Reisetipps Ibiza

Auftakt Ibiza Was für Inseln!

Sie bilden ein traumhaftes Inseldoppel vor der spanischen Mittelmeerküste - das quirlige Ibiza und die ruhigere Nachbarin Formentera. Die Natur ist äußerst facettenreich: Zahllose Strände locken die Sonnenanbeter, lauschige Buchten verstecken sich zwischen Felsmassiven, im Hinterland werfen sich kiefernbesetzte Flanken auf. Im Sommer toben die wildesten Partys, Chillout-Zones sind Pflicht. Überall fallen Hüllen und Hemmungen, steigt das Diskofieber bis zum Delirium. Doch wer will, findet auch seine ländlich-beschaulichen Refugien, und außerhalb der Saison genießt man sowieso die Stille und die Natur, die kräuterwürzige Luft und das mediterrane Licht.

„Das waren noch Zeiten“, sagt Hotelier Joakim Brattlöf, lacht und schwenkt sein Gläschen Wein. „Damals, zu Franco-Zeiten, haben wir den Kaufvertrag des Grundstücks hier bei Sant Josep auf einer Papierserviette in der Bar aufgesetzt. Dann kamen die Unterschriften drunter, das war's.“ Was sich wie eine Story aus wildromantischen Pionierzeiten anhört, liegt erst ein paar Jahrzehnte zurück. Seitdem hat sich Ibiza in rasendem Tempo verändert, ist an die Spitze der europäischen Ferienziele geschossen.

Die Urlaubsinsel im Mittelmeer stieg zum Inbegriff von Sun&Fun auf, von Sex&Drugs&Alcohol und One-night-stands. Nicht zu Unrecht, denn die im Winter jungfräulich daliegenden Straßen und Plätze verwandeln sich zur wärmsten Jahreszeit in heiße Spots: Schaubühnen, Laufstege, Anmachmeilen, Tummelbecken von Jetset und Althippies. Hier geizt man weder mit Reizen, noch spart man an phantasievollen Outfits. Ibizas legendäre Sommernächte werden zum Tag, der Tag verschwimmt vor Augen. Unter solcherlei Vorzeichen schwebt Europas Jugend unverändert zum Dauer-Event ein. Man vergnügt sich in Gay- und Cocktailbars, tanzt in Szenetreffs und Megadiskos bis zum Umfallen, trifft sich nach den relaxenden Stunden am Strand zu Sundownern und Schaumpartys. Wer hierher kommt, weiß, was er will und sucht - besinnliche Ruhe ganz bestimmt nicht. Oder doch? Denn auch heute gibt es noch das „andere“, das beschauliche Ibiza, das einen Besuch zu jeder Jahreszeit lohnt und das mit seinem Zauber aus Farben, Licht und Gerüchen schon zu Beginn des 20. Jhs. Künstler und Intellektuelle aus ganz Europa in seinen Bann zog. Heimlich, still und leise ist in den letzten Jahren auch in diesem Bereich die Infrastruktur verbessert worden. Fernab von wummernden Bässen führen Rad- und Wanderwege durch abgeschiedene Pinienwälder, Berge und Buchten laden zu Entdeckungen ein, einsam gelegene Fincas bieten urige Unterkunft und erstklassigen Service.

Ibiza und Formentera bilden ein faszinierendes Inseldoppel, das zu den Balearen gehört und unter dem Begriff Pityusen firmiert. Schon Karthager, Römer und Mauren fühlten sich hier wohl, während sich die wahre Weltgeschichte woanders abspielte. Ibiza und Formentera schwammen allenfalls am Rande mit, weshalb große Kulturschätze heute eher Mangelware sind. Aus frühzeitlichen Epochen haben sich mancherorts Hausfundamente und Gräber erhalten, die klobigen Wachtürme an den Küsten legen Zeugnis von den stets befürchteten Piratenattacken zwischen dem 16. und 18. Jh. ab. Auch viele Kirchen haben Wehrcharakter. Der steten Furcht vor Angriffen ist die eindrucksvolle Silhouette von Eivissa zu verdanken, der stark befestigten Hauptstadt Ibizas. Das historische Hügelviertel Dalt Vila schließt mit gewaltigen Mauerverbünden und Bollwerken ab und zählt zum Welterbe der Unesco - und das erfüllt alle Insulaner mit Stolz! Wie viele unter ihnen rein ibizenkisches Blut in den Adern haben, lässt sich kaum ermessen. Offiziell beziffert man die Einwohnerzahl der Inseln auf 120000, wovon 8000 auf Formentera entfallen. Längst haben viele Auswärtige auf den Inseln eine neue Heimat gefunden, darunter viele residentes aus unterkühlten mittel- und nordeuropäischen Sphären. Im Juli und August schwitzen alle um die Wette, zu Jahresbeginn weiden sie sich am Anblick der Mandelblüte und genießen an manchem Wintertag das Frühstück auf der Terrasse. Der Traum von ewiger Wärme wird allerdings nicht unbedingt wahr: Wohl dem, der im Winter eine Heizung im Haus hat!

Auf den Pityusen bleibt alles in überschaubarem Rahmen. Ibiza bringt es auf 572 km², Formentera misst gerade einmal 82 km². Ibiza und Formentera liegen in Sichtweite voneinander, zwischen den Inseln herrscht reger Fährverkehr. Strände gibt es wie Sand am Meer, allein auf Ibizas Karten sind über 50 verzeichnet. Allerdings reihen sich die Strandareale nicht nahtlos aneinander. Manche sind nur zu Fuß erreichbar, liegen in kleinen Buchten und sind von Klippen begrenzt. Das wohl temperierte Wasser glänzt hellblau bis türkis, draußen liegen Yachten auf Reede, aus den Strandbars strömen appetitanregende Düfte. Für Kontraste sorgen Täler im Inland und eine vielfältige mediterrane Pflanzenwelt mit Lavendel, Wacholder, Kiefern, Wildkräutern, Kakteen und Agaven. Feigen- und Johannisbrotbäume, Mandelhaine und Weingärten fügen sich harmonisch ins Bild. Sieht man einmal von Eivissa, Sant Antoni und Santa Eulària ab, fällt die verstreute Besiedlung auf. Als stille Wahrzeichen sind die weißen Häuser allgegenwärtig.

Der Natur kommt ein besonderer Stellenwert zu, weite Gebiete stehen unter Schutz. So wie die alten Salinen, die auf beiden Inseln als Vogelschutzzonen dienen. Am höchsten hinaus geht es auf Ibizas Berg Sa Talaia, einem bewaldeten Buckel von 475 m Höhe mit tollem Blick über Hügel und Meer. Formentera hingegen zeigt sich von flacherer Gestalt und ganz auf Natur geeicht. Im Norden züngeln sich die Strände bis ans vorgelagerte Eiland Espalmador heran, im Osten wirft sich das Hochplateau La Mola um den Berg Sa Talaiassa auf ganze 192 m auf.

Zum Glück steht nicht alles im Zeichen des Fremdenverkehrs, der den Inseln mit ca. 1,75 Mio. Besuchern pro Jahr den Stempel aufdrückt und die wichtigste Einnahmequelle bildet. Hässliche Bettenburgen sind eher die Ausnahme, und Unternehmungslustige entdecken erstaunlich unbeleckte Dörfer. Hier begegnet man noch Alten, die durch die Gassen schlurfen und den Fremden freundlich grüßen. In ihrer Traditionspflege stehen die Einheimischen den übrigen Spaniern in nichts nach und feiern die Feste, wie sie fallen. Mit Hingabe pflegen sie ihre Bräuche, formieren sich bei Patronatsfeiern in bunten Trachten zu Tänzen und lauschen dem Gottesdienst des Inselbischofs in der überfüllten Dorfkirche. Auf català, versteht sich, der hier verbreiteten katalanischen Sprache. Ansonsten spricht jeder Spanisch, im Tourismusbusiness manch einer Deutsch. Auch auf kulinarischem Gebiet lauern keine Gefahren - der einheimischen Küche können Sie sich ruhig anvertrauen. Probieren z.B. einen arròs amb peix, den typischen Fischreis. Dazu empfiehlt sich ein guter Tropfen der lokalen Bodegas. Und dann mit frischen Kräften auf zu neuen Entdeckungen!