Reisetipps Emilia Romagna

Stichworte Emilia Romagna

Aceto balsamico

Jeder kennt Balsamessig, doch meist nur den industriell hergestellten, der in den Regalen der Supermärkte steht. Den aceto balsamico tradizionale bekommt man nur für sehr viel Geld in Feinkostläden oder bei den Erzeugern selbst, in Modena oder Reggio Emilia. Was macht ihn so kostbar? Durch alljährliches aufwendiges Umfüllen in verschiedene Reifefässer verdunstet, reift und verdichtet sich das Aroma des Essigmosts über viele Jahre hinweg. Das hat seinen Preis: In 100-ml-Fläschchen mit dem Etikett aceto balsamico tradizionale di Modena oder ... di Reggio wird er für 50-100 Euro angeboten. Ein Tröpfchen auf hellem Fleisch oder auf einem Stück Parmesan genügt allerdings schon. Von der edlen Essenz gibt es nur 10000 l pro Jahr, gegenüber den 50 Mio. l des industriell hergestellten Balsamessigs aus Weinessig, Zucker, Karamell, Aromastoffen und Konservierungsmitteln.

Cooperativa

Die Emilia-Romagna ist die Wiege des italienischen Sozialismus, denn im Gegensatz zu anderen, industrialisierten Ländern entstand der Sozialismus in Italien auf dem Land, in der intensiv beackerten, weiten Poebene, unter Tagelöhnern, Landarbeitern, Kleinbauern, Reispflückerinnen und Deichgräbern. Es begann mit dem Zusammenschluss der Arbeiter in Solidarvereinen - Società di Mutuo Soccorso - die Hilfe gewährten im Krankheitsfall, im Alter oder bei Kreditbedarf. Ein ganz besonderes Erbe aus diesen Anfangszeiten ist die cooperativa, die Genossenschaft, ein Versuch, die Trennung zwischen Arbeitskraft und Kapital aufzuheben. Genossenschaften gelten als gemeinnützig und genießen erhebliche Steuervorteile, da sie kein Privatkapital und keine Dividenden anhäufen, sondern ihre Gewinne gleich wieder investieren. Kritik bleibt da nicht aus, wenn sie zu Wirtschaftskolossen mit Monopolstellung heranwachsen wie manche Baugenossenschaft oder die Supermarktketten Coop und Ipercoop. Als ideale Wirtschaftsform eignen sie sich heute etwa, um kleine Käseproduzenten oder Winzer zu organisieren oder um Alten- und Krankenbetreuung anzubieten. Jungen Leuten erleichtern sie den Berufseinstieg, z.B. in Form von Serviceagenturen in den Bereichen Tourismus, Sport und Umweltpflege.

Don Camillo und Peppone

Diese beiden Gestalten aus dem 1948 veröffentlichten Schelmenroman von Giovanni Guareschi, der streitbare, listige Dorfpfarrer Don Camillo und der kommunistische Bürgermeister Peppone, aktiv in einer kleinen Gemeinde in der Poebene, gehören zu den Markenzeichen der Emilia. Weit über die Grenzen Italiens hinaus populär geworden durch die Verfilmung von 1952, hält die Begeisterung für die beiden nach wie vor an, wie die Besucherströme ins Museum des Dorfes Brescello zeigen.

Italorock

Nehmen Sie sich den Sound der Emilia mit nach Hause, denn die besten Rocker Italiens kommen von hier: der raue Vasco Rossi aus Zocca bei Modena, der Rockbarde Ligabue aus Correggio und der Bluesrocker Zucchero aus Reggio Emilia. Alle drei sind nicht mehr ganz jung, aber seit Jahren immer wieder an der Spitze der italienischen Charts, alle drei Stadienfüller und auf den Sommerfestivals die größten Magneten. Und die Rockband der Emilia heißt Modena City Ramblers.

Liscio

An der vergnügungssüchtigen Adriaküste mit ihren 140 glitzernden Diskotheken zwischen Volano und Cattolica wechseln die Tanztrends und Musikmoden von Saison zu Saison, ein Genre aber bleibt, der sogenannte liscio. Liscio heißt glatt, gleitend, und so sind auch Tanz und Musik: Bands spielen Walzer, Polka und Mazurka, und über die Tanzflächen schieben sich die Paare, viele - nicht nur ältere - schwungvoll und virtuos. Die Combos spielen im Sommer auf den Plätzen der Badeorte auf, in sogenannten balere, Tanzlokalen, und auf den Feste dell'Unità.

Motoren

Beim Anblick des Pferdchens von Ferrari, des Stiers von Lamborghini, des Dreizacks von Maserati schlagen die Herzen der Fans schöner, schneller Autos höher: Sie alle gehen auf das Ingenieursgenie von Autobastlern aus Modena bzw. Bologna zurück, seit Generationen ist ihre Faszination ungebrochen. Die werkseigenen Museen zeigen die schönsten Modelle, Ferrari in Maranello (s. dort) bei Modena, Lamborghini in Sant'Agata Bolognese (Mo-Fr 10 bis 12 und 14.30-17 Uhr | Via Modena 12 | www.lamborghini.com) bei Bologna und Maserati mit einem neuen Museum (Eröffnung 2009 | Casa Ferrari | Via Paolo Ferrari) in Modena. Auch Motorradfans kommen auf ihre Kosten, die Kultmarke Ducati hat ihren Sitz in Bologna: Ducati Motor Holding | Führungen Mo bis Fr 11 und 16 Uhr | Via Ducati 3 | www.ducati.com

Starke Frauen

Im Apennin von Reggio Emilia liegt die Burgruine von Canossa. Hier kam es 1077 durch Vermittlung der mächtigen Markgräfin Matilde von Canossa zur denkwürdigen Begegnung zwischen Papst Gregor VII. und dem deutschen Kaiser Heinrich IV. Heinrich hatte den Papst 1076 auf der Synode zu Worms absetzen lassen - als Reaktion auf das päpstliche Streben nach Unabhängigkeit von weltlicher, kaiserlicher Macht. Gregor hatte daraufhin über Heinrich den Kirchenbann verhängt, eine Pattsituation, die der Bußgang des Kaisers zum Papst in die winterkalte Burg von Matilde auflösen sollte. Nie ist die kluge Matilde in Vergessenheit geraten: Viele Mädchen in der Emilia werden nach wie vor auf ihren Namen getauft, und es gibt einen Preis, der ihren Namen trägt zur „Würdigung der Tatkraft der Frau“. Überhaupt: Frauen gelten als stark in der Emilia, in keiner anderen Region Italiens sind so viele berufstätig (80 Prozent). Und den ersten Lehrstuhl einer Wissenschaftlerin hatte die geniale Physikerin Laura Bassi (1711-1778) an der Universität von Bologna inne.

Terrakotta-Skulpturen

Lebensgroße, lebensnahe Figurengruppen aus Terrakotta: Dieses eindrucksvolle Kunstgenre wurde im 16. Jh. regelrecht Mode. Die Emilia hat keine nennenswerten Gesteinsvorkommen, Marmor war teuer - dafür finden sich im Apennin jede Menge Tonerdeschichten, das Bau- und Kunstmaterial der Emilia. Die schönsten Skulpturengruppen stehen in den Kirchen Modenas und Bolognas.

Verdi

Der Komponist Giuseppe Verdi, 1813 im Dorf Roncole bei Busseto in der Provinz Parma geboren, war auch ein Nationalheld. Sein Schaffen fiel in die bewegte Zeit des Risorgimento, des Kampfes gegen Fremdherrschaft und für eine selbstbestimmte Nation unter dem italienischen König. Das Melodrama war in Italien bei allen Schichten sehr populär. Durch Verdis Musik und seine Libretti fand man Gelegenheit, der Repression zum Trotz seinen patriotischen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. So meinte man mit „Viva V.E.R.D.I.!“ eigentlich den verbotenen Revolutionsaufruf „Viva Vittorio Emanuele, Re d'Italia!“. 1842 wurde „Nabucco“ an der Scala in Mailand uraufgeführt. Der Chorgesang der von den Babyloniern unterjochten Hebräer Va pensiero sull'ali dorate („Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“) traf die Herzen, und tags darauf spielten ihn die Drehorgeln auf Gassen und Plätzen. Um ein Haar wäre dieses Lied des Gefangenenchors Italiens Nationalhymne geworden. Heute ist es auch als Werbejingle zu hören, wenn es gilt, italienische Produkte anzupreisen.

Wirtschaft

1,8 Mio. Schweine werden alljährlich in den Ställen der Poebene um Parma aufgezogen - für den berühmten Parmaschinken; 8 Mio. Parmaschinken reifen in den Hallen von Langhirano. Neben Käse, Schinken, Nudeln und Obstkonserven spielt auch Wein eine große Rolle. Die Emilia-Romagna steht mit einem Anteil von 15 Prozent an der italienischen Weinproduktion an der Spitze der Winzerregionen. Hinzu kommen der Containerhafen von Ravenna, hochtechnologisierte Feinmechanik in zahlreichen mittelständischen Betrieben, Strickwaren und berühmte Modemarken wie Max Mara oder La Perla mit edler Damenwäsche.