Reisetipps Weimar

Stadtspaziergänge Weimar

Durch den Park an der Ilm

Am Rand der Altstadt erstreckt sich ein englischer Landschaftspark, der sich seit Goethes Zeiten kaum verändert hat. Park an der Ilm heißt er offiziell, doch da Goethe in den Anfangsjahren an der Gestaltung mitwirkte, nennen die Weimarer dieses landschaftliche Kleinod Goethepark. Der Spaziergang dauert etwa zwei Stunden.

Der Spaziergang beginnt bei der Kegelbrücke und führt vorbei an der Rückseite des Schlosses, das eines der markantesten Bauwerke Weimars ist. Über die Sternbrücke (1651-53) geht es zum östlichen Ilmufer, wo Sie linker Hand die künstliche Sphinxgrotte (1786) mit der Sprudelquelle und rechter Hand die Läutraquelle erreichen.

Beim Weiterlaufen über den Corona-Schröter-Weg ist Goethes Gartenhaus das nächste Ziel. Im Garten, der sich wieder wie zu Goethes Zeiten zeigt, steht am westlichen Ende der „Stein des guten Glücks“, der in Miniaturausgabe in den Souvenirgeschäften Weimars angeboten wird. „Hab ein liebes Gärtgen vorm Tore an der Ilm schönen Wiesen“, notierte der Dichter 1776 stolz über seine Neuerwerbung, die sechs Jahre lang sein Zuhause war. Zu dieser Zeit war das Ilmufer noch eine Art Wildnis. Christoph Martin Wieland meinte, ohne eine Abteilung Artillerie, die eine Schneise in die Hecken und Sträucher schießen müsse, könne man nicht zu Goethe gelangen. Aber bereits 1778 schrieb der Dichter: „In meinem Tal wird's immer schöner.“

Der Park an der Ilm entstand nicht nach einem langfristigen Plan, sondern nach und nach, entsprechend den sich bietenden Möglichkeiten und vorhandenen Ideen. 1828, im Todesjahr Herzog Carl Augusts, war die Gestaltung weitgehend abgeschlossen. Ergänzungen nahm der geniale Gartengestalter Hermann Fürst von Pückler-Muskau noch bis 1850 vor.

Von Goethes Gartenhaus sind es nur wenige Schritte bis zum Pogwischhaus, benannt nach Ottilie von Pogwisch (1796-1872), der Schwiegertochter Goethes. Mitte des 19. Jhs. lebte auch Goethes Enkel Walther (1818-85) einige Jahre in dem Haus. Der Corona-Schröter-Weg führt weiter zur Schaukelbrücke (1833) am Parkende, einer 14 m langen, freitragenden Hängebrücke über die Ilm, die ihren Namen zu Recht trägt. Zurück laufen Sie am besten auf dem der Stadt zugewandten Parkteil, der die meisten Sehenswürdigkeiten bietet.

Durch den Park winden sich wiesen- und sträucherumsäumte Wege, die an malerischen Baumgruppen vorbeiführen. Die Ilm schlängelt sich fast noch im natürlichen Lauf durch die Landschaft. Besonders schöne Blicke auf die Ilm bieten sich vom Löwenkämpferportal. Das Portal markiert einen der Zugänge zu Lagerkellern, die Ende des 18. Jhs. in den Kalk unter dem Ilmpark getrieben wurden. Die romanischen Säulen stammen von der Klosterruine Thalbürgel, das Relief des Löwenkämpfers (1817/18) fertigte Johann Peter Kaufmann an. Das 1791-97 entstandene Römische Haus ganz in der Nähe weist strenge, antikisierende Formen auf. Den Hang hinauf geht es zum Dessauer Stein, einem 5 m hohen Naturmonument nahe der Ilm, das Carl August 1782 für den Fürsten von Anhalt-Dessau errichten ließ, da dessen berühmter Wörlitzer Park zahlreiche Anregungen für den Park an der Ilm lieferte. Fünf Jahre später wurde die Inschrift „Francisco Dessavivae Principi“ angebracht. Die Sándor-Petöfi-Gedenkbüste (1976) wurde zu Ehren des ungarischen Nationaldichters aufgestellt, der Goethe sehr verehrt hatte. Unweit davon steht das Liszt-Denkmal. In der Nähe wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Sowjetische Ehrenfriedhof angelegt. Hier fanden 650 Soldaten und Offiziere ihre letzte Ruhestätte, die letzten Beisetzungen fanden 1955 statt.

Weiter geht es zum Tempelherrenhaus (1821-23), das aus einem Gewächshaus entstand und dem Hof für sommerliche Vergnügungen diente. Im 20. Jh. nutzte es das Bauhaus als Atelier, aber auch Vorträge fanden hier statt. Bomben zerstörten das Gebäude in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, nur der 1816 angebaute Turm, dessen Entwurf von Goethe stammt, blieb stehen. Der Weg nach unten ins Tal führt zur künstlichen Ruine, die 1784 aus einer alten Schießmauer hervorging. Der Innenraum diente der Hofgesellschaft oft als Picknickplatz. Daneben steht das Shakespeare-Denkmal von 1904. Wenige Schritte sind es den Hang hinunter bis zum Borkenhäuschen, einem kleinen, hölzernen Bauwerk, das völlig mit Baumrinde umkleidet ist. Goethe hatte am Geburtstag der Herzogin an dieser Stelle eine „Einsiedelei“ errichten lassen, eine strohgedeckte Mooshütte für eine Theateraufführung, aus der das heutige Bauwerk hervorgegangen ist.

Wer etwas zurückläuft, kommt zum Schlangenstein (1787) mit der Aufschrift „Genio huius loci“ (dem Schutzgeist dieses Ortes), den Gottlieb Martin Klauer nach antikem Vorbild geschaffen hat. An dieser Stelle, zwischen dem Parkeingang am Liszt-Haus an der Belvederer Allee und der Straße Am Horn, erreicht der 2 km lange Park seine größte Breite. Der Herzog ließ das Gartenkunstwerk nicht von Mauern und Zäunen umgeben, der Park war und ist für jedermann zugänglich. In nördlicher Richtung erreichen Sie das Felsentor, im Volksmund Nadelöhr genannt, einen kleinen Gang, der im Jahr 1778 neben den Resten eines alten Steinbruchs in den Fels geschlagen wurde, um den Weg zur Ackerwand abzukürzen, und den Felsenbrunnen (1817/18). Der kleine Wasseraustritt aus einem Felsspalt wird auch Naturbrunnen genannt. Beide sind Schöpfungen Goethes. An der an dieser Stelle über die Ilm führenden Floß- oder Naturbrücke traf Goethe 1788 zum ersten Mal seine spätere Frau, Christiane Vulpius. Die junge Frau wusste, dass der große Dichter diese Stelle passierte und wartete deshalb hier, um ihm eine Bittschrift ihres Bruders zu überreichen.

Auf dem weiteren Spaziergang ist das im Goethe-Jahr 1949 aufgestellte Puschkin-Denkmal zu sehen. Der russische Nationaldichter war ein glühender Verehrer Goethes, besonders den Faust mochte er, den er eine „Ilias des modernen Lebens“ nannte. Danach folgt die Rückseite der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek. Das ehemalige herzogliche Reithaus (18. Jh.) wurde in Vorbereitung des Kulturstadtjahres restauriert und gehört zur Europäischen Jugendbildungs- und -begegnungsstätte.

Beim Schloss steht das Louis-Fürnberg-Denkmal (1961), eine Bronzebüste des jüdischen Schriftstellers, Dichters und Komponisten, die der Prager Bildhauer Martin Reiner geschaffen hat. Der von den Nazis verfolgte Fürnberg (1909-57) war der erste Botschaftsrat der Tschechoslowakei in der DDR, in die er 1954 übersiedelte. In Weimar war er bis zu seinem Tod stellvertretender Direktor der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten, der heutigen Klassik-Stiftung.

Auf dem Historischen Friedhof

Genau genommen führt der Spaziergang durch den „Neuen Friedhof vor dem Frauentor“, wie er 1818 bei der Eröffnung genannt wurde. Nach und nach wurde er zum Hauptfriedhof Weimars erweitert, der älteste Teil jedoch wird bis heute „Historischer Friedhof“ genannt. Er gehört zu den geschichtlich bedeutendsten und zugleich schönsten deutschen Begräbnisstätten. Der Spaziergang vom Markt über den Historischen Friedhof und wieder zurück dauert etwa anderthalb Stunden. Öffnungszeiten des Friedhofs: März-Sept. 8-21 Uhr, Okt.-Feb. 8-18 Uhr

Vom Markt aus führt der Weg am Goethehaus vorbei zum Wielandplatz, von dort die Amalienstraße entlang zum Haupteingang des Friedhofs am Poseckschen Garten. Dort, linker Hand, steht ein neoromanisches Bauwerk, das 1878/79 als Begräbnishalle erbaut wurde, 1921 jedoch zur Gedächtnishalle für die Toten des Ersten Weltkriegs umgestaltet wurde. Bei der Halle, rechter Hand am Hauptweg, liegt das Grab des Schriftstellers Christian August Vulpius (1762 bis 1827), des Bruders von Goethes Ehefrau Christiane. Goethe schätzte seinen Schwager als Übersetzer und Bibliothekar an der Herzoglichen Bibliothek.

An der rechten Friedhofsmauer befindet sich die Grabstätte der Familie von Stein. Das Marmormedaillon für Charlotte von Stein (1742-1827) fertigte Adolf von Donndorf nach einer eigenen Zeichnung der Verstorbenen an. Die standesbewusste, kluge Frau war viele Jahre Goethes Wegbegleiterin. Wenige Schritte entfernt liegt das Grab von Oberbaudirektor Clemens Wenzeslaus Coudray (1775-1845), der 1828 über seine Beziehung zu dem Dichterfürsten sagte: „Goethes Wohlwollen, ich darf sagen, Freundschaft, beglückte mich ...“

Coudray hat neben vielen anderen Gebäuden in Weimar auch die Fürstengruft geschaffen, zu der die schnurgerade Lindenallee führt. In dem schlichten klassizistischen Mausoleum führt eine schmale Steintreppe von der kuppelgewölbten Weihehalle in das von vier Pfeilern getragene Gewölbe. Neben den Särgen von Goethe und Schiller stehen hier weitere 31 Särge von Angehörigen des Weimarer Herzogshauses. Ursprünglich war für Goethe und Schiller ein besonderes Mausoleum in der Nähe der Fürstengruft vorgesehen, doch Carl August lehnte es mit der Begründung ab, er wolle auch im Tode mit den beiden großen Dichtern vereint sein. Anlässlich der Schiller-Feiern 1955 hatten die DDR-Kulturpolitiker den schlichten Eichensärgen von Goethe und Schiller einen herausragenden Platz eingeräumt, die Särge der Fürsten hingegen in den Hintergrund gerückt und die Begräbnisstätte in „Goethe-Schiller-Gruft“ umbenannt. Heute ist alles wieder wie einst gestaltet, im Vordergrund steht der Sarkophag von Goethes Freund Carl August (1757-1828), Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Links neben der Gruft bekam Johann Peter Eckermann (1792-1854), Goethes Privatsekretär und vom Herzog zum Hofrat ernannt, seine letzte Ruhestätte. Bekannt wurde er durch die 1836 erschienenen „Gespräche mit Goethe“. Ein Durchbruch verbindet die Fürstengruft mit der 1860-62 angebauten Russisch-orthodoxen Kapelle, in der Maria Pawlowna in heimischer Erde ruht. Die Tochter des russischen Zaren Paul I. war die Schwiegertochter von Carl August. In der Kapelle finden regelmäßig russisch-orthodoxe Gottesdienste statt (Auskunft Tel. 426068).

Hinter der Kapelle steht inmitten der Gräber für ehemalige Bewohner des Marie-Seebach-Stiftes das Euphrosyne-Denkmal. Marie Seebach (1829-97), zu ihrer Zeit eine der populärsten Schauspielerinnen, hatte ihr Vermögen einer Stiftung für betagte Bühnenkünstler vermacht. Das Denkmal - eine Sandsteinsäule, geschmückt mit Masken, tanzenden Nymphen und Tierkreiszeichen - ließ Goethe zur Erinnerung an die mit 19 Jahren gestorbene Schauspielerin Christiane Becker-Neumann anfertigen, die ihn als Euphrosyne in der Oper „Das Petermännchen“ begeistert hatte.

Rechter Hand, an der westlichen Friedhofsmauer, befindet sich die Grabstätte der Familie Goethe, in der auch die Enkelsöhne des Dichters, Walther (1818-85) und Wolfgang (1820-83), ruhen. Goethes Frau Christiane - sie starb bereits 1816 - ist auf dem Jakobsfriedhof begraben, sein Sohn August in Rom. Neben der Goethe-Grabstätte liegt die von Johann Daniel Falk (1768-1826), dem Begründer der „Gesellschaft der Freunde in der Not“, und seiner Ehefrau.

Wer weiterforschen will, geht in den neueren Teil des Friedhofs mit dem Ehrenhain für unbekannte antifaschistische Kämpfer aller Nationen, in dem Häftlinge des KZ Buchenwald ruhen, und zu den Gräbern der Opfer des Bombenangriffs auf Weimar am 9. Februar 1945, denen sich Gräber für im Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten anschließen. Das Denkmal der Märzgefallenen, die Weimarer Opfer des Kapp-Putsches von 1920, schuf Walter Gropius 1922.