Reisetipps Potsdam

Sehenswertes Potsdam Parks, Schlösser und viel Kunst

Berühmte Baumeister, Landschaftsgestalter und Bildhauer haben Meisterhaftes geschaffen

Potsdam braucht Zeit! Die Innenstadt von Brandenburgs Landeshauptstadt, klein und überschaubar, haben Sie rasch erlaufen, aber Potsdam bietet bedeutend mehr.

Die einstige Zweitresidenz der Hohenzollernkönige schmückt sich mit einem der größten Park- und Schloss-Ensemble Europas. Den ersten Überblick bietet eine Stadtrundfahrt mit dem Bus. Spannend ist Sightseeing auch vom Wasser aus, schließlich ist die Stadt von Seen umkränzt. Kilometerlange Wege führen in den drei großen berühmten Parks zu herrlichen Schlössern, deren Türen sich zu prunkvollen Räumen öffnen. Wenn Sie nur für einen Tag kommen, vielleicht sogar nur zu einem Ausflug vom nahen Berlin, dann entgeht Ihnen vieles - darunter auch die reizvolle Umgebung. Aber seien Sie gewiss: Potsdam ist immer auch eine zweite Reise wert.

Belvedere auf dem Klausberg

Das Belvedere auf dem Klausberg (auch Drachenberg genannt) ist seit 2001 erstmals in seiner Geschichte öffentlich zugänglich. Das Bauwerk ließ sich Friedrich der Große 1770 von Georg Christian Unger nach altrömischem Vorbild als Ausguck erbauen, den er zeitweise für Festlichkeiten nutzte. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde das Belvedere bis auf die Umfassungsmauern zerstört | (Mai-Okt. Sa/So 10-18 Uhr). Auf halber Höhe des Klausberges entstand als dreistufige Pagode das Drachenhaus (1770 von Gontard). Das einstige Weingärtnerhaus beherbergt heute ein Café. | Bus 695

Bildergalerie

Friedrich II. hatte in Europa Bilder einkaufen lassen, doch als er sie in der Kleinen Galerie in Schloss Sanssouci aufhängen wollte, stellte er fest: Das Schloss ist zu klein. So entstand in der Nachbarschaft die Bildergalerie - das erste außerhalb eines Schlosses befindliche Museumsgebäude Europas zur Aufbewahrung einer Gemäldesammlung und zugleich einer der schönsten Museumsräume in ganz Deutschland. In dem prachtvollen Innenraum hängen wie zu Zeiten Friedrichs II. 124 Gemälde in dichter Reihung übereinander.

Im westlichen Flügel befinden sich die Werke der italienischen, im östlichen die der flämischen Meister, im Kuppelbau und im kleinen Kabinett Gemälde von Künstlern verschiedener Schulen. Glanzpunkt der Gemäldegalerie ist „Der ungläubige Thomas“ von Caravaggio. Potsdam besitzt das Original des weltbekannten Bildes, von dem es viele Kopien gibt. Nicht minder wertvoll sind „Die vier Evangelisten“ von Peter Paul Rubens, die seit 1763 in der Galerie hängen. | April-Okt. Di-So 10-18 Uhr | Park Sansscouci | Bus X15, 695

Bornstedter Friedhof

„Was in Sanssouci stirbt, das wird in Bornstedt begraben“, schrieb Theodor Fontane. Ausgenommen davon waren die Angehörigen der Königsfamilie, die kamen anderswo unter die Erde oder in Grüfte. Über hundert zum großen Teil prominente historische Personen wurden in Bornstedt bestattet, darunter der Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné (1789 bis 1866) und der Schinkelschüler, der Architekt Friedrich Ludwig Persius (1803-45). Fans großer Sportllegenden dürfte interessieren, dass auch Gillis Grafström (1893-1938), der in Potsdam lebende dreifache Eiskunstlaufweltmeister der 1920er-Jahre, hier begraben liegt. | Eichenallee/Ribbeckstr. | Straßenbahn 92, Bus 614, 692

Botanischer Garten

Ein faszinierendes Museum der Natur! Im Nutzpflanzenhaus wächst die Papyrusstaude, aus deren Stängelmark die Ägypter vor 5000 Jahren Papier hergestellt haben. Der auf Java beheimatete Riesenbambus im Palmenhaus kann am Tag bis zu einem halben Meter in die Höhe schießen. Magische Anziehungskraft auf Besucher haben die Früchte der riesigen Bananenstauden. Es lohnt aber nicht, in einem unbeaufsichtigten Augenblick danach zu grapschen - sie sind ungenießbar, im Inneren fast völlig von Samen ausgefüllt. Interessant ist auch das Sukkulentenhaus, in dem 400 verschiedene Kakteenarten kultiviert werden.

Insgesamt sind in den Schauhäusern 4300 tropische und subtropische Pflanzen zu sehen, im neuen Palmenhaus wachsen etwa 20 verschiedene Palmenarten aus allen Kontinenten. Und in den Freilandanlagen gedeihen nochmals rund 5000 Pflanzenarten.

Eine Augenweide bietet der Rhododendronhang: Die Blütezeit beginnt im März und endet Mitte Juni. Der heute zur Universität Potsdam gehörende Botanische Garten ging aus dem „Terrassenquartier“ der Hofgärtnerei von Sanssouci hervor. | Gewächshäuser: April-Sept. tgl. 9.30-17, Okt.-März 9.30-16 Uhr, Freilandanlagen: ganzjährig ab 8 Uhr bis Sonnenuntergang | Maulbeerallee 2 | www.botanischer-gartenpotsdam.de | Bus 695

Brandenburger Vorstadt

Ende des 18. Jhs. besaß hier Friedrich Wilhelm I. eine der zahlreichen Meiereien, in der er acht ostfriesische Kühe hielt, die frische Milch für den Hof lieferten. Die Bebauung in dem Gebiet zwischen Brandenburger Tor, Park Sanssouci und Havel begann nach 1870. Rückgrat bildet die nach Brandenburg führende Zeppelinstraße. Vom ehemaligen Landeplatz für Luftschiffe ist nichts erhalten. Die neogotische Erlöserkirche entstand 1896-98. Touristischer Anziehungspunkt ist das einer maurischen Moschee nachgebildete Dampfmaschinenhaus von Sanssouci an der Neustädter Havelbucht.

Kiewitt heißt eine südöstlich der Zeppelinstraße in die Havel vorspringende Landzunge, deren erste Häuser 1936 und deren letzte 1973 entstanden. Von hier aus tuckert eine kleine Fähre über die Havel zur Insel Hermannswerder, die der Judengraben vom Festland trennt. | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus X15, 695

Chinesisches Haus

Das Chinesische Haus (1754-1857 von Büring) schmücken vergoldete, lebensgroße Chinesenfiguren, die zu den Hauptleistungen des friderizianischen Rokoko zählen. Wer genau hinschaut, wird aber feststellen, dass es sich nicht um Chinesen, sondern um theatralisch verkleidete, langnasige Europäer handelt.

Im Inneren des prachtvollen Hauses wird japanisches und chinesisches Porzellan gezeigt. Zu den ältesten Stücken gehört eine Schale mit blauer Unterglasmalerei aus der späten Ming-Dynastie (16./17. Jh.), zu sehen im untersten Fach des linken Kabinetts. Der freundlich lächelnde Dickbauchbuddha in der Etagere I stammt aus der berühmten Meißner Porzellanmanufaktur, 1762 wurde er hergestellt. | Mai-Okt. Di-So 10-18 Uhr | Park Sanssouci | Straßenbahn 91, 94, X98

Dampfmaschinenhaus

Was wie eine maurische Moschee mit Minarett aussieht, entstand vor rund 150 Jahren als Pumpwerk für die Fontänen der Gartenanlagen von Sanssouci. Denn im 19. Jh. war es en vogue, sich an Stilen vergangener Epochen und ferner Länder zu orientieren. Seit 1985 ist das Dampfmaschinenhaus ein technisches Museum. Herzstück bildet die in der berühmten Werkstatt von August Borsig gebaute 80-PS-Zweizylinderdampfmaschine, die bis zum Jahr 1893 in Betrieb war. Sie pumpte stündlich 220 m³ Wasser zu dem 1500 m entfernten Hochbehälter auf dem Ruinenberg. Die Ornamente der gusseisernen Teile der Maschinenanlage ähneln denen der Kathedrale im spanischen Córdoba. | Mai-Okt. Sa/So 10-18 Uhr, nur mit Führung | Zeppelinstr. 176 (Neustädter Havelbucht) | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus 695, X15

Friedenskirche

Friedrich Wilhelm IV. besaß eine Vorliebe für italienische Architektur. Da verwundert es nicht, wenn die Friedenskirche nach dem Vorbild der römischen Basilika San Clemente erbaut werden musste. Für den Glockenturm daneben stand der Campanile von Santa Maria di Cosmedin in Rom Pate. Das schöne, 900 Jahre alte Mosaik in der Apsis stammt von der Insel Murano bei Venedig. Es ist neben dem ravennatischen Mosaik auf der Berliner Museumsinsel das einzige originale italienisch-byzantinische Mosaik nördlich der Alpen.

In der zugänglichen Gruft unter dem Altar ruhen der 1861 verstorbene Bauherr und seine 1873 verstorbene Gemahlin Elisabeth Luise, im Mausoleum der 99-Tage-Kaiser Friedrich III. und seine Gemahlin Viktoria. 1991 fand hier auch der von der Stammburg der Hohenzollern gemeinsam mit Friedrich II. nach Potsdam überführte Friedrich Wilhelm I. seine letzte Ruhestätte. | Mo-Sa 11 bis 16, So 12-16 Uhr | Park Sanssouci | Bus 695, X15 | www.friedenskirche-potsdam.de

Historische Mühle

Seit 1993 dreht sich wieder das mächtige Flügelkreuz der Windmühle von Sanssouci, die 1945 abgebrannt war. Außen wie innen gleicht das neu errichtete Bauwerk seiner Vorgängerin von 1790, die bis 1861 arbeitete. Danach ging die Mühle in königlichen Besitz über und wurde Besichtigungsobjekt. Auf drei Etagen gibt das Mühlenmuseum Einblick in die brandenburgische Mühlengeschichte. Zu besichtigen sind auch die zwei rekonstruierten Mahlgänge der Mühle. Von der Aussichtsplattform in 11 m Höhe bietet sich ein weiter Blick. | April-Okt. tgl. 10-18, Nov., Jan.-März Sa/So 10-16 Uhr | Maulbeerallee/An der Orangerie | Bus 695

Kaiserbahnhof

Im Oktober 1909 stieg Kaiser Wilhelm II. erstmals auf dem eigens für die kaiserliche Familie im englischen Landhausstil errichteten Privatbahnhof „Hofstation im Wildpark“ aus, um in das nahe Neue Palais weiterzufahren. Der Kaiserbahnhof mit seinen zwei stillgelegten Gleisen gehört zum heutigen Bahnhof Park Sanssouci. Der besitzt das einzig erhaltene Bahnhofsgebäude in Potsdam aus der frühen Zeit der preußischen Eisenbahnen, einen Fachwerkbau von 1869.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof Endstation für den bis 1952 zwischen Moskau und Potsdam verkehrenden „Blauen Express“, danach verfiel er zur Ruine. Die Deutsche Bahn rettete das öffentlich nicht zugängliche Weltkulturerbe vor dem Verfall und nutzt das Gebäude als Akademie für ihre Führungskräfte. Nach historischen Vorlagen wieder hergestellt wurden auch die Außenanlagen, die sich harmonisch mit der Parklandschaft des Neuen Palais verbinden. | Bus 695

Krongut Bornstedt

Das einstige Mustergut der Hohenzollern wurde nach jahrelanger Sanierung im Sommer 2002 wieder eröffnet. Sie erleben hier brandenburgisch-preußische Geschichte in zeitgemäßer Form. Es gibt ein Brau- und Brennhaus, Hofbäckerei, Café und Konfiserie sowie eine Manufaktur, in der alte Handwerksberufe aufleben, vom Zinngießer über den Korbflechter bis zum Glasbläser. Im Herrenhaus sind die kaiserlichen Salons wieder entstanden.

Den in Beige und Altrosa getünchten Gebäudekomplex (1848) im italienischen Stil, nur wenige hundert Meter von Schloss Sanssouci entfernt, verwandelten der spätere Kaiser Friedrich III. und seine englische Gemahlin Victoria in ein Mustergut. | Ribbeckstr. 6/7 | tgl. 10-19 Uhr | Eintritt in die Gutsanlage frei | Info Tel. 0331/550650 | www.krongut-bornstedt.de | Straßenbahn 92 | Bus 614, 692

Neues Palais

Unzählige Schnecken und Muscheln schmücken mit über 20000 Mineralien und Versteinerungen den als Grotte gestalteten Gartensaal. Er gehört zu den etwa 60 zu besichtigenden Räumen, die mit Möbeln, Porzellan und Kunsthandwerk ausgestattet sind. Die etwa 300 Gemälde im Neuen Palais haben vornehmlich italienische, niederländische und französische Künstler geschaffen. Hauptsaal des Schlosses war der Marmorsaal im Obergeschoss, gestaltet von Gontard. Die in Form und Gestalt französischen Spiegelgalerien ähnelnde Marmorgalerie im Erdgeschoss diente als Speisesaal. Im Südflügel ist die Wohnung von Friedrich II. zu besichtigen. | April bis Okt. Mi-Mo 10-18, Nov.-März Mi bis Mo 10-17 Uhr, Nov.-März nur mit Führung, Königswohnung April bis Okt. nur mit Führung um 10/11/14/16 Uhr | Bus 695, 605, X5

Normannischer Turm

Der 23 m hohe Turm (1846) auf dem Ruinenberg, im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach seinem Schicksal überlassen, dient seit der Wiederherstellung 2001 erneut als Aussichtsturm. Mit dem Bauwerk ließ Friedrich Wilhelm IV. das Wasserbecken zur Speicherung der Fontänen von Sanssouci ergänzen, das sich dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend hinter künstlichen Ruinen (1748) verbirgt. | Mai-Dez. Sa/So 10-18 Uhr | Bus 692, 697

Orangerieschloss

Die Sala Regia im römischen Vatikan diente als Vorbild für den Raffaelsaal im Mittelbau. In ihm sind 48 Kopien nach Gemälden des besonders in der ersten Hälfte des 19. Jhs. verehrten italienischen Renaissancemalers zu sehen. Die Gästezimmer, in denen die Könige von Italien und Rumänien sowie der Schah von Persien gewohnt haben, sind mit Gemälden, Plastiken und Kunsthandwerk ausgestattet, das vorwiegend von deutschen Künstlern aus der Mitte des 19. Jhs. stammt.

Der Kamin im Malachitzimmer ist ein Geschenk des Zaren, seinen Namen bekam es von den zahlreichen aus Malachit gearbeiteten Gegenständen. Die bis vor wenigen Jahren in den Schlossführern publizierte Behauptung, das Schloss sei als Gästewohnung für den russischen Zaren Nikolaus I. (1796-1855) und seine Gemahlin Alexandra Feodorowna (1798-1860) eingerichtet worden, beruhte auf einem Irrtum. | April Sa/So 10-18, Mai-Okt. Di-So 10-18 Uhr, Di-Sa nur mit Führung

In der Turmgalerie organisiert die Schlösserstiftung häufig Sonderausstellungen. Von den Aussichtstürmen haben Sie einen herrlichen Blick. | April Sa/So 10-18, Mai-Okt. tgl. 10 bis 18 Uhr | Park Sanssouci | Bus 695, X15

Park Sanssouci

Potsdams Hauptanziehungspunkt vereint Natur, Schlösser und kleinere Bauten zu einem einzigartigen Kunstwerk. In der von Lenné gestalteten, 2,9 km² großen Parkanlage ist der 2,5 km lange Hauptweg, der sich zu Rondellen mit Fontänen und Skulpturen weitet und alle Parkbereiche zusammenfasst, das zentrale Element. Wenn Sie den Park am östlichen Ende des Hauptweges betreten, gelangen Sie zur Großen Fontäne, von der Sie über den Weinberg hinauf zum Schloss Sanssouci blicken - ein weltbekanntes Motiv! Am Rande der südlichen Schlossterrasse, an den Büsten römischer Kaiser erkennbar, ließ Friedrich II. seine geliebten Windhunde begraben und für sich selbst eine Gruft ausheben. Aber erst am 17. August 1991 bekam der König hier seine letzte Ruhestätte.

Die östlich vom Schloss Sanssouci gelegene, lang gestreckte Bildergalerie (1755-63 von Johann G. Büring) lässt von außen den prachtvollen Innenraum nicht erahnen. Und westlich des Schlosses, oberhalb der Neuen Kammern (1748 von Knobelsdorff), drehen sich seit 1993 wieder die mächtigen Flügel der Historischen Mühle, die 1945 abgebrannt war.

Das 330 m lange Orangerieschloss (1850-64 von Persius, Stüler, Hesse) entstand nach dem Vorbild italienischer Renaissancebauten. Im Parterre vor der Orangerie haben Sie dann den König vor sich, auf den die wunderschöne Anlage zurückgeht: Friedrich II. Das marmorne Reiterstandbild ist eine verkleinerte Nachbildung des bronzenen Denkmals von Christian Daniel Rauch, das in der Straße Unter den Linden in Berlin steht.

Größtes Bauwerk des 18. Jhs. im Park von Sanssouci ist das Neue Palais (1763-69 von Büring, Manger, Gontard) mit über zweihundert Räumen. 428 Götter und Halbgötter, an denen zwölf Bildhauer und mehrere Dutzend Steinmetzen sechs Jahre lang meißelten, schmücken die Fassade. Das Schlosstheater (1748) im südlichen Hauptflügel nimmt das gesamte erste und zweite Obergeschoss ein.

Um das Neue Palais sollten Sie einmal herumgehen, weil sich der Blick auf die Communs (1766-69 von Gontard, Legeay) lohnt. In den beiden gewaltig wirkenden Bauwerken gegenüber der Ehrenhofseite befanden sich Küchen, Wirtschaftsräume und Dienstwohnungen. In den Antikentempel (1768 von Gontard) nördlich vom Neuen Palais, eine verkleinerte Nachbildung des Pantheons in Rom, luden die Könige bis 1830 zur Besichtigung ihrer Antikensammlung ein. Nachdem diese jedoch ins Neue Museum nach Berlin gekommen war, wurde der Tempel Ruhestätte einiger Hohenzollern. So liegen hier die erste Gemahlin von Wilhelm II., Kaiserin Auguste Viktoria (verstorben 1921), und seine zweite Frau Hermine (verstorben 1947).

Im italienischen Stil wurde auch die Fasanerie (1840 von Persius) erbaut. Nach dem klassizistischen Schloss Charlottenhof (1826-29 von Schinkel), das an römische Villenbauten erinnert, kommen Sie zu den Römischen Bädern und kurz danach zur Meierei. Auf dem Ökonomieweg geht es, vorbei am Chinesischen Haus, zur Friedenskirche (1844-54 von Persius) mit der Gruft für Friedrich Wilhelm IV. und seine Gemahlin. Der König wünschte sich eine im Wasser spiegelnde Kirche und lege daher vor dem Gotteshaus den Friedensteich an.

An der Nordseite des Atriums steht das Mausoleum (1888-90 von Julius Raschdorff) für den 99-Tage-Kaiser Friedrich III. und seine Frau. Am Grünen Gitter (1850) können Sie den Park verlassen. Wer die in ihm stehenden Skulpturen gezählt hat, müsste auf etwa 400 gekommen sein. | Bus X15, 695.

Römische Bäder

Die Römischen Bäder waren niemals Bäder, sondern dienten stets als museale Stätte. Sie entstanden, weil Bäder damals in Mode gekommen waren. Karl Friedrich Schinkel hatte seine liebe Not, die einzelnen Bauten der klassizistisch-romantischen Gebäudegruppe zu einem harmonischen Komplex zusammenzufügen, denn ständig hatte der Bauherr Friedrich Wilhelm III. neue Wünsche. Schinkel hat nicht nur die Baugruppe entworfen, von ihm stammen auch die gusseisernen Möbel und die malerische Ausstattung des Atriums. Die große Wanne aus grünem Jaspis kam als Geschenk des russischen Zaren Nikolaus I. nach Potsdam.

In den Fußboden des Bades ist das berühmte Alexandermosaik aus Pompeji als Kopie eingefügt. Es zeigt die Schlacht bei Issos im Jahr 333 v. Chr., in der die Griechen die Perser schlugen. Die Brunnengruppe in der Mittelnische des Apodyteriums hat Werner Henschel 1846 in Rom vollendet. Porträtgemälde berühmter Künstler und Wissenschaftler des 19. Jhs. hängen im Billardzimmer. In den Römischen Bädern finden überwiegend Sonderausstellungen der Schlösserstiftung statt. | Mai-Okt. Di-So 10-18 Uhr | Park Sanssouci | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus 605, 606

Schloss Charlottenhof

König Friedrich Wilhelm III. rief immer wieder zur Sparsamkeit auf: „dass es auch ja billig käme“, denn das Schloss sollte nur dem zeitweiligen Aufenthalt des Kronprinzen, des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV., dienen. Was in den schlichten, bürgerlich-klassizistisch gestalteten Innenräumen steht, verdient das Attribut künstlerisch wertvoll. Vieles davon hat Schinkel entworfen, so die versilberten Möbel im Schreibkabinett der Kronprinzessin, den vergoldeten Prunktisch im Speiseraum und das Springbrunnenbecken im Vestibül.

Aus dem Rahmen fällt das mit weißblauem Markisenstoff abgespannte Zeltzimmer. Lange Zeit glaubte man, es sei dem Weltreisenden Alexander von Humboldt zugedacht gewesen. Humboldt hat, wie später Schinkel selbst und der Bildhauer Christian Daniel Rauch, zwar darin gewohnt, eingerichtet wurde es jedoch für Hofdamen. | Ostern 10-17, Mai-Okt. Di-So 10-18 Uhr, nur mit Führung | Park Sanssouci | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus 605, 606

Schloss Neue Kammern

Auf der östlichen Seite sind vier Säle und auf der westlichen Seite sieben Gästezimmer zu sehen. Glanzpunkt des Rokokoschlösschens ist der Jaspissaal, der seine Schönheit vom Kontrast des blassgrauen Marmors mit der lebhaften Zeichnung des braunroten Halbedelsteins Jaspis erhält. Im Büfettsaal dominiert das Prunkbüfett, allerdings nicht mehr mit Porzellan aus der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Im Zweiten Weltkrieg ging es verloren. Was heute darauf steht, hat die zeitgenössische Keramikerin Heidi Manthey entworfen.

Die Wände des Ovidsaales zieren vergoldete Stuckreliefs mit Darstellungen aus den „Metamorphosen“ des antiken Dichters Ovid. Unter den insgesamt sieben Gästezimmern ragen zwei Intarsien- und Lackkabinette mit üppigem Blumendekor heraus. | April Sa/So 10-18, Mai-Okt. Di-So 10-18 Uhr | Park Sanssouci | Bus X15, 695

Schloss Sanssouci

Am 1. Mai 1747 weihte Friedrich II. das eingeschossige, lang gestreckte Schloss mit einem Bankett ein. Gedacht war es als seine Sommerresidenz, doch verbrachte er später hier die meiste Zeit des Jahres.

Das heute weltberühmte Bauwerk ist reich mit Möbeln, Gemälden, Plastiken und Porzellan vorwiegend aus dem 18. Jh. ausgestattet. Als einer der schönsten Räume des deutschen Rokoko gilt das durch Spiegel optisch geweitete Konzertzimmer, in dem sich Malerei, Skulptur und Kunsthandwerk zu einem Gesamtbild verbinden. Dem Konzertzimmer schließt sich das Empfangszimmer an, in dem die Gäste auf die Audienz beim König zu warten hatten.

In der Bibliothek, die im Grundriss Friedrichs Arbeitszimmer im Schloss Rheinsberg folgt, werden 2200 Bücher in den Schränken aufbewahrt, die aus dem Potsdamer Stadtschloss stammen. Der König hatte alle seine Bibliotheken - beispielsweise auch die in seinen Privatgemächern im Neuen Palais - mit den gleichen Büchern ausgestattet. Wohnräume für seine Gemahlin, Königin Elisabeth Christine, existieren in Potsdam allerdings nicht. Friedrich II. hatte sie in das Schloss Schönhausen im heutigen Berliner Stadtbezirk Pankow abgeschoben.

Friedrichs Arbeits- und Schlafzimmer ist der einzige Schlossraum, der nicht mehr die ursprüngliche Innengestaltung hat. Nachfolger und Neffe Friedrich Wilhelm II. ließ sich den Raum im klassizistischen Stil umgestalten. Im Alkoven, ehemals Schlafraum, steht aber wieder der Sterbestuhl des berühmtesten Hohenzollern.

Wenn Sie die Haupträume von Schloss Sanssoucci in den Ferienmonaten besichtigen wollen, sichert nur zeitiges Kommen noch eine Eintrittskarte (Kassenöffnung 9 Uhr). Vielfach sind schon in den Mittagsstunden alle Tickets für den Tag verkauft. | April bis Okt. Di-So 10-18, Nov.-März Di-So 10-17 Uhr, nur mit Führung | Kartenverkauf jeweils nur für denselben Tag | Park Sanssouci | Bus X15, 695

Der Westflügel von Schloss Sanssouci, der Damenflügel, bildet eine Einrichtung für sich. Die für Hofdamen (im Erdgeschoss) und Kavaliere (im Obergeschoss) eingerichteten Räume vermitteln ein Bild höfischer Wohnkultur zwischen Biedermeier und Gründerzeit. Die Möbelgarnitur im ersten Kavalierzimmer stammt aus dem Potsdamer Stadtschloss. Königin Elisabeth, die Gemahlin Friedrich Wilhelms IV., bekam sie 1850 als Geburtstagsgeschenk vom Zarenhof. Wer wissen möchte, wie die Königin aussah, sollte auf zwei Gemälde in diesem Raum achten: Eins zeigt sie vor Schloss Sanssouci, das andere vor dem Berliner Stadtschloss. | Mai-Okt. Sa/So 10-18 Uhr

Im östlichen Seitenflügel von Schloss Sanssouci, der Schlossküche, können Sie besichtigen, wo Majestäts Gaumenfreuden entstanden. 1842 hat man die 115 m² große Hofküche erstmals genutzt. Zubereitet wurden hier vor allem die privaten Mahlzeiten, meist für 12 bis 15 Personen, oft auch für kleinere Festlichkeiten wie die silberne Hochzeit des Königspaares. Fast das gesamte Inventar aus der Mitte des 19. Jhs. blieb erhalten. Prunkstück ist eine große eiserne Kochmaschine. Der Kochbetrieb in Sanssouci endete 1873 mit dem Tod der Gemahlin von Friedrich Wilhelm IV., Elisabeth von Bayern. | April-Okt. Di-So 10-18 Uhr

Babelsberg

Potsdams größter Stadtteil, vor allem bekannt als Medienstandort, ist 1938 durch den Zusammenschluss von Nowawes und der Villenkolonie Neu-Babelsberg entstanden. Ein Jahr später kam die junge Stadt zu Potsdam. Zentrum von Babelsberg ist der Weberplatz, einst der Mittelpunkt der alten Weber- und Arbeitersiedlung Nowawes. Unweit der 250 Jahre alten Friedrichskirche und dem backsteinernen Rathaus, begrenzt von der Karl-Gruhl-, der Karl-Liebknecht- und der Rudolf-Breitscheid-Straße, haben sich einige der flachen Weberhäuschen erhalten. Im Karl-Liebknecht-Stadion trägt der Frauenfußballclub 1. FFC Turbine Potsdam seine Spiele aus.

Überregional bekannt wurde der Name Babelsberg durch das gleichnamige Schloss und durch die am Rand des Stadtteils liegenden Babelsberger Filmstudios. 1912 begann in Babelsberg die Produktion von Spielfilmen, deren Stars schon damals in der Nähe, am Ufer des Griebnitzsees, in prachtvollen Villen wohnten (siehe auch Kapitel „Stadtspaziergänge"). | Straßenbahn 94, 99, Bus 601, 690, 694, S-Bahn

Belvedere (Pfingstberg)

Friedrich Wilhelm IV. schwebte Großes vor: Eine gewaltige Terrassenanlage mit einem prachtvollen Lustschloss sollte vom Pfingstberg bis zum Neuen Garten reichen. Entstanden sind jedoch nur starke Umfassungsmauern mit Säulengängen sowie eine 25 m hohe Doppelturmfront mit einem „römischen“ und einem „maurischen“ Kabinett. Die schlossartige, romantische Anlage verkleidet das Wasserbecken für die Fontänen des Neuen Gartens. Von den beiden 25 m hohen Türmen haben Sie eine herrliche Sicht. | März & Nov. Sa/So 10-16, April/Mai & Sept. tgl. 10-18, Juni-Aug. tgl. 10-20, Okt. tgl. 10-16 Uhr | Straßenbahn 92, 96 | www.pfingstberg.de

Am Abhang des Pfingstbergs errichtete Karl Friedrich Schinkel sein erstes Bauwerk in Potsdam: einen Pomonatempel genannten Gartenpavillon (Mitte April-Okt. Sa/So 15 bis 18 Uhr). Die Gartenanlage zwischen Pfingstberg und Neuem Garten hat Peter Joseph Lenné geschaffen. Jahrzehnte war sie nicht zugänglich, da die östliche Siegermacht des Zweiten Weltkrieges bis zu ihrem Abzug 1994 das Gelände nutzte - und es in einem beklagenswerten Zustand zurückließ. Die Wiederherstellung erfolgte nach historischen Plänen. | Straßenbahn 92, 96, Bus 697

Berliner Vorstadt

Seit einigen Jahren ist es wieder eine Freude, durch Potsdams Nobelvorstadt zwischen Havel, Heiligem und Tiefem See zu spazieren. Bis 1989 lag sie im Schatten der Berliner Mauer, viele Bauwerke boten einen traurigen Anblick. 1795 hatte Friedrich II. den Ausbau der heutigen Berliner Straße zur ersten preußischen Kunststraße befohlen. Wie einst wählen sich auch heute Betuchte die Berliner Vorstadt als Wohnsitz, so Wolfgang Joop und Günther Jauch. In der Schiffbauergasse, am südlichen Ende der Berliner Vorstadt, entstand auf einstigem Militärgelände Potsdams modernster Kultur- und Gewerbestandort mit dem neuen Hans-Otto-Theater, dem Waschhaus und dem hypermodernem Designcenter von Volkswagen. | Straßenbahn 93

Gotische Bibliothek

Lange Zeit hieß das 1792-94 von Carl Gotthard Langhans errichtete Gebäude der „schiefe Turm von Potsdam“. Um die einstige Königliche Privatbibliothek zu erhalten, wurde Anfang der 1990er Jahre der zweigeschossige Turmpavillon Stück für Stück abgetragen und wieder aufgebaut. | Am Neuen Garten | Straßenbahn 93, Bus 692

Jüdischer Friedhof

1743 fanden am Fuße des Pfingstbergs die ersten Bestattungen statt, bis dahin mussten die Potsdamer Juden ihre Toten ganz bis nach Berlin bringen. Der Friedhof ist das einzig erhalten gebliebene Zeugnis der Potsdamer jüdischen Gemeinde. Zahlreiche Grabsteine stammen aus dem 18./19. Jh. | Straßenbahn 92, 96

Marmorpalais

Das Kleinod des preußischen Frühklassizismus hat sich Friedrich Wilhelm II. 1787-91 von Carl von Gontard als Wohnsitz mit prachtvollen Stukkaturen, Seidenbespannung und Marmorkaminen erbauen lassen, in dem heute auch kostbare Kunstwerke zu bewundern sind. Die Sammlung des bläulichen Wedgewood-Porzellans gehört in Umfang und Qualität zu den bedeutendsten außerhalb Englands. Im Obergeschoss, wo sich die Räume zu einem Rundgang um die zentrale Marmortreppe gruppieren, bildet das orientalische Zeltzimmer einen Höhepunkt.

Die Sowjetarmee nutzte das Palais als Offizierskasino, 1961 richtete die DDR darin ein Armeemuseum ein. | Mai-Okt. Di-So 10-18, Nov.-April nur mit Führung Sa/So 10-17 Uhr | Neuer Garten | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Matrosenstation

Der einzige Gebäudekomplex norwegischer Holzbaukunst in Deutschland am Ufer des Jungfernsees nahe der Glienicker Brücke wird derzeit wieder hergestellt. Fertig ist das fast 4 m hohe Eingangstor der kaiserlichen Marinestation, die bis auf das Kapitänshaus, die Matrosenkaserne und den Bootsschuppen zerstört worden war.

Kaiser Wilhelm II. erfreute sich bei seinen Nordlandfahrten an der norwegischen Holzarchitektur. „So ein Ding will ich auch haben“, soll er 1890 zum norwegischen König Oskar II. gesagt haben. In den folgenden Jahren entstand deshalb in Potsdam die Holzhäusergruppe für die Matrosen der kaiserlichen Marine als ein Stück Norwegen in Deutschland. Auf den Fundamenten der 1945 zerstörten Eingangshalle stand 1961 bis 1989 die Berliner Mauer. | Straßenbahn 93 | www.kongsnaes.de

Museum Alexandrowka

Die Räume wurden wieder in der ursprünglichen Form und Farbe hergerichtet und vermitteln so einen Eindruck von der einstigen Innenausstattung der Holzhäuschen der Russischen Kolonie. Hier erfahren Sie alles über die Geschichte der Kolonie von den Anfängen bis zur Gegenwart. | März-Dez. Di-So 10-18 Uhr | Alexandrowka 2 | Straßenbahn 92, 96

Nauener Vorstadt

Die ganze Pracht und Vielfalt, die die Architektur Ende des 19. Jhs. bot, ist in diesem Viertel zu sehen. Das Gebäude der Stadtverwaltung (Friedrich-Ebert-Str. 79-81) entstand im neubarocken Stil, im italienischen Villenstil das in einem Garten liegende Haus des Hofgärtners (Friedrich-Ebert-Str. 83). Frühklassizistisch präsentiert sich die von Baumeister Boumann entworfene Villa der Gräfin Lichtenau (Behlertstr. 31), der Geliebten von Friedrich Wilhelm II. Ein Stück Russland hielt mit der Kolonie Alexandrowka am nördlichen Ende der Friedrich-Ebert-Straße Einzug. | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Neuer Garten

Eines der schönsten frühen Beispiele englischer Gartenkunst auf dem europäischen Festland. Da der Park jünger ist als der von Sanssouci, bekam er den Namen „Neuer Garten“. Das 730900 m² große Gelände an der Westseite des Heiligen Sees ließ Friedrich Wilhelm II. ab 1787 in einen „sentimentalen Landschaftsgarten“ verwandeln. Ab 1817 gestaltete Lenné die Anlage, wie sie sich im Wesentlichen noch heute darbietet - mit weiten Rasenflächen, Baumgruppen und Durchblicken zum Heiligen See und Jungfernsee.

Sie betreten den Park dort, wo die Alleestraße auf die Straße am Neuen Garten stößt. Die alte Eichenallee (die Bäume wurden 1864 gepflanzt) führt zur lang gestreckten Orangerie, die 1791/92 von Carl Gotthard Langhans und Andreas L. Krüger mit großen Fenstern zur Südseite erbaut wurde. Prachtvoll, vor allem im Sommer, ist der Blumengarten, wenn hier die Palmen und Agaven aus der Orangerie stehen. Rechts davon erstreckt sich das aus rotem Backstein erbaute Holländische Etablissement (1789/90 von Carl von Gontard und Krüger), das große Ähnlichkeit mit dem Holländischen Viertel im Stadtzentrum besitzt. In einigen Häusern wohnten Bedienstete des Marmorpalais, in anderen waren Ställe für die Tiere.

Der weitere Weg führt vorbei an einem von Langhans geschaffenen Obelisken (1893/94) - auf den Medaillons werden die vier Jahreszeiten dargestellt - zum Hauptgebäude des Parks: dem am Ufer des Heiligen Sees gelegenen Marmorpalais.

Das südlich gelegene Küchengebäude (1788-90 auch von Gontard) - es war einst durch einen unterirdischen Gang mit dem Marmorpalais verbunden - wirkt von der Wasserseite wie eine halb versunkene Tempelruine. Die nach ägyptischem Vorbild errichtete Pyramide (1791-92) diente zu Königs- und Kaiserzeiten als Kühlschrank. Das bekannteste Bauwerk im Neuen Garten ist Schloss Cecilienhof.

Am Ufer des Jungfernsees öffnete 2003 die am Ende des Zweiten Weltkrieges ausgebrannte Meierei als Gasthausbrauerei. Bis 1861 versorgte sie die königliche Hofküche mit Milchprodukten, danach wurde das burgenähnliche, zinnenbekrönte Gebäude Wasserwerk und später beliebtes Ausflugslokal.

Die zur Ruine verkommene Meierei ist originalgetreu wieder hergestellt, selbst an der Raumaufteilung wurde nichts verändert. Deshalb gibt es auf drei Etagen zahlreiche Gaststuben. Die schönste ist das Teezimmer mit seinen venezianischen Fenstern. | Bus 692

Park Babelsberg

Mit 1,24 km² ist der Park Potsdams zweitgrößte Anlage. Prinz Wilhelm (der spätere Kaiser Wilhelm I.) beauftragte Peter Joseph Lenné mit der Gestaltung des hügeligen Geländes am Tiefen See und der Glienicker Lake. Nach Meinungsverschiedenheiten der beiden setzte Hermann Fürst von Pückler-Muskau 1842 die Arbeiten fort. Und so wurde der Park im englischen Landschaftsstil das Werk zweier großer Gartenkünstler des 19. Jhs.

Wer den Park am nördlichen Eingang betritt (am Ende der Karl-Marx-Straße, kleiner Parkplatz vorhanden), sieht als Erstes das neugotische Dampfmaschinenhaus (1843 bis 1845 von Ludwig Persius). Die 40 PS starke Dampfmaschine sorgte für die Bewässerung des gesamten Parks. Von hier führt der Weg zum burgenähnlichen Schloss Babelsberg mit dem Küchengebäude (1844-49 von Johann H. J. Strack) dahinter, verbunden durch einen unterirdischen Gang.

Das Kleine Schloss (1841/42 wiederum von Persius) am Ufer des Tiefen Sees entstand im neugotischen Stil für den Sohn des Prinzenpaares, den späteren 99-Tage-Kaiser Friedrich III. Heute ist dort ein Restaurant untergebracht. Im nahen Marstall (1839) standen die Pferde und Kutschen, und im Matrosenhaus (1842, umgebaut 1868) wohnten die Matrosen, die die königlichen Segelschiffe und Gondeln bei den Lustfahrten auf der Havel bedienten.

Auf einer östlichen Höhe (benannt nach dem Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné) bekam 1872 die rote Gerichtslaube ihren Platz. Als in Berlin das neue Rote Rathaus fertig war, schenkten die Berliner Stadtväter die Gerichtslaube ihres alten Rathauses Kaiser Wilhelm I. Der ließ die offene gotische Halle als „denkwürdiges Wahrzeichen aus der Vorzeit“ in Babelsberg aufbauen.

Der 46 m hohe Flatowturm (1853-56 von Strack), der einst Gästezimmer beherbergte, wurde dem spätgotischen Eschenheimer Tor in Frankfurt/Main nachgebildet. Seinen Namen bekam er von der herrschaftlichen Familie Flatow in Westpreußen, die die Steine für den Bau stiftete. Von dem Rundturm bietet sich Ihnen ein herrlicher Blick (Mai-Okt. Sa/So 10-18 Uhr). | Bus 694

Russische Kolonie Alexandrowka

Am 10. April 1826 unterzeichnete Friedrich Wilhelm III. eine „Allerhöchste Cabinets-Ordre“, für zwölf russische Sänger eine Kolonie zu errichten. Fast auf den Tag genau ein Jahr später zogen die Russen in zwölf hübsche, komplett eingerichtete Holzhäuschen - der deutsche Aufseher in ein dreizehntes. Die Russen waren 1812 als Kriegsgefangene nach Preußen gekommen. Nach dem preußisch-russischen Militärbündnis dienten sie dem König als „Russischer Sängerkorps“. Weil er sich so an dessen melancholische Lieder gewöhnt hatte, schenkte ihm Zar Alexander den gesamten Chor.

Die Häuser sind nicht, wie es den Anschein hat, aus kräftigen Holzbohlen erbaut. Sie bestehen aus gemauertem Fachwerk, das außen mit gewölbten Dielenbrettern geschickt verkleidet wurde.

Etwas abseits, auf dem nördlich liegenden Kapellenberg, wurde die Russisch-Orthodoxe Kirche erbaut, daneben ein weiteres Blockhaus für den Gemeindepopen. Zar Nikolaus I., der Schwiegersohn von Friedrich Wilhelm III., wohnte 1829 dem ersten Gottesdienst bei. Im Inneren der Kirche finden Sie Schenkungen der preußischen Prinzessin Charlotte, der späteren Zarin Alexandra Feodorowna, und des Moskauer Patriarchats. | www.alexandrowka.de | Straßenbahn 92, 96

Schiffbauergasse

Direkt am Ufer der Havel, gegenüber dem Babelsberger Park, entstand der modernste Kultur- und Gewerbestandort der Region. Auf dem einstigen Militär- und Industrieareal vereinen sich Kunst- und Kultur mit Hightechunternehmen zu einer einzigartigen Mischung. Das neue Hans-Otto-Theater mit seinen modernen roten Betonlamellen bildet den Blickfang, das Waschhaus mit einem vielseitigen Kunstprogramm hat sich hier bereits seit Jahren fest etabliert, das Internationale Zentrum für Tanz- und Bewegungskunst fabrik ist zugezogen wie auch Volkswagen, Oracle und andere.

Auf dem 120000 m² großen Gelände baute man vor rund 200 Jahren Dampfschiffe, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zum militärischen Sperrgebiet, das die letzten Soldaten und Offiziere 1994 verließen. In den vergangenen Jahren hat man die denkmalgeschützten Reithallen, die Garnisonswäscherei, die Zichorienmühle und weitere Bauten saniert, andere wie das Theater neu errichtet. Neu ist auch der Uferpark mit Schiffsanleger und Marina. | Straßenbahn 93, 94, 99 | www.schiffbauergasse.de

Schloss Babelsberg

Schinkel hatte es mit diesem Schloss nicht einfach. Die Gemahlin des Bauherrn, Prinzessin Augusta aus dem Hause Sachsen-Weimar, hatte eigenwillige Vorstellungen, die sie als einstige Mal- und Zeichenschülerin Goethes sogar selbst zu Papier brachte. Eine Art Schloss Windsor wollte sie haben, mit Zinnen, Türmchen und Erkern, und alles sehr repräsentativ. Und so ist es schließlich auch geworden.

Da das Schloss direkt an der Grenze zu West-Berlin stand, ließen es die DDR-Oberen baulich verkommen. Viele Jahrzehnte wurde es vom Museum für Ur- und Frühgeschichte genutzt, das erst 1999 auszog. Seit einigen Jahren finden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt, die sich aber hinziehen, weil nicht die erforderlichen Geldmittel bereitstehen. Deshalb ist weiterhin nur ein Teil der Schlossräume zu besichtigen.

Nach Abschluss der Arbeiten wird das Schloss wieder Eindrücke aus dem Leben von Kaiser Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augusta vermitteln, die mehr als 40 Jahre die Sommer in Schloss Babelsberg verbrachten, wo sie einen einzigartigen Blick über die Havellandschaft hatten. Der überwiegende Teil der Ausstattung hat das Paar nicht extra für das Schloss anfertigen lassen, sondern nach eigenem Geschmack erworben. | Ostern 10-17, April-Okt. Di-So 10-18 Uhr | Bus 694

Schloss Cecilienhof

Das letzte und modernste Hohenzollernschloss besitzt 176 Räume, die sich um insgesamt fünf Innenhöfe gruppieren. Heute dient ein Teil des Schlosses als Hotel, der andere als Gedenkstätte. Schloss Cecilienhof (1913-17 von Paul Schultze-Naumburg) ging durch die Potsdamer Konferenz in die Weltgeschichte ein. Am 2. August1945, eine halbe Stunde nach Mitternacht, unterzeichneten an einem runden Tisch, der eigens dafür in Moskau hergestellt wurde und noch heute zu sehen ist, die Vertreter der drei Siegermächte Harry S. Truman, Clement Attlee und Joseph W. Stalin das „Potsdamer Abkommen“. Der fünfzackige rote Sowjetstern aus Blumen im Großen Hof ist kein Relikt aus DDR-Zeit, auf diesen Stern hatten sich die drei Regierungschefs in der Vorbereitungsphase der Konferenz geeinigt, vermutlich weil die Sowjetunion die Hauptlast des Krieges zu tragen hatte.

Der Konferenzsaal von 1945 und die Arbeitszimmer der Delegationen sind in der ursprünglichen Form erhalten geblieben. Als das Schloss für die Konferenz ausgewählt wurde, waren Teile der Originalmöbel verschwunden. Deshalb bestückte man 36 Schlossräume mit Mobiliar aus anderen Schlössern und Potsdamer Villen. Das ehemalige Arbeits- und Raucherzimmer des Kronprinzen diente Präsident Truman als Arbeits- und Beratungszimmer. Winston Churchill richtete sich in der früheren kronprinzlichen Bibliothek ein. Allerdings konnte er die aus Schloss Babelsberg extra herbeigeschafften Möbel aus hellem Ahornholz nur wenige Wochen genießen - nach einer Wahlniederlage seiner Partei in England musste er seinem Nachfolger Attlee weichen. Stalin hatte sich den Roten Salon, das Schreibzimmer der Kronprinzessin, ausgewählt. Sein Arbeitsplatz war am Schreibtisch zwischen Fenster und Kamin. | April bis Okt. Di-So 10-18, Nov.-März nur mit Führung Di-So 10-17 Uhr

Weitgehend unbekannt ist, dass auch sechs wieder hergerichtete Privaträume des Kronprinzenpaares im Obergeschoss des Mittelbaus zu besichtigen sind. Die Fürstenabfindung von 1926 hatte der Kronprinzenfamilie ein Wohnrecht auf Lebenszeit eingeräumt; das erlosch allerdings, als sie vor der anrückenden sowjetischen Armee im Frühjahr 1945 das Schloss verließ und in den Westen floh. | Führung in den Privaträumen des Kronprinzenpaares tgl. 10/12/14 und 16 Uhr | Neuer Garten | Bus 692

Villenkolonie-Neu-Babelsberg

Hohe Regierungsbeamte und Industrielle ließen sich ab 1874 am Ostufer des Griebnitzsees prachtvolle, heute wieder sehr begehrte Villen errichten, in denen in den 1930er- und 1940er-Jahren Ufa-Stars wie Marika Rökk und Gustav Fröhlich wohnten. Am Ende des Zweiten Weltkrieges residierten hier die Staatschefs Harry S. Truman, Winston Churchill, Clement Attlee und Josef W. Stalin (siehe Kapitel Stadtspaziergänge).

Alter Markt

Er war Potsdams baukünstlerisches Zentrum mit Stadtschloss, Rathaus und Nikolaikirche - bis zu seiner Zerstörung im April 1945. Wo das 1959/60 abgetragene Barockschloss stand, fahren heute Autos und Straßenbahn. Festlicher Eingang zum Schloss war das Fortunaportal, dessen Wiederaufbau 2002 mit dem Aufsetzen der vergoldeten Namensgeberin abgeschlossen wurde. Der zum Schloss gehörende Lustgarten war mehrmals umgestaltet worden. Anhand von 300 Jahre alten Zeichnungen wurde nun der sogenannte Neue Lustgarten geschaffen.

Die Nikolaikirche, ein bedeutendes Bauwerk des Klassizismus, beherrscht nach dem 1981 vollendeten Wiederaufbau den Alten Markt. Das Alte Rathaus an der Ostseite ist mit dem benachbarten Knobelsdorffhaus durch einen Zwischentrakt verbunden, der das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Haus des Bäckermeisters Windelband ersetzt.

Der 20 m hohe Obelisk stammt von Knobelsdorff. Den Schaft zierten einst vier Bildnismedaillons von Kurfürsten und Königen. 1978/79 wurde der baufällig gewordene Obelisk neu aufgebaut, statt der Hohenzollernbildnisse bekam er die von prominenten Potsdamer Baumeistern: Knobelsdorff, Gontard, Schinkel, Persius. | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98, Bus 695

Altes Rathaus

1885 zogen die Stadtväter aus, danach hieß das Gebäude „Ehemaliges Rathaus“, heute „Altes Rathaus“. 1755 war das Bauwerk mit der den Turm krönenden Atlasfigur fertig. 21 Jahre später erlebten die Potsdamer eine böse Überraschung: Der große, fast 6 t schwere und nur ungenügend verankerte Atlas stürzte auf die Straße. Man hievte eine neue Plastik nach oben, diesmal aus Kupfer getrieben und vergoldet. Die leuchtet noch heute in der Sonne. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude dient seit dem Wiederaufbau mit dem benachbarten Knobelsdorffhaus als Kulturhaus. | Am Alten Markt | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98, Bus 695

Brandenburger Tor

Das römischen Triumphbogen ähnelnde, 1770 erbaute Tor hat zwei Baumeister und deshalb auch zwei Gesichter. Carl von Gontard entwarf im Auftrag von Friedrich II. die Stadtseite, sein Schüler Georg Christian Unger die Feldseite. Die beiden seitlichen Durchgänge für Fußgänger gibt es erst seit 1843. | Luisenplatz | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus 695

Dortustraße

Prachtvoll präsentiert sich in der Dortustraße die Nr. 36: das ehemalige Militärwaisenhaus. Nicht minder eindrucksvoll sind die Bauten Nr. 30-34, errichtet für den Rechnungshof des deutschen Reiches. Die Häuser Nr. 26-29 hat Georg Christian Unger Ende des 19. Jhs. entworfen. An der Ecke zur Yorckstraße steht seit 1991 die Nachbildung des Glockenspiels der Hof- und Garnisonkirche, die in der Nähe ihren Platz hatte. Der bedeutendste barocke Sakralbau Preußens brannte 1945 aus. Als letzter Teil der Ruine wurde 1968 der Turmstumpf gesprengt. In den nächsten Jahren soll die Kirche originalgetreu wieder aufgebaut werden. Das barocke Bauwerk, so steht es in einem Aufruf zu einer weltweiten Hilfsaktion, ist als offene Stadtkirche sowie als Zentrum für Frieden und Versöhnung gedacht.

Die Straße trägt den Namen des wegen seiner Teilnahme an der Revolution 1848 hingerichteten Max Dortu. An seinem Geburtshaus Nr. 28 steht auf einer Gedenktafel: „Kämpfer und Opfer für Deutschlands Einheit und Freiheit“. | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus X5, 605, 606, 612, 614, 631

Filmmuseum

„Babelsberg - Gesichter einer Filmstadt“ nennt sich die Dauerausstellung des Museums. In ihr sind Raritäten zu sehen, beispielsweise die Schulbank aus dem Heinz-Rühmann-Film „Die Feuerzangenbowle“ von 1944, das Exposé des ersten Defa-Films „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef von 1946 und die Perücke des Defa-Indianerstars Gojko Mitic, die er im Film „Spur des Falken“ von 1968 trug. Viel Platz wird den Stars eingeräumt. In den Babelsberger Ufa- (ab 1921) und Defa-Ateliers (ab 1946) standen zum Beispiel Marlene Dietrich, Paul Wegener, Heinz Rühmann, Manfred Krug und Angelika Domröse vor den Kameras. Aus der filmtechnischen Sammlung zeigt das Museum den Doppelprojektor Bioskop von 1895. Zum Filmmuseum gehört ein Kino, das anspruchsvolle zeitgenössische und historische Filme zeigt.

Das Museum hat sein Domizil im einstigen Marstall, einem lang gestreckten, rotbraunen Bau, der 1686 als Orangerie entstanden war. Die Pferde- und Reitergruppen aus Sandstein von Friedrich Christian Glume auf den Attiken erinnern an den einstigen königlichen Reitstall. Marstall und Schloss waren durch die sogenannte Ringerkolonnade verbunden, deren Reste unterhalb des Hotels Mercure im wieder entstandenen Lustgarten aufgestellt wurden. | Tgl. 10-18 Uhr | Breite Straße 1a | im Marstall | www.filmmuseum-potsdam.de | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98, Bus 695

Französische Kirche

Die Kirche ließ Friedrich der Große für die Französische Kolonie in Potsdam errichten. Den Entwurf dafür lieferte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (siehe Kapitel Stadtspaziergänge). | Bassinplatz | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Freundschaftsinsel

Die Insel, unmittelbar an der Langen Brücke zwischen der Neuen und der Alten Fahrt der Havel gelegen, wurde anlässlich der Buga mit mehr als 100000 Stauden und 35000 Blumenzwiebeln wieder neu bepflanzt. | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98, Bus 695

Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jh.

Im Zweiten Weltkrieg schleppten die Nazis politische Gefangene in das Haus, danach quälten hier der sowjetische Geheimdienst NKWD und ab 1952 die Staatssicherheit der DDR unzählige Menschen. Zu sehen sind der Zellentrakt, die Gefängnishöfe und eine Ausstellung zur Geschichte der politischen Justiz. | Di-Sa 10-18 Uhr | Lindenstr. 54 | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus X5, 605, 606, 612, 614, 631

Großes Militärwaisenhaus

Man meint, einen königlichen Palast vor sich zu haben, steht aber vor einer karitativen Einrichtung besonderer Art. In dem Gebäude wurden uneheliche Soldatenkinder erzogen, die unter elenden Bedingungen bis zu 35 Stunden in der Woche in Manufakturen arbeiten mussten. Von der 1945 weitgehend zerstörten Anlage sind noch zwei Flügel erhalten. | Dortu Straße/Breite Straße | Bus 695, X5

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte

Die ständige Ausstellung „Land und Leute, Geschichten aus Brandenburg-Preußen“ unternimmt eine erlebnisreiche Reise durch 900 Jahre Landesgeschichte. Rund 400 originale Objekte sowie Fotos, Filme und interaktive Multimediastationen erzählen in neun Kapiteln von der bewegten und bewegenden Vergangenheit Brandenburg-Preußens. | Di bis Fr 10-17, Sa/So 10-18 Uhr | Am Neuen Markt (im Kutschstall) | www.hbpg.de | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98, Bus 695

Holländisches Viertel

Ein kleines holländisches Idyll mitten in Potsdam, salopp auch „Klein-Amsterdam“ genannt. 1734 wurde das Architektur-Ensemble für holländische Kolonisten begonnen, 1742 war es fertig. Insgesamt entstanden in vier Karrees unter Leitung des Holländers Johann Boumann 59 Giebel- und 75 Traufenhäuser mit hübschen Vorgärten. Nach denen braucht man nicht Ausschau zu halten, denn der letzte verschwand schon 1928. An Holland erinnert auch die ebenfalls aus rotem Backstein errichtete westliche Häuserfront der nahen Straße Am Bassin, die rund 40 Jahre nach „Klein-Amsterdam“ entstand. | www.hollaendisches-viertel-potsdam.de | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Jägertor

Das bescheidene Tor von 1733 ist das älteste Potsdams. Bis heute wird gerätselt, wer die Jagdszene aus Sandstein auf der Attika geschaffen haben könnte. | Hegelstr. | Bus 692, 695

Jan-Bouman-Haus

Das 1735 erbaute Holländerhaus wurde originalgetreu restauriert und zum Museum für das Holländische Viertel. Sie bekommen hier einen Eindruck von der Innenarchitektur holländischer Häuser des 18. Jhs. | Mo-Fr 13-18, Sa/So 11-18 Uhr | Mittelstr. 8 | www.jan-bouman-haus.de | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Lindenstraße

Hier gibt es eine fast noch vollständige Bebauung aus der zweiten barocken Stadterweiterung: Die Häuser Nr. 1-22 entstanden 1734-38 als zweigeschossige Typenbauten. Die Einheitlichkeit ging aber in den vergangenen 250 Jahren durch Um- und Anbauten vielfach verloren. Haus Nr. 25 war Lazarett des Regiments der Leibgarde, zwei Sandsteinfiguren mit Szenen der Krankenpflege verweisen auf die einstige Bestimmung. Die Häuser Nr. 28, 29 und 35-39 dienten als Kaserne. Im Haus Nr. 44 wohnten die Gebrüder Räntz, Bildhauer aus Bayreuth. Sie haben den reichen Figurenschmuck am Neuen Palais und den Communs mitgeschaffen. Offensichtlich blieb den beiden noch genügend Zeit für die reiche Bauornamentik ihres Hauses. Im Haus Nr. 54/55 befand sich zu DDR-Zeiten die Untersuchungshaftanstalt der Potsdamer Staatssicherheit, mit bitterem Zynismus „Lindenhotel“ genannt. | Straßenbahn 91, 94, X98, Bus X5, 605, 606, 612, 614, 631

Naturkundemuseum

Die 1,5 m große Welsdame „Weline“ ist der Star im Naturkundemuseum. Dort schwimmt sie in einem der 22 Süßwasseraquarien, in denen sich fast 40 Fischarten tummeln. Das Museum zeigt die Vielfalt der heimischen Gewässerfauna wie Fische, Krebse und Muscheln.

Das Museum befindet sich im historischen Ständehaus des einstigen Havelländisch-zauchischen Kreises, einem der schönsten Gebäude der Stadt. Im Erdgeschoss und im zweiten Obergeschoss saßen einst die Steuereinnehmer, im ersten Obergeschoss tagten die Abgeordneten. Die drei östlichen Achsen der Hauptfront wurden 1945 zerstört. | Di-So sowie jeden 1. Mo im Monat 9-17 Uhr | Breite Str. 13 | www.naturkundemuseum-potsdam.de | Bus 695

Nauener Tor

Friedrich II. lieferte Johann Gottfried Büring 1755 die Skizze für das Tor, das etwa hundert Jahre später unter dem Einfluss der englischen Neugotik verändert wurde. Es ist vermutlich das früheste Bauwerk dieser Art auf dem europäischen Kontinent. Seit der jüngsten, 1996 beendeten Restaurierung zeigt sich das Tor nicht mehr im gewohnten Preußisch-Ocker, sondern in Steingrau, was bei den Potsdamern heftige Diskussionen auslöste. Die Denkmalpfleger beharrten aber auf ihrem Standpunkt, so sei der Anstrich im 19. Jh. gewesen. | Friedrich-Ebert-Str./Hegelallee | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Neuer Markt

Der im 17. Jh. planmäßig angelegte Platz wurde in den letzten Jahren wieder schön hergerichtet. Auch das Haus Nr. 1, in dem 1767 vermutlich Wilhelm von Humboldt geboren wurde und in dem der spätere König Friedrich Wilhelm II. wohnte. 1770 kam hier der spätere König Friedrich Wilhelm III. zur Welt, der als Einziger aus dem Hause Hohenzollern Potsdam als Geburtsort angeben konnte. 1833 zog das königliche Kabinett ein - daher die Bezeichnung Kabinetthaus.

Hofzimmermeister Johann Georg Brendel, der an bekannten Bauwerken in und um Potsdam mitgewirkt hatte, lebte um 1770 im Haus Nr. 2. Seine Initialen „J. G. B.“ sind auch heute noch im schmiedeeisernen Rokokogeländer der Freitreppe zu sehen. Das Haus in der Platzmitte - heute ein Restaurant - war die städtische Ratswaage.

Den triumphbogenähnlichen Eingang zum ehemaligen königlichen Kutschstall bekrönt eine Quadriga. Modell für den Wagenlenker soll der Leibkutscher Friedrichs II., Johann Georg Pfund, gestanden haben. Im Kutschstall hat das neue Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte sein Domizil bekommen. | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98, Bus 695

Nikolaikirche

Die Idee für den Bau mit der mächtigen Kuppel, der den Alten Markt beherrscht, lieferte der spätere König Friedrich Wilhelm IV. Die Pläne stammen von Karl Friedrich Schinkel, der weitgehend auch die Innenausstattung besorgte. | Am Alten Markt | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98, Bus 695

Peter-Pauls-Kirche

Die 1870 fertiggestellte katholische Kirche gilt als typisches Beispiel für den Historismus, der hier byzantinische und romanische Stilelemente in den Bau einfließen ließ. | Bassinplatz | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Platz der Einheit

Als eines der Buga-Projekte erfuhr der Platz eine Neugestaltung. Integriert wurden das nach 1945 gebaute Mahnmal für antifaschistische Widerstandskämpfer und das Denkmal für den unbekannten Deserteur, das die Partnerstadt Bonn nach der Einheit gestiftet hatte.

Früher stand neben dem neubarocken Hauptpostamt die jüdische Synagoge, die von den Nationalsozialisten in der Pogromnacht 1938 zerstört wurde. An sie erinnert eine Gedenktafel am Haus Nr. 1. An der Nordseite öffnete 1997 das Einkaufs- und Bürohaus Wilhelmgalerie. | Straßenbahn 93, 94, 99

Potsdam-Museum

Im Erdgeschoss gibt das städtische Museum Einblick in seine mehr als 150000 Gegenstände umfassenden Sammlungen, im Obergeschoss sind u.a. Gemälde und Grafiken des 18. bis 20. Jhs. zu sehen. | Di-So 10-18 Uhr | Benkertstr. 3 | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Zweite Neustadt

Auf dem Reißbrett wurden 21 Karrees abgesteckt und innerhalb von nur zehn Jahren planmäßig 584 Häuser erbaut. Friedrich Wilhelm I. hatte 1732 den Befehl zu dieser zweiten barocken Stadterweiterung gegeben, kurz „Zweite Neustadt“ genannt, denn der Soldatenkönig brauchte Quartier für seine Soldaten. Die Ledigen mussten in den noch heute vielfach vorhandenen, in der Mittelachse ausgebauten Giebelstuben untergebracht werden. Der plastische Schmuck zahlreicher Häuser weist auf die einstigen Besitzer hin. Glanzpunkt der Zweiten Neustadt, die am Brandenburger Tor beginnt, ist das aus vier Karrees bestehende Holländische Viertel am anderen Ende. | Straßenbahn 92, 96, Bus 692

Alter Friedhof

In den Befreiungskriegen kam 1813 der Jäger August Renz aus dem Lützowschen Freikorps zu Tode. Erst da stellte man fest: Er war gar kein Mann, sondern eine Frau namens Eleonore Prochaska. Zum Gedenken erhielt sie an der Hauptallee eine toskanische Säule mit Adler. Das Denkmal daneben erinnert an dreitausend mit ihr gegen Napoleon Gefallene. Auf dem 1796 angelegten Friedhof ruhen auch der Begründer des deutschen Genossenschaftswesens, Hermann Schulze-Delitzsch (1818-83), und der berühmte Potsdamer Orgelbauer Alexander Schuke (1870-1933). | Dez.-Feb. tgl. 8-16, März/April, Sept./Okt. 7-18, Mai-Aug. 7-20, Nov. 8-17 Uhr | Heinrich-Mann-Allee | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98

Biosphäre Potsdam

Deutschlands größter Tropengarten präsentiert einen Dschungel aus 20000 Pflanzen. Bis zu 14 m hohe Bäume und Palmen bilden das grüne Dach des Regenwalds, die Pfade säumen Orchideen, Kakao- und Kaffeepflanzen. Wasserfall, Geräusche des tropischen Waldes und stündlich Gewitter mit Regenschauern und Nebel schaffen die richtige Dschungelatmosphäre. Terrarien mit Insekten sowie tropische Fische in der Unterwasserstation zeigen eine Auswahl der tropischen Tierwelt. | Mo-Fr 9-18, Sa/So 10-19 Uhr | Georg-Hermann-Allee 99 | Tel. 550740 | www.biosphaere-potsdam.de | Straßenbahn 92, 96

Filmpark-Babelsberg

Der Filmpark - entstanden auf dem Gelände der einst größten Filmstadt Europas, die sich heute Medienstadt Babelsberg nennt - bietet Ihnen viel: Autocrashs, aufsteigende Rauch- und Nebelschwaden, rasante Verfogungsjagden und Sprünge aus schwindelerregender Höhe. All dies zeigt die Babelsberger Stuntcrew frei nach Motiven des Kinohits „Mad Max III“ in ihrer atemberaubenden Show. Schauplatz ist die monumentale Kulisse eines erloschenen Vulkankraters.

Im Fernsehstudio 1 können Sie auf einer großen Videoleinwand die einzelnen Produktionsschritte verfolgen oder selbst im Rampenlicht stehen, zum Beispiel als Nachrichtensprecher, Wetterfee oder Aufnahmeleiter. In Merlins Rückkehr demonstriert einer der profiliertesten Filmtiertrainer Deutschlands seine Arbeit mit wilden Tieren vor der Kamera. Auch hier erleben Sie das Spektakel hautnah und können mitmachen. Schön gruselig geht es im Dorf der Wölfe zu. Hier sind Originalfilmdekorationen aus Horror- und Gruselfilmen zu bewundern, in denen Pranger, Guillotine und Spukhäuser für Gänsehaut sorgen.

Wem das noch nicht reicht, der lässt sich im 4D-Actionkino richtig durchrütteln. Auf den bewegten Sitzen, begleitet von Wind und Nebel, erleben Sie modernste Kinotechnik. In der neuen Ausstellung Die 7 Weltwunder des Films werden die faszinierenden Möglichkeiten der Tricktechnik in Szene gesetzt. Willkommen zum Flug auf Münchhausens Kanonenkugel oder zu einer rasanten Fahrt im Cabrio.

Im Sandmann-Haus wohnen der Sandmann und seine Freunde, im gläsernen Studio ist die Entstehung neuer Sandmännchenfolgen zu beobachten. Hinter einem bunten Bretterzaun entstand nach Janoschs Buch „Oh wie schön ist Panama“ ein Kinderpark mit Spielscheune, Hängebrücken, Wasserspielen und Kinderrestaurant. Wer von den kleinen Besuchern Lust auf echte Mutproben hat, geht zum Dschungelabenteuerspielplatz mit Pendelwippe und Seilbahn, Wippbrücke, Buschhaus und Palmeninsel.

Babelsberg zählt zu den größten und ältesten Filmstudios der Welt. Hier standen seit 1912 Stars wie Greta Garbo, Marlene Dietrich, Yves Montand und Omar Sharif vor den Kameras. Über 3000 Kino- und Fernsehfilme haben die Studios bis heute verlassen. Die Studiotour, eine 20-minütige Shuttlefahrt, führt Sie auf das ansonsten nicht zugängliche Gelände der Medienstadt Babelsberg. Für den individuellen Besuch der Attraktionen des Filmparks sollten Sie mindestens sechs Stunden einplanen.

Wollen Sie sich nach all den Vergnügungen stärken, dann bietet sich im Eingangsbereich des Parks das Erlebnisrestaurant Prinz Eisenherz an. Die Ausstattung stammt zum größten Teil aus dem deutsch-britischen Fantasyspektakel gleichen Namens.

Jährlich im Sommer findet die Filmparknacht statt, eine Nacht der Fabelwesen und Magie in den phantastischen Kulissen des Filmparks. | Mitte März-Okt. tgl. 10-18 Uhr, Juni/Sept. Mo/Fr geschl. | Großbeerenstraße | Tel. 7212750 | www.filmpark.de | Bus 601, 690

Neuer Friedhof

Letzte Ruhestätte unter anderem für den Landschaftsarchitekten Gustav Meyer (1816-77) und den Schriftsteller Bernhard Kellermann (1879 bis 1951). Der nach 1863 eingeweihte und von Lenné gärtnerisch gestaltete Friedhof ist der größte Potsdams. | Geöffnet wie Alter Friedhof | Heinrich-Mann-Allee | Straßenbahn 91, 92, 93, 96, 99, X98

Staudengärtnerei Foerster

Der historische Hausgarten von Karl Foerster (1874-1970), einem der bedeutendsten Gartengestalter und Staudenzüchter des 20. Jhs., ist seit der Bundesgartenschau 2001 wieder öffentlich zugänglich. Foerster hatte den rund 6000 m² großen Garten ab 1912 in Bornim angelegt. Der Potsdamer Ehrenbürger züchtete mehr als 600 Stauden und verfasste mehrere Gartenbücher. Aus seinem Züchtungs- und Forschungsbetrieb winterharter Blütenstauden, der von der DDR 1972 verstaatlicht wurde, ist die Foerster-Stauden GmbH hervorgegangen. | Tgl. 9 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit | Am Raubfang 6 | Bus 692

Volkspark Potsdam

Das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau lädt ein zur Erholung, zu Sport und Spiel sowie - als größte Openairbühne Potsdams - zu Kultur und Unterhaltung. Es gibt eine Kletteranlage, eine Riesenrutsche, Trampoline sowie Streetball- und Beachvolleyballanlagen. Ideal zum Inlineskaten ist ein vier Kilometer langer Rundkurs. Was in vielen Parks verboten, ist hier sogar erwünscht: „Betreten des Rasens erbeten!“

In die einstige Buga-Halle zog unter dem Namen Biosphäre ein in Deutschland einzigartiger Tropengarten. Der Haupteingang zum Urwald in der Stadt befindet sich an der Georg-Hermann-Allee, rund um den Park gibt es 14 weitere Eingänge. | Tgl. 5-23 Uhr | www.volkspark-potsdam.de | Straßenbahn 92, 96

Wissenschaftspark Albert Einstein

Der Große Refraktor von 1899 sowie der 20 m hohe Einsteinturm, der seit seiner Eröffnung 1924 weltweit als einer der originellsten und wichtigsten Bauten des 20. Jhs. gilt, sind die markantesten Bauwerke des Wissenschaftsparks auf dem Telegrafenberg. Im Refraktor kann man einen Blick durch das viertgrößte Linsenteleskop der Welt werfen. | Wissenschaftspark tgl. 8-18 Uhr, Innenbesichtigung des Turms nur Okt.-März mit Führung | Termine: Tel. 291741 (Urania) | www.urania-potsdam.de | Bus 693