Reisetipps Erzgebirge

Auftakt Erzgebirge Was für eine Region!

Spannende Fahrten mit dem Förderkorb oder dem Hunt in Besucherbergwerke, Jazz, Rock und Theater unter Tage, farbenfrohe Bergparaden mit viel Musik und duftenden Rostbratwürsten am Straßenrand gehören zu den Highlights im Erzgebirge. Am Jahresende schwelgen die kleinen und größeren Orte im Lichterglanz der Pyramiden und Schwibbögen, sie zaubern mit Räuchermännchen und Nussknackern weihnachtliches Flair. Aber auch die tiefen Wälder und lieblichen Täler, die gewaltigen Hallenkirchen und das facettenreiche Kulturleben haben das Erzgebirge und das angrenzende Vogtland zur beliebten Ferienregion gemacht.

Wanderstiefel oder liebliche Akkordeon- und Mundharmonikaklänge stehen längst nicht mehr allein als Synonym für das Erzgebirge und das Vogtland. Neuerdings wird auch gejazzt, was das Zeug hält. Die originellsten Jazz-Veranstaltungsorte sind der stillgelegte Eisenbahntunnel unter dem Schloss in Schwarzenberg und die Zinnkammern im Besucherbergwerk Pöhla. Gerockt wird im Malzhaus in Plauen und im Veranstaltungszentrum Südbahnhof in Chemnitz.

Und wenn De Randfichten in ihrer Heimat spielen, jubeln die Massen - die drei Volksmusiker haben mit dem Titel „Lebt denn dr alte Holzmichl noch?“ Kultstatus erreicht. In Hunderten von Erzgebirgsstuben liegen nicht nur ihre CDs, neuerdings steht hier auch der „Holzmichl-Raachermann“. Einen ungeahnten Boom erlebt daher Seiffen, der berühmte Schnitzerort, denn hier entsteht eben dieses Räuchermännchen, das es bei den Auftritten der Gruppe zu kaufen gibt.

Eins aber hat sich nicht verändert: Das Erzgebirge trägt nach wie vor den liebevollen Beinamen „Weihnachtsland“. Denn nirgendwo anders in Deutschland erstrahlen Städte und Dörfer in den letzten Wochen des Jahres in solchem Lichterglanz, sind so viele Sitten und Bräuche mit dieser Zeit verbunden. Ihren Ursprung haben sie im Bergbau: Das Licht ist für den Bergmann seit jeher ein Zeichen für Leben und Hoffnung, für Geborgenheit und Glück. Früh, noch vor Sonnenaufgang, fuhr er ins Dunkle ein, und wenn er abends heimkehrte, war es meist schon wieder Nacht. Statt „guten Tag“ wünschte man sich ein „Glück auf“, das zum Bergmannsgruß wurde und noch heute gebräuchlich ist. Der Bergbau hat aber nicht nur das Weihnachtsfest geprägt, er hat das Erzgebirge seit 800 Jahren vielfältig geformt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum ersten Mal ertönte das „Bergkgeschrey“ Mitte des 12. Jhs., 300 Jahre später brach in der Region ein regelrechtes Silberfieber aus. Maulwürfen gleich wühlten die Bergleute Gänge in die Erde. Etliche davon blieben erhalten. Sie ziehen in unseren Tagen Tausende Touristen an, die in die Berge steigen oder fahren, um sich in den heutigen Schaubergwerken einen Eindruck vom schweren Bergmannsleben zu verschaffen. Die in Zwickau beginnende 250 km lange Touristen-Silberstraße verbindet heute die traditionsreichsten Städte und Dörfer mit der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.

Die Erzfunde gaben dem Grenzgebirge zwischen Sachsen und Böhmen seinen Namen. Auf einer Länge von 130 km und einer durchschnittlichen Breite von 35 km erstreckt sich das Erzgebirge vom Auersberg im Westen bis zum Geisingberg im Osten. Es reicht bis nach Tschechien, wo es den Namen Krušné hory trägt. Die Einheimischen sagen „Huckelkuchen“ zu diesem Gebirge.

Das sich westlich anschließende Vogtland kam durch die einzigartige Machtfülle kaiserlicher Reichsvögte zu seinem Namen. Das war vor mehr als sieben Jahrhunderten. Es war ein Gebiet mit wechselnden Grenzen, zu dem teilweise auch Regionen Bayerns (hier hat sich die Bezeichnung lediglich im Museum Bayerisches Vogtland und dem Autobahndreieck Vogtland erhalten) sowie Böhmen gehörten. Seine politische Selbstständigkeit verlor das Vogtland in der zweiten Hälfte des 16. Jhs. Als Landschaftsbezeichnung blieb der Name Vogtland für die südwestlichste Ecke Sachsens und eine kleine Region im Osten Thüringens um Greiz und Zeulenroda erhalten; und dieser Teil wird in diesem Band vorgestellt.

Nach der Einheit, als viele Wirtschaftszweige wegbrachen, setzte man auf den Tourismus. Durch viele Ideen konnten sich die im Westen Deutschlands nahezu unbekannten Ferienregionen einen touristischen Namen machen. Ideen waren hier schon einmal gefragt, nämlich nach dem Niedergang des Bergbaus. Die Menschen mussten sich damals nach neuen Erwerbsquellen umsehen. Sie begannen zu schnitzen und zu drechseln - was bisher Freizeitbeschäftigung war, wurde nun zum Broterwerb. Pyramiden, Räuchermännchen, Lichterengel und Schwibbögen aus Seiffen, Olbernhau und anderen Orten haben den Namen Erzgebirge in die Welt getragen. Im vogtländischen „Musikwinkel“ um Klingenthal, Markneukirchen und Schöneck singt und klingt es das ganze Jahr über, und das seit 1677, als sich Geigenbauer zur ersten Innung zusammenschlossen. Heute gibt es noch etwa 600 Musikinstrumentenbauer, die volle Auftragsbücher vorweisen können. Musikinstrumente aus dem Vogtland sind nach wie vor in der Welt gefragt. Denn es sind in Handarbeit angefertigte Spitzeninstrumente, gespielt von berühmten Solisten. Selbst der große Yehudi Menuhin besaß eine vogtländische Geige, und Bill Clinton spielt auf einem Saxophon „Made in Vogtland“.

Das Erzgebirge und das Vogtland haben zu allen Jahreszeiten ihren Reiz. Im Winter, wenn die Fichten sich unter ihrer zentnerschweren weißen Last biegen; im Frühling und Frühsommer, wenn Krokusse und Rhododendren blühen; im Sommer, wenn es in den dunkelgrünen Wäldern nach Harz und Moos riecht; und im Herbst, wenn Pilze reichlich sprießen, rote Vogelbeeren an den Straßenrändern leuchten und in den Tälern Nebel wallen. Die schönste Zeit ist aber unbestritten die um Weihnachten. Bereits vor dem ersten Advent werden Engel, Schwibbögen und Bergmänner aufgestellt, ganze Räuchermännl-Kompanien halten in den Stuben Einzug. Tausende von Kerzen leuchten aus den Fenstern in die Dunkelheit, in den Vorgärten stehen mit Kerzen bestückte Weihnachtsbäume, und auf Plätzen drehen sich meterhohe beleuchtete Pyramiden. Als Vetter des erzgebirgischen Lichterbergmanns gilt übrigens der vogtländische Moosmann, ein kleiner Wicht, der der Legende nach in ebenso kleinen Waldhöhlen hausen soll. Um die blumenübersäten Berg- und Feuchtwiesen, die Fluss- und Bachtäler, geheimnisvollen Hochmoore und dunklen Bergmischwälder zu erhalten, schuf man den Naturpark Erzgebirge/Vogtland.

Erzgebirge und Vogtland sind erfolgreich dabei, sich vom Image einer reinen Wandergegend zu befreien. Attraktive Einrichtungen für Familien und für jene, die sich sportlich betätigen wollen, wurden geschaffen. Ein wenig Abenteuerluft schnuppert, wer in die Besucherwerkwerke fährt und mit der Geleucht genannten Grubenlampe in dunkle Gänge eintaucht. Das Erzgebirge und das Vogtland wurden zu beliebten Ferienzielen in Deutschland. Sehr dazu beigetragen hat, dass die Erzgebirgler und die Vogtländer seit jeher gastfreundlich und kontaktfreudig sind - und sie haben ein Faible für Gemütlichkeit.