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Reiseführer Malediven:Stichworte

Haifische, Dhonis und Kokospalmen: Alles gehört dem Staat, aber der ist recht freizügig - wenn man von der Religion absieht

Abgetaucht

Politiker tauchen ja bisweilen gerne ab, wenn die Lage unübersichtlich wird. Die maledivische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Mohamed Nasheed nahm diese Redewendung am 17. Oktober 2009 wörtlich: Eine halbe Stunde lang tagte das Kabinett medienwirksam in 6 m Tiefe vor der Insel Girifushi im Nord-Male"-Atoll. In schwarzen Taucheranzügen unterzeichneten die 13 Kabinettsmitglieder - natürlich mit wasserfesten Stiften - auf dem Meeresboden eine Resolution, in der sie die internationale Staatengemeinschaft aufforderten, den CO 2 -Ausstoß baldmöglichst zu verringern. Das ist notwendig, weil die nur maximal 2,50 m über dem Meeresspiegel liegenden Inseln konkret vom Untergang bedroht sind, wenn der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des Meeresspiegels nicht schnell gestoppt werden. Auch unter Nasheeds Nachfolger Mohammed Waheed Hassan wollen die Malediven 2020 als erstes Land der Erde klimaneutral werden, das heißt, kein CO 2 mehr produzieren.

Bevölkerung

Die Malediver sind von singhalesischen, arabischen, malaiischen und afrikanischen Ethnien geprägt. Die meisten haben eine hellbraune Hautfarbe und eine schlanke, zierliche Statur. Malediver lachen gern, sind gastfreundlich, zuweilen neugierig, die Frauen eher zurückhaltend. Eine typische Eigenschaft ist die Gabe, selbst in Stresssituationen gelassen zu bleiben. Insha' Allah, gesprochen Inschallah ("So Gott will!"), ist ein beliebter Ausdruck, wenn man demjenigen etwas überlassen will, der die Geschicke lenkt. Auf den offiziell 220 von Einheimischen bewohnten Inseln leben je 200 bis 6000, insgesamt ca. 329000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte täuscht aber, denn auf den nur 5,7 km2 großen Hauptstadtinseln drängen sich allein etwa 135000 Menschen - das ist mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Male' ist damit die am dichtesten besiedelte Hauptstadt der Erde. Viele junge Malediver zieht es in die Hauptstadt, da es hier bessere Arbeitsmöglichkeiten gibt.

Dhonis

Das Dhoni ist das traditionelle Verkehrsmittel der Malediven, selbst größere Entfernungen werden mit diesen Booten, die der arabischen Dhau ähneln, überwunden. Die Bauform blieb über die Jahrhunderte hinweg fast unverändert, allerdings wurde der Rumpf mit dem Einbau von Dieselmotoren schlanker. Es gibt Segel- und Motordhonis, erstere erkennt man am trapezförmigen Lateinersegel. Doch findet man unterschiedliche Bauarten für Dhonis, die nur innerhalb der Atollringe verkehren, und für andere, mit denen der Verkehr zwischen den Atollen sichergestellt wird. Die Bootsbauer auf der Insel Alifushi im Raa-Atoll stehen im Ruf, die besten Dhonis der Malediven zu bauen, Werften findet man aber auf allen Einheimischeninseln. Auf Touristeninseln werden motorbetriebene Dhonis eingesetzt, um z.B. Taucher zu Unterwasserrevieren zu transportieren.

Flora und Fauna

Die Pflanzenwelt der Malediven ist mit Ausnahme der südlichsten Atolle spärlich. Die Kokospalme stellt eine unentbehrliche Rohstoff- und Nahrungsquelle dar und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie gilt als Lebensbaum der Malediver. Die Nüsse - pro Jahr trägt eine Palme bis zu 90 Früchte - enthalten in halbreifem Zustand ein Fruchtwasser, das als erfrischendes Getränk beliebt ist. Nach und nach verdickt sich dieses Fruchtwasser zu Fruchtfleisch, das nach der Ernte herausgeschält, geraspelt und getrocknet wird und dann als Kopra exportiert wird - ein Grundstoff z. B. für die kosmetische Industrie. Die getrockneten Schalen sind ein billiger Brennstoff. Die Blätter der Kokospalme werden als Dachabdeckung beim Hausbau, die Stämme beim Schiffbau verwendet.

Weitere Palmen sind die Schrauben-, die Betelnuss- und die Nipapalme. Unter den wenigen Baumarten finden sich der Brotfrucht-, der Banyan- und der Mangobaum. Zu den wichtigsten Früchtelieferanten zählen Banane und Papaya, weitere Nutzpflanzen sind Süßkartoffel, Maniok und Taro sowie Mais und Hirse. Auf einigen Inseln, vor allem solchen, die in der Nähe von Hotelresorts liegen, wird Gemüse angebaut, wenn auch in bescheidenem Umfang. Auch der Reisanbau spielt nur eine geringe Rolle und kann den Eigenbedarf nicht decken.

Die geringe Artenvielfalt der Pflanzen bringt es mit sich, dass auf den Inseln nur wenige Landtiere leben. Auf einigen Inseln gibt es wilde Kaninchen und Palmhörnchen, wobei Letztere eher unbeliebt sind: Sie laufen nachts auf den Palmdächern hin und her und bringen die Hausbewohner um den Schlaf. Beliebt sind dagegen die Geckos, kleine Echsen, die Ungeziefer jeder Art als ihre Leibspeise betrachten. Zur Gattung der Fledermäuse zählen die Fliegenden Hunde, die man erst in den Abend- und Nachtstunden bemerkt. Tagsüber halten sie sich kopfüber schlafend in den Bäumen auf.

Am frühen Abend und nachts wird es an den Stränden lebendig. Mit etwas Geduld können Sie beobachten, wie die Sandkrabben das Höhlensystem anlegen, in dem sie tagsüber leben. Um den Sand wegzuschaufeln, bedienen sie sich ihrer Hinterbeine, zuvor graben sie mit den vorderen Zangen den Höhleneingang.

Durch die spezifische Bebauung der Inseln gelang es, die Moskitoplage in den Griff zu bekommen. Man legte je eine breite Straße an, die die Insel in der Hauptwindrichtung durchzieht. Das hat zur Folge, dass auch die Moskitos diesen Weg nehmen. Nur bisweilen werden sie lästig, weshalb Sie sich abends mit entsprechender Kleidung wappnen sollten.

Folklore

Unverkennbar sind die arabischen und afrikanischen Einflüsse, die Zuwanderer auf die Malediven mitbrachten. Boduberu (große Trommel) heißt die traditionelle Unterhaltung. Dabei begleiten drei Trommler den Wechselgesang zwischen einem Vorsänger und einem Chor (dann ist es ein Baburu Lawa, übersetzt "Negergesang"). Während diese Art der Unterhaltung Männern vorbehalten ist, wird die Bandiyaa Dschehun nur von jungen Frauen vorgeführt. Dabei werden die Finger rhythmisch gegen Metallgefäße geschlagen. Eine Variante davon ist der Dandi Dschehun, bei dem sich die Tänzerinnen in zwei Reihen gegenüberstehen und den Rhythmus mit Stöcken schlagen.

Geografisches

Die Malediven sind von Frankfurt/M. ca. 7880 km entfernt und erstrecken sich auf einer Länge von 871 km in Nord-Süd-Richtung. Die geografische Lage entspricht 7 Grad nördlicher und 1 Grad südlicher Breite sowie dem 72. und dem 74. Grad östlicher Länge. Der Äquator verläuft zwischen dem Gaafu-Alifu-Atoll und dem Gnyaviani-Atoll im Süden. Zwischen dem Indischen Subkontinent und den Malediven beträgt die größte Entfernung 360 km, nach Sri Lanka sind es 770 km. Nähme man die Fläche aller Inseln zusammen, ergäbe das nur etwa 298 km2 - weniger als die Fläche Münchens ...

Klima

Die Malediven sind ein Ganzjahresreiseziel, die Temperaturunterschiede halten sich übers Jahr hinweg in engen Grenzen. Bestimmend ist der Monsunwind, der von April bis Oktober aus südwestlicher, in der übrigen Zeit aus nordöstlicher Richtung weht. Unangenehm kann er in der Zeit des Wechsels (Mai/Juni und Sept./Okt.) werden, dann gibt es manchmal auch Stürme mit starken Regenfällen. Am heißesten ist es mit Temperaturen bis zu 33 Grad im April und Mai; allerdings macht eine beständige Brise auch solche Werte erträglich. Der Unterschied zu den "kältesten" Monaten (Nov.-Feb.) beträgt nur 2 Grad. Ebenfalls gering ist der Unterschied zwischen Tages- und Nachttemperaturen, er bewegt sich bei 3 Grad. Eine Regenzeit gibt es auf den Malediven nicht. Konstant sind auch die Wassertemperaturen, die während des ganzen Jahres bei 28/29 Grad liegen.

Naturschutz

Seit es westlich von Male' eine zentrale Müllverbrennungsanlage gibt und die Betreiber von Hotelinseln verpflichtet wurden, eigene Müllverbrennungsöfen zu installieren, scheint das Problem einigermaßen gelöst. Trotzdem: Jeder Reisende kann zur Müllvermeidung beitragen (das beginnt beim Bier vom Fass und nicht aus der Dose). Neue Resorts werden nur noch unter strenger Beachtung von Umweltauflagen genehmigt, bestehende zu entsprechenden Umbauten gezwungen. Die Gewinnung von Trinkwasser erfolgt heute fast ausschließlich durch Meerwasser-Entsalzungsanlagen.

Die inzwischen abgelöste Regierung unter Mohamed Nasheed beschloss 2011 ein ehrgeiziges Programm: Bis 2020 sollen die Malediven als erstes Land der Erde klimaneutral werden. Mit einem umfangreichen Programm soll u.a. die Nutzung der Sonne durch Photovoltaik intensiviert werden. Außerdem wurde das nordwestlich von Male" gelegene Baa-Atoll 2011 von der Unesco zum ersten Weltbiosphärenreservat der Malediven erklärt und unter Schutz gestellt.

Regierung

Nach der Unabhängigkeit der Malediven von Großbritannien (1965), wurde eine präsidiale Regierung installiert. Ihr steht seit einer Verfassungsänderung 1975 ein Präsident vor, der auch als Regierungschef fungiert. Seit dem mehr oder weniger freiwilligen Rücktritt von Präsident Mohamed Nasheed am 7. Februar 2012 steht Mohammed Waheed Hassan an der Spitze der Regierung. Für 2013 wurden demokratische Neuwahlen angekündigt, bei denen Nasheed wieder kandidieren will. Das Parlament (Majlis) besteht aus 42 gewählten Abgeordneten, dazu kommen acht Abgeordnete, die der Präsident bestimmt. Bei ihnen handelt es sich meist um Mitglieder einflussreicher Familien. Politische Parteien sind erst seit 2005 erlaubt.

Religion

Gemäß der Verfassung von 1968 gilt der Islam als Staatsreligion, die Ausübung anderer Glaubensbekenntnisse ist untersagt. Deshalb gibt es auf den Malediven auch keine christlichen Kirchen. Nach einer gewissen Lockerung ist seit einigen Jahren eine Rückkehr zu islamischen Traditionen sichtbar geworden. So sieht man z. B. vermehrt Frauen, die das Kopftuch tragen und das Gesicht teilweise verhüllen, obwohl die Verschleierung von Frauen gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Strikt eingehalten werden die Ge- und Verbote des Islam, z. B. das Schweinefleisch- oder Alkoholverbot.

Sprache

Landessprache ist das Dhivehi, eine arabisch-singhalesische Mischsprache, in die viele Anglizismen Eingang gefunden haben. Die Insulaner sprechen unterschiedliche Dialekte, was die Verständigung untereinander nicht gerade erleichtert. Auf den Touristeninseln wird Englisch verstanden und auch gesprochen. Thanaa heißt die Schrift, die sich aus dem arabischen Vorbild entwickelt hat. 1972 gab es eine Schriftreform, seither werden auch lateinische Schriftzeichen verwendet. Eine Vereinheitlichung der Schreibweise von Eigennamen und Begriffen gibt es noch nicht, deshalb trifft man immer wieder auf unterschiedliche Schreibweisen von geografischen Bezeichnungen wie Atoll- oder Inselnamen. Bemerkenswert ist die Alphabetisierungsquote: 99 Prozent aller Malediver können lesen und schreiben!

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Heiner F. Gstaltmayr lebt als freier Journalist und Reisebuchautor auf der Schwäbischen Alb - wenn er nicht gerade zu Recherchen irgendwo auf der Welt unterwegs ist. Er schreibt vorzugsweise über asiatische Länder, wobei es ihm die Malediven mit ihren goldenen Stränden, den grünen Lagunen und der phantastischen Unterwasserwelt besonders angetan haben - ein perfekter Ort zum Abschalten.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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