Reisetipps Peru & Bolivien

Auftakt Peru & Bolivien Was für Länder!

Die weißen Gipfel der Anden, ihre tiefen Täler und Schluchten, die Wüste an der Küste, der Titicacasee: Peru und Bolivien bieten unvergessliche, grandiose Landschaften. Vor allem aber jede Menge magischer Momente. Sei es oben auf dem Berg in Machu Picchu oder unten am Amazonas, wo Anakondas, Riesenotter und Tapire leben. So faszinierend das Erbe der Inka und ihrer Vorfahren, so lebendig ist auch die Welt ihrer Nachfahren, wenn etwa in Bolivien das Koka-Orakel befragt oder im peruanischen Cuzco das Sonnwendfest gefeiert wird. Dem Zauber dieser Andenländer und ihrer Bewohner kann sich niemand entziehen.

Schauplatz Bolivien, in einem Dorf am Titicacasee: Cocablätter schimmern matt im Kerzenlicht. Davor sitzt der kallawaya, der Schamane, und liest aus ihnen das Orakel. „Sieh“, erklärt der alte Mann leise, „sie verheißen dir Gutes...“

Rund 1000 km weiter in Peru: Ein Bus voller Touristen fährt Serpentinen von der Ruinenstätte Machu Picchu hinunter ins Tal - Kurve um Kurve. Ein kleiner Junge ist jedes Mal schneller. Er kürzt die Serpentinen stets über einen steilen Pfad ab und erwartet den Bus in jeder Geraden mit einem gellenden Schrei auf Quechua: „Auf Wiedersehen!“ Um unten dann mit geöffneter Hand herumzugehen... Rund drei Zugstunden weiter südöstlich: In der ehemaligen Inka-Festung Sacsayhuamán nahe der alten Inkametropole Cuzco proben Peruaner rituelle Tänze, wie sie einst zum Sonnenwendfest Inti Raymi vor dem obersten Inka zelebriert wurden. Wenn das Fest über die Bühne geht, werden sie dazu prächtige Kostüme mit Federkopfschmuck tragen. An Stelle des obersten Inka, der früher dem Fest vorsaß, werden sich Touristen das farbenprächtige Spektakel ansehen.

Oder Juanita. Die tiefgefrorene Jungfrau ruht in einem gläsernen Schausarg in der peruanischen Kolonialstadt Arequipa. Das Mädchen starb vor ein paar Hundert Jahren auf der Spitze eines Vulkans als Opfer für die Götter - genau wie die drei Inkakinder, die Archäologen 1999 im Eis des 6739 m hohen Vulkans Llullaillaco fanden. Bei den Untersuchungen fand man keine Spuren von Gewaltanwendung. Offensichtlich waren die Kinder sich dessen bewusst, dass sie geopfert würden. Kinder galten bei den Inka als Mittler zwischen Göttern und Menschen. Tauchen Sie ein in die lebendige Welt einer uns zutiefst fremden Kultur! So unverständlich uns der Opfertod der Kinder erscheint, so beschämend der Almosenlauf des Jungen von Machu Picchu und so inszeniert das Touristenspektakel zu Inti Raymi - so viel erzählen sie von der Geschichte, vom Glauben, den Traditionen oder der Mentalität der Menschen in diesen Ländern.

Peru und Bolivien sind wie geschaffen für Entdecker und Abenteurer, für Bildungsreisende wie Naturfans. Ob auf eigene Faust oder im Rahmen einer länderübergreifenden Studienreise - es erwartet Sie eine Fülle an Eindrücken, die Ihnen die Reise unvergesslich machen wird. Die höchste Stadt der Welt (La Paz), der größte Hochlandsee (der Titicacasee), die legendäre ehemalige Inkametropole Cuzco und die verwunschene Bergfestung Machu Picchu sind nur die bekanntesten Highlights. Nach einem Besuch der ehemaligen Chimú-Metropole Chan Chan, der Moche-Pyramiden von Túcume, der Linien von Nazca oder des Tempels Chavín bei Huaraz wird auch Sie das Entdeckerfieber erfassen, das bis heute unter den Archäologen grassiert. Immer wieder finden sie Neues: unberührte Inkastädte (im Vilcabamba-Gebirge), geheimnisvolle Zeichen (Palpa) oder, bei Caral, die älteste Stadt Amerikas.

Dabei sind weite Teile Perus alles andere als eine von der Natur reich beschenkte Region: Die Küste gleicht einer Wüste, der die Menschen nur mittels künstlicher Bewässerungssysteme Grün entlocken. Und die Anden, die beide Länder mit mächtigen Kordilleren und eisgekrönten Gipfeln durchziehen, wirken vielfach wie verbrannte Erde: kahl und braun. Nur in den Tälern zum Amazonastiefland hin wuchert üppiges Grün. In den ländlichen Gebieten wird der Boden immer noch wie zur Zeit der Inka in comunidades beackert, wie die traditionellen Dorfgemeinschaften heißen. Im Hochland, auf 3500 bis 4500 m, sind diese comunidades noch wie vor Jahrhunderten mit Steinmauern begrenzt. Dort schreiten die Dorfobersten die Mauern noch mit ihrem Stab ab und lehren die Dorfjungen, das Land zu bebauen, Fremden zu misstrauen und die Geister zu fürchten.

Wenn Sie Peru und Bolivien entdecken, machen Sie sich auf archaische Bilder und auf die Konfrontation mit der Not gefasst: Menschen hausen im eisigen Hochland in Hütten, Kinder leiden unter Unterernährung und betteln in zerlumpten Kleidern Touristen an. Rückständigkeit und Armut sind in beiden Ländern erschreckend, ein Erbe selbstsüchtiger Regierungen von der Kolonialzeit bis heute.

In Bolivien, dem Land Südamerikas mit dem höchsten Anteil an indigener Bevölkerung, war die Hoffnung auf ein menschenwürdigeres Leben der Ärmeren 2006 mit dem Regierungsanstritt von Evo Morales gestiegen. Selbstbewusster denn je kritisiert die Bevölkerung inzwischen ihren ersten indigenen Präsidenten. Im Zuge dieses neues Selbstbewusstseins pflegen die indígenas beider Länder auch ihre indianischen Traditionen mehr denn je. Sie kopieren jahrtausendealte Stoffmotive für die Decken, Schals und Pullover, die sie auf den Märkten verkaufen, schmieden kostbares Geschmeide nach präkolumbischen Vorlagen und beschwören mit ihren Flöten die Melancholie der Andenländer und ihre Helden wie in der Ballade „El Condor Pasa“, die vom Aufstand Túpac Amarús II. erzählt.

Bei den sozialen Extremen kann Reisen in Peru und Bolivien ein Wechselbad der Gefühle sein, ein Abenteuer zwischen Faszination und Kulturschock. Ein Sicherheitsrisiko ist es jedoch nicht mehr und nicht weniger als in anderen Ländern der Dritten Welt, in denen sich zwischen Arm und Reich eine große Kluft auftut. Die Zeit der Guerillaüberfälle scheint vorbei. Eine intensive Tourismusförderung hat zudem dafür gesorgt, dass Urlauber selbst im entlegensten Winkel des Landes nicht mehr als Eindringlinge angesehen werden.

Peru ist fast viermal so groß wie Deutschland, Bolivien gut dreimal. Wer nicht nächte- und tagelang mit dem Bus unterwegs sein will, überwindet die Distanzen oft besser mit dem Flugzeug. Meist sind es Flüge von einem klimatischen Extrem ins andere. Spätestens auf dem 4000 m hohen Altiplano wird Ihr Körper Sie dazu auffordern, das Reisetempo zu drosseln. Nur wenige Kilometer östlich wartet das andere Extrem: die dampfend heiße und schwüle Welt des Amazonas-Dschungels. Der weltberühmte Nationalpark Manú in Peru z.B. liegt zwar nur einen Luftsprung von Cuzco entfernt, aber eben 3000 m tiefer. Und noch ein Rat: Wenn Sie die Hauptstadt Lima genießen wollen, reisen Sie in den ersten Monaten des Jahres, nicht im europäischen Sommer. Denn dann herrscht dort Winter, und die Stadt erinnert an London im November. Es wäre schade, wenn Sie die prächtigen Gebäude nicht in voller Pracht sehen könnten.