
Norbert Hansen
Foto: ddp
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Mobilität, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit: Jahrelang haben Wirtschaftsinstitute und Wirtschaftspolitiker dies als Rezept für die neue Arbeitsgesellschaft gepredigt. Man hat so getan, als sei ein Mensch, der keine Arbeit hat und keine kriegt, nicht ausreichend mobil, flexibel und anpassungsfähig. Die globalisierte Gesellschaft verlange eben, so heißt es, den Menschen, der über seine Grenzen hinauswächst. Norbert Hansen, früher Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet, hat dies auf seine Weise verwirklicht: Er ist über seine alten Grenzen hinausgewachsen; er hat seine Vergangenheit als Gewerkschafter abgeschüttelt und als neues Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn sogleich angekündigt, dass dort mehr Stellen abgebaut werden müssten. Das Wort Arbeitsdirektor (so heißt sein jetziger Spitzenposten) hat er mit neuem Inhalt gefüllt: Bisher war der Arbeitsdirektor einer, der schaut, dass möglichst viele Arbeit haben; Hansen schaut, dass es nicht zu viele sind. Das ist etwa so, wie wenn der Dalai Lama nach seinem Eintritt ins Politbüro der chinesischen KP dort die "Befriedung" Tibets übernähme.
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Der Wechsel von einer Gewerkschaftsspitze in einen Unternehmensvorstand ist an sich nicht verurteilenswert. Verurteilenswert ist aber, was Hansen dort macht: Er wirkt als die Personifizierung des Satzes "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing." Das Lob der Bahn-Privatisierung hatte er schon als Transnet-Chef gesungen; das war merkwürdig genug. War das eine Vorleistung? Nun singt er auch die anderen Lieder seines Arbeitgebers, noch lauter als Mehdorn selbst: die Lieder von der Rationalisierung, der Flexibilisierung und der Anpassungsfähigkeit. So verlangt er von den Lokführern, dass sie künftig auch Abteile saubermachen sollen. Das ist bisher selbst Mehdorn nicht eingefallen und eine Trampelei sondergleichen. Hansen setzt damit fort, was er als Chef der Transnet-Gewerkschaft gemacht hat - die Lokführer und deren (Konkurrenz-)Gewerkschaft zu piesacken. Das war damals schon töricht: Den ganzen Streik-Zirkus bei der Bahn hätte es nicht gegeben, wenn Hansen als Transnet-Chef akzeptiert hätte, dass bei Tarifverhandlungen dann, wenn es um die Lokführer geht, der Chef der Lokführer-Gewerkschaft die Verhandlungsführung übernimmt. Aber auch da reichte der Verstand nur bis zum nächsten Stellwerk - zum Schaden der Bahn und der Gewerkschaften. Dieser Schaden wird jetzt noch vergrößert. Hansen und die Bahn haben ein Problem: die Eisenbahner, für die der Mann als Arbeitsdirektor zuständig ist, werden kein Stück Brot mehr von ihm nehmen. Kaum angetreten, hat er sich also für seine Aufgabe diskreditiert. Hansen gilt den Eisenbahnern als Verräter, als Gewerkschafts-Judas, als einer, der sich verkauft hat. Er hat sich sehr beeilt, das zu beweisen; das ist gelungen. Mehdorn hatte den Gewerkschafter Norbert Hansen als nützlichen Idioten einstellen wollen. Nun ist er nicht einmal mehr nützlich.
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(SZ vom 17./18.05.2008/mel)
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