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Reiseführer Seychellen:Auftakt

Entdecken Sie Die Seychellen!

So viel gleich vorweg: Die Seychellen sind kein Reiseziel, das man "nur" zum Sonnenbaden und Faulenzen aufsucht. Der Zauber, den die Inseln im Indischen Ozean versprühen, hat andere Ursachen: die satte tropische Vegetation, die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt und nicht zuletzt die freundlichen, lebenslustigen Menschen, die eine Reise auf den Archipel vor der afrikanischen Küste zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Der größte Teil des Archipels ist nach Auffassung der Geologen ein versprengter Rest des Ur-Erdteils Gondwana. Die Inneren Seychellen mit der Hauptinsel Mahé bestehen aus Granit, der sich bis zu einer Höhe von über 900 m über dem Meeresspiegel auftürmt und an den Küsten in bizarren Klippen und Riffen steil abfällt. Diese Felsen sind nur die sichtbaren Spitzen eines riesigen Unterwassergebirges, des sogenannten Mahé-Plateaus. Hier entstanden im Laufe von Jahrhunderten auch einige Korallenriffe, für Taucher und Schnorchler ein weithin berühmtes Revier. Weit entfernt vom Mahé-Plateau erstreckt sich ein weiterer mächtiger Unterwasserrücken aus vulkanischem Basalt. Auf diesem liegen die sogenannten Äußeren Inseln; im Laufe der Zeit entstanden hier Koralleninseln mit feinem, weißem Sand. Sie unterscheiden sich in ihrer landschaftlichen Gestalt von Granitinseln und sind zumeist flach wie ein Brett. Nähme man alle 115 Inseln zusammen, so ergäbe das mit 455 km2 nur etwas mehr als die Fläche der Stadt Köln. Mahé ist dabei mit 152 km2 die größte (und am dichtesten besiedelte) Insel der Seychellen.

Arabische Seefahrer betraten die Seychellen als Erste. Um 800 n.Chr. entdeckten sie den Archipel auf ihrem Weg nach Indien. Es folgten portugiesische Seefahrer, 1502 z.B. Vasco da Gama, der als Entdecker der südwestlich von Mahé liegenden Amiranten ("Admiralsinseln") gilt. Im 16./17. Jh. kamen Piraten und Freibeuter, allen voran der legendäre Olivier Levasseur, der sich "La Buse", der Bussard, nannte. Er soll vor seinem Tod durch den Strang auf Mahé einen ungeheuren Schatz vergraben haben, nach dem heute noch gesucht wird. Die Seychellen tragen ihren heutigen Namen seit 1756, als der irische Kapitän Corneille Nicolas Morphey die Inseln im Auftrag der französischen Krone in Besitz nahm. Benannt wurden sie nach Jean Moreau de Sechelles, dem Finanzminister Ludwigs XV. Schillernde Persönlichkeiten gab es in der Geschichte der Seychellen zuhauf: Da ist z.B. der Franzose Quéau de Quinssy, der das Amt des Gouverneurs 1794 übernahm. Als am 16. Mai jenes Jahres die Engländer mit einer gewaltigen militärischen Übermacht vor Victoria auftauchten, sah de Quinssy keine andere Möglichkeit, als eine von ihm selbst formulierte Kapitulationsurkunde zu unterzeichnen. Doch kaum waren die Schiffe der Briten wieder am Horizont verschwunden, holte de Quinssy den Union Jack wieder ein und hisste stattdessen erneut die Trikolore. Bis 1811 soll sich dieses Spielchen siebenmal wiederholt haben. Die Annexion der Seychellen durch die Briten ließ sich dadurch letztlich allerdings nicht verhindern. 1833 schafften die neuen Herren die Sklaverei ab. Daran erinnert am Ortsrand von Victoria auf Mahé die Figur eines Mannes (Zonm lib), der symbolisch seine Ketten sprengt.

Heute gilt die Repiblik Sexel (so der offizielle Name der Republik der Seychellen) als relativ stabile Demokratie, die sich mehr oder weniger sozialistisch angehauchte Staatschefs leistet. Albert René nutzte am 5. Juni 1977 die Abwesenheit des demokratisch gewählten Staatspräsidenten James R. Mancham zu einem Putsch. Seitdem hatte René, der in der Schweiz und in England studierte, alle Wahlen gewonnen - bis 1993 freilich immer ohne Gegenkandidaten. Aber auch aus den Wahlen seit 1993, an denen sich wieder mehrere Parteien beteiligen durften, ging René immer als Sieger hervor. 2004 trat er zurück und übergab das Amt an seinen Vizepräsidenten James Alix Michel, der seinerseits 2006 und 2011 wiedergewählt wurde.

Wer sich um den Chefsessel im Parlament bemüht, scheint vielen Seychellois aber eher nebensächlich zu sein. Leben und leben lassen ist die Devise. Das ist u.a. möglich, weil der Staat Bildung kostenlos anbietet und die soziale Grundversorgung bei Krankheit und im Alter gewährleistet. Das trägt dazu bei, dass der Lebensstandard auf den Seychellen wesentlich höher ist als im kontinentalen Afrika. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren so drastisch gestiegen, dass sich viele Seychellois nur mit einem Zweitjob über Wasser halten können. Bemerkenswert ist, dass der Staat mehr als die Hälfte der rund 30000 Arbeitsplätze stellt. Und schon traditionell ist das Handelsbilanzdefizit, da die Seychellen kaum über nennenswerte Devisenreserven verfügen und ein großer Teil der Einnahmen aus dem Tourismus in den Import z.B. von Nahrungsmitteln reinvestiert werden muss.

Mit der Eröffnung des internationalen Flughafens auf Mahé im Jahr 1972 begann der organisierte Tourismus, der heute mit etwa 70 Prozent der Staatseinnahmen die Haupteinnahmequelle darstellt. Fischfang und -verarbeitung und der Gewürzhandel spielen eine immer weniger bedeutende Rolle. War es bis zur Jahrtausendwende beabsichtigt, einen Aufenthalt auf den Seychellen möglichst nur gut betuchten Gästen in Nobelherbergen zu ermöglichen, hat sich die aktuelle Regierung nicht zuletzt wegen des chronischen Devisenmangels entschlossen, vor allem private Initiativen zu fördern. Ein billiges Reiseziel sind die Seychellen trotzdem nicht geworden, aber ein preisgünstiger Urlaub in einem der mittlerweile zahllosen Gästehäuser ist durchaus möglich. Pro Jahr kommen knapp 200000 Besucher, darunter ca. 35000 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (2011).

Beflügelt von der Faszination, die sich einstellt, wenn man zum Beispiel durch das Vallée de Mai auf Praslin, einer der beiden Weltnaturerbestätten auf den Seychellen, streift, könnte man sagen: Der liebe Gott muss einen kreativen Tag gehabt haben, als er die Inseln vor der afrikanischen Küste in den Indischen Ozean streute. Keine gleicht der anderen, auf jeder gibt es etwas Besonderes. Es wuchert üppig, und wer von jenseits des Äquators kommt, ist beeindruckt von der Vielfalt an Formen und Farben, von der Dichte und Größe der Vegetation. Allerdings ist die Natur auf den Inseln nicht sehr artenreich und auch nicht mehr ursprünglich. Der Urwald wurde vor allem an den Inselrändern bis auf wenige Reste gerodet, neu eingeführte Pflanzen verdrängten die einheimische Vegetation. Dennoch finden sich immer noch Pflanzen und Tiere, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen. Heerscharen von Botanikern und Ornithologen sind auf den Seychellen damit beschäftigt, die noch vorhandenen Ursprünge zu bewahren und einstige Zustände wieder herzustellen. Zu den etwa 80 endemischen Pflanzen zählt z.B. die Coco de Mer, die sagenumwobene Seychellennuss. Eine Besonderheit sind auch die Riesenschildkröten, "lebende Fossilien" eines längst vergangenen Erdzeitalters. Nachdem sie von der völligen Ausrottung bedroht waren, gibt es von ihnen wieder mehr als 170000 Exemplare. Unter strengen Schutz gestellt wurden auch 13 Landvogelarten, die es nur auf den Seychellen gibt, dazu etliche Seevögel wie die kleine Noddyseeschwalbe, die mächtigen Fregattvögel oder der Rotschwanztropikvogel. Wie fast alle Korallenriffe der Erde wurden auch die vor den Seychellen durch das Klimaphänomen El Niño in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch ist die Natur, speziell die Unterwasserflora und -fauna, die sich an vielen Stellen größtenteils wieder erholt hat, nach wie vor die größte Attraktion der Seychellen und das Grundkapital des Tourismus. Die Regierung hat deshalb schon rund die Hälfte der gesamten Landfläche und einen Teil des Meeres unter Naturschutz gestellt. Zu einigen Inseln haben nur noch Botaniker und Ornithologen Zutritt, Touristen nur in Ausnahmefällen.

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Im Arbeitszimmer des vielgereisten Journalisten, der seit fast 30 Jahren Reportagen, Artikel und Bücher über ferne Länder verfasst, hängt ein Siebdruck von Sir Michael Adams, dem berühmtesten Künstler des landschaftlich so reizvollen Inselstaats im Indischen Ozean: "Wenn ich gestresst bin, schaue ich ein paar Minuten auf dieses Bild und werde ganz ruhig …"

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Quelle: www.marcopolo.de

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