Eishockey-WM:Deutschland startet mit Sieg ins Turnier

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Volle Aufmerksamkeit gefordert: DEB-Verteidiger Kai Wissmann (links) im Duell gegen den Slowaken Peter Cehlarik. (Foto: Darko Vojinovic/dpa)

Die Mannschaft von Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis setzt sich in einem turbulenten und hart geführten Duell 6:4 gegen die Slowakei durch. Am Samstag warten die USA auf den WM-Zweiten.

Von Johannes Schnitzler

Der Bundestrainer musste sich dann doch nicht selbst bemühen. "Ich hole ihn sogar vom Flughafen ab", hatte Harold Kreis auf die Frage geantwortet, ob Stürmer Lukas Reichel seiner Mannschaft bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Tschechien helfen könnte: "Er würde uns enorm helfen." Reichel hat eine durchwachsene NHL-Saison in Chicago hinter sich, nach der Saison sollte er im Farmteam noch Playoff-Erfahrung sammeln. Aber nach vier Spielen (zwei Tore, zwei Vorlagen) war auch die Saison mit den Rockford Ice Hogs beendet und Reichel frei für die Nationalmannschaft. Der 21-Jährige verfügt über einschlägige WM-Erfahrung, vor drei Jahren stieß er mit dem DEB-Team ins Halbfinale vor. Und so traf Reichel am Freitag in Ostrava ein, als fünfter NHL-Profi im deutschen WM-Aufgebot. Nicht Kreis, sondern die Fahrbereitschaft hatte den Transfer vom Flughafen Warschau aus übernommen.

Für das Auftaktspiel in Gruppe B gegen die Slowakei war Reichels Einsatz noch kein Thema. Die Mannschaft kam freilich auch ohne weitere Verstärkung zurecht. Der WM-Zweite von 2023 gewann in der Ostravar Arena eine turbulente Partie 6:4 (0:0, 3:2, 3:2) und kann nun mit Rückenwind gegen die USA und Schweden antreten. "Das war ein rassiges Spiel", sagte Bundestrainer Kreis bei Magentasport. "Das Momentum ging hin und her, aber wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore geschossen."

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Das Team des unverwüstlichen Kanadiers Craig Ramsay, 73, der die Osteuropäer seit 2017 coacht, stand der deutschen Mannschaft in der jüngeren WM-Vergangenheit immer wieder gegenüber. 2019 gewannen die Deutschen 3:2, auch 2022 setzten sie sich knapp 2:1 durch. Bei den Olympischen Spielen in Peking aber kassierte das DEB-Team ein knackiges 0:4. Auffälligster Spieler damals: Juraj Slavkofsky, 20, einer von fünf NHL-Spielern, die zur WM aus der nordamerikanischen Eliteliga nachgerückt sind. Insofern hatte das slowakische Team wenig mit jenem zu tun, auf das die Deutschen zweimal in der WM-Vorbereitung getroffen waren (ein Sieg, eine Niederlage). Aber man kennt sich. Die Slowaken, die in Ostrava, nur 50 Kilometer von der Grenze entfernt, akustisch ein Heimspiel hatten, bevorzugen ein kerniges Spiel.

Deutschland nutzt eine doppelte Überzahl zur 2:0-Führung

Die Deutschen versuchten dieser Wucht mit Geschwindigkeit zu entwischen. Nach torlosem erstem Drittel mit einem Pfostenschuss hüben wie drüben forcierten die Slowaken weiter das Körperspiel - und gaben den Deutschen mit einer doppelten Strafzeit den Raum zum 1:0 (30.) durch Dominik Kahun. Mehr noch: Weil ihr Protest wegen einer vermeintlichen Torhüterbehinderung abgeschmettert wurde, blieb das DEB-Team in Überzahl: Jonas Müller schlenzte den Puck zum 2:0 links in den Winkel (33.).

Wieder in voller Besetzung zeigten die Slowaken, dass sie auch spielerisch Druck auszuüben vermögen: Marek Hrivik verkürzte (37.), Martin Fehervary glich mit einem fulminanten Schlagschuss aus (39.). Und als die Halle gerade wieder so richtig schön tobte - da traf WM-Debütant Lukas Kälble unmittelbar vor der zweiten Pause zum 3:2 für das DEB-Team (40.).

Auftaktsieg bei der Eishockey-WM 2024: Deutschlands Torhüter Philipp Grubauer hat gegen die Slowakei den Puck fest im Blick. (Foto: Darko Vojinovic/dpa)

Die deutsche Mannschaft nutzte das psychologische Moment, Marc Michaelis verwertete einen Abpraller zum 4:2 (45.). Und sie hatte überdies juristischen Erfolg: Der vermeintliche Anschluss der Slowaken wurde nach erfolgreichem Einspruch wegen Abseits zurückgenommen. Etwas später fiel das 4:3 dennoch (55.), in der hitzigen Schlussphase attackierten die Slowaken auch Torhüter Philipp Grubauer mehrmals hart. Aber der NHL-Torhüter aus Seattle, hinterher zum besten deutschen Spieler gewählt, hielt stand. Leo Pföderl (57.) und WM-Neuling Tobias Eder (59.) beruhigten die deutschen Nerven, das 6:4 in den Schlusssekunden war zwar ärgerlich, aber nur noch statistisch von Bedeutung. "Wir hätten es etwas schlauer spielen können", sagte Grubauer bei Pro7, vor allem die Schlussphase sei "unnötig eng" gewesen.

Die Mannschaft von Harold Kreis startet also mit enorm wichtigen drei Punkten in die WM. Bereits am Samstag (20.20 Uhr, Pro7 und Magentasport), dann wohl mit Lukas Reichel, treffen die Deutschen auf das Team USA, den nächsten alten Bekannten und einen der Mitfavoriten auf eine Medaille. Im vergangenen Jahr begegneten sich beide Mannschaften gleich zweimal: In der Gruppenphase setzten sich die Amerikaner 3:2 durch, im Halbfinale gewann Deutschland nach Verlängerung 4:3 - und am Ende Silber.

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