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Eine Stilkritik von Sarina Pfauth

"Lieber Guido!" - Außenminister Westerwelle ist erst seit ein paar Tagen im Amt und schon mit der halben Welt per du. Das ist abenteuerlich.

Guido Westerwelle; AP

Freunde fürs Leben? Jedenfalls signalisiert Guido Westerwelle große Vertrautheit - mit seinen neuen Kollegen. Im Bild: Westerwelle und Bernard Kouchner (l.). (Foto: AP)

Deutschlands neuer Außenminister, unser Sonnenschein, unser Guido: Mit einem strahlenden Zahnpastalächeln und ohne Vorwarnung drückt er den französischen Kollegen Bernard Kouchner ans Herz. Nach der Kennenlern-Umarmung bestaunt der frische Deutsche höchst motiviert einen Riesen-Globus.

Er setzt dabei die Brille ab - so, wie Kunstkenner es tun, wenn sie ein ganz besonders wertvolles Gemälde in Augenschein nehmen. Und Großmütter, die Klassenfotos aus der guten alten Zeit betrachten, in der noch nicht jede Familie einen Kühlschrank besaß.

Am Ende des Antrittsbesuchs duzen sich zwei Männer, die sich gerade noch fremd waren. Kouchner stellt klar: "Guido wird ihnen von Herzen bestätigen, dass unsere Beziehungen von ganz besonderer Qualität sind."

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Schwarz-gelbes Kabinett Merkels neue Mannschaft Rahmen
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Neu-Freund "Bernard" muss nicht lange bitten: Der Besuch in Frankreich, bricht es aus Westerwelle heraus, sei für ihn eine "Herzensangelegenheit". Er habe Frankreich "schon immer bewundert und geliebt“. Schon in der Jugend habe seine Generation Freundschaften im Nachbarland geschlossen. "Es ist also weit mehr als ein politischer Besuch", sagt Westerwelle. Und: "Es ist mir eine ganz persönliche Freude."

Ganz dick mit Horst


Zuvor war Guido Westerwelle in Den Haag, um dort viele Duz-Freundschaften anzufangen. In Polen war er ja schon, und alles lief einfach nur toll: Mit "lieber Radek" und "lieber Guido" hätten sich die beiden Außenminister angesprochen.

Selbst Horst Seehofer entkam Duz-Guido nicht. Der CSU-Chef, der den Wahlkampf über in erster Linie durch Schimpftiraden auf die FDP aufgefallen ist, wurde kürzlich nachts gegen 2.15 Uhr von Westerwelle mit dem Du-Angebot überfallen. Offenbar konnte er sich nicht wehren. Jetzt also Horst und Guido.

Westerwelle ist gerade dabei, die schnelle Du-Offensive zum Regierungsprogramm zu machen: Ein Du zur rechten Zeit suggeriert Nähe, Sicherheit und ganz viel Vertrautheit.

Da passt kein Blatt dazwischen


Damit steht der Außenminister in einer Reihe mit Dauer-Duzern wie Waldemar Hartmann, Mario Barth, Thomas Gottschalk, Dieter Bohlen, SPD-Genossen und der Stimme aus der Ikea-Werbung.

Es ist aber eben nicht das coole oder das unverschämte Du, das Westerwelle benutzt, sondern ein Du, das aufdringlich bis anbiedernd wirkt. Typen wie Westerwelle haben früher dem Lehrer zum Geburtstag einen Kuchen gebacken und dem Kieferorthopäden immer schöne Grüße an die Frau aufgetragen. Und hätte er im Außenministerium noch einen Chef, würde Westerwelle sicherlich mehrmals die Woche mit ihm zusammen in die Kantine gehen wollen.

In Frankreich haben Guido und Bernard übrigens ausgemacht, künftig mindestens einmal die Woche miteinander zu telefonieren, um sich in außenpolitischen Fragen auch über Europa hinaus abzustimmen.

Wir haben verstanden: Zwischen Westerwelle und Kouchner passt kein Blatt. Ebensowenig zwischen Guido und den Rest der Welt, ist zu befürchten.

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FDP: Guido Westerwelle Der Mann, der Merkel "Mutti" nannte Rahmen
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(sueddeutsche.de/bre/cmat)

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Leserkommentare (85)



05.11.2009 17:20:36

baetzi: Duzen

Bei all den Gipfeltreffen und sonstigen Zusammenkünften wird geduzt, was das Zeug hält. Ist halt ein USA-Import. Aber zusätzlich betatschen und küssen die sich ständig, als gäbe es kein morgen. Als Grossmeister dieser längst peinlichen Berührungs- und Annäherungsübungen haben sich Bush und Berlusconi speziell hervorgetan. Sarkozy steht den beiden kaum nach. Auf der Strecke bleibt, was bis vor kurzem noch als guter Stil galt.


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