Reisetipps Island

Stichworte Island

Amerika

Es waren Isländer, die als erste Europäer ihre Füße auf „amerikanischen“ Boden setzten. Nachdem 982 Eirík der Rote an der Südküste Grönlands gelandet war, geriet 985 Bjarni Herjólfsson auf seiner Fahrt nach Grönland zu weit nach Westen und sichtete unbekanntes Land. Doch erst 1000 machte sich Leifur Eiríksson auf, dieses Land zu erkunden. Er landete an drei Plätzen im heutigen Kanada, die er Helluland, Markland und Vínland nannte. Einige Jahre später versuchten Þorfinnur Karlsefni und seine Frau Guðriður, sich in Vínland anzusiedeln, aber aufgrund von Konflikten mit Indianern kehrten sie drei Jahre später nach Island zurück. Vor allem grönländische Isländer holten sich noch 350 Jahre lang Holz aus Kanada. Mitte des 13. Jhs. wurden die Entdeckungen in der „Eiríks Saga“ niedergeschrieben, die vermutlich später auch Kolumbus las.

Baden

Jeder noch so kleine Ort hat ein Freibad, denn Schwimmen ist Pflichtfach für jeden Schüler und dient nicht nur der Fitness, sondern auch der Kommunikation. Das gemeinsame Bad in den wohltemperierten hot pots verbindet Politiker mit Managern, Sportler mit Dichtern, hier tauscht man sich über die jüngsten Ereignisse aus. Schon der Politiker und Dichter Snorri Sturluson (1179-1241) schätzte die Beratung in seiner Badewanne „Snorralaug“ in Reykholt, die er eigens dafür bauen ließ. Die Isländer genießen ganzjährig dieses Vergnügen im Freien, unabhängig von Niederschlag und Temperatur. Ein Hit ist das Ganze bei Schnee!

Erneuerbare Energien

Dank des Vulkanismus und der enormen Wassermengen decken die Isländer rund 80 Prozent ihres Energiebedarfs mit diesen natürlichen Ressourcen. Öl benötigen sie nur für den Transportbereich. Die geothermische Energie wird als erhitzter Dampf oder heißes Wasser genutzt. Fast 90 Prozent aller Häuser werden so beheizt und über 200000 m² Gewächshausfläche. Die andere Energiequelle ist die Wasserkraft, die bisher nur zu 20 Prozent genutzt wird, obwohl die Isländer den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Strom in der Welt haben. Eine Steigerung erwartet man von der Produktion des Wasserstoffs, damit sollen in Zukunft die Autos betankt werden. An dem Projekt sind neben isländischen Firmen die Daimler AG, Norsk Hydro und Royal Dutch/Shell beteiligt. In Reykjavík sind drei Linienbusse als Prototypen im Einsatz. Im Dezember 2007 ist die erste öffentliche Wasserstofftankstelle eröffnet worden.

Fauna

Der Polarfuchs ist der einzige Landsäuger, der schon vor der Besiedlung in Island lebte, alle anderen brachte der Mensch mit. So streifen im Sommer die Schafe durchs Land und sind selbst in den entlegensten Ecken anzutreffen. Ihr Bestand wurde in den letzten 20 Jahren um 300000 auf 450000 reduziert - zum einen vernichten sie die kostbare Pflanzendecke, und zum anderen wollte man Überproduktionen reduzieren. Weltweit bekannt ist das Islandpferd, ein geländegängiges Kleinpferd, auf das sich selbst ein ungeübter Reiter schon mal wagen kann. Außerdem leben im Osten rund 3000 wilde Rentiere, deren Vorfahren im 18. Jh. aus Norwegen importiert wurden.

Neben den zahlreich und in vielen Formen vertretenen Fischen tummeln sich auch viele Meeressäuger rund um Island. Minkwale und Orkas kann man auf den Walbeobachtungsfahrten ebenso sehen wie Tümmler. Entlang der Küsten stößt man häufig auf Seehunde und Kegelrobben, die sich in Island auch fortpflanzen.

Doch Island ist vor allem ein Vogelparadies. Zehntausende von Seevögeln nisten an den steilen Felsenküsten: Gryllteisten, Tordalken, Eissturmvögel, Basstölpel, Trottellummen und Papageitaucher. Im Landesinneren gibt es große Kolonien von Kurzschnabelgänsen, und auf dem See Mývatn tummeln sich seltene Entenarten wie die Kragenente. Oft sieht man die großen, schwarzblauen Kolkraben und hin und wieder auch mal einen Seeadler, einen Merlin oder einen Gerfalken.

Fischindustrie

Rund 50 Prozent des isländischen Exports sind Meeresprodukte, gefangen in den „frischen und sauberen Gewässern des Nordatlantiks“, wie es in der Werbung heißt. Aufgrund der 200-Meilen-Zone - hart erkämpft in den sogenannten Kabeljaukriegen vor allem mit England - misst die wirtschaftlich nutzbare Fläche rund um Island 758000 km². Um den Bestand der wichtigsten Fangfische - Kabeljau, Schellfisch, Rotbarsch, Seelachs und Lodde - zu sichern, werden jährlich Quoten ausgegeben. Die hoch technisierten Fabriken arbeiten mit flexiblen Produktionssystemen, um schnell auf die Marktwünsche reagieren zu können. Die wichtigsten Verarbeitungsformen sind Salzen, Tiefkühlen und Trocknen. Auf zahlreichen Trawlern werden die Fänge direkt an Bord verarbeitet, was in den 90er-Jahren zum Niedergang kleinerer Fischfabriken führte. Die Hauptexportregionen sind USA, Japan und Europa.

Flora

Als im 9. Jh. die ersten Siedler kamen, gab es in Island einen dichten Birkenbestand, und 40 Prozent der Insel waren bewachsen. Überweidung, Abholzung und anschließende Erosion zerstörten die Bodendecke, dazu kamen noch etliche Vulkanausbrüche. Erst ein Wiederaufforstungs- und Rekultivierungsprogramm sorgte dafür, dass heute wieder 23 Prozent der Insel kultiviert sind. Fast 65 Prozent sind dennoch Ödland.

Die natürliche Vegetation besteht aus Buschgewächsen wie der Moorbirke oder aus Weiden. An Berghängen gedeihen farbenprächtige Wiesen mit zahlreichen Krautpflanzen, zum Beispiel dem violett blühenden Waldstorchschnabel. Auf den Ödlandflächen findet man Steinbrecharten sowie unter anderen das Stengellose Leimkraut, und an Flussufern leuchten die purpurfarbenen Blüten des Arktischen Weidenröschens und grüne Moosteppiche. Beeren, Pilze und die braun-grau-grüne Flechte fjallagras bereichern auch den isländischen Speiseplan.

Genetik

Das Interesse an Ahnenforschung ist groß und alt, schon in den Sagas wurde jede neue Figur zunächst mit ihrem Stammbaum eingeführt. Und heute haben zwei beliebige Isländer spätestens ab der siebten oder achten Generation gemeinsame Vorfahren. „Jeder von uns trägt Kopien der Genome, die wir von den Siedlern geerbt haben“, sagt Kári Stefánsson, Leiter der Firma DeCode Genetics in Reykjavík. Hier forscht man erfolgreich nach krankheitsverursachenden Genen. Dafür erhielt die Firma vom Parlament das Recht, eine Datenbank mit allen medizinischen Informationen der Isländer und ihrer Vorfahren zu errichten.

Namen

Namen in Island - eine einfache Sache. Zunächst der Rufname, und dann folgt der Vatersname mit dem Suffix -son (Sohn) oder -dóttir (Tochter). So könnte eine Familie heißen: Vater Einar Jóhannson und Mutter Svava Elíasdóttir haben den Sohn Gísli Einarsson und die Tochter Jórunn Einarsdóttir. Es gibt also keinen gemeinsamen Familiennamen, sondern nur Patronyme, Vatersnamen. Entsprechend redet man sich mit dem Rufnamen an, unter dem man auch im Telefonbuch steht.

Sagas

Entstanden sind diese meist opulenten Werke im 13. Jh.; sie handeln vor allem von den Sippen in der Zeit der Besiedlung Islands. Familienstreit, Rache, Verrat, Mord und auch Liebe - kurz, die klassichen Themen der Literatur sind ihre Inhalte. Die Sagas stellen den kulturellen Schatz Islands dar, und bis heute sind ihre Helden - wie Gunnar, der weise Njáll oder der starke Grettir - bekannt und bewundert. Es ist eine ureigene isländische Literatur des Mittelalters. Einer der wichtigsten Autoren war Snorri Sturluson. Er verfasste auch die nach ihm benannte Edda, die „Snorra Edda“, eine Poetik, um die damaligen Skalden (Dichter) mit Metrik und Reim vertraut zu machen. Die Verse erzählen von den Göttern und Helden der Urzeit, vom Beginn der Welt und ihrem Untergang, Ragnarök.

Vulkanismus

Aus geologischer Sicht zählt Island mit seinen 15-20 Mio. Jahren zu den jüngsten Regionen der Welt und ist immer noch im Werden. Vulkanismus, brodelnde Thermalgebiete, die Bewegung der Gletscher sowie das stetige Auseinanderdriften zweier großer Kontinentalplatten verändern Islands Landschaft ständig. Die aktive Vulkanzone durchzieht das Land von Reykjanes im Südwesten bis nach Öxarfjörður im Nordosten. Zwei weitere Zonen befinden sich auf der Halbinsel Snæfellsnes und im Süden des Landes.

Die meisten der rund 30 Vulkansysteme in diesen Zonen besitzen einen Zentralvulkan oder ein Bergmassiv mit einer Caldera (einer kreisförmigen, großen Einsenkung, wie zum Beispiel bei der Askja). Seit der Besiedlung der Insel fanden ungefähr 250 zum Teil mehrmonatige oder jahrelange Eruptionen in 15 Vulkansystemen statt. Dabei entstanden 45000 m³ Gestein. Die aktivsten Zentralvulkane sind Hekla, Katla und Grímsvötn, mit über 20 Ausbrüchen je Vulkan. Die Isländer haben gelernt, mit ihrer „Teufelsküche“ umzugehen und sie für sich zu nutzen. Entsprechende Vorwarnsysteme bereiten sie auf Ausbrüche vor.

Für Geologen ist Island wie ein Bilderbuch mit seinen vielen Vulkantypen - Schildvulkane wie der Skjaldbreiður kommen nur noch auf Hawaii vor - und Lavaformen wie der Stricklava oder dem schwarzen Obsidian. Dazu kommen die Thermalgebiete mit ihren Solfataren (Schwefellöchern) und Geysiren (Springquellen).