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Illegale Party in Italien:Das Dorf und die Monsterparty

Bild in neuer Seite öffnenHeavy-Metal-Festival Wacken

Ausgelassen feiern? Menschen vor der Pandemie beim Wacken Open Air.

(Foto: Picture Aalliance/dpa/dpaweb)

Tausende Jugendliche aus ganz Europa treffen sich zum Feiern in einem kleinen Dorf in Italien. Ein 24-Jähriger stirbt dabei - aber die Feier geht zunächst weiter.

Von Francesca Polistina

Eine Frage geht um in Italien, und noch hat niemand eine überzeugende Antwort gefunden. Sie lautet: Wie konnte das passieren? Vom 13. August an fand in der Nähe des Dorfes Valentano beim Lago di Mezzano, 100 Kilometer nordwestlich von Rom, eine große illegale Rave-Party statt. Zwischen 10 000 und 15 000 junge Menschen aus ganz Europa waren italienischen Medienberichten zufolge angereist. Sie feierten, obwohl die Pandemie noch lange nicht vorbei ist, und die Abstands- und Hygieneregeln nicht eingehalten wurden. Und sie feierten auch weiter, nachdem ein 24-jähriger Teilnehmer ums Leben kam. Er soll ins Wasser gegangen und nicht mehr aufgetaucht sein. Seine Leiche wurde auf dem Grund des Sees gefunden, die Polizei ermittelt.

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Die Bürgermeister der benachbarten Gemeinden zeigten sich wütend. Die Party, so schrieben die Bürgermeister der Kommunen Manciano, Pitigliano und Sorano in einer gemeinsamen Erklärung, sei "ein Frontalangriff auf die Gebiete und die Bevölkerung der Nachbargemeinden". Sie gefährde die wirtschaftlichen Aktivitäten auf dem Höhepunkt der Touristensaison sowie die Sicherheit und Ruhe der Bürger, auch aus gesundheitlicher Sicht. Die drei Bürgermeister fühlten sich vom Staat nicht geschützt und forderten die Räumung. Nach fünf Tagen war es dann so weit: Am frühen Donnerstagmorgen begannen Sicherheitskräfte ihren Einsatz auf dem Gelände.

"Größte Party Europas"

Zuvor hatte der Polizeipräsident der Stadt Viterbo, Giancarlo Sant'Elia, den Medien noch gesagt, eine Räumung sei unmöglich: "Es sind Tausende von Teilnehmern auf einer Fläche von 30 Hektar verteilt." Weswegen sich die Polizei, nicht ohne Kritik zu ernten, zunächst dafür entschied, mit den Veranstaltern zu verhandeln - auch, um eine gewalttätige Eskalation zu vermeiden. Die Organisatoren, die angeblich aus Frankreich kommen, hatten ursprünglich vor, bis zum 23. August zu feiern. Viele Teilnehmer hatten das Event nach dem Todesfall wohl ohnehin bereits verlassen, heißt es in den Medien. Die Party ging aber erst mal weiter.

Die Onlinezeitung Il Post zitiert einen Experten, der das Event als die "größte Free-Party in Italien der vergangenen zehn bis 15 Jahre, wahrscheinlich die größte in Europa in diesem Sommer" beschreibt. Offen ist noch, wie so viele Lastkraftwagen und Wohnmobile ungestört bis in das kleine Dorf Valentano gelangen und ein Feld, das laut dem Bürgermeister Stefano Bigiotti im Privatbesitz ist, in einen riesigen Campingplatz verwandeln konnten. Eine Quelle, die anonym bleiben will, erzählte der Zeitung La Repubblica, dass die genauen Koordinaten unmittelbar vor Beginn der Party, als die Organisatoren schon vor Ort waren, via Telegram bekannt gegeben wurden. Von 2000 Teilnehmern wurden laut der Nachrichtenagentur Ansa inzwischen die Personalien aufgenommen. Zwei mussten in Krankenhäuser gebracht werden, sie sollen womöglich unter Drogeneinfluss gestanden haben.

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In der Gemeinde Valentano, sonst mit seinen knapp 3000 Einwohnern ein ruhiger Ort, sind sie nun mit Aufräumen beschäftigt. Bürgermeister Bigiotti sagte, es sei niemand mehr auf dem Gelände. Er hatte zuvor auch wegen der Auswirkungen auf die Umwelt Bedenken geäußert. Das Gebiet, in dem die Party stattfand, sei nämlich eine geschützte, fragile und wertvolle Landschaft. "Ich hoffe, dass die Folgen nicht irreparabel sind."

© SZ/moge