SZ-Kolumne „Mitten in …“:Abenteuer-Urlaub mit der Bahn

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(Illustration: Marc Herold (Foto: Marc Herold)

Der ICE einer SZ-Autorin steht mal wieder lange am Stuttgarter Bahnhof. Weil die Tür zum Kleinkindabteil kaputt ist, zieht eine merkwürdige Prozession durch ihren Waggon. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in … Stuttgart

Der ICE steht lange im Stuttgarter Bahnhof. Die Tür neben dem Kleinkindabteil ist kaputt. Nach einer Weile läuft eine Prozession durch den Waggon bis zur nächsten Tür: zuerst ein Schaffner, der ein Baby trägt. Dann ein hilfsbereiter Passagier, der gerade rauchen gehen wollte, mit einem Kleinkind auf dem Arm. Den Abschluss bildet die Mutter der beiden Kleinen mit Gepäck und einem zusammengeklappten Doppelkinderwagen. Auf dem Bahnsteig baut sie den Wagen wieder auf, der Schaffner wird woanders gebraucht – und der verhinderte Raucher hat beide Kinder auf dem Arm. Ungefähr so muss jemand gucken, der eine Palette Ming-Vasen halten soll und nicht haftpflichtversichert ist. Später steigt der Mann wieder ein und sagt: „Wenn ich Abenteuerurlaub will, buche ich bei der Deutschen Bahn.“ Zum Rauchen kommt er dann in Ulm. Jana Anzlinger

(Illustration: Marc Herold) (Foto: Marc Herold)

Mitten in … Berlin

Ein schöner, warmer Frühlingstag in Berlin hat gerade begonnen. Man radelt entspannt durch den Tiergarten, die Amseln singen, die Enten schnattern, alles sehr idyllisch. Es geht vorbei am Straußengehege des Zoologischen Gartens, das direkt an den Park angrenzt. Da kommt man plötzlich aus dem Tritt: Nanu, was ist denn da los? Ein großes Aufgebot an Polizisten durchkämmt die Anlage. Ist etwa einer der Strauße entflohen? Oder kriegt er den Kopf nicht mehr aus dem Sand? Da taucht ein Mann im Gehege auf, splitterfasernackt, mit einem Baumstumpf bewaffnet. Er stöhnt und schreit, rennt im Zickzack, dann verschwindet er im Unterholz, die Polizisten hinterher. Der Ausgang dieser merkwürdigen Verfolgungsjagd ist nicht bekannt, aber auch hier greift wohl die alte Berliner Grundregel: „If you can’t control it, don’t take it.“ Bettina Borck

(Illustration: Marc Herold) (Foto: )

Mitten in … Maggona

Die Tage während einer Ayurvedakur in Sri Lanka enden meist früh. Doch ein kleiner Samstagabend-Bummel muss sein. Das Hauptportal der imposanten Kirche St. Mary’s ist verschlossen, aber vom Seiteneingang her tönt Gesang. Also kurz mal nachgeschaut – und plötzlich steht man zwischen den Mitgliedern des Kirchenchors, die fürs sonntägliche Hochamt proben, und wird gebeten, Platz zu nehmen. Die Melodien sind unvertraut, die Worte versteht man nur, wenn mal ein Lied mit englischem statt singhalesischem Text gesungen wird. Dank eines Karaoke-Monitors, der die Gesangbücher ersetzt, bleibt es nicht beim Zuhören. Alsbald schmettert man gemeinsam ein „Halleluja“ – sehr zur Freude der Choristen. Ganz doof hat man sich wohl nicht angestellt, denn die Einladung, am nächsten Morgen in der Messe mitzusingen, erfolgt umgehend. Evelyn Vogel

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