Von Silvia Liebrich

Heftiger Konjunkturrückgang nach Jahren des Wachstums: Der Einbruch der Weltwirtschaft trifft den schwarzen Kontinent mit großer Wucht.

Afrika, Reuters

Afrika: "Viele Menschen werden erneut in die Armut gedrängt" (Foto: Reuters)

Die OECD rechnet für Afrika mit einem "brutalen Absacken" der Konjunktur nach fünf Jahren kräftigen Wachstums.

Und es bestätigt sich, was viele Experten bereits vorhergesehen hatten. Die weltweite Wirtschaftskrise trifft ausgerechnet diejenigen am härtesten, die an ihrem Ausbruch am wenigsten Schuld tragen: Die Entwicklungs- und Schwellenländer, von denen die meisten auf dem Schwarzen Kontinent zu finden sind.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet in diesem Jahr mit einem dramatischen Einbruch der afrikanischen Konjunktur, das geht aus einer am Montag in Paris vorgelegten Studie hervor. Demnach wird der Wirtschaftsraum 2009 nur noch um 2,8 Prozent im Schnitt wachsen. Im Vorjahr lag das Plus bei 5,7 Prozent.

"Viele Menschen werden erneut in die Armut gedrängt", heißt es in dem Bericht. Die Weltbank schätzt, dass durch die schwerste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren allein in Afrika 50 Millionen Menschen mehr verarmen und Hunderttausende verhungern werden.

Gefahr für politische Stabilität

Die OECD sieht darin eine ernsthafte Gefahr für die politische Stabilität des Kontinents. Besonders problematisch sei die Lage in Ländern wie Sudan, Guinea, Somalia, Madagaskar und Zimbabwe. "In Afrika droht sich die Weltwirtschaftskrise in eine humanitäre Krise auszuweiten", warnte vor kurzem auch Weltbankpräsident Robert Zoellick.

Die Krise trifft laut OECD die Länder am härtesten, die besonders stark von Rohstoffexporten abhängig sind. Am Weltmarkt erzielen Bodenschätze derzeit nur einen Bruchteil der Preise, die sie vor einem Jahr einbrachten.

Länder wie Sambia oder Botswana beziehen 80 Prozent und mehr ihrer Einnahmen aus dem Verkauf von Gold, Diamanten, Kupfer und anderen Rohstoffen.

Die Wirtschaft Angolas wird abstürzen, so die Prognose. In den vergangenen sieben Jahren stieg das Land im Süden Afrikas zu einem der größten Ölexporteure der Welt auf. Nach einem Wachstum von zwölf Prozent im vergangenen Jahr wird das Land nun von einer schweren Rezession erfasst. Die Wirtschaftsleistung dürfte 2009 sogar um sieben Prozent schrumpfen, so die Prognose.

"Kein Grund zu verzweifeln"

Eine fünf Jahre dauernde Aufschwungphase auf dem afrikanischen Kontinent wird durch den Absturz der Weltwirtschaft hart ausgebremst . "Trotzdem gibt es keinen Grund zu verzweifeln", sagt Louis Kasekende, Chefökonom der Entwicklungsbank.

Der Kontinent sei heute wettbewerbsfähiger und besser gerüstet, eine Schwächephase durchzustehen als noch vor zehn Jahren. Er glaubt, dass sich die Lage bereits im kommenden Jahr deutlich entspannen könnte und die afrikanische Wirtschaft wieder zulegen wird, um 4,5 Prozent im Durchschnitt.

Zugleich ließ Kasekende aber keinen Zweifel daran, dass die Verschuldung der afrikanischen Länder stark zunehmen wird. Als große Geldgeber kommen derzeit aber nur Weltbank und Internationaler Währungsfonds in Frage - auch, weil sich private Geldgeber zurückgezogen haben und deutlich weniger investieren.

Ökonomen halten es zudem für unwahrscheinlich, dass die G-8-Staaten ihre Zusage von 2007 einhalten, die Hilfe für Afrika bis 2010 auf 50 Milliarden Euro zu verdoppeln. Fraglich ist auch, ob das Milliarden-Hilfspaket Bestand hat, das Anfang April beim G-20-Gipfel in London beschlossen wurde.

Führende afrikanische Ökonomen sehen dagegen in der Krise eine große Chance. So fordert etwa der Kenianer James Shikwati, die Entwicklungshilfe komplett abzuschaffen.

Er sagt: "Hilfe macht Afrika auf Dauer abhängig." Ähnlich argumentiert auch die sambische Ökonomin Dambisa Moyo: Die finanzielle Unterstützung durch die Weltgemeinschaft fördere nur die Korruption und sei Ursache für eine Bürokratie, die gar kein Interesse daran habe, eine Unternehmenskultur und damit die Wirtschaft zu fördern.

Shikwati geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert die völlige Lossagung von internationalen Organisationen wie Weltbank und IWF. Eine Art afrikanische Zentralbank soll nach seinen Vorstellungen deren Aufgaben übernehmen. Die Gründung einer solchen Institution scheiterte in der Vergangenheit allerdings immer wieder an politischen Querelen innerhalb der afrikanischen Staatengemeinschaft.

(SZ vom 12.05.2009/hgn)

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Leserkommentare (4)



14.05.2009 10:23:38

W.Schmitt:

Das was die sambische Ökonomin sagt halte ich als seit fast 30 Jahren in Afrika lebend für absolut richtig.

Es ist wesentlich und das Dringlichste, daß schwarz-afrikanische Völker selbst Initiative zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse ergreifen.

Wohlstand kann nicht geliefert werden, er muß geschaffen werden.


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