Geschlossene Augen, lallende Stimme: Japans Finanzminister präsentiert sich auf einer Pressekonferenz in Rom in verheerender Verfassung. Jetzt bangt das Land um seinen Ruf.

Vermutlich kannte der japanische Finanzminister Shoichi Nakagawa schon am Wochenende die dramatischen Zahlen, die den herben Einbruch der japanischen Wirtschaft belegen.

Gut möglich, dass er deshalb zu tief ins Glas geschaut hat. Jedenfalls präsentierte sich Nakagawa auf dem G7-Gipfel in Rom in desaströser Verfassung.

Eilig wies er am Montag Vorwürfe zurück, er sei auf der Pressekonferenz nach dem Treffen der Finanzminister- und Notenbankchefs betrunken gewesen. Allerdings räumte er ein Fehlverhalten ein.

Nur am Wein genippt? Japans Finanzminister Nakagawa ringt um Erklärungen. (Foto: AP)

"Es ist Tatsache, dass ich mich nicht richtig verhalten habe und ich das ins Lot bringen muss", sagte Nakagawa. Ministerpräsident Taro Aso stärkte seinem unter Druck geratenen Minister unterdessen offenbar den Rücken. Nach einem Treffen mit Aso sagte Nakagawa: "Er hat mich aufgefordert, weiter meine Pflichten zu erfüllen."

"Nicht einmal ein Glas getrunken"

Die oppositionelle Demokratische Partei will notfalls im Parlament einen Misstrauensantrag stellen, falls der Minister nicht seinen Hut nimmt. Der Minister hatte auf der Pressekonferenz mit lallender Stimme gesprochen. Er war derart indisponiert, dass er sogar eine an den Notenbankchef gerichtete Frage beantworten wollte.

Dabei hielt er den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen.
Von Parlamentariern auf die Ausfälle angesprochen räumte der Minister ein, dass er beim Essen am Wein genippt habe. "Ich habe aber nicht einmal ein Glas getrunken", versicherte der Minister.

Er habe zudem zu viele Medikamente eingenommen um eine Erkältung zu bekämpfen. "Das ist Fakt und es tut mir leid," sagte er. Dem Parteigeneralsekretär der Demokraten, Yukio Hatoyama, reicht die Entschuldigung des 55-jährigen Ministers nicht aus. "Ich denke, er sollte sofort entlassen werden", sagte Hatoyama. "Er hat den Ruf des Landes beschädigt."

Auch in der eigenen Liberaldemokratischen Partei geriet der Minister unter Druck. Der frühere Ministerpräsident Yoshiro Mori sagte im Fernsehen, er habe Nakagawa bereits früher auf dessen Alkoholkonsum angesprochen: "Da er wirklich gerne trinkt, habe ich ihm geraten, damit vorsichtig zu sein."



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Die Affäre um die Ausfälle des Ministers, die im Internet in zahlreichen Videos die Runde machten, kommen für Regierungschef Aso zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Er sieht sich mit stark gesunkenen Popularitätswerten konfrontiert, während die spätestens im Oktober anstehenden Wahlen immer näher rücken. Japan steht auch wirtschaftlich nicht gut da: In der weltweiten Krise hat das Land Ende vorigen Jahres den größten Konjunktureinbruch seit der Ölkrise im Jahr 1974 erlitten.

(sueddeutsche.de/Reuters/hgn/mel)

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Leserkommentare (16)



16.02.2009 15:40:00

isualK: @Heidi1987

In der CSU darf man sogar im Suff jemanden tot fahren und danach Verkehrsminister werden. Dagegen ist doch eine kleine Entgleisung bei einer Pressekonferenz geradezu niedlich.


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