Reisetipps Niederländische Küste

Stichworte Niederländische Küste

Coffeeshops

Die Niederlande sind das einzige Land Europas, in dem es sogenannte Coffeeshops gibt, Cafés, in denen weiche Drogen wie Haschisch und Marihuana gekauft bzw. konsumiert werden dürfen. Der Besitz ist nicht legal, aber die Verfolgung dieses Delikts hat eine sehr niedrige Priorität. Wer nicht mehr als 30 g bei sich trägt, bekommt keine Probleme mit der Polizei. Auch der Eigenanbau von Hanf wird toleriert, allerdings dürfen es nicht mehr als fünf Pflanzen sein.

Deiche

Römer waren es, die die ersten Deiche entlang der Flüsse anlegten. Erst um das Jahr 1000 begannen die Holländer mit dem Bau von Deichen an der Küste und machten damit eine dauerhafte Besiedlung des Landes möglich. Auf den Warften – aufgeschüttete Hügel – wurden Bauernhöfe und Kirchen errichtet. Die Sorge für den Unterhalt der Deiche lag beim Deichgrafen. Um Inseln und Strände, etwa bei Scheveningen, auf Texel oder in Nordholland, vor einer Abtragung durch die Fluten zu bewahren, werden aufwendige Sandaufspülungen vorgenommen. Auch die Flüsse sind mit Deichen versehen, die allerdings nicht halten: 1995 mussten wegen Überflutung von Maas und Rhein 250000 Menschen evakuiert werden.

Deltawerke und Oosterschelde

Rund 5,5 Mio. Euro wurden für das sogenannte Deltaprojekt zum Schutz des Hinterlandes in Zeeland ausgegeben – das wohl kostspieligste Wasserbauprojekt der Welt. Das Oosterscheldewehr hat 65 Öffnungen, jede von ihnen ist 40 m breit. Bei normalem Wasserstand hat das Meerwasser freien Zugang in die Mündungsarme der Flüsse Rhein, Maas und Schelde, nur in Sturmflutzeiten werden die Tore geschlossen. Die Oosterschelde ist ein beliebtes Überwinterungsquartier von Vögeln. Ihre Artenvielfalt und hohe Population ist bemerkenswert. Auch die Seehunde fühlen sich wohl. An warmen Sommertagen werden mittlerweile wieder bis zu 30 Tiere gezählt.

Dünen

Dünen prägen das Gesicht aller niederländischen Inseln und der Küste von Den Helder bis nach Belgien. Das Dünensystem entstand etwa im 12. Jh. Bis heute ist nicht sicher, was den plötzlichen Sandzuwachs verursachte. Man vermutet, dass das Abschlagen der Wälder im Inland dazu beitrug. Dabei wurde eine Menge Sand freigesetzt, der sich mit den Ablagerungen, die die Flüsse Rhein und Maas seit Jahrhunderten an die Küste getragen hatten, vermischte. Dünen werden im Laufe der Zeit von Gräsern überwuchert. Wird die Pflanzendecke zerstört, trägt der Wind sie ab, und das Wasser hat freien Zulauf. Der Schutz der Dünen gehört daher zu den vordringlichen Aufgaben der niederländischen Behörden.

Holland

Holland ist eigentlich nur ein Teil der Niederlande, der aus den zwei Provinzen Nord- und Südholland besteht. Da diese Provinzen, in denen mit Amsterdam, Rotterdam und Den Haag die bedeutendsten Städte des Landes liegen, schon seit Jahrhunderten eine wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung haben, wurde „Holland“ im deutschen Sprachgebrauch zum Synonym für die Niederlande. Doch es kann schon passieren, dass ein Friese oder Zeeländer etwas verschnupft reagiert, wenn man ihn als Holländer bezeichnet.

Königshaus Oranien-Nassau

Stammvater des Königshauses Oranien-Nassau ist Wilhelm I. von Nassau, der 1533 im hessischen Dillenburg geboren wurde. Er war unter Karl V. Statthalter von Holland, Zeeland und Utrecht. Im Zuge der Auflehnung des Adels gegen die radikale katholische Machtpolitik Philipps II. von Spanien (Sohn Karls V.) setzte sich Willem von Oranje an die Spitze der Aufständischen. Er wurde 1584 ermordet. Der Freiheitskampf gegen Spanien endete erst mit dem Westfälischen Frieden 1648. Die Oranier blieben weiterhin Statthalter des Landes.

Erster König der Vereinigten Niederlande wurde König Willem I. (regierte 1813–40). Die heutige Königinmutter Juliana regierte bis 1980. Seitdem ist Beatrix Königin der Niederlande. 1966 heiratete sie den deutschen Diplomaten Claus von Amsberg, der 2002 verstarb. Der älteste ihrer drei Söhne, Prinz Willem-Alexander, heiratete im Februar 2002 die Argentinierin Máxima Zorreguieta.

Kolonialmacht

Ebenso wie andere Kolonialmächte kamen die Niederlande durch Ausbeutung und Sklaverei zu Reichtum. Um die zerrütteten Staatsfinanzen im 19. Jh. zu sanieren, führte man für die Kolonie Nederlands-Indië (heutiges Indonesien) das cultuurstelsel ein, ein Zwangsanbausystem für Kaffee, Tee, Tabak, Zimt und Indigo, dessen Ertrag zwischen 1830 und 1870 ca. 375 Mio. Euro betrug. Mit diesem „Blutgeld“ bauten die Niederländer Deiche sowie Schulen, senkten Steuern und begannen mit dem zügigen Ausbau der Infrastruktur ihres Landes. Erst 1862, 30 Jahre nachdem England die Sklaverei abgeschafft hatte, entschlossen sich auch die Niederlande zu diesem Schritt. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten sie noch zwei Kriege in Indonesien, um die Unabhängigkeit des Landes zu verhindern. Der Freiheitskampf (1945 bis 1949) kostete rund 200000 Indonesier das Leben.

Lamsoren

Wer auf der Speisekarte die Zutat lamsoren entdeckt, muss nicht fürchten, dass ihm die Hörorgane von Schafen serviert werden. Lamsoor (deutsch: Halligflieder) ist ein Gewächs aus den Dünen, das sich – ebenso wie seine Artgenossen zeekraal oder zeeaster – in letzter Zeit steigender Beliebtheit bei Gourmets erfreut. Die Gemüse schmecken nach Meer: frisch, knackig und leicht salzig. Da etwa ein Drittel des niederländischen Bodens einen sehr hohen Salzgehalt hat, auf dem nicht alle Pflanzen wachsen, gelten sie als Hoffnung für die Zukunft der Landwirtschaft.

Malerei

Im Goldenen Zeitalter entstand ein reger bürgerlicher Kunstmarkt. Reiche Kaufleute verlangten nach Gemälden, die ihre Lebenswelt naturgetreu darstellten, aber auch moralische Botschaften enthielten. Porträt-, Genre- und Landschaftsmalerei florierten. Die berühmtesten Vertreter waren Rembrandt van Rijn (1606–69), Jan Vermeer van Delft (1632–75), Jan Steen (1626–79) und Jacob van Ruisdael (1628–82). Markenzeichen der niederländischen Malerei war ihr Realismus.

Nationalparks

Unter den zwanzig niederländischen Nationalparks befinden sich auch einige Küstenregionen, wie die Kennemerduinen, der Biesbosch bei Dordrecht, das Wattenmeer und die Insel Schiermonnikoog. Außerdem gibt es zahlreiche kleinere Naturschutzgebiete, etwa Het Oerd im Osten Amelands, wo man auf über 50 Vogelarten trifft, das Sandgebiet Vliehors auf Vlieland oder De Muy auf Texel. Auch die meisten Dünengebiete stehen unter Naturschutz und dürfen nur mit Eintrittskarte betreten werden (im Tourismusbüro oder am Bahnhof erhältlich).

Polder

Polder, eingedeichtes Grünland, das von schnurgeraden Wassergräben durchzogen ist, gibt es auf allen Inseln und hinter der Küste. Polderwiesen gelten als gute Viehweiden. Es waren Zisterziensermönche, die im 13. Jh. mit der Einpolderung von Land in Friesland und Zeeland begannen. Erst mit dem Einsatz von Windmühlen im 15. Jh., die das tief liegende Land leerpumpen konnten, wurde das Einpoldern effektiv. Ein besonders großer Polder entstand im südlichen IJsselmeer: der Flevoland-Polder.

Sprache

Die Amts- und Umgangssprache ist Niederländisch. In Europa wird es von 21 Mio. Menschen gesprochen, von den Niederländern und den 6 Mio. Flamen in Belgien (Flämisch). Friesisch ist in Friesland als Minderheitensprache anerkannt und wird an den dortigen Schulen gelehrt. In Zeeland hört man noch oft den Dialekt Zeeuws, der dem Flämischen sehr ähnlich ist.

Strandhütten

Im Sommer sind holländische Strände gesäumt von Holzhütten. Die kleineren Reihenhütten, welche deutschen Schrebergartenhäuschen ähneln, sind einfache Wochenendhäuser und werden pro Saison an Privatleute vermietet. In den größeren Hütten mit Terrasse befinden sich meist Cafés oder Restaurants. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Im Herbst werden sie komplett demontiert und erst nach den großen Stürmen im Frühling wieder aufgebaut.

Voc und Wic

In Middelburg oder Hoorn, in Delft oder Haarlem – überall an der Niederländischen Küste wird man auf Bauwerke und Spuren der Vereinigten Ostindischen Kompanie treffen. 1602 wurde die „Verenigde Oostindische Compagnie“ (VOC) in Amsterdam gegründet. Sie hatte das alleinige Recht, in der östlichen Hemisphäre einen Wirtschaftskrieg gegen Portugal und Spanien zu führen und eine Kriegsflotte und ein Heer zu unterhalten. Sie durfte eigene Münzen prägen und Verträge abschließen. Die VOC wurde von den „Heeren XVII“, dem Direktorium, streng geführt. Als die VOC am 31. Dezember 1799 formell aufgelöst wurde, stand ihr Name für „Vergaan Onder Corruptie“, also „untergegangen an Korruption“. Zwischen 1602 und 1799 fuhren insgesamt 622000 Personen auf 4510 VOC-Schiffen nach Asien. Die Schwestergesellschaft, die „Westindische Compagnie“ (WIC), trieb Handel mit Afrika und Amerika, war führend im Sklavenhandel und gründete Neu-Amsterdam, das heutige New York.

Windmühlen

Die allgegenwärtigen Mühlen wurden mit der Einpolderung von Land seit dem 15. Jh. wirtschaftlich eingesetzt. Von den ausgeklügelten Windmaschinen existieren noch etwa 980. Sie sind denkmalgeschützt. Die schönsten Ansammlungen sieht man in Kinderdijk, in Zaandam und in Schermer bei Alkmaar. Mit einer Flügelspannweite von 28 m treiben Windmühlen eine Schraubwinde an, die das Wasser aus Gräben in höher gelegene Kanäle hebt. Außer Poldermühlen gab es Getreide-, Öl- und Tabakmühlen.