Jürgen Milski, Big-Brother-Berühmtheit und Moderator beim Quizsenders 9Live, über teure Anrufe - und 50.000 Euro Monatsgehalt.
Jürgen Milski hat gerade drei Stunden für den umstrittenen Quizsender 9Live moderiert, der mit Anrufen der Zuschauer sein Geld verdient. Am nächsten Tag fliegt der 45-Jährige nach Mallorca, um dort seinem Ruf als "erfolgreichster Partysänger Deutschlands" (Stern) gerecht zu werden.
Jetzt sitzt der ehemalige Ford-Mitarbeiter in "Feringa's Cafébar" am Bahnhof Unterföhring, braungebrannt und im Muskelshirt. Er spricht darüber, wie es ist, das Leben eines Ford-Arbeiters gegen eines im Licht der Öffentlichkeit aufzugeben. Und was passiert, wenn man plötzlich sehr viel Geld hat.
Süddeutsche Zeitung: Herr Milski, reden wir über Geld. Sie waren Feinblechner bei Ford. Im Jahr 2000 waren Sie nach drei Monaten in der ersten Big-Brother-Staffel, die banale Dialoge von Insassen eines Containers zur Unterhaltung erklärte, auf einmal berühmt. Wie ist es, ehrliche Arbeit gegen ein Leben im Tingeltangel von Fernsehshows und Auftritten in Bierkneipen einzutauschen?
Jürgen Milski: Es ist lohnend. Ich verdiene einen Haufen Geld.
SZ: Wie viel denn?
Milski: 30.000 bis 50.000 Euro im Monat. Das ist mehr, als ich früher in einem Jahr bei Ford verdient habe.
SZ: Was machen Sie dafür?
Milski: Drei Tage moderiere ich bei dem Sender 9Live, donnerstags fliege ich nach Mallorca und trete dort auf. Freitag und Samstag singe ich auf irgendwelchen Bühnen in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz. Sonntag bin ich einen halben Tag zu Hause in Köln bei meiner Familie.
SZ: Als 9Live-Moderator bringen Sie Menschen dazu, teure Telefonnummern zu wählen ...
Milski: ... jetzt wollen Sie mir sicher vorwerfen, dass ich die Leute abzocke.
SZ: Tun Sie ja auch.
Milski: Blödsinn. Die Medien berichten immer nur über Leute, die bei uns kein Geld gewinnen. Allein heute habe ich Menschen mit Gewinnen über 5000 Euro glücklich gemacht. Darüber spricht keiner.
SZ: Und wie viel Geld hat Ihr Sender verdient mit Leuten, die angerufen haben, aber nicht durchkamen?
Milski: Das interessiert mich nicht. Ich weiß, wie viel ich verdiene - das reicht mir. Aber warum regen sich die Leute über 9Live auf? Man kann doch auch nicht den Lottoschein ausfüllen und nach der Ziehung der Zahlen sagen: Ihr Betrüger, ich habe schon wieder nichts gewonnen.
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Jürgen Milski: "Meine Tochter darf da nicht anrufen". Foto: ddp
SZ: Ein Anruf bei 9Live kostet 49 Cent. Viele Menschen versuchen so oft durchzukommen, dass sie ihre Telefonrechnung nicht mehr bezahlen können.
Milski: Ich sage immer: Setzen Sie sich ein Limit, übertreiben Sie es nicht. Dass Sie das Rätsel lösen, hat mit Können zu tun. Dass Sie bei uns durchkommen, hat mit Glück zu tun.
SZ: Oder mit der Geldgier des Senders.
Milski: Gierig ist 9Live nicht. Aber klar will der Sender Geld verdienen. Und jeder Moderator weiß: Es ist ein brutales Geschäft. Wer nicht genug Geld bringt, fliegt raus.
SZ: Was würden Sie sagen, wenn Ihre Tochter bei 9Live anruft und die Telefonrechnung 700 Euro ausmacht?
Milski: Meine Tochter darf da nicht anrufen, sie ist noch nicht volljähig. Außerdem würde sie das auch nicht tun.
SZ: Viele Menschen sind so dumm und rufen an.
Milski: Selbst schuld. Soll ich mich um jeden einzelnen kümmern?
SZ: Sie haben kein schlechtes Gewissen, wenn Sie abends nach Hause gehen?
Milski: (großes Gelächter) Nö. Echt nicht. Ich verkaufe den Leuten ein Spiel. Das ist alles.
SZ: Überlegen Sie sich vorher, was Sie sagen?
Milski: Nee, gar nicht.
SZ: Sie quasseln den Zuschauer stundenlang mit Nonsens zu.
Milski: Na und? Das kann ich halt. Ich war früher immer Klassensprecher und Klassenclown.
SZ: Deshalb landeten Sie wohl bei der ersten Staffel des Fernsehexperiments "Big Brother". Sie haben gesagt, Sie seien der Einzige, der von Ihren Big-Brother-Kollegen überlebt hat. Wie meinen Sie das?
Milski: Nehmen wir Zlatko (ein Mitbewohner, der Shakespeare für ein Bier hielt, Anm. d. Red.). Der litt an absoluter Selbstüberschätzung. Manager sagten ihm, er sei ein guter Sänger. Und Zlatko hat das geglaubt. Aber nach kurzer Zeit wollte ihn keiner mehr hören oder sehen.
SZ: Zlatko galt als Synonym für Big-Brother-Bewohner: ungebildet, rüpelhaft, prollig.
Milski: Genau das war das Problem. Es hieß ja immer die von Big Brother sind dumm, benehmen sich rüpelhaft. Da musste ich mich loslösen. Am Anfang half das Etikett Big Brother, nach und nach wurde es zur Last.
Lesen Sie im zweiten Teil, wieviel Taschengeld Jürgen Milskis Tochter bekommt - und warum 3500 Euro für eine halbe Stunde Partymusik wenig Geld sind.
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In diesem Artikel:
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- Reden wir über Geld - "Das Leben ist ein Spiel"
- Reden wir über Geld: Rolf Eden - "Ich zahle 30.000 Euro Unterhalt im Monat"
- Reden wir über Geld: Smudo - "Uns geht es darum, geil gefunden zu werden"
- Gülcan Kamps - "Ich vermarkte mich seit dem ersten Tag"
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