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Die 14-jährige Malaika Wainwright hat als klassische Pianistin angefangen, jetzt stellen sich die ersten Erfolge als Singer-Songwriterin ein. Die Herrschingerin hat mit ihrem Titel "Runaway" im bundesweiten Nachwuchswettbewerb der Berliner Festspiele gewonnen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die 14-jährige Pianistin Malaika Wainwright hat schon im Pariser Louvre konzertiert. Als Singer-Songwriterin ist sie jetzt im Nachwuchswettbewerb der Berliner Festspiele ausgezeichnet worden.

Von Armin Greune

Nein, das abgedroschene Wort vom Wunderkind soll hier nicht verwendet werden. Aber es ist schon beachtlich, was die erst 14-jährige Malaika Wainwright aus Herrsching als klassische Pianistin bis jetzt alles erreicht hat: Schon als Grundschulkind gewann sie mehrmals Goldmedaillen bei der Gilchinger Klavierolympiade, als Zwölfjährige konzertierte sie solo im Pariser Louvre. Und vor knapp einem Jahr trat sie als Gastmusikerin mit dem Kammerorchester "Unter den Linden" in der Berliner Philharmonie auf. Jetzt stellen sich auch noch die ersten Erfolge als Singer-Songwriterin ein: Gerade hat Malaika mit ihrem Song "Runaway" im bundesweiten Nachwuchswettbewerb der Berliner Festspiele gewonnen.

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Was natürlich ein Anlass zur Freude ist, wenngleich die Auszeichnung heuer anders ausfällt als in den 36 Jahren zuvor. Erklärtes Ziel des Wettbewerbs ist es, "jugendliche Musiker bei der Suche nach der eigenen künstlerischen Identität zu unterstützen". Und so besteht der Preis eigentlich aus der persönlichen Einladung nach Berlin zum "Treffen junge Musik-Szene": Dort sollten die von einer Fachjury aus 98 Bewerbungen gekürten vier Bands und acht Solisten von 25. bis 30. November an Workshops und Jam-Sessions auf einem Campus teilnehmen. Zum Abschluss hätten die Preisträger ihre Songs in einem gemeinsamen, aufgezeichneten Konzert vor Publikum im Haus der Berliner Festspiele vorgetragen. Malaika, die auf die Munich International School in Buchhof geht, hatte dazu schon eine Woche frei bekommen.

Wegen der Pandemie aber können die geplanten Begegnungen der angehenden Popmusiker mit erfahrenen Kollegen und Preisträgern früherer Wettbewerbe - darunter etwa Claudia Koreck, Willy Astor und "Voice-of-Germany"-Finalistin Eva Croissant - heuer nur virtuell stattfinden. Vom 27. bis zum 29. November werden diesmal beispielsweise Textwerkstätten online angeboten, und die Preisträger können Wohnzimmerkonzerte live oder per Video beisteuern. Darüber hinaus werden alle heuer ausgezeichneten Musiker 2021 erneut zum Treffen in Berlin eingeladen.

Die folkigen Popsongs, die Malaika selbst auf Englisch oder Deutsch schreibt und auf der Gitarre begleitet, sind auf der Homepage www.malaikawainwright.com anzuhören, darunter auch "Runaway". Demnächst postet sie ihren ersten professionell produzierten Song auf dem eigenem Youtube-Channel. Darin schildert sie ihre Erfahrungen beim diesjährigen TV-Casting für den Junior Eurovision Contest "Dein Song für Warschau". Malaika wurde zwar nicht ausgewählt, um Levent Geigers Ballade "Stronger with you" beim Wettbewerb in Polen zu interpretieren, doch in der zweiteiligen Doku zum Casting ist auch sie zu sehen. "Dein Song für Warschau" wird am 25./26. November im KiKa gesendet und in der Mediathek gezeigt.

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Bei allen Träumen von einer Karriere als Popstar wird die 14-jährige, die Ariana Grande bewundert, ihre Laufbahn als Konzertpianistin nicht vernachlässigen. "Da wartet jetzt ein großes Programm auf sie", sagt ihr Vater Terry Wainwright. Im Frühjahr des kommenden Jahres soll Malaika das zweite Konzert im Pariser Louvre nachholen, dass eigentlich schon für März 2020 vorgesehen war und Corona zum Opfer fiel. Und am 30. Januar nimmt sie mit ihrer Duopartnerin, der Geigerin Aricella Schäfer, am Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" teil. Die Leidenschaft für Musik hat Malaika vom Papa geerbt: Der in Kalifornien aufgewachsene Unternehmer spielt in der Freizeit Gitarre und Piano. Seine Tochter begann mit vier Jahren, Klavier zu spielen. Schon als Sechsjährige trat sie bei Wettbewerben an.

Die Gastspiele vor großem Publikum in Paris verdankt sie vor allem ihrem Klavierlehrer: Der Herrschinger Paul Eigendorf arbeitete dort zwei Jahre lang als Dirigent und hat noch gute Kontakte zur Musikszene an der Seine. Im Oktober 2018 gab die seinerzeit zwölfjährige Malaika zwei Konzerte im Maison Heinrich Heine und im Oratorium des Louvre. Auf dem jeweils einstündigen Programm stand auch die Lieblingskomposition der jungen Musikerin: Präludium und Fuge d-Moll aus Bachs Wohltemperierten Klavier.

© SZ vom 20.11.2020
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