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Coronavirus:Zehn Mitarbeiter infiziert - Starnberger Landratsamt schließt Catering-Firma

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Der Caterer mit mehr als 100 Beschäftigten beliefert vor allem Betriebe im Landkreis München. Die gesamte Belegschaft wird nun getestet.

(Foto: dpa)

Das Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern beliefert Betriebe im Landkreis München. Dort arbeitet ein Teil der 16 Flüchtlinge, die in einer Hechendorfer Unterkunft erkrankt sind.

Von Michael Berzl

Nach einem folgenschweren Coronavirus-Ausbruch in einer Flüchtlingsunterkunft in Hechendorf hat das Starnberger Landratsamt eine Catering-Firma für zwei Wochen schließen lassen, bei der ein Teil der Infizierten gearbeitet hat. Das teilte Landrat Stefan Frey (CSU) am Samstag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mit. Den Namen des Unternehmens im Landkreis Starnberg nannte er nicht.

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Der Caterer mit mehr als 100 Beschäftigten beliefert vor allem Betriebe im Landkreis München. Die gesamte Belegschaft werde nun getestet und müsse sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben. In der Hechendorfer Unterkunft sind 16 von insgesamt 33 Bewohnern positiv auf das Virus getestet worden. Zehn von ihnen arbeiten bei dem Caterer.

"Während der Tourismus boomt, müssen wir feststellen, dass Corona nicht vorbei ist. Wir müssen jederzeit mit einem weiteren Ausbruch rechnen. Covid 19 ist unter uns", sagte Frey mit Blick auf die vielen Ausflügler, die am Samstag im Fünfseenland unterwegs waren. Die Mahnungen, Abstand zu halten und Hygieneregeln einzuhalten, seien daher weiterhin angebracht. Nun hat der Landkreis nach eigenen Worten mit dem größten Ausbruch seit Beginn der Pandemie zu kämpfen. Der erste Fall in der Gemeinschaftsunterkunft am Keltenweg in Hechendorf war am vergangenen Donnerstag festgestellt worden, nachdem einer der Bewohner am Tag zuvor mit gesundheitlichen Beschwerden in eine Arztpraxis gegangen war. Ein Test ergab, dass der Mann sich mit dem Erreger infiziert hat. Das Landratsamt veranlasste weitere Tests; mittlerweile liegen 16 positive Befunde vor. Die Betroffenen wurden in eine für solche Fälle vorgesehene Unterkunft nach Wackersberg verlegt. Das Haus in Hechendorf wurde sofort unter Quarantäne gestellt. Dort lebten in Zwei- und Vierbettzimmern vor allem alleinstehende Männer, berichtete Sabine Neumann vom Landratsamt; sie müssten Gemeinschaftsduschen benutzen und sich auch eine Küche teilen. Die meisten von ihnen seien als Flüchtlinge anerkannt. Zehn der Asylbewerber, die sich angesteckt hatten, haben nach Mitteilung des Landratsamts in unterschiedlichen Abteilungen im Schichtbetrieb bei einer großen Catering-Firma gearbeitet, die mehrere Kunden mit Essen beliefert; unter anderem als Spüler. "Es war keine leichte Entscheidung, aber wir haben uns entschlossen, diese Firma zu schließen", sagte Frey. Aus Infektionsschutzgründen sei das "zwingend erforderlich", erklärte er zur Begründung. Auch die Kunden seien darüber informiert worden. Von der kommenden Woche an bleiben die Essenslieferungen aus.

Auf die Frage, ob sich der Erreger womöglich über die Speisen weiterverbreiten konnte, erklärte Gesundheitsamtsleiter Lorenz Schröfl: "Man kann es nicht völlig ausschließen, aber es ist äußerst unwahrscheinlich." Kunden seien Firmen und nicht Schulen und Kindergärten. Bei dem Caterer haben sieben weitere Asylbewerber gearbeitet, die in Unterkünften in Starnberg, Pöcking, Seefeld und Inning untergebracht sind. Sie wurden zur Beobachtung in eine Unterkunft nach München verlegt.

Sämtliche Bewohner der Hechendorfer Unterkunft ausfindig zu machen, war gar nicht so einfach für die Mitarbeiter des Landratsamts. Elf von ihnen seien zunächst nicht auffindbar gewesen, berichtete Landrat Frey. Inzwischen seien fast alle ermittelt, einer von ihnen hielt sich in Köln auf. Nach einem der Bewohner werde "intensiv gefahndet", dazu sei auch die Polizei eingeschaltet worden.

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Über den Corona-Ausbruch im Landkreis Starnberg seien auch das Gesundheitsministerium und die Regierung von Oberbayern informiert worden, berichtete Landrat Frey. Auch mit Nachbarlandkreisen, aus denen ebenfalls Mitarbeiter des betroffenen Caterers kommen, habe man deswegen Kontakt aufgenommen. Die Task Force Infektiologie des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist ebenfalls eingebunden. Die Gesamtzahl der positiv getesteten Fälle im Landkreis Starnberg ist nun auf 560 angestiegen. Mit 126 Fällen liegt Gauting nach wie vor deutlich an der Spitze. Vier Patienten müssen nach Angaben des Landratsamts derzeit stationär in Kliniken behandelt werden, drei davon müssen beatmet werden. Bei den Asylbewerbern aus Hechendorf, die sich mit dem Erreger angesteckt haben, machten sich lediglich leichte oder gar keine Symptome bemerkbar, berichtete Gesundheitsamtsleiter Schröfl.

© SZ vom 29.06.2020
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