Rudi Völler bindet sich für sein Debüt gegen den AC Florenz eine Krawatte um – und gewinnt.
Rom – Ein kleiner Moment des Zögerns. Macht man das eigentlich? Ohne aus der Rolle zu fallen? Dann hat er sich die Krawatte noch einmal zurecht gerückt, zwei Schritte nach vorne gemacht, auf das Spielfeld. Seine Mannschaft umarmt, einen nach dem anderen.
Nach rechts oben geschaut, zur Südkurve. Die sangen schon. Grazie Roma. Und applaudierten ihm dann stehend. Grazie Rudi. Es war kein Triumph, aber eine geglückte Heimkehr.
Einszunull gegen den Aufsteiger AC Florenz, eher erzittert als ehrlich erspielt, aber man dankt für die drei Punkte. Der Deutsche fliegt wieder, vor dem Olympiastadion verkaufen sie jene Schals, die schon vor 15 Jahren modern waren, und in der Kurve steht zu lesen: Testaccio verehrt dich.
Im Schlachthofviertel Testaccio, zu Füßen eines Bergs der aus Abermillionen antiker Tonscherben besteht, wurde 1927 die Roma gegründet. Völler hat sie empfangen wie einen verlorenen Sohn.
Zu seinem Debüt in der Serie A präsentiert Rudi Völler sich in Hemdsärmeln, mit Krawatte in den Vereinsfarben gelb und rot. „Steht dir gut“, bekommt er im überfüllten Pressesaal zu hören. „Aber das war wohl auch das erste Mal.“
Völler grinst. „Krawatten sind wirklich nicht mein Fall, trotzdem werde ich jetzt immer eine tragen. Aus Aberglauben. In Portugal hatte ich mir keine umgebunden, und ihr wisst ja, wie’s ausgegangen ist.“
Schnell hat er sich freigeschwommen, auch mit der Presse, die den Trainer minutiös zu Details verhört, nachdem sie ihn mit Beifall empfangen hat. Völler hat nur ein leichtes Zittern in der Stimme, doch sein Italienisch mit römischer Färbung ist perfekt.
„Ich wäre ja ein Lügner, wenn ich behaupten würde, mich ließe der Einzug in dieses Stadion kalt.“
Völler weiß nicht, dass sich zwei Journalisten schon fast geprügelt haben, um einen Platz in der ersten Reihe und den freien Blick auf ihn. Und dass er sich Respekt verschafft hat, weil er seinen Kapitän Francesco Totti zehn Minuten vor Schluss zur Auswechslung rief.
Totti vom Feld zu nehmen, ist in Rom ein Sakrileg. Völlers Vorgänger Fabio Capello wurde von Fans und Presse gegrillt, wenn er es sich gelegentlich erlaubte.
Völler sagt nur: „Totti war müde. Er hat sich wegen seiner Verletzung noch nicht vollständig vorbereiten können. Der braucht noch ein bisschen Zeit, um wieder Totti zu sein.“ Das stimmt. Totti war blass neben dem besten Mann im Match, dem 26-Jährigen Luca Ariatti vom AC Florenz, einem ebenso eleganten wie kämpferischen Mittelfeldspieler.
Völler ist leise. Und ruhig. Die Partie hat er weitgehend im Sitzen verfolgt. Als er einmal zwischendurch aufsteht, bekommt er den Ball auf die Fußspitze. Kickt ihn aufs Spielfeld. Ovation. Aber Völler mag den Mythos nicht nähren.
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