bedeckt München 27°

Reiseführer Costa Rica:Essen & Trinken

Bei den bunten Früchtepyramiden der zahlreichen Essstände auf Märkten und in Markthallen isst auch das Auge mit

MARCO POLO Autorin Birgit Müller-Wöbcke

Ein weiteres Grundnahrungsmittel ist Reis, für den man viele Hundert Zubereitungsarten kennt. Reis und schwarze Bohnen sind auch die Basiszutaten für das costa-ricanische Nationalgericht casado. Das bedeutet eigentlich „verheiratet“ – und warum heißt nun dieses populäre Tagesmenü ausgerechnet casado? Es ist das, was den tico angeblich täglich – und für den Rest seines Lebens – erwartet, wenn er eine tica heiratet: Reis und gebratene schwarze Bohnen, Zwiebeln, oft mit Rührei oder auch Sauerrahm. Dazu gibt es gebratene Kochbananen, gebratenes oder gekochtes Fleisch und Salat.

Traditionell wird bereits am Morgen gallo pinto serviert, das zweite Nationalgericht, wiederum eine Mischung aus Reis und schwarzen (oder roten), in der Pfanne gebratenen Bohnen, dazu wahlweise Zwiebeln, Sauerrahm, dünne Maismehlfladen (tortillas), Käse oder Rührei. Auch kann das Gericht ergänzt werden durch Schinken, Huhn oder Speck.

Mittags und abends schätzen die Costa-Ricaner – neben Reis und Bohnen – Hühner- oder Rindfleisch; Eier und Fisch ergänzen den Speiseplan. Köstlich sind die diversen Gemüsegerichte und -beilagen. Neben Karotten, Paprika, Kartoffeln, Kürbis und Zwiebeln werden häufig auch exotisch anmutende Gemüsesorten wie Yucca und Maniokwurzeln serviert. Vorsicht ist angezeigt bei den so harmlos aussehenden picadillos, in Chilischoten und Essigwasser eingelegten Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Paprika von mitunter enormer Schärfe.

Für Europäer fremdartig ist vor allem die kreolische Küche, in der Kokosnuss und Gewürze die Hauptrolle spielen. Einer der beliebtesten Eintöpfe heißt rundown (auch: rondon), in Kokosmilch gekochtes Fleisch und Gemüse. Das Meer bildet einen der größten Reichtümer des Landes und versorgt die Costa-Ricaner mit Fisch und Meeresfrüchten. Aus Mexiko kommt ceviche, eine beliebte Vorspeise aus rohem, in Zitronensaft mariniertem Fisch, gewürzt mit Koriander, Limetten und Zwiebeln. Auf Meeresfrüchte spezialisierte Restaurants nennen sich marisquería.

Als Nachtisch gibt es Käse aus Monteverde (z. B. Monte Rico) oder eine der vielen Süßigkeiten wie granizado con fruta, Eiscreme und Früchte auf zerstoßenem Eis.

In Costa Rica schätzt man ein gutes Bier, und die im Land gebrauten Sorten Bavaria, Pilsen und Imperial brauchen den Vergleich mit europäischem Bier nicht zu scheuen. Wein ist teuer und meist importiert. Äußerst beliebt sind Fruchtmixgetränke (frescos), etwa pürierte Mangos oder Bananen, die mit Milch oder Wasser aufgefüllt sind, während in den Hotels und Touristenrestaurants auch reine Fruchtsäfte serviert werden. Am Straßenrand verkauft werden grüne Kokosnüsse (pipas), mit einer Machete geöffnet und mit dem Strohhalm ausgeschlürft – ein idealer Durstlöscher, darüber hinaus heilsam bei Magen-Darm-Problemen.

Costa-ricanischer Kaffee wird in alle Welt exportiert und von den Einheimischen den ganzen Tag über gern getrunken. Beliebt als Sundowner sind die köstlichen Mixgetränke, zum Beispiel piña colada (Ananassaft, Kokosmilch, Rum), daiquirí (Zitronensaft, Rum, zerstoßenes Eis), margarita (Zitronensaft, Cointreau, Tequila), Cuba libre (weißer Rum, Zitronensaft, Cola).

In San José finden Sie Restaurants jeder Couleur. Im mittleren Preisbereich herrschen US-angepasste Häuser vor, die „bessere“ einheimische Gesellschaft bevorzugt europäische Restaurants. Auf dem Land überwiegen einfachere Lokale (sodas) mit einheimischer Küche. Zu den ausgewiesenen Preisen kommen 15 Prozent Steuern und zehn bis 20 Prozent Service hinzu; wo der Bedienungszuschlag nicht pauschal dazuaddiert wird, wird ein entsprechendes Trinkgeld erwartet.

Jeder größere Ort hat seinen Zentralmarkt mit zahlreichen Essständen. Man sitzt auf Holzhockern vor dem Tresen und bekommt vom Frühstück bis zum Abendessen alles serviert. Dazu gibt es Kaffee sowie Obst- und Gemüsesäfte. Und auf den Straßen findet man an vielen Ecken einen Imbissstand, dessen Angebot jedoch oft nichts für den empfindlichen Magen ist. Mit bar schließlich kann fast alles gemeint sein: Kneipe, Esslokal, Café, Gemischtwarenladen oder all das zusammen. Star der costa-ricanischen Kochszene ist Flora Sobrado de Echandi, im Land berühmt unter dem Namen Tía Florita. Die Verfasserin von bald 20 Kochbüchern und Star ungezählter Kochshows führt vor, wie die traditionelle Landesküche variiert werden kann. Ihre Rezepte ( www.tiaflorita.tv/recetas ) schöpfen aus Altbewährtem, werden durch Verwendung von Gewürzen und neuen Zutaten moderner. Anders als im nördlich gelegenen Mexiko verwendeten die Ticas bis in die jüngste Vergangenheit kaum feurige Saucen und würzten nicht mit Chilis.

In den von Touristen besuchten Orten sind zahlreiche vegetarische Restaurants entstanden sowie von Ausländern betriebene italienische, französische und asiatische Restaurants – deren Kochtraditionen nehmen nun ihrerseits Einfluss auf die Landesküche ebenso wie die aus den USA herüberschwappende Welle des Fusion Food, bei dem aus allen Küchen der Welt geschöpft wird. Fusion-Food-Gerichte werden hauptsächlich in teureren Restaurants angeboten.

Weiter zu Kapitel 4

Bereits während ihres Studiums begann Birgit Müller, als Reisejournalistin zu arbeiten. Auf ausgedehnten Reisen lernte sie Mittelamerika von Belize bis Panama kennen und lieben. In Costa Rica gefällt ihr vor allem die innere Gelassenheit, mit der die Bewohner die kleinen und großen Ärgernisse des Lebens hinnehmen und sich ihr Lachen nicht verderben lassen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

Zur SZ-Startseite