Reporterinnen und Reporter beschreiben die Welt nicht nur vom Büro aus, sie gehen raus, dahin, wo das Leben stattfindet, wo es wehtut und funkelt, zu den Menschen und ihren Geschichten. Um im Kleinsten das Große zu erkennen. Die SZ widmet der Reportage in jeder Ausgabe ihre Seite Drei.
China
:Ihr habt Demokratie, wir haben Halbleiter
Jetzt reist Außenminister Wadephul also wirklich nach China, und er wird ein Land erleben, das vor Selbstbewusstsein strotzt. In Peking wissen sie: Die deutsche Politik will zwar unabhängiger werden, aber die deutsche Wirtschaft? Ach was.
Diversität
:Zwischen Anstand und Aktienkurs
Für Trump ist Diversität „Tyrannei“, also hat er sie per Dekret abgewürgt. Für deutsche Firmen ist das ein ziemlicher Spagat. Die meisten wissen ohnehin: Nur mit weißen Männern können sie einpacken.
NSU
:„Dann sag wenigstens die Wahrheit“
Im Oberlandesgericht Dresden tritt Beate Zschäpe nicht gerade wie eine Geläuterte auf. Sie sagt zwar gegen Susann Eminger aus, die in NSU-Zeiten ihre beste Freundin war. Aber Reue? Da müsste sie endlich anfangen, wirklich zu reden.
Junge Union
:„Merz nimmt uns zu null Prozent ernst“
Merz, Spahn und die Junge Union, das war fast schon Liebe. Jetzt ist es pure Zerrüttung, egal, wie der Rentenstreit ausgeht. Gut möglich, dass die Alten unterschätzt haben, dass es den Jungen tatsächlich um die Sache geht.
USA
:Letzte Hoffnung Rubio
In Sachen Ukraine erscheint Marco Rubio vielen Europäern gerade als letzte Stimme der Vernunft. Aber Vorsicht, der US-Außenminister ist tief drin in der Maga-Welt. Und nur Trump weiß, ob er überhaupt noch was zu sagen hat.
Lissabon
:Portugiesisch? Spricht hier kein Mensch mehr
Niedrige Steuern, laues Klima, schnelles Internet und Fun, das ist das Versprechen Lissabons. Seit der Schuldenkrise wird die Stadt von Touristen, Digitalnomaden und Expats überrannt. Nur: Für Einheimische ist die Altstadt jetzt unbezahlbar.
Deutschland-Polen
:Jetzt streiten selbst Freunde
Es ist nicht wirklich was geworden aus der neuen Blüte deutsch-polnischer Beziehungen unter Kanzler Friedrich Merz. Im Gegenteil. Etwas scheint zerbrochen zu sein zwischen den Nachbarn.
Currywurst
:Fünfzehn Zentimeter Deutschland
Und schon wieder ein neuer Kulturkampf: Im Ruhrgebiet behaupten sie, die Currywurst erfunden zu haben. Und was ist mit Berlin, Hamburg, Bückeburg? Quatsch mit Soße, sagen die Duisburger – und sie haben Beweise.
SOS-Kinderdörfer
:Kinder in Not
Für Marina Hubmann waren ihre Jahre im SOS-Kinderdorf geprägt von Gewalt. Nur, hören wollte das keiner. Und jetzt sind da noch die Vorwürfe, dass Gründervater Hermann Gmeiner Kinder missbraucht haben soll. Von Abgründen mitten im Guten.
Südkorea
:Hilfe, wir sterben aus
Wer denkt, dass es in Deutschland ein Generationenproblem gibt, sollte nach Südkorea schauen. Nirgends kommen so wenig Kinder zur Welt, in den Dörfern sind nur noch Alte, Seoul saugt die Jugend ab. Und: Die große Sterbewelle kommt erst noch.
Krieg gegen die Ukraine
:Russisch? Nie wieder ein Wort
Immer mehr Ukrainer weigern sich, russisch zu reden, obwohl viele von ihnen sogar in der Sprache der Angreifer träumen. Sie sprechen jetzt ukrainisch, auch wenn sie es erst lernen müssen. Denn Worte kann ihnen selbst Putin nicht nehmen.
Syrien
:"Ich bin fast ein Jahr in Syrien, ich habe nichts"
Von Berlin aus betrachtet ist der Krieg in Syrien vorbei – und der Druck wird immer erbarmungsloser, dass die Flüchtlinge endlich heimgehen. Zeit, mal Leute zu treffen, die versuchen, in den Ruinen etwas aufzubauen.
G20
:Die Macht der Machtlosigkeit
Beim G-20-Gipfel in Johannesburg geht es letztlich um die Frage, ob die Weltordnung nur angeschlagen oder schon tot ist. Dass ausgerechnet Trump, der diesen Gipfel so gründlich ruinieren wollte, ihm damit zu neuem Gewicht verholfen hat, lässt hoffen.
Diebstahl
:Was macht denn der Lachs in ihrer Hose?
Ladendiebstähle gab es schon immer, wer wüsste das besser als die Birols, die seit Jahrzehnten einen Edeka betreiben. Aber mittlerweile scheint Klauen eine Art Breitensport geworden zu sein. Über die Schamlosigkeit am Schoko-Regal.
USA
:Adiós Amigos: Trumps Verrat an den Venezolanern
In Doral bei Miami leben Zehntausende Venezolaner, die wegen Maduro in die USA geflohen sind. Für viele von ihnen war Trump eine Art Retter, bis klar wurde, dass er sie vor allem schnell loswerden will. Die Geschichte eines Verrats.
Regenwald
:Ist Amazonien noch zu retten?
Während die Weltgemeinschaft in Belém um minimalste Klimaziele ringt, kann Fernando Galvão Bezerra aus seiner Cessna dem Regenwald von oben beim Sterben zusehen. Ein Flug über menschengemachte Abgründe.
Berlin-Neukölln
:„Es gibt hier eine reale Macht der Islamisten“
Mitten in Neukölln tobt der Nahostkonflikt am Tresen. Das Bajszel, eine Kneipe, in der man rauchen und anderer Meinung sein darf, ist ins Fadenkreuz von Islamisten und extremen Linken geraten. Ohne Polizeischutz geht hier nichts mehr.
Nahost
:Meine schönsten Gaza-Selfies
Selten haben Soldaten so viel gepostet wie aus dem Gaza-Krieg. Da wird über die „Schönheit“ von Explosionen gejubelt, und im Hintergrund surren Artilleriegeschosse. Für die einen ist es der pure Zynismus, für andere ein Beweismittel.
Johannesburg
:Ist diese Stadt noch zu retten?
Johannesburg ist bekannt für seine prächtige Natur, aber auch für Verfall und Verwahrlosung, Korruption und Kriminalität. Hier sollen sich jetzt also die G20 treffen? Über eine Stadt, die sich aufgegeben hat und Menschen, die das nicht hinnehmen.
Boris Pistorius
:Friendly Fire
Boris Pistorius ist seit fast drei Jahren Verteidigungsminister und immer noch der beliebteste Politiker des Landes. Aber sicher nicht in seiner SPD. An jeder Ecke lauert ein Hinterhalt. Und die richtigen Probleme fangen gerade erst an.
Großbritannien
:Will man hier leben?
Wohnungsnot gibt es auch in Großbritannien, aber hier bauen sie nicht nur neue Häuser, sondern gleich neue Städte. Milton Keynes wurde in den Sechzigern auf die Wiese gestellt. Sie haben nur das Wesentliche vergessen.
Bayern
:Söders Nullnummer
Schulden? Niemals: Für die CSU und Markus Söder ist die schwarze Null nicht weniger als eine Glaubensfrage. Bayern bleibt also erst mal sauber. Nur, die Sache hat ihren Preis.
Buenos Aires
:Den Hunden geht es hier besser als den Menschen
Als „paseador de perros“ verdient man in Argentinien mehr als ein Lehrer. An jeder Ecke von Buenos Aires stehen Hundespaziergänger, manche mit bis zu dreißig Tieren. Auf eine Pinkelrunde mit Fernando Anibal Fuentes.
Klimakonferenz
:Sind wir noch zu retten?
In Belém trifft sich die Weltgemeinschaft jetzt zum dreißigsten Klimagipfel, und es ist wie immer: Es gibt Länder, die mehr wollen, es gibt Länder, die bremsen. Es wird auf niedrigstem Niveau gerungen. Dazwischen verbrennt die Welt.
Kunst
:„Die Gothaer fühlen sich verscheißert“
In Gotha wurde erst spektakulär viel Kunst
gesammelt und dann ist sie spektakulär verschwunden: die Kriege, die Sowjets, die Gier. Von einer Stadt, die versucht, ihr eigenes Erbe wieder einzusammeln.
USA
:Amerikanischer Albtraum
Der Shutdown unter Trump macht Besserverdiener zu Bedürftigen. Im reichsten und mächtigsten Land der Welt gehen jetzt massenhaft Menschen zu einer Art Armenspeisung. Szenen aus Montgomery County.
Rechtsextremismus
:Hitlergruß statt High Five
Sie tragen wieder Glatze und schmieren Hakenkreuze auf Klos. Was passiert da gerade in deutschen Kinderzimmern, auf deutschen Schulhöfen? Eine Spurensuche in Mecklenburg-Vorpommern.
Zehn Jahre Bataclan
:So viel Liebe, mitten im Hass
In der Nacht des 13. November 2015 wurden in ganz Paris Menschen ermordet von islamistischen Terroristen. Maximilien Catu war damals im Bataclan: Er ist ein Überlebender. Und irgendwie auch ein Beschenkter.
Bonn
:Der Einzug der Taliban in Bonn-Ückesdorf
Im afghanischen Generalkonsulat in Bonn ist ein Vertreter der Taliban eingezogen, mitsamt Entourage. Ist das Deutschlands Gegenleistung für direkte Abschiebeflüge? Es ist vor allem ein Verrat, sagen Afghaninnen.
Türkei
:„Sie begraben uns, während wir noch leben“
Die Türkei steckt in einer heftigen Wirtschaftskrise. Aber drüben im asiatischen Teil Istanbuls entstehen ganze Stadtteile neu. Aus gläsernen Büros schauen die Gewinner runter auf die Verlierer. Krise, welche Krise?
Berlin
:Wo sich Kanzler und Fuchs guten Morgen sagen
Der Kanzleramtsfuchs wechselt öfter als der Kanzler, aber der gerade amtierende ist dann doch schon länger da als Friedrich Merz. Wer mit Derk Ehlert unterwegs ist, hat auch gute Chancen, ihn zu treffen.
USA
:Paradies am Abgrund
Überschwemmungen, Waldbrände, Erdrutsche und die Angst vor dem großen Beben: Kaliforniens Highway 1 mag eine der schönsten Straßen der Welt sein, aber in Zeiten des Klimawandels bröselt sie vor sich hin. Na dann, gute Fahrt.
Kernkraft
:Atommüll? Nein, danke
Deutschland ist raus aus der Kernkraft, aber der Atommüll ist noch da. Wohin mit dem Zeug? Aus Jülich sollen jetzt 152 Castorbehälter über marode Straßen und Brücken in ein Zwischenlager gebracht werden. Ein Monsterprojekt.
Klimawandel
:Die Schokoflation
Die Menschen gieren nach Schokolade, aber die Kakaobohnen werden immer teurer: Klima, Ernteausfälle, Spekulanten. Wie sich die großen Probleme der Welt auf eine kleine Hundert-Gramm-Tafel auswirken.
Bürgermeisterwahl New York
:New Yorks Antwort auf Trump
Er ist eigentlich zu jung, zu unerfahren, zu links und für einige auch zu unamerikanisch, um Bürgermeister von New York zu werden. Trotzdem könnte Zohran Mamdani genau das erreichen: vom Nobody zum Superstar.
Spionage
:Im Auftrag Russlands
Vom Ukrainekrieg bis zu Putins hybriden Angriffen auf den Westen: In München wird Dieter S. wegen Spionage, Planung von Sabotageakten und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu sechs Jahren verurteilt.
SPD
:„Ich schwurbel nicht rum“
Als Arbeitsministerin soll Bärbel Bas soziale Themen in der Koalition durchsetzen, sie soll aber auch den Sozialstaat umkrempeln. Ach ja, und die SPD retten soll sie auch noch. Na dann.
Weilheim in Oberbayern
:Hier baut die AfD
Früher konnte die AfD nicht mal ein Wirtshaus für einen Abend buchen, jetzt richtet sie sich in Städten ein, nicht nur im Osten. In Weilheim soll ein „patriotisches Kulturzentrum“ entstehen, und der Ort unternimmt wenig. Ein Lehrstück über politische Passivität.
Rentendebatte
:„Sollen wir dann auch alle zur Musterung?“
Dass es ein gigantisches Loch in der Rentenkasse gibt, ist bekannt, aber manchmal klingt es jetzt so, als seien an allem nur die Boomer schuld. Zeit, mal mit ein paar Alten zu quatschen, weil sie schon auch Ideen hätten.
USA
:Hauptsache, ich gewinne
In den USA werden gerade im großen Stil Wahlkreiskarten umgebaut: Gerrymandering, bis das Wahlergebnis stimmt. Und in einer Kirche in Kansas City führt jetzt jeder Ausgang in einen anderen Wahlbezirk. Zum Wohle Trumps.
Italien
:Mein Haus, meine Kunst, meine Dirigentin
Beatrice Venezi soll neue Generalmusikdirektorin im La Fenice in Venedig werden. Nur, sie ist nicht gerade bekannt als große Dirigentin, eher als Freundin von Meloni. Reicht das jetzt schon, um was zu werden in der italienischen Kulturszene?
Myanmar
:Der vergessene Krieg
In Myanmar tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg gegen die Militärjunta. Aung San Suu Kyi ist verschwunden, Millionen sind auf der Flucht, die chinesischen Triaden teilen sich das Land auf. Von Menschen, die noch an die Demokratie glauben – und für sie sterben.
Berlin
:„Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte"
Während die Umfragewerte der AfD immer weiter steigen, hat sich die CDU bei ihrer Klausurtagung eine neue Strategie überlegt: Näher ran an die Menschen, klare Kante zeigen. Merz gibt sich entschlossen, aber wie sieht es mit dem Rest der Partei aus?
Archäologie
:Der mit den Toten spricht
Vor zweieinhalbtausend Jahren ging das Königreich Urartu im heutigen Ostanatolien unter, und mit ihm die Sprache der Urartäer. Bis Mehmet Kuşman, der Pförtner der Ausgrabungsstätte, anfing, die Keilschrift zu entziffern. Na dann, auf ein Wort.
USA
:Unser Zement soll schmutzig bleiben
Es gibt kaum eine klimaschädlichere Industrie als die Zementherstellung. Deswegen hatten sie bei Heidelberg Materials in Mitchell, Indiana, fest vor, etwas zu tun. Aber Klimaschutz wird unter Trump nicht geduldet. Also schön weiter Dreck machen.
Nahost
:„Natürlich sind wir erleichtert, aber wir sind auch in Trauer“
Laith Arafeh ist Leiter der palästinensischen Mission in Deutschland. Natürlich ist auch er jetzt voller Hoffnung, aber er kennt das Misstrauen seinem Volk gegenüber, die Vorurteile. Er weiß: Das Schwierigste kommt noch.
Ukrainekrieg
:Die Ausweitung der Todeszone
Während die ganze Welt in den Nahen Osten starrt, steht der Osten der Ukraine unter Dauerfeuer von Putins Truppen. Artilleriegranaten, Fliegerbomben und ein Himmel voller Drohnen. Eine Fahrt in die Finsternis.
René Benko vor Gericht
:Imperium der Schmerzen
In Innsbruck steht der Milliardenbankrotteur René Benko, der die größte Firmenpleite der österreichischen Nachkriegsgeschichte hingelegt hat, jetzt zum ersten Mal vor Gericht. Es ist ein Prozess, der Einblicke gibt in die Abgründe seiner Geschäfte.
Nahost
:Die Lebenden und die Toten
Am 738. Tag entlässt die Hamas die letzten Geiseln aus der Gefangenschaft. Es ist der Tag, an dem alle mit den Freigekommenen fühlen, es ist der Tag, an dem sich Trump vor allem selbst feiert. Es ist der Tag, der Israel heilen könnte.
Russlandpolitik
:Putin und die Spur des Todes
In Hamburg lagern zwei ramponierte Kartons voller Akten über die Vergiftung des Kremlkritikers Alexander Litwinenko. Erstaunlich, wie wenig sich die damalige Bundesregierung für den Inhalt interessiert hat. Ein tiefer Blick in die deutsche Russlandpolitik.