Reisetipps Kanada West

Stichworte Kanada West

Eishockey

Angeblich spielten schon die Seeleute, die mit dem englischen Entdecker John Franklin Anfang des 19. Jhs. unterwegs waren, Hockey auf dem Eis und begründeten damit den heute beliebtesten Sport Kanadas. Schon im Kindergartenalter lernen die Kids überall im Land Schlittschuhfahren. Und wenn die heimischen Teams bei den Meisterschaften, den play-offs für den berühmten Stanley Cup, mitspielen, dann gerät das ganze Land in Hockeyrausch. Derzeit am erfolgreichsten: die Vancouver Canucks und die Ottawa Senators.

Flora & Fauna

Der größte Teil Westkanadas liegt im Bereich des borealen Nadelwalds, der sich wie ein breites Band quer durch den Kontinent zieht. Diese Wälder sind Lebensraum von Bären, Elchen, mehreren Hirscharten, Luchsen, Stachelschweinen und Bibern, und im Binnenland von British Columbia wütet der Borkenkäfer - möglicherweise eine Folge der globalen Erwärmung. Nach Norden hin gehen im Yukon Territory und in den Northwest Territories die Wälder in Taiga und dann Tundra über. Nur noch Karibus, Schneehasen und Moschusochsen können von den spärlichen Flechten und Moosen in dieser Region leben. Doch die großen Süßwasserflächen ernähren im Sommer zahllose Wasservögel.

Der Süden und Osten Albertas gehören noch zur großen nordamerikanischen Prärie, ursprünglich eine Grassavanne, die jedoch wegen ihrer fruchtbaren Böden heute größtenteils gepflügt und von riesigen Getreidefeldern bedeckt ist. Das einstige Reich von Millionen Bisons ist heute der Brotkorb Kanadas - Bisons gibt es nur noch in einigen wenigen Schutzgebieten. In den Rocky Mountains gedeiht eine alpine Flora mit vielen Wildblumen, die Bergziegen und -schafen Nahrung bietet. An den Westhängen der Coast Mountains und auf Vancouver Island wuchert üppiger Regenwald mit bis zu 80 m hohen Douglasien, Sitkatannen, Zedern und saftig grünen Farnen.

Gold

Seit Jack Londons Romanen kennt fast jeder die abenteuerliche Geschichte des Goldrauschs am Klondike. Tatsächlich spielte in Kanada die Suche nach dem Edelmetall eine ganz besondere Rolle, denn mit den Goldfunden wurden im Westen ganze Regionen erschlossen. Um 1860 lockte der Goldrausch in den Cariboo Mountains Tausende von Desperados an. 30 Jahre später hieß es: „Gold in the Yukon!“, und an die 100000 Goldsucher machten sich auf den mühsamen Weg, quälten sich durch Eis und Schnee in den Coast Mountains, um rechtzeitig im Frühjahr ihr gelobtes Land zu erreichen. Gold im Wert von 100 Mio. Dollar wurde in nur drei Boomjahren gefördert. Dawson City wurde mit 30000 Einwohnern zur größten Stadt westlich von Winnipeg.

Auch heute noch wird Gold gefördert - am Klondike und in Yellowknife, aber noch mehr im harten Granitfels des Kanadischen Schilds in Ostkanada. Gut 4 Mio. Unzen sind es jährlich, von denen viele zum Maple Leaf Dollar geprägt werden, zur meistverkauften Goldmünze der Welt.

Indianer & Inuit

Die Vorfahren der Indianer kamen vor vermutlich 35000-15000 Jahren über die Beringstraße nach Nordamerika. Sie breiteten sich im Lauf der Jahrtausende über den Kontinent aus, es entwickelten sich eigenständige Kulturgruppen, wobei im Norden halbnomadische Jägerstämme lebten. Die Stämme der Plains-Kultur in den Prärien des heutigen Alberta folgten den großen Büffelherden, während das reiche Nahrungsangebot an der Westküste den Kwakiutl und Haida genügend Muße ließ, zu kunstfertigen Holzschnitzern zu werden. Die Vorfahren der heutigen Inuit besiedelten von Alaska aus erst vor etwa 1000 Jahren die kanadische Arktis.

Als die Weißen ab dem 15. Jh. kamen, dezimierten aus Europa eingeschleppte Krankheiten die Stämme. Mit der Besiedlung des Westens im 19. Jh. wurden die Indianer dann in Reservate abgedrängt. Doch die Versorgungslage war schlecht, die Bemühungen um den Aufbau einer eigenen Wirtschaftsgrundlage für die in den Reservaten lebenden Indianer wurden auch im 20. Jh. anfangs nur halbherzig verfolgt, denn das Ziel der Weißen war allenfalls die Integration der Indianer, nicht die Unterstützung ihrer Eigenständigkeit und die Aufrechterhaltung ihres kulturellen Erbes. Heute leben rund 610000 Indianer und fast 50000 Inuit in Kanada. In der Verfassung von 1982 wurden ihre Rechte als ursprüngliche Besitzer des Kontinents anerkannt. Dies und das erstarkte Selbstbewusstsein der Ureinwohner haben dazu geführt, dass derzeit zahlreiche Stämme Landrückgabe und Selbstverwaltung fordern. Den spektakulärsten Erfolg erzielten dabei die Inuit: Sie erhielten 1999 im Norden der Northwest Territories ein eigenes Territorium, das sie Nunavut (unser Land) tauften. Nunavut wird nun fast ausschließlich von Inuit regiert und verwaltet.

Moderne Architektur

Besonders Vancouver verändert sich derzeit rasant durch Großprojekte für die Olympischen Spiele 2010. Doch es gibt auch ältere Werke kanadischer Architekten: Der in Vancouver geborene Arthur Erickson entwarf mit großem Einfühlungsvermögen das Anthropologiemuseum der University of British Columbia, dessen massive Betonpfeiler an die Plankenhäuser der Indianer erinnern. Ed Zeidler schuf das wie ein Segelschiff über dem Wasser schwebende Kongresszentrum Canada Place in Vancouver. Und der Stararchitekt Moshe Safdie errichtete 1995 den spektakulären Rundbau der Public Library in Vancouver.

Mounties

Die rot berockte Royal Canadian Mounted Police ist wohl das bekannteste Wahrzeichen Kanadas. In ihrer Paradeuniform treten die Mounties bei offiziellen Veranstaltungen auf und schmücken so manches Erinnerungsfoto. Doch sie sind mehr als buntes Beiwerk: Bis heute ist diese hervorragend ausgebildete Bundespolizei für alle ländlichen Regionen und Orte Kanadas zuständig, die sich keine eigene Polizei leisten können - und das sind gerade im dünn besiedelten Westen sehr viele. Die heute rund 15000 Personen starke Truppe der RCMP wurde bereits 1873 gegründet. Für Jahrzehnte waren die Forts der Mounties auch die einzigen Außenposten der Zivilisation im damals noch recht wilden Westen. Mit Hundeschlitten patrouillierten die Gesetzeshüter in der Arktis, zu Pferd und per Kanu drangen sie in die abgelegensten Goldgräbercamps vor. Und auch heute können Sie die Mounties hautnah erleben - als radarbewaffnete Wächter an den Highways, die jedem Raser die Leviten lesen und ihn zur Kasse bitten.

National Parks

„... zum Wohle, Vorteil und Vergnügen der Bevölkerung Kanadas“ wurde 1885 der Vorläufer des heutigen Banff National Park gegründet. Er war der erste in einer langen Reihe von Parks, in denen heute die schönsten und ursprünglichsten Regionen des weiten Landes geschützt werden. Gerade unter ökologischen Gesichtspunkten gilt das dem kanadischen Umweltministerium unterstellte Parksystem als weltweit bahnbrechend. 42 Nationalparks sind es heute mit einer Gesamtfläche von mehr als 230000 km² - genug, um Österreich zweimal darin unterzubringen. Ein weiteres Dutzend Parks sind geplant, denn für die Zukunft soll jede typische und ökologisch bedeutende Region Kanadas in einem Park unter Schutz gestellt sein. Für die rund 30 Mio. Besucher, die jedes Jahr die Nationalparks besuchen, gilt es, sich an die Regeln zu halten: Kein Tier darf gefüttert, kein Zweig abgebrochen werden. Auch ein Wildblumenstrauß kann Sie teuer zu stehen kommen: bis zu 500 Dollar Strafe. Jagen ist generell verboten. Dagegen dürfen Sie aber - mit Lizenz - in den Bächen und Seen die Angel auswerfen. Für Infos: www.parkscanada.ca

Politik

Kanada ist eine bundesstaatlich geordnete parlamentarische Monarchie im British Commonwealth. Staatsoberhaupt ist daher als Königin von Kanada die englische Monarchin Queen Elizabeth, die aber nur zeremonielle Aufgaben hat. Die zehn Provinzen besitzen weitreichende Selbstverwaltung, etwa in Schulwesen, Kulturpolitik, Gesundheitsversorgung und Nutzung der Bodenschätze. Nur die drei sehr dünn besiedelten Nord-Territorien werden weitgehend von der Bundeshauptstadt Ottawa aus finanziert und regiert.

Popmusik

Als Peter Fonda das berühmte Roadmovie „Easy Rider“ drehte, da rollten die Bikes zu Musik aus Kanada: „Born to be wild“ hieß der legendäre Song, und die Mitglieder der Band Steppenwolf kamen großteils aus Toronto. Ein typischer Fall. Kanada hat keine eigenständige Popmusik geschaffen, Hollywood und New York waren übermächtig. Viele kanadische Künstler wanderten daher nach Süden ab: Leonard Cohen, Neil Young und Joni Mitchell. Heute sind die bekanntesten Bryan Adams, Céline Dion, Sarah McLachlan, Alanis Morissette, Avril Lavigne, Nelly Furtado und Countrystar Shania Twain.

Totempfähle

Indianisches Schnitzwerk liegt im Trend. Kunstvoll geschnitzt und oft bunt bemalt, mit schauerlichen Fratzen und mythischen Tierfiguren versehen, stehen Totempfähle heute vor Regierungsgebäuden und Museen. Kitschige Nachbildungen in Plastik zieren die Souvenirläden. Die Pfähle sind zu einem Symbol für indianische Kultur schlechthin geworden. Ursprünglich gab es diese hoch entwickelte Schnitzkunst jedoch nur im Kulturkreis der Nordwestküsten-Indianer, etwa in der Region zwischen Vancouver Island und Südostalaska. Die totem poles waren keine religiösen Ikonen und dienten auch nicht als Marterpfähle. Sie waren Prestigesymbole, mit denen eine Sippe oder ein Häuptling Macht und Reichtum zeigten.

Nachdem jahrzehntelang das angeblich „heidnische Schnitzwerk“ von Regierung und Missionaren verboten worden war, ist dank der Renaissance der indianischen Kultur wieder ein Aufleben dieser alten Kunst zu beobachten. Die schönsten Pfähle können Sie in den Museen von Vancouver und Victoria sehen. Oder Sie fahren in die Indianerdörfer an der Westküste, wo vielfach noch Originalpfähle erhalten sind, etwa in Alert Bay, Quadra Island oder Hazelton.