus Adobe (ungebrannten Lehmziegeln) findet man heute noch vielfach in kleinen Orten. Auf die einzigartige Baukunst der Inka aber versteht sich niemand mehr. Wie sie die tonnenschweren Steine transportieren und ohne Mörtel so miteinander verbinden konnten, dass sie wie gegossen aneinander passten, ist bis heute ein Rätsel. In Cuzco errichteten die spanischen Eroberer ihre Tempel zum Teil auf alten Inkamauern. Die Baukunst der Kolonialherren spiegelt vor allem die Prunkstile des spanischen Siglo de Oro (16./17. Jh.) wider: vom frühen, arabisch gefärbten Mudéjarstil bis zum üppigen Churriguerismus-Barock. Indianische Arbeiter schmückten ihn mit Tier-, Pflanzen- oder Sonnenornamenten und schufen damit den sogenannten Mestizenbarock.

Bevölkerung

Nirgendwo sonst hat die indianische Urbevölkerung die Eroberung durch die Spanier so zahlreich überlebt wie in Peru und Bolivien. Von den 28,3 Mio. Peruanern sind etwa 45 Prozent indígenas, 37 Prozent Mestizen, 15 Prozent europäischer Herkunft und 3 Prozent Mulatten, Schwarze oder Asiaten. Bolivien besitzt mit 65 Prozent den höchsten Anteil indianischer Bevölkerung in ganz Amerika: Von 9,4 Mio. Menschen sind nur 35 Prozent Mestizen (cholos) und Weiße (criollos). Unter den Einwanderern finden sich viele Chinesen, Japaner und Deutsche.

Flora & Fauna

Mit dem ausgeprägten Höhenprofil von der Küste über den Andenkamm bis zum Amazonastiefland bietet Peru die unterschiedlichsten Vegetationszonen. Bolivien trumpft dazu mit besonderen Extremen auf, z.B. mit den Salaren (Salzseen). Die Pazifikküste ist bis auf einige Flussmündungen wüstentrocken. Hier gedeiht kaum mehr als die eingeführte afrikanische Dattelpalme und die Traube für das Nationalgetränk Pisco. Dafür ernährt der kühle Humboldtstrom mit seinem Fischreichtum Seevögel, Pinguine, Robben und Seelöwen auf der Halbinsel Paracas.

Die Anden sind der Lebensraum des Kondors und der wilden Neuweltkamele, der Guanakos und Vicuñas. Auch die domestizierten Arten Lama und Alpaka sind im Hochland zu Hause. Man sieht sie z.B. in der Puna, der Hochlandsteppe (2000 bis 3500 m). Charakteristisch für diese Vegetationszone ist das kurze, strohgelbe Ichú-Büschelgras. Vereinzelt wächst hier auch die gigantische Riesenbromelie Puya raimondii, deren Blütenstiel bis zu 6 m hoch werden kann. An den Straßenrändern sind mitunter Cantuta-Sträucher zu sehen, deren rotweiße Blüten wie Glockenkelche herunterhängen. Sie wurden zur Nationalblume Perus erklärt.

Von höchster Artenvielfalt ist die Amazonasregion. Als Vorboten grüßen tiefe Täler, die Nebel- und Bergwälder voller Farne und Bromelien säumen. Im Tiefland dann „explodiert“ die Natur wie im Treibhaus. Der tropische Regenwald wuchert hier in Etagen. Zu den spektakulärsten Bewohnern zählen Jaguar, Anakonda, Kaiman oder Krokodil. Schmetterlinge wie der große blaue Morpho umgaukeln Boote, und das Geschrei von Aras und anderen Papageien erfüllt die feuchtheiße Luft.

Musik

Der melancholische Andensound ist weltweit durch die Melodie von El Condor Pasa bekannt geworden. Die Ballade ist ein Javarí-Lied, eine Liedform, die oft von Liebesbeziehungen handelt und in der Inkazeit z.B. auf Hochzeiten gesungen wurde. Daneben gibt es die huanca (kultische Musik) und die huaino (Tanzmusik). Charakteristisch dafür sind die traditionellen Instrumente der Inkanachfahren: vor allem die quena (Rohrflöte) und die verschieden langen, mehrreihigen zampoñas (Panflöten) sowie die charango (Gitarre mit dem Klangkörper aus dem Panzer des Gürteltieres). An der Küste mischen sich in das spanisch-indianische Erbe noch afrikanische Klänge und Rhythmen. Zur Folklore gesellen sich lokale Popstars sowie Musiker und Interpreten klassischer Musik. Zu Weltruhm als Tenor gelangte der Peruaner Juan Diego Flórez. Internet: www.musicaperuana.com

Naturgewalten

Erdbeben und Vulkanausbrüche erschüttern die beiden Andenländer immer wieder. Vor allem Peru, denn es liegt einer Tiefseerinne am nächsten, an der sich zwei tektonische Platten übereinanderschieben. Das letzte schwere Erdbeben ereignete sich 2007 in der Region von Pisco. Etwa alle vier Jahre zur Weihnachtszeit tritt außerdem El Niño (deutsch: das Christuskind), ein Wetterphänomen, auf, bei dem sich das Meerwasser um etwa 5 Grad erwärmt. Die Folgen sind verheerend: Ökosysteme und Wetter geraten derart aus dem Gleichgewicht, dass es zu einem Wandel in der Meeresfauna und zu sintflutartigen Regenfällen kommt.

Politik & Parteien

Peru und Bolivien sind Republiken mit einem Präsidialsystem. In Bolivien ist der Präsident auch Regierungschef, das Parlament besteht aus einem Kongress mit 130 Abgeordneten und einem 27-köpfigen Senat. Als erster Indigener in der Geschichte Boliviens wurde 2005 Evo Morales von der „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) mit absoluter Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt. Die traditionellen Parteien MNR und ADN verloren an Bedeutung. Eine neue Verfassung steht kurz vor der Verabschiedung. 2008 ließ sich Morales in einer Volksabstimmung im Amt bestätigen

In Peru steht dem Präsidenten als Staatsoberhaupt noch ein Ministerpräsident als Regierungschef zur Seite; der Kongress besteht aus 120 Abgeordneten. Präsident wurde 2006 der Linkspopulist Alan García Pérez von der APRA (Alianza Popular Revolucionaria Americana), der ältesten Partei Perus.

Sprache

Im alten Inkareich wurden an die 2000 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen. Heute sind die noch am weitesten verbreiteten Indianersprachen Quechua und Aymará. Wer ein paar Brocken erlernen will, findet im Internet Wörterbücher in Spanisch- oder Englisch-Quechua und Spanisch-Aymará unter www.geocities.com/andians.

Wirtschaft

Bolivien setzt unter Evo Morales auf staatliche Lenkung der Wirtschaft. Teilweise verstaatlicht wurden Erdöl-, Erdgas- und Bergbauunternehmen. Wichtigste Handelspartner sind Brasilien, Argentinien und Japan. Das Bruttoinlandsprodukt ist nach wie vor das niedrigste in Südamerikas. In Peru stieg der Tourismus zur drittwichtigsten Devisenquelle auf - nach Bergbau und Fischfang. Mit einem Besucherplus von 11 Prozent war 2007 ein sehr erfolgreiches Jahr. Insgesamt wuchs die Wirtschaft um 9 Prozent. Eine Armutspolitik aber gibt es noch nicht. Wichtigste Exportprodukte sind Bodenschätze: Silber, Gold, Kupfer, Zink, Blei, Eisen und Erdöl aus der Amazonasregion.