Reisetipps Masurische Seen

Auftakt Masurische Seen Was für tolle Seen!

„Land der 1000 Seen“ wird Masuren, die malerische Wald- und Seenlandschaft im Nordosten Polens, oft genannt, doch mehr als 3000 sollen es sein: ein Paradies für Wanderungen, Ausritte, Radtouren - und für Wassersportler, die hier traumhafte Segelreviere finden und eine der schönsten Kanurouten Europas. In Masuren verknüpft sich deutsche mit polnischer Geschichte. Viele Kulturdenkmäler zeugen davon: prachtvolle alte Adelssitze, mächtige Ordensburgen. Kein Wunder, dass es immer mehr Touristen hierher zieht, von denen viele längst nicht zum ersten Mal kommen. Denn wie heißt es: Wer einmal in Masuren war, geht nie wieder ganz von dort weg. Probieren Sie es aus!

In Masuren zieht die Zeit noch immer stille Kreise. Zwar holpern auch im „Land der dunklen Wälder“ kaum noch Pferdefuhrwerke über Kopfsteinpflaster, und die verklärte Romantik mit der Gänsefamilie auf der Dorfstraße und Bauern, die am Wegesrand duftendes Heu wenden, gehört eher ins Geschichtsbuch als in den Alltag der Menschen hier. Doch immer noch klappern, wohin man auch kommt, Störche auf ihren Nestern, glitzern hinter Waldsäumen Seen auf, in denen sich das sagenhafte Blau eines masurischen Frühlingshimmels mit dem geheimnisvollen Algengrün der Tiefe mischt.

Im Juni leuchten gelb die Rapsfelder, später im Sommer wiegen sich Weizen und Hafer sacht im Wind auf schmalen Feldern zwischen Kornblumen und Klatschmohn, auf den Weiden dösen Kühe. Die Dörfer: klein bis winzig. In den Gärten flattert Wäsche zum Trocknen, im Hof gackern Hühner. Das Leben nimmt sich Zeit hier. Masuren ist ein Land von sanfter Schönheit.

Die urwüchsige Moränenlandschaft im Nordosten Polens, geologisch gesehen ein Produkt der sogenannten Weichsel-Eiszeit wie die Seenplatten in Mecklenburg und Pommern, steht geradezu als Synonym für unberührte Natur und klare, saubere Luft. Hier wurden nie umweltschädliche Industrien angesiedelt, selbst die sozialistischen Machthaber schreckten davor zurück. Heute gilt Masuren als „grüne Lunge“ Polens. Weite Teile des Landes stehen als Naturreservate unter besonderem Schutz - Masuren gehört zu den Kronjuwelen im grünen Netz der Naturlandschaften Europas. Und zu seinen beliebtesten Urlaubsregionen. Die Menschen hier leben traditionell von der Landwirtschaft - und immer mehr vom Tourismus, der in den letzten Jahren einen kräftigen Aufschwung genommen hat. Man findet mittlerweile Übernachtungsmöglichkeiten aller Art - vom Luxusapartment im restaurierten Herrenhaus bis zum ländlich-rustikalen Fischerhäuschen am See.

„Ferien auf dem Bauernhof“ bedeutet in Masuren nicht nur Wandern, Radfahren und Reiten, sondern auch Segeln, Surfen, Schwimmen und Tauchen. Die Strände an den idyllisch gelegenen Seen laden zum Baden ein, die Flüsse und Kanäle, durch die viele der fast 3000 Seen rings um den 113 km² großen Spirdingsee miteinander verbunden sind, zu ausdehnten Bootstouren und Segeltörns. Wer will, kann bis zu einem Monat auf der Masurischen Seenplatte kreuzen, ohne einen Hafen ein zweites Mal anzusteuern. Die schöne Krutynia (Krutinna) kann man auf einer der populärsten polnischen Kajak-Routen in einer Zehn-Tagesfahrt hinunterpaddeln.

Masuren ist eine Region, die niemals feste politische Grenzen hatte. Das historische Masuren, das seinen Namen erst im 19. Jh. erhielt, liegt im Südosten des ehemaligen deutschen Ostpreußen. Das polnische Mazury ist größer und umfasst heute auch die südwestlich gelegene Region des Oberlands rund um Ostróda und die seenreiche Gegend um Suwałki im Osten. So gehört heute auch die frühere Ordensritterstadt Rastenburg (heute Kętrzyn) sowie Hitlers Hauptquartier Wolfsschanze in Görlitz (heute Gierłoż) zu Masuren. Auch die historische Region Ermland wird zumindest touristisch oft mit „eingemeindet“.

Literarisch liegt Masuren dort, wo „das Land ohne Eile beginnt“, wie es Arno Surminski, einer der bekanntesten Schriftsteller Masurens, in seiner „Reise nach Nikolaiken“ schildert. Masuren sei ein Land, das „gerne die Zeit verschläft“. Das elektrische Licht sei dort ein Menschenleben später erfunden worden und das Telefon lange stumm geblieben. Die ersten Automobile, so erzählt Surminski weiter, hätten gar „ihren Dienst verweigert, als sie der masurischen Wildnis ansichtig wurden“.

Tatsächlich galt die Gegend im Mittelalter als „große Wildnis“. Hier lebten die Galinder und die Sudauer, zwei Stämme aus dem heidnischen Volk der Pruzzen, die im 13. Jh. von den Mönchsrittern des Deutschen Ordens grausam unterworfen wurden, da sie sich der Christianisierung widersetzten. Im Hotel Galindia am Beldahnsee können Gäste sich mit etwas Fantasie in diese Zeit zurückversetzen. Im 14. Jh. siedelten sich dann sächsische und schlesische Kolonisten an, später auch Polen aus Pommern und dem Kulmer Land. In Johannisburg (heute Pisz), in Lötzen (Giżycko) und Rhein (Ryn) entstanden Burgen des Deutschen Ordens. Der ins Land gerufene Nachbar wurde den polnischen Königen jedoch bald zu mächtig, und als Verhandlungen zu nichts führten, kam es 1410 zur großen Schlacht bei Tannenberg und Grünfeld (polnisch Grunwald), in der ein polnisch-litauisches Heer die Ordensritter vernichtend schlug. Nach dieser Niederlage siedeln sich im preußischen Ordensland vor allem polnische Bauern aus Masowien an, einem polanischen Fürstentum (pola bedeutet Feld) aus der Umgebung des heutigen Warschau. Sie geben der Region ihren Namen - Masuren.

Als zu Beginn des 16. Jhs. der letzte Ordenshochmeister, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, den lutherischen Glauben annimmt, wird auch Masuren evangelisch. Albrecht wandelt den Ordensstaat in das weltliche Herzogtum Preußen um und leistet dem polnischen König Zygmunt I. den Lehenseid. Nach der Reichsgründung 1871 unter Bismarck setzt eine strenge Germanisierung ein: In den Schulen darf nun nicht mehr Masurisch gesprochen werden. Der sogenannte „Volkstumskampf“ beginnt. Doch auch die polnischen Masuren fühlen sich nicht zur 1918 neu gegründeten Republik Polen hingezogen. Nur ein Prozent der Bevölkerung Masurens spricht sich in der Abstimmung von 1920 für den Anschluss an Polen aus.

Im Zweiten Weltkrieg lässt Adolf Hitler in den unzugänglichen Wäldern Ostpreußens eine riesige Bunkerstadt errichten, die Wolfsschanze, heute eine viel besuchte Ruinenstadt. Die meisten Deutschen, die in Masuren gelebt hatten, flohen 1945 oder wurden vertrieben. Doch auch viele der in ihrer Heimat verbliebenen Masuren zogen später nach und nach in die Bundesrepublik, da sie von den kommunistischen Machthabern als vermeintlich „Germanisierte“ schikaniert wurden. Heute leben in Masuren bereits die zweite und dritte Generation der Zugezogenen aus Zentral- und Ostpolen, Ukrainer, Weißrussen und Litauer sowie eine kleine deutsche Minderheit. Längst sind diese Menschen in Masuren heimisch geworden und schaffen, geprägt von den faszinierenden Naturschönheiten dieser Gegend, eine neue Kultur, die das Erbe der alten annimmt und weiterträgt. Freuen Sie sich auf ihre herzliche Gastfreundschaft und auf ihr bezauberndes „Land ohne Eile“, dessen Reizen sich wohl kein Besucher zu entziehen vermag.