Der US-Schauspieler Richard Gere über meditierende Tiere, den Hund an seiner Seite und die Frage, wer wen zähmt.
Richard Gere mit Hund - auf dem Roten Teppich bei der Filmpremiere von "Hachiko". Foto: AFP
Vor dem Eingang des Hotel de Russie in Rom hupen die Autofahrer. Abendkleider werden angeliefert. Drinnen ansteckende Ruhe, der Bodyguard hält ein Nickerchen. Schuld an so viel Gelassenheit ist Richard Gere, das Sexsymbol, der Tibeter, der Gentleman: Entspannt öffnet er im Jeansanzug die Tür, reicht ein Glas Wasser und bleibt nur in einem Punkt hart: Er möchte nicht auf dem Sofa sitzen, sonst wird er müde.
Er kommt gerade aus Nizza, besser gesagt, aus der Nähe von Nizza, denn ein Gentleman braucht ein Geheimnis. Wenn es ein Trick ist, dass er seinen Blick zu keinem Zeitpunkt vom Gesprächspartner abwendet, funktioniert er. Aber es ist kein Trick.
Es ist tatsächlich die pure Aufmerksamkeit.
Süddeutsche Zeitung: Mister Gere, wir können über Frauen sprechen oder über Hunde, ganz wie Sie wollen.
Richard Gere: Dann bitte Hunde.
SZ: Sicher?
Gere: Ja, Hunde. Wir haben einen Hund.
SZ: Manche halten Hühner statt Hunde. Jerry Hall, die Ex-Frau von Mick Jagger, zum Beispiel lässt morgens als Erstes ihre Hühner aus dem Stall und sammelt die frischen Eier ein. Was machen Sie, nachdem Sie aufgewacht sind?
Gere: Ich habe eine ganze Reihe an Ritualen jeden Morgen, aber keines davon involviert Tiere. Moment, stimmt gar nicht. Wenn ich zuerst aufstehe, ist es mein Job, den Hund zu füttern. Wenn meine Frau zuerst auf ist, macht sie es.
SZ: Der Hund könnte Sie austricksen und zweimal frühstücken.
Gere: Das machen eher die Katzen. Wir haben zwei. Die jüngere frisst alles im Nu auf. Sie muss ihr Frühstück zuerst bekommen, und dann das Zimmer verlassen, damit die ältere überhaupt eine Chance hat.
SZ: Ihr Hund ist "adoptiert"?
Gere: Ja, wir nennen das so. Sie kommt aus dem Tierheim aus New York und heißt Billie, wie Billie Holiday. Jemand brachte dieses kleine Hundebaby vorbei, weil er wusste, wir wollten einen Hund...
SZ: Eine alte, halbblinde Töle, die die Möbel vollsabbert, alte Frauen umrennt und Kinder erschreckt, hätten Sie auch genommen?
Gere: Na ja, es gab die Situation nicht, in der wir so eine Entscheidung treffen mussten.
SZ: Was hat Billie, was andere Hunde nicht haben?
Gere: Da ist zunächst mal ihr sanftes, freundliches Wesen. Sie bellt wirklich nie, außer bei Pferden. Und sie ist außergewöhnlich ruhig. Wo auch immer ich sitze, wohin ich gehe, sie bleibt an meiner Seite, egal, wie lang.
SZ: Ist ja auch keine Kunst, neben dem größten lebenden Sexsymbol...
Gere: Davon versteht sie nichts, sie hat nicht People Magazine abonniert. Im Ernst, sie kann mit mir sitzen, über eine Stunde, ohne sich zu bewegen.
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