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Rechtsstreit um Theaterstücke:Im Namen der Meinungs- und Kunstfreiheit

Prager Kardinal verliert im Rechtsstreit um zwei religionskritische Inszenierungen von Oliver Frljić. Die betroffenen Theater müssen sich nicht entschuldigen.

Zwei Theater im tschechischen Brno (Brünn) müssen sich nicht beim Prager Kardinal Dominik Duka für kontroverse Inszenierungen entschuldigen. Der Oberste Gerichtshof wies laut tschechischen Medienberichten Dukas Berufungsklage letztinstanzlich ab. Bei den Aufführungen, die 2018 für einen Eklat gesorgt hatten, habe es sich weder um Diskriminierung von Christen gehandelt noch um einen Eingriff in das Recht auf Glaubensfreiheit. Duka hatte eine Entschuldigung des Brünner Nationaltheaters und des Zentrums für experimentelles Theater gefordert, weil er sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sah. Die Klage betraf zwei Inszenierungen des kroatischen Regisseurs Oliver Frljić. "Verdammung" hatte Kindesmissbrauch durch Priester thematisiert. "Unsere Gewalt und eure Gewalt" nahm die Beziehung der westlichen Gesellschaft gegenüber der islamischen aufs Korn.

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In der Performance "Verdammung" wurde unter anderem Oralsex an einer Papststatue simuliert. In "Unsere Gewalt und eure Gewalt" sorgte eine Szene für Aufsehen, in der ein Jesus-Darsteller vom Kreuz steigt und eine Muslimin vergewaltigt. 20 Zuschauer stürmten damals die Bühne; die Aufführung konnte erst nach einem Polizeieinsatz zu Ende geführt werden.

Die Vorinstanzen hätten korrekt abgewogen zwischen "dem Recht auf freie Wahl der Religion und dem Recht, deshalb keinen Beleidigungen ausgesetzt zu sein, sowie dem Recht auf freie Meinungsäußerung", urteilten die Höchstrichter. Das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhalte auch "schockierende und beunruhigende Gedanken". Beide Dramen hätten "Themen von großer gesellschaftlicher Relevanz angesprochen". Es sei also um keine "beleidigende und unversöhnliche Handlung als Selbstzweck" gegangen. Weder der Kardinal noch sein Rechtsvertreter hätten zudem selbst die Aufführungen gesehen. Auch könne nicht angeführt werden, dass die auch bei Aufführungen in Kroatien und Polen umstrittenen Werke Frljics "alle Christen" verstört hätten. Das Gericht zitierte in diesem Zusammenhang einen Artikel des Prager Theologen und Soziologen Tomas Halik, wonach eines der Stücke auch ihm nicht gefallen habe; es sei aber "nicht das Ziel des 'Cool Theatre', zu gefallen und zu unterhalten, sondern zum Denken anzuregen".

© SZ/KNA/cd