Reporterinnen und Reporter beschreiben die Welt nicht nur vom Büro aus, sie gehen raus, dahin, wo das Leben stattfindet, wo es wehtut und funkelt, zu den Menschen und ihren Geschichten. Um im Kleinsten das Große zu erkennen. Die SZ widmet der Reportage in jeder Ausgabe ihre Seite Drei.
Nationalsozialismus
:Die Raubkunst über ihrem Sofa
Friedrich Kadgien war einer der wichtigsten Finanzberater des NS-Regimes, jahrzehntelang lebte er unbehelligt in Argentinien. Als seine Tochter jetzt ein Haus verkaufen wollte, hing da ein lang gesuchtes Bild im Wohnzimmer.
Frankreich
:Hätte man Dominique Pelicot früher stoppen können?
Ein neuer Bericht legt nahe, dass der Serienvergewaltiger früher hätte gefasst werden können. Wäre da nicht ein falsch frankiertes Schreiben gewesen.
Polen
:Wer schützt die Kunst vor Putin?
In Polen trainieren Museen, Theater und Bibliotheken für einen Angriff der Russen. Übertrieben? Nein. Sie wissen seit dem Nazi-Terror: Ein Angriff auf die Kultur ist ein Angriff auf die Identität.
Gelsenkirchen
:„In jedem Schließfach war ein Leben“
Seit dem dreisten Millionendiebstahl in der Sparkasse versinkt Gelsenkirchen in einem Sumpf aus Vorurteilen. Als wäre hier jeder, der was besitzt, kriminell. Und den Geschädigten? Fehlt jetzt ihre Altersvorsorge, das Gold der Oma und: Mitgefühl.
Grönland
:Sie trauen Trump hier alles zu
In Nuuk müssen sie sich erst daran gewöhnen, dass in Washington über sie verhandelt wird. Mal will Trump Grönland kaufen, dann erobern, was auch immer. Szenen aus einem kleinen, großen und einigermaßen aufgeschreckten Land.
Iran
:"Wie sollen wir gewinnen, ohne Waffen?"
Ob in den USA oder an der türkisch-iranischen Grenze, die in der ganzen Welt verstreuten Iraner schauen auf das Wenige, das aus ihrer Heimat dringt. Immer öfter geht es jetzt darum, wie die Zukunft ihres Landes aussehen sollte, falls sie jemals kommt.
China
:„Wen tötest du?“, fragt die Mutter. „Japaner“, sagt das Kind
In einem Dorf in Yinan spielen chinesische Touristen den Krieg gegen den verhassten Nachbarn nach. Kinder knallen hier mit Spielzeugpistolen Japaner ab. Xi Jinping benutzt den Hass auf den äußeren Feind als zentralen Pfeiler der nationalen Identität.
Berlin
:Operation Stromkasten
In Berlin werden jetzt Stromleitungen und Umspannwerke bewacht, bei der Polizeigewerkschaft sprechen sie von „politisch motivierter Hyperaktivität“. Auf der Suche nach Beamten auf Strom-Streife und einem Bürgermeister im Überlebensmodus.
Japan
:„Es ist immer noch im Tiefenbewusstsein der Japaner, dass Männer besser sind“
In Sachen Frauenrechte belegt Japan Platz 118, zwischen Angola und Bhutan. Das hat sich auch nicht geändert, seit mit Sanae Takaichi zum ersten Mal eine Frau Premierministerin ist. Über die Altertümlichkeit eines sonst so modernen Landes.
Niederlande
:Die Friesen und ihr Traum vom Eis
Seit 29 Jahren warten sie in den Niederlanden auf Dauerfrost und auf einen Winter, der Winter genug ist, damit die Elf-Städte-Tour wieder mal stattfinden kann. Aber trotz all der Sehnsucht: Der Winter stirbt, auch wenn er sich gerade kurz aufbäumt.
Ukraine
:Putin zum Trotz
Seit fast vier Jahren bombardieren die Russen die Ukraine, vor allem die Infrastruktur, denn damit trifft man die Menschen und den Überlebenswillen des Landes. Aber man sollte die Resilienz dieses Volkes nicht unterschätzen.
Westafrika
:Sierra Leones Horrortrip
Das Land hat schon einige Katastrophen erlebt. Erst tobte ein Bürgerkrieg, dann kam Ebola, danach Corona. Jetzt ist da Kush, eine „Zombie-Droge“, billig, schnell süchtig machend, extrem giftig. Und in den Straßen von Freetown sammeln sie die Leichen auf.
FDP
:Wenn Freiheit nur ein Wort ist
Kein Demokrat kann sich freuen, wenn eine demokratische Partei in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Aber genau das passiert gerade mit der FDP. Also: Wie kann ein Comeback gelingen? Moment, sagt der neue Chef, er überlege noch.
Venezuela
:Vergesst die Welt von gestern
Was war das in Venezuela, ein Coup, ein Staatsstreich? Sicher ist, dass die US-Militäraktion gegen Diktator Maduro ein Bruch mit der Weltordnung ist, ein Rückfall in Zeiten von Kolonialismus und Imperialismus. Und jetzt?
Holocaust
:Mein Onkel, der Mörder
Das Foto „Der letzte Jude in Winniza“ ist ein weltbekanntes Zeugnis des Holocaust. Lange wusste man nicht, wer der Mann mit der Waffe ist. Bis ein Ehepaar beschloss, in der eigenen Familie nachzuforschen.
Fußball
:Hier ist nicht nur der Rasen grün
Die Forest Green Rovers sind der erste vegane Fußballklub der Welt. Fünfte englische Liga, kein Witz. Und das in einer Zeit, in der die Rechten die Umfragen anführen.
Japan
:Eine Stadt im Flugmodus
Die Verwaltung im japanischen Toyoake begrenzt seit ein paar Monaten die Zeit, die die Bewohner mit dem Smartphone verbringen. Unmöglich, sagen die einen. Und die anderen?
USA
:Jetzt mal Ruhe
Um die Geheimnisse des Universums zu begreifen, braucht es Stille. In der Quiet Zone in Green Bank, im Schatten des Teleskops, gibt es so gut wie kein Wlan, kein Handy. Und vor allem keinen Trump’schen Dauerlärm. Es ist traumhaft.
Finnland
:„Wir schrumpfen und schrumpfen und schrumpfen“
Finnland hat eine enorm niedrige Geburtenrate, die Wirtschaft stagniert, die Schulden steigen. Das ist das Drama dieses Landes, keiner da, alle weg, zu viele Alte, zu wenige Kinder, die den Laden schmeißen. Und dann ist da noch Russland.
Nachruf
:Wie es ihr gefiel
Brigitte Bardot hat gemacht, was sie wollte. Im Film, aber auch im Leben. Erstaunlich ist vor allem, dass es ihr trotz aller rechtsnationalen Eskapaden nicht gelungen ist, ihren eigenen Mythos zu zerstören.
Organspende
:„Mama, wenn mal was ist, du weißt Bescheid, ich will Organe spenden“
Wenn ein Mensch stirbt, wenn sein Gehirn aufhört zu arbeiten, wenn klar ist, der wird nie mehr atmen, denken, leben können, beginnt die Arbeit von Nicole Erbe. Über den komplizierten Weg eines Organs vom Tod zum Leben.
Nordsee
:Hummer und Vorurteil
Für die einen ist er die pure Dekadenz, für die anderen Weihnachten. Sicher ist nur, dass es den Hummer wieder öfter gibt in deutschen Gewässern. Zeit, mal mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen.
USA
:Gott und Trump
In den USA gewinnt man keine Wahlen ohne das konservative Hinterland. Das hat Donald Trump schnell begriffen: Glauben ist jetzt Chefsache, Empathie eine Sünde, der Präsident ein Auserwählter. Wenn Gott das wüsste.
Stralsund
:Vom alten Schlag
Jahrzehntelang war Udo Jünger der Weihnachtsmann von Stralsund. Dann streckte ihm ein Junge die Zunge raus, und er griff zur Rute. Seitdem zerbröselt seine Welt, denn was er Brauchtum nennt, nennen andere Gewalt.
BBC
:Trump, die BBC und der falsche Schnitt
Beim District Court in Miami liegt jetzt eine Klage von Donald Trump gegen die britische BBC. Er will sagenhafte zehn Milliarden US-Dollar – wegen eines Schnittfehlers in einer Dokumentation. Es geht um Macht, um Pressefreiheit, und um so viel mehr.
Bundeswehr
:Der Feind in meiner Drohne?
Da die Zeiten so sind, wie sie gerade sind, will die Bundeswehr Drohnen für viele Millionen anschaffen. Aber in Berlin gibt es jetzt immer mehr Fragen, weil ein Mann als Investor bei diversen Rüstungs-Start-ups auftaucht: Peter Thiel.
Attentat auf Verdi-Demo
:„Es gibt Tage, an denen es sehr schlimm ist“
Als am 13. Februar ein Attentäter mit dem Auto in einen Demonstrationszug in München raste, waren danach mehr als vierzig Menschen verletzt und zwei tot. Marius H. hat an diesem Tag seine Frau und sein Kind verloren. Eine Geschichte vom Weiterleben.
Berlin
:„Es kann nicht sein, dass diese Propagandabude auch noch Geld von uns bekommt“
Seit eineinhalb Jahren steht Henry Lindemeier vor dem Russischen Haus in Berlin, um für die Ukraine zu demonstrieren. Dass der deutsche Staat diese Einrichtung trotz Sanktionen auch noch mitfinanziert, macht ihn fassungslos.
Ukrainekrieg
:Schicksalstage in Berlin
Bei den Verhandlungen in Berlin steht Europa an der Seite der Ukraine. Denn Trumps Männer sind keine Verbündeten mehr. Es sind Leute, vor denen Merz den ukrainischen Präsidenten gern schützen würde.
Stuttgart
:Sind das die ersten Detroit-Vibes?
In Stuttgart haben sie Jahrzehnte bestens davon gelebt, teure Autos zusammenzuschrauben. Daimler, Porsche, Bosch haben sie hier groß und reich gemacht. Aber mit dem Niedergang des Verbrenners bröckelt das Selbstverständnis der Stadt.
Deutsche Bahn
:Demokratie und Böschungsbrand
Personalausfall, Tiere im Gleis, kennt man alles. Die Deutsche Bahn, über Jahre verraten und verkauft, hat wie ein notorischer Ehebrecher Vertrauen verspielt. Jetzt soll sie auch noch demokratiezersetzend sein. Eine Reise entlang der Verbitterung.
Berlin
:„So was kenne ich aus dem Irak, aber doch nicht aus Berlin“
Hudhaifa Al-Mashhadani leitet die Deutsch-Arabische Schule in Neukölln. Sie reden hier über Vielfalt, Toleranz, lauter Dinge, die Islamisten ganz und gar nicht gefallen. Dann wollte ihn einer vor die U-Bahn schubsen, am helllichten Tag. Mitten in Berlin.
Auto
:„Es ist nur ein Stück Blech, aber auch ein Stück Heimat“
Mehr als siebenhundert Auto-Kennzeichen gibt es in Deutschland. Viel zu wenige, findet auch Clemens Moll, Oberbürgermeister von Weingarten, der gern ein WGT für seine Stadt hätte.
Block-Prozess
:Und sie wusste, was er tat?
Durch die Aussage von David Barkay bekommt das Bild, das Christina Block von sich gezeichnet hat, erhebliche Risse. Der Mann, der in der Nacht der Entführung das Kommando gehabt haben soll, lässt keinen Zweifel daran, dass sie in alles eingebunden gewesen sei.
Prozess
:Der Tag, an dem ihr Kind starb
Sechsfacher Mord, 338-facher versuchter Mord, lautet die Anklage gegen Taleb A., der vor einem Jahr auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt in die Menschenmenge raste. Jetzt reden die Opfer, auch weil sie nicht ertragen, wie er sich vor Gericht inszeniert.
Mittelstand und AfD
:„Wie wollen Sie die denn ignorieren?“
Nach der Aufregung um die Brandmauer sollte man mal bei Gunther Wobser in Lauda vorbeischauen: bester deutscher Mittelstand. Nicht mit der AfD reden? Wie denn, die sind doch überall. Da helfe nur: inhaltlich bloßstellen.
China
:Ihr habt Demokratie, wir haben Halbleiter
Jetzt reist Außenminister Wadephul also wirklich nach China, und er wird ein Land erleben, das vor Selbstbewusstsein strotzt. In Peking wissen sie: Die deutsche Politik will zwar unabhängiger werden, aber die deutsche Wirtschaft? Ach was.
Diversität
:Zwischen Anstand und Aktienkurs
Für Trump ist Diversität „Tyrannei“, also hat er sie per Dekret abgewürgt. Für deutsche Firmen ist das ein ziemlicher Spagat. Die meisten wissen ohnehin: Nur mit weißen Männern können sie einpacken.
NSU
:„Dann sag wenigstens die Wahrheit“
Im Oberlandesgericht Dresden tritt Beate Zschäpe nicht gerade wie eine Geläuterte auf. Sie sagt zwar gegen Susann Eminger aus, die in NSU-Zeiten ihre beste Freundin war. Aber Reue? Da müsste sie endlich anfangen, wirklich zu reden.
Junge Union
:„Merz nimmt uns zu null Prozent ernst“
Merz, Spahn und die Junge Union, das war fast schon Liebe. Jetzt ist es pure Zerrüttung, egal, wie der Rentenstreit ausgeht. Gut möglich, dass die Alten unterschätzt haben, dass es den Jungen tatsächlich um die Sache geht.
USA
:Letzte Hoffnung Rubio
In Sachen Ukraine erscheint Marco Rubio vielen Europäern gerade als letzte Stimme der Vernunft. Aber Vorsicht, der US-Außenminister ist tief drin in der Maga-Welt. Und nur Trump weiß, ob er überhaupt noch was zu sagen hat.
Lissabon
:Portugiesisch? Spricht hier kein Mensch mehr
Niedrige Steuern, laues Klima, schnelles Internet und Fun, das ist das Versprechen Lissabons. Seit der Schuldenkrise wird die Stadt von Touristen, Digitalnomaden und Expats überrannt. Nur: Für Einheimische ist die Altstadt jetzt unbezahlbar.
Deutschland-Polen
:Jetzt streiten selbst Freunde
Es ist nicht wirklich was geworden aus der neuen Blüte deutsch-polnischer Beziehungen unter Kanzler Friedrich Merz. Im Gegenteil. Etwas scheint zerbrochen zu sein zwischen den Nachbarn.
Currywurst
:Fünfzehn Zentimeter Deutschland
Und schon wieder ein neuer Kulturkampf: Im Ruhrgebiet behaupten sie, die Currywurst erfunden zu haben. Und was ist mit Berlin, Hamburg, Bückeburg? Quatsch mit Soße, sagen die Duisburger – und sie haben Beweise.
SOS-Kinderdörfer
:Kinder in Not
Für Marina Hubmann waren ihre Jahre im SOS-Kinderdorf geprägt von Gewalt. Nur, hören wollte das keiner. Und jetzt sind da noch die Vorwürfe, dass Gründervater Hermann Gmeiner Kinder missbraucht haben soll. Von Abgründen mitten im Guten.
Südkorea
:Hilfe, wir sterben aus
Wer denkt, dass es in Deutschland ein Generationenproblem gibt, sollte nach Südkorea schauen. Nirgends kommen so wenig Kinder zur Welt, in den Dörfern sind nur noch Alte, Seoul saugt die Jugend ab. Und: Die große Sterbewelle kommt erst noch.
Krieg gegen die Ukraine
:Russisch? Nie wieder ein Wort
Immer mehr Ukrainer weigern sich, russisch zu reden, obwohl viele von ihnen sogar in der Sprache der Angreifer träumen. Sie sprechen jetzt ukrainisch, auch wenn sie es erst lernen müssen. Denn Worte kann ihnen selbst Putin nicht nehmen.
Syrien
:"Ich bin fast ein Jahr in Syrien, ich habe nichts"
Von Berlin aus betrachtet ist der Krieg in Syrien vorbei – und der Druck wird immer erbarmungsloser, dass die Flüchtlinge endlich heimgehen. Zeit, mal Leute zu treffen, die versuchen, in den Ruinen etwas aufzubauen.
G20
:Die Macht der Machtlosigkeit
Beim G-20-Gipfel in Johannesburg geht es letztlich um die Frage, ob die Weltordnung nur angeschlagen oder schon tot ist. Dass ausgerechnet Trump, der diesen Gipfel so gründlich ruinieren wollte, ihm damit zu neuem Gewicht verholfen hat, lässt hoffen.
Diebstahl
:Was macht denn der Lachs in ihrer Hose?
Ladendiebstähle gab es schon immer, wer wüsste das besser als die Birols, die seit Jahrzehnten einen Edeka betreiben. Aber mittlerweile scheint Klauen eine Art Breitensport geworden zu sein. Über die Schamlosigkeit am Schoko-Regal.