Die Holzeisenbahn ist ein Klassiker im Kinderzimmer, doch beim Spielzeughersteller Brio sieht es zappenduster aus. Nun wird ein Investor gesucht - mit viel Geld.
Brio steht kurz vor der Pleite: Ein Kinderzimmer-Klassiker ist in großer Gefahr. Foto: AP
Sie ist eine dieser Kinderzimmer-Klassiker, die schon Eltern einst unterm Weihnachtsbaum fanden: die Brio-Holzeisenbahn. Wenn sich für die bunten Züge kein Liebhaber mit viel Geld findet, dann droht ihnen bald das Aus. Der Aufsichtsrat des schwedischen Unternehmens Brio erklärte, kurz vor der Pleite zu stehen. Mindestens 300 Millionen Kronen (etwa 28 Millionen Euro) benötigt Brio nach Schätzungen des Aufsichtsrates, um weiterzumachen. Bis zum 13. März will die Unternehmensführung ein Konzept vorlegen, um die Aktiengesellschaft mit Kapitalerhöhung oder Kredit zu retten.
Die Aussichten sind nicht allzu gut: Im vergangenen Jahr machte Brio nach Steuern umgerechnet etwa sieben Millionen Euro Verlust - inklusive einmaliger Einnahmen aus Grundstücksverkäufen. Das Weihnachtsgeschäft 2008 lief zwar ganz gut für die Brio-Produkte, sagt Finanzchef Håkan Johansson. Aber die für den Vertrieb zuständige Tochterfirma Scanditoys - sie vertreibt auch Produkte anderer Marken in Skandinavien - hatte Absatzprobleme. Die Lagerbestände wuchsen deutlich stärker als erwartet. Damit wurde viel Kapital gebunden und nun ist der Konzern langsam nicht mehr liquide. Das Investmentunternehmen Proventus - mit 60 Prozent der Aktienanteile Haupteigentümer - gewährte wegen der angespannten Situation bereits im Dezember einen kurzfristigen Kredit von 60 Millionen Kronen.
Mit Brio steht eine der ältesten Firmen Schwedens vor dem Aus. Der Korbmacher Ivar Bengtsson gründete das Unternehmen 1884 in dem kleinen Städtchen Osby, zunächst war es eine Art Katalogversand für Haushaltswaren. Verkaufsschlager waren Körbe mit speziell verstärkten Griffen. Seit 1894 produzierte Bengtsson auch Holzspielzeug. 1908 übernahmen seine drei Söhne den Laden - aus den "Brüdern Ivarsson in Osby" wurde später der Firmenname Brio. Unter ihrer Regie wuchs der Versandhandel zu einem kleinen internationalen Konzern heran. Heute hat er - alle Tochterfirmen eingerechnet - insgesamt etwa 400 Mitarbeiter.
Produktion in China
Brio ist nicht nur für Holzspielsachen bekannt. Zum Sortiment gehören auch Kinderwagen, Kindersitze fürs Auto sowie Gitterbettchen und andere Spezialmöbel für die Kleinsten. Schon länger hatte das Unternehmen mit schweren Problemen zu kämpfen. In Schweden werden die Holzeisenbahnen nur noch entworfen, hergestellt werden sie in China. 2004 zogen sich die Nachkommen von Bengt Ivarsson als Hauptaktionäre zurück, sie halten nur noch eine Minderheit an dem ehemaligen Familienbetrieb.
Stattdessen übernahm mit Proventus ein Investor die Aktienmehrheit, der auf Sanierungen spezialisiert ist. Brio versuchte sein Sortiment zu erweitern, schloss unter anderem eine Partnerschaft mit Disney - auch Donald und Mickey dürfen nun mit der Holzlok fahren. 2008 lancierte das Unternehmen eine ganze Reihe neuer Produkte, die sich gut verkauften. Der Vorstand beschloss ein strenges Sparprogramm, etwa 30 Mitarbeiter verloren im November ihren Job.
Auch die Insolvenz des 150 Jahre alten Modelleisenbahnherstellers Märklin hat Brio betroffen. Das Unternehmen ist ein alter Bekannter der Schweden - Brio war seit 1938 der schwedische Märklin-Vertriebspartner.
(SZ vom 18.02.2009/tob)












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