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Von Lisa Sonnabend

Perry Rhodan, Storm Trooper und eben erst geschlüpfte Außerirdische: Die Science-Fiction-Messe in München-Garching bewegt sich in intergalaktischen Sphären.

Science-Fiction-Messe in Garching

David Summerwine führt auf der Science-Fiction-Messe in Garching seine Romanfigur Railin vor. (Foto: Sonnabend)

Die Außerirdischen soll einer verstehen! Warum bloß haben sie sich ausgerechnet das überschaubare Garching ausgesucht, um dort ein Wochenende auf der Erde zu verbringen? Auf dem Bürgerplatz in dem Münchner Vorort stehen ein Drogerie-Markt, ein kleines Hotel, das "König Ludwig" heißt, und das einstöckige Bürgerhaus. Dort tummeln sich ein Storm Trooper aus "Star Wars", ein Raumschiffputzer namens Railin und der bekannte Serien-Held Perry Rhodan. Draußen regnet es ununterbrochen.

Die Garching Con, die zum achten Mal stattfindet, ist mit etwa 400 Teilnehmern die größte Science-Fiction-Messe in Deutschland. In diesem Jahr steht Perry Rhodan im Mittelpunkt, eben ist das 2500. Heft der wöchentlichen Romanserie erschienen.

Michael Lamping ist extra aus Mönchengladbach zur Messe angereist. "Ich bin Perry-Rhodan-Fan, seit ich lesen kann", sagt der 44-Jährige. "Nach Garching bin ich gekommen, um ein paar verbliebene Lücken zu stopfen." Lamping zeigt auf eine Jutetasche. Darin sind Hefte, die in seiner Sammlung noch gefehlt haben.

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Lamping fasziniert die Komplexität der Serie. Der Astronaut Perry Rhodan landet 1971 auf dem Mond, trifft auf ein Raumschiff eines fremden Volkes und erlebt fortan Abenteuer auf fremden Planeten. Seit 1961 wird die Handlung fortgeschrieben, das "Perryversum" wird somit immer komplexer. "Wenn man einmal drin ist, kann man nur schwer loslassen", meint Lamping.

Im großen Vortragssaal des Bürgerhauses diskutieren am Wochenende Autoren und Herausgeber über die Welt des Perry Rhodan, verraten nächste Handlungsschritte und Illustratoren berichten, wie sie bei der Arbeit vorgehen. Es geht um andere Sphären. Die Zuhörer lauschen gebannt.

Aber vielen auf der Messe geht es nicht nur um Kult, sondern auch ums Geschäft. "Perry Rhodan" ist das meistgelesene Produkt der Nachkriegsliteratur. Die deutsche Gesamtauflage wird auf über eine Milliarde geschätzt, wöchentlich werden 80.000 Exemplare verkauft. In einem Saal stehen lange Bücherregale mit alten Heften, der Perry-Rhodan Fanzirkel wirbt an einem Stand um Mitgliedschaften und am Stand der Deutschen Post gibt es einen Sonderstempel zum Erscheinen des 2500. Bands.

Doch auf der Messe wird auch versucht, mit neuen Produkten auf den Science-Fiction-Zug aufzuspringen. David Summerwine, der in der Zeitung nur seinen Fantasie-, nicht seinen wahren Namen lesen möchte, hat als Illustrator angefangen. Jetzt will er als Autor erfolgreich werden. Der 41-Jährige schreibt derzeit an der Science-Fiction-Trilogie "Valongatu", die im Internet zu lesen ist. Die Hauptrolle spielt die Mechanikerin Nea, die auf einem Raumschiffhafen arbeitet und Abenteuer bestehen muss.

Auf die Messe hat der Autor Markus Heindle mitgebracht, der sich als Raumschiffputzer Railin, eine weitere Figur aus dem Werk, verkleidet hat. Heindle trägt eine Art Gasmaske, dicke Schläuche baumeln an ihm herab, in der Hand hält er eine große Pumpgun. Er schwitzt unter dem Kostüm, das er sich auf Flohmärkten und bei Ebay zusammengestellt hat. Doch der Aufwand lohnt sich: Railin wird alle paar Schritte fotografiert, die Besucher erkundigen sich nach Summerwines Science-Fiction-Roman.

Perry-Rhodan-Fan Lamping streift unterdessen über die Messe und hält noch nach der ein oder anderen Science-Fiction-Rarität Ausschau. Der weite Weg aus Mönchengladbach habe sich gelohnt, meint er. "Und abends in der Bierstube wird es sicherlich wieder lustig", sagt er und lacht. Vielleicht ist das der Grund, warum die Außerirdischen so gerne nach Garching kommen.

(sueddeutsche.de/af)

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