Reisetipps Bulgarien

Stichworte Bulgarien

Fauna und Flora

Bulgarien hat zwei Gesichter: das satte Grün und die volle Blüte der zahlreichen Felder und Plantagen des fruchtbaren Bodens und das karge, verbrannte Braun des Spätsommers, wenn das Land der Sonne seinen Tribut zollt. Die Pflanzen- und Tierwelt weisen ebenfalls auf den Grenz- und Übergangscharakter Bulgariens hin. Nördlich des Balkans und in den Gebirgsregionen herrscht eine mitteleuropäische Vegetation vor, der Süden ist eher mediterran: Ölbaum, Myrte, Zypresse und immergrünes Eichenbuschwerk. Etwa ein Drittel des Landes ist bewaldet, davon sind 25 Prozent Nadelwälder, vor allem im Pirin- und im Rila-Gebirge. Den größeren Teil nehmen die Laubwälder ein. Wildtiere gibt es nur noch vereinzelt, in den Waldgebirgsregionen kommen Braunbären, Wölfe, Luchse, Füchse, Wildschweine, Hirsche, Rehe und Gämsen vor; als Haustiere werden auch Büffel, Esel und Maultiere gehalten. Wasserverschmutzung und Fischfang haben den Fischbestand des Schwarzen Meeres arg strapaziert. Robben und Delphine sind fast ausgestorben, selbst der Steinbutt ist in Gefahr. In den Süßgewässern tummeln sich vor allem Forellen und Karpfen.

Horo

Auf dem Dorf wird dieser Reigentanz bei keinem Fest fehlen, in den touristischen Zentren in keinem Lokal mit folkloristischem Programm. Lassen Sie sich nicht von den meist komplizierten Taktarten abschrecken. Die Vortänzer sind höchst flexibel und improvisieren häufig die Schrittformen. Wenn Sie sich einreihen, werden Sie anfangs vielleicht ab und zu aus dem Takt, niemals aber aus dem Reigen geraten. Ihre Nachbarn halten Sie fest und führen Sie gern und geduldig in den Rhythmus zurück.

Kiril und Metodij

Die Brüder Kyril (ursprünglich Konstantin, geboren 826 oder 827, gestorben 869) und Metodij (geboren um 815, gestorben 885), im Westen allgemein unter der Bezeichnung „Slawenapostel“ bekannt, sind die Begründer des slawischen Alphabets („glagolitische Schrift“), der slawischen Schriftsprache und Literatur. Sie wurden in Saloniki (dem heutigen Thessaloniki) geboren und erhielten ihre Ausbildung in Byzanz. Auf Bitten des mährischen Fürsten Rostislaw wurden sie vom byzantinischen Kaiser Michael III. nach Mähren entsandt, um dort die Slawen in ihrer Muttersprache in der christlichen Lehre zu unterweisen und damit dem deutschfränkischen Einfluss zu begegnen. Kurze Zeit nach der glagolitischen Schrift wurde ein weiteres Schriftsystem begründet, das zur Niederschrift altslawischer Texte diente. Es erhielt, wiewohl es nicht von Kyrill stammte, den Namen „Kirilica“. Die Verehrung für die beiden Slawenapostel ist bei den Bulgaren über alle politischen Systeme hinweg lebendig geblieben. Am 24. Mai, früher der Tag der beiden Heiligen, der heute nach dem Kirchenkalender wieder auf den 11. Mai fällt, wird der „Tag der bulgarischen Bildung und Kultur“ begangen.

Le Mystère des Voix Bulgares

Das „Wunder der bulgarischen Stimmen“ ist ein Chor aus Sofia, 31 Damen im Alter von 18 bis 60, die „sinfonischen Bäuerinnen“. Mit der Mischung aus bulgarischer Chormusik und spanischen, französischen und deutschen Liedern aus dem 12.-14. Jh. eroberte die Gruppe nicht nur die großen Konzertsäle, sondern stieß gar in die Popcharts vor. Eine hypnotisierende Wirkung scheint von den fremdartigen Klängen auszugehen.

Martenica

Am 1. März überreichen sich im ganzen Land die Menschen gegenseitig die Martenica - rot-weiße Troddeln aus Wolle, meist zwei, die jeweils an einem roten oder weißen Wollfaden baumeln und oben miteinander verknotet sind. Die Martenica ist ein Symbol, mit dem man dem oder der Beschenkten Gesundheit wünscht und gleichzeitig den beginnenden Frühling feiert. Traditionell gilt die Martenica auch als Symbol für Fruchtbarkeit, weswegen sie zuweilen auch jungen Tieren oder Obstbäumen angehängt wird.

Minderheiten

Mehr als ein Sechstel der insgesamt ca. 8 Mio. Einwohner Bulgariens gehört nicht dem Staatsvolk der südslawischen Bulgaren, sondern einer der nationalen bzw. ethnisch-religiösen Minoritäten an: 800000 Türken, 250000-300000 Bulgarisch sprechende Muslime (die den für sie verwendeten Ausdruck „Pomaken“ nicht gerne hören) und mindestens 400000 Roma.

Das Verhältnis zwischen Bulgaren und Türken verschlechterte sich Mitte der Achtzigerjahre rapide, als die Kommunistische Partei 1984 eine Bulgarisierungskampagne startete und die Türken zwang, bulgarische Namen anzunehmen und von ihren Bräuchen, ja selbst vom Gebrauch ihrer Sprache in der Öffentlichkeit abzulassen. Bei einem Massenexodus verließen 1989 rund 300000 Türken das Land, von denen nach der politischen Wende etwas mehr als die Hälfte zurückkehrte. Seit Beginn der Neunzigerjahre hat sich das bulgarisch-türkische Verhältnis beruhigt, wozu auch die Zulassung einer politischen Interessenvertretung der türkischen Minderheit beitrug.

Gravierender noch ist in der jüngsten Vergangenheit die problematische Lage der Roma zu Tage getreten, die über das ganze Land verteilt sind und am Rand der Großstädte in gettoartigen Vierteln leben. Die Roma werden von allen anderen Gruppen abgelehnt, und auch integrationswillige Roma stoßen auf einhellige Zurückweisung. In einzelnen Städten hat dies dazu geführt, dass Teile der Romaviertel für Nichtroma unzugänglich sind.

Musik

Die Bulgaren sind ein musikbegeistertes, musizierendes und seine Musiker tief verehrendes Volk. Die traditionell wichtigsten Anlässe, fast schon rituelle Feierlichkeiten - die Hochzeit und der Aufbruch zum Militärdienst -, sind in ihrem Ablauf durch die Musik gekennzeichnet.

Die bulgarische Volksmusik kann neben der Kirchenmusik auf die ältesten Traditionen zurückblicken. Melodien in antiken oder mittelalterlichen Tonleitern, eine unregelmäßige Rhythmik, gerade Taktarten mit ungleichem Periodenbau, Dissonanzen und ein polyfonischer Effekt verleihen der Musik einen ganz eigentümlichen Reiz.

Auch die jungen Bulgaren lieben Volksmusik, allerdings in einer verpoppten Art, die Čalga genannt wird. Im Sommer finden überall im Land Popfolkkonzerte mit den Stars und Sternchen dieser Musikrichtung statt. Vor allem in den Zentren hat sich eine eigene Technoszene abseits des Mainstreams etabliert.

Nationale Wiedergeburt

Der 2. Juni ist eines der ganz besonderen Daten in Bulgarien. Um Punkt 12 beginnen alle Sirenen im Land zu heulen, die Menschen halten inne in ihrer Arbeit, an den Kreuzungen stoppt der Verkehr. Grund der Übung ist kein Sirenentest, sondern das Gedenken an Christo Botev, Dichter, Revolutionär, Freiheitskämpfer. Die Periode zwischen 1762 und 1878 ist als Zeit der Nationalen Wiedergeburt in die Geschichtsbücher Bulgariens eingegangen. Sie lieferte den kulturellen, geistlichen und politischen Nährboden für das neuzeitliche Bulgarien und führte schließlich zur staatlichen Selbstständigkeit des Landes. Den Anstoß zur kulturellen Erweckung, der ersten Phase der Wiedergeburt, gab der Mönch Paisij, der 1762 das erste Werk über die slawisch-bulgarische Geschichte vollendete. Hauptziel des Werkes war die Weckung eines nationalen Bewusstseins des Volkes für seine Vergangenheit, seine Sprache und sein Brauchtum. Im 19. Jh. führte die von Paisij verursachte Bewegung zum Kampf um eigene Schulen und eine eigenständige Kirche, die Loslösung vom griechischen Patriarchat in Konstantinopel, was 1870 erreicht wurde. Zu dieser Zeit hatte sich bereits eine teils national, teils demokratisch geprägte Bewegung formiert, die den Kampf für die politische und staatliche Befreiung vom Osmanischen Reich aufnahm. Höhepunkt dieser Bewegung war der Aprilaufstand 1876, der aber blutig niedergeschlagen wurde. Zwei Jahre später erlangte Bulgarien als Folge des Russisch-Türkischen Krieges die staatliche Selbstständigkeit. Der Aprilaufstand, bei dem viele Revolutionäre ihr Leben lassen mussten, ging als heroische Legende ins historische Gedächtnis des Volkes ein.

Politik

Die aus der sozialistischen Ära stammende Verfassung wurde 1990 zunächst geändert, 1991 wurde dann eine neue angenommen. Bulgarien ist seither eine Republik, deren politisches System die parlamentarische Demokratie ist. Das Staatsoberhaupt wird seit 1992 direkt vom Volk gewählt. Seit dem 1. Januar 2007 ist das Land Mitglied der EU. Endlich in Europa angekommen, sagen viele Bulgaren. Vor allem die Jüngeren erwarten davon eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

Rakija

Schnaps - das ist in Bulgarien oft nicht das letzte, sondern vor allem beim Essen das erste Wort. Denn ein echtes bulgarisches Mahl beginnt üblicherweise mit rakija und einem kleinen Salat. Obwohl rakija auch der Sammelbegriff für Schnaps ist, verstehen die Bulgaren darunter vor allem Obstschnaps (meist aus Trauben oder Pflaumen). Die besten dieser Schnäpse gibt es - natürlich - bei den Einheimischen zu Hause. Schnapsbrennen ist in Bulgarien nicht nur legal, es ist geradezu ein Volkssport. Und selbstverständlich wetteifern viele Bulgaren darum, wer den besten Selbstgebrannten zu Stande bringt. Die meisten Eigenproduktionen sind schmackhaft, rein und bekömmlich - wenn man die gewohnte und nicht unbedingt die von einigen Einheimischen bevorzugte Dosis einhält.