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Archäologie Der Palast am Tigris

Das Mittani-Reich beherrschte vom 15. bis 14. Jahrhundert vor Christus weite Teile Nordmesopotamiens und Syriens.

(Foto: dpa)
Von Christoph von Eichhorn

Gemessen an seiner Größe ist erstaunlich wenig über das Königreich Mittani bekannt: Während seiner Blütezeit Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus erstreckte sich sein Herrschaftsgebiet von der Mittelmeerküste über Syrien bis in den Norden des heutigen Irak. Akkadische Keilschrifttexte weisen darauf hin, dass die mittanischen Könige mit den ägyptischen Pharaonen und den Herrschern von Babylonien in Kontakt standen. So ist bekannt, dass Pharao Amenophis III. eine Tochter des mittanischen Herrschers Tuschratta heiratete. Dennoch haben nur wenige Überreste der Kultur überdauert, darunter einige Keramikgefäße. Das Reich von Mittani gilt als einer der am wenigsten erforschten Staaten des Altertums.

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Ein neuer Fund am Ufer des Tigris könnte das ändern. Ausbleibende Regenfälle ließen den Wasserpegel des Mossul-Stausees im Nordirak vergangenes Jahr sinken, so kamen unerwartet Überreste einer prächtigen Stadtanlage zum Vorschein. Seitdem graben Archäologen der Universität Tübingen gemeinsam mit Experten der Kurdistan Archaeology Organization (KAO). Nun präsentierten die Forscher erste Ergebnisse.

Prächtige Wandmalereien, imposante Mauern

Bei der Anlage handle es sich um ein planmäßig angelegtes Gebäude mit massiven Innenmauern aus Lehmziegeln. Einige Wände seien bis zu zwei Meter dick, die gesamte Anlage sei bis zu sieben Meter hoch. "Wir haben zudem Reste von Wandmalereien in leuchtenden Rot- und Blautönen gefunden", wird Ivana Puljiz vom Tübinger Institut für die Kulturen des Alten Orients in einer Mitteilung zitiert. Solche Wandmalereien seien vermutlich ein typisches Ausstattungsmerkmal von Palästen gewesen, hätten sich aber nur sehr selten erhalten. Deshalb sei die Entdeckung "eine archäologische Sensation".

Schon die Lage der Festung weist darauf hin, wie wichtig der Ort einst war. Während des Altertums stand der Palast auf einer Anhöhe am Rand des Flusstals. Um das abschüssige Gelände abzustützen, legten die Mittaner eine gewaltige Terrassenmauer zum Tigris hin an. Die Festung thronte demnach über dem Flusstal.

Zum Ufer hin stützte eine Terrassenmauer die Anlage ab.

(Foto: dpa)

Die Archäologen haben zudem zwei Nutzungsphasen ausgemacht, der Palast wurde also wahrscheinlich über einen langen Zeitraum bewohnt. Die Forscher vermuten, dass sich im Norden des Palasts eine größere Siedlung anschloss, die nun ebenfalls untersucht werden soll. Eine Schrifttafel enthielt den Hinweis, dass es sich bei dem Komplex um die Stadt Zachiku handeln könnte, die aus einer anderen Quelle bekannt ist. Nach ersten Schätzungen könnte sie bis zu 400 Jahre überdauert haben.

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Rund 1350 vor Christus verschwand das Großreich Mittani von der Landkarte. Seine Gebiete fielen unter die Kontrolle mächtiger Nachbarn wie der Hethiter und Assyrer.

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