Reisetipps Masurische Seen

Highlights Masurische Seen

Region: Krutyń (Krutinnen)

Krutynia/Krutinna

Wenn Ihnen die große Kanutour auf der Krutynia zu viel ist, sollten Sie sich von Krutyń aus wenigstens für ein paar Stunden einen Kajak leihen. Denn hier, im kristallklaren, gerade mal 1 m tiefen Wasser verläuft der schönste Teil dieser berühmtesten Kajakwanderstrecke Polens. Ein empfehlenswerter Kanu-Anbieter ist AS Tour (Krutyń 4 | Tel. 089/7421430 | www.as-tour.de). Das freundliche Team vermietet Boote und Ausrüstung, hat gute Reviertipps und kümmert sich um den Rücktransport. Im Angebot sind auch geführte Ein- und Mehrtagestouren. Sollten Sie nicht selbst zum Paddel greifen wollen, können Sie sich in Booten ein paar Stunden lang den Fluss entlang staken lassen: Perkun | Eckart Rudnik (spricht deutsch) | Krutyń 4 | Tel. 089/7421556 | www.masuren-perkun.de

Region: Reszel (Rössel)

Burg der ermländischen Bischöfe

Größte Attraktion von Reszel ist die einstige Bischofsburg. Der massive Backsteinbau mit seinen Rundtürmen stammt aus dem 14. Jh. Anfangs diente er dem Bischof als Residenz, dann dem Grafen als Heim, und im 17. Jh. wurde die Burg - wohl nicht zuletzt wegen ihrer massiven Bauweise - als Gefängnis genutzt. Heute kommen die Insassen freiwillig, die Burg ist Hotel. In den Zimmern, großzügig und zum Teil gerade frisch renoviert, wohnen gern Künstler. Und in einer Galerie (Di-So 10-16 Uhr) sind regelmäßige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zu sehen. Auch Joseph Beuys und Günter Grass stellten hier schon aus. Vom Turm aus lässt sich ein schöner Blick auf das Städtchen genießen, wo heute die ul. Podzamcze verläuft. Sollte der Turm geschlossen sein, ist der Schlüssel zum Aussichtspunkt im Burgcafé erhältlich.

Region: Giżycko (Lötzen)

Feste Boyen

Die gewaltige Festung aus der ersten Hälfte des 19. Jhs. sollte die Ostgrenze des Deutschen Reiches schützen. Ende Januar 1945 fielen der Roten Armee die Festung wie auch die Stadt Lötzen selbst kampflos zu. Nach dem Krieg diente die Festung höchst zivilen Zwecken - als Hühnerfarm, Käsereife und Getreidemagazin. Seit Mitte der 90er-Jahre wird sie restauriert und Touristen zugänglich gemacht. Eingang am Brama Giżycka, dem Lötzener Tor. Im Touristenbüro (ul. Turystyczna 1 | Tel. 087/4282959) kann man Führungen reservieren. | Besichtigung 4 Zł., Führung 30-50 Zł. je nach Gruppenstärke und Dauer (30, 60, 120 Min.)

Fuledzki Róg/Faulhöder Spitze

Im Naturreservat Fuledzki Róg, ca. 17 km nordwestlich von Giżycko auf der Halbinsel im Kissain-See, gibt es vor allem Steine zu sehen. Auf rund 40 ha erstreckt sich ein riesiges Findlingsfeld: graue und rosafarbene Granitsteine, Gneise, Quarzite, Porphyrfelsblöcke. Wer ein bisschen durch dieses Natur- oder besser „Steinreservat“ klettert, sich auch von Weidengestrüpp und Sumpflöchern nicht abschrecken lässt, vielmehr noch den höchsten „Berg“ erklimmt (immerhin 157 m!), wird mit einem wunderschönen Blick über den Kissain- und den Doben-See belohnt.

Puszcza Borecka/Borkener Forst

Über Kruklanki (Kruglanken) am Gołdapiwo-See gelangt man zu einem in Europa einzigartigen Waldgebiet, dem Borkener Forst. Der 230 km² große Mischwald entwickelte sich über Jahrhunderte völlig urwüchsig. Der Forst liegt im sogenannten Buckligen Masuren (Mazury Garbate). Der Góra Lipowa (Lindenberg), der Góra Gęsia (Räuberberg) und der Diabla Góra (Teufelsberg) sind immerhin alle über 200 m hoch. Dazwischen liegen tiefe Schluchten, fließen kleine Bäche, breiten sich Sümpfe oder kleine Strudelseen aus. Da durch die vier Naturreservate kein markierter Wanderweg führt, sollten Sie auf der geteerten Waldstraße bleiben und am besten mit dem Fahrrad von der Försterei Wolisko (tgl. 9-15 Uhr) aus eine Schleife durch den Urwald fahren. In der Försterei ist eine Karte der Straße erhältlich.

Es empfiehlt sich nicht, auf eigene Faust den Urwald entdecken zu wollen. Die Gefahr, sich zu verlaufen, ist zu groß. Andere Spaziergänger wird man kaum treffen, eher schon Füchse und Hasen, Dachse und Marder, und mit etwas Glück bekommen Sie auch Hirsche, Wildschweine, Elche und sogar Wölfe zu sehen. An den drei kristallklaren Waldseen, an denen man auf dem Weg von der Försterei Wolisko in die Dörfer Borki, Mazury und Szwalk vorbeikommt, leben u.a. die seltenen Schwarzstörche, See-, Schrei- und Fischadler. Hier können Sie sich auch Boote ausleihen.

1956 wurden im Borkener Forst Wisente aus dem Białowieski-Nationalpark ausgesetzt. Inzwischen zählt die Herde rund 70 Tiere. In der Försterei Wolisko kann man sich die Holztürme und Plattformen zeigen lassen, von denen man am ehesten einen Blick auf diese seltenen Tiere werfen kann.

Wer dieses Naturparadies ein paar Tage lang erkunden möchte, sollte dies von Kruklanki aus tun. Hier sind viele Bauern auf Gäste eingerichtet und bieten Bed & Breakfast an oder Vollpension. Adressen: Informacja Turystyczna (Touristeninformation) | ul. 22 Lipca 19 | Tel. 087/4217301 (Juni-Sept.) oder bei Herrn A. Faliszewski | ul. 22 Lipca 23 | Tel. 087/4217077 (außerhalb der Saison). Gut essen kann man im Restaurant Pod Żubrem (Zum Wisent), hier gibt's frischen Fisch vom Grill und deftige Fleischgerichte. Schöne Gartenterrasse (ul. 22 lipca 15 | Kruklanki | Tel. 087/4217003 | €).

Region: Ruciane-Nida (Niedersee)

Jezioro Nidzkie/Niedersee

Für viele gilt der Niedersee mit seinem Inselarchipel als der schönste unter den Schönen, an dessen Uferverlauf mit Ruciane-Nida nur eine einzige Stadt liegt. Je weiter Sie hier in den Süden kommen, desto leerer wird es auf dem und um den See. Bootsfahrten von Ruciane aus führen entlang der bewaldeten Inseln über den See, der je nach Lichteinfall mal blau, mal tiefgrün erscheint.

Wojnowo/Eckertsdorf

Das von den russischen Altgläubigen, den Philipponen, um 1830 als eines von elf Dörfern gegründete Wojnowo am Ufer der Krutynia, 8 km westlich von Ruciane, zog bereits vor Jahrzehnten Touristen an. Zu den größten Sehenswürdigkeiten gehört das 1847 erbaute Kloster der Altgläubigen am Ufer des Dus-Sees. Die letzte Nonne ist allerdings 2006 gestorben.

Erhalten blieb der Friedhof mit seinen verwitterten orthodoxen Kreuzen gleich hinter der Klosterkapelle, eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der versunkenen Welt russischer Altgläubiger in Masuren. Auf vielen Kreuzen sind in kyrillischer Schrift noch die Namen jener Nonnen zu lesen, die seit 1836 in der abgeschiedenen Klostereinsamkeit lebten. Wenn man bei der Bauernfamilie, die die Stätte inzwischen bewohnt, freundlich fragt, kann man Kapelle und Friedhof besichtigen. Die Leute vermieten im alten Wohntrakt des Klosters auch ein paar (sehr spartanische) Zimmer.

Im Zentrum des Dorfs steht die 1922 geweihte russisch-orthodoxe Kirche - schon von Weitem ist der Zwiebelturm der im Stil altbyzantinischer Sakralbauten errichteten Holzkirche zu sehen. Die 72 wertvollsten Ikonen wurden aus Furcht vor Dieben allerdings entfernt, sie befinden sich heute im Ermländischen Museum in Lidzbark Warmiński. Wenn Sie die Kirche besichtigen möchten: Den Schlüssel gibt es im Haus Nr. 48 schräg gegenüber.

Sie erreichen Wojnowo von Ruciane aus über die Chaussee Ruciane-Babięta, ein Schild weist von dort den Weg.

Region: Kętrzyn (Rastenburg)

Wilczy Szaniec/Wolfsschanze

Keine 10 km von Kętrzyn liegt mitten im Wald Adolf Hitlers ehemaliges Hauptquartier in Ostpreußen, die Bunkerstadt Wolfsschanze. Heute ziehen die über 80 Bunkerruinen jedes Jahr rund 200000 Besucher an.

Seit 1992 erinnert ein kleines Denkmal an das missglückte Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944. Lange hatten deutsche und polnische Diplomaten um den richtigen Wortlaut für die Inschrift gerungen. Am Ende einigte man sich auf den Text: „Hier stand die Baracke, in der am 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Attentat auf Adolf Hitler unternahm. Er und viele andere, die sich gegen die nationalsozialistische Diktatur erhoben hatten, bezahlten mit ihrem Leben.“

800 Tage, fast drei Jahre lang, hat Hitler hier mit kurzen Unterbrechungen hinter 7 m dicken Stahlbetonwänden gelebt. Hier arbeiteten er und sein Stab die Pläne für das „Unternehmen Barbarossa“ aus, den Überfall auf die Sowjetunion. Mit dem Näherrücken der Roten Armee wurde es Hitler in der Wolfsschanze zu gefährlich. Am 20. November 1944 verließ er sie. Da das Führerhauptquartier nicht in die Hände der Sowjets fallen sollte, versuchten Sondereinheiten der Wehrmacht die Anlage mit bis zu 12 t (!) Sprengstoff pro Bunker zu sprengen. Dies gelang nicht. So zeugen noch heute die Ruinen dieser Bunkerstadt vom Wahnsinn des nationalsozialistischen Diktators.

Der Wilczy Szaniec ist heute ein Privatunternehmen. Die Führungen sind teuer und meist wenig informativ. Es ist sinnvoller, sich in einem der vielen Kioske einen Routenplan mit den durchnummerierten Bunkern zu kaufen oder eins der Fachbücher, die dort in reicher Auswahl und auch in deutscher Sprache angeboten werden. Es gibt zwei Rundwege: Die mit roter Markierung versehene, etwa 1,5 km lange Route führt durch die ehemalige Sperrzone 1, der blau markierte Weg ist länger (etwa 2,5 km) und führt an allen wichtigen Bunkerstandorten entlang; beide Wege beginnen am großen Parkplatz. | Tgl. bis zum letzten Tageslicht | Eintritt 8 Zł., Führung mindestens 50 Zł. | www.wolfsschanze.home.pl

Region: Ryn (Rhein)

Sądry/Zandern

Knapp 6 km westlich von Ryn haben Krysztyna und Dietmar Dickti in Sądry ein kleines Privatmuseum eingerichtet: die Chata Mazurska - das „Masurische Bauernhaus“. Gesammelt hat das Ehepaar viele alte Hausgeräte und Möbel, wie sie für masurische Bauernhäuser typisch sind. Damit wurde ein 200 Jahre altes Haus eingerichtet. In der Scheune haben Gerätschaften und landwirtschaftliche Maschinen einen Platz gefunden. Krysztyna Dickti, eine echte Masurin, betreibt auch eine kleine Pension mit 12 gemütlichen Zimmern und einer wahrhaft üppigen Verpflegung mit deftiger masurisch-ostpreußischer Hausmannskost. | Sądry 3 | in Użranki | Tel./Fax 089/7423611 | Museum tgl. 10-18 Uhr

Region: Gołdap (Goldap)

Stańczyki/Staatshausen

Die Pläne für die römisch anmutenden Viadukte über das Flüsschen Błędzianka (Blinde) gehen auf das Jahr 1905 zurück. Baubeginn war aber erst 1910, feierlich eingeweiht wurden die beiden Eisenbahnbrücken im Jahr 1926. Ungewöhnlich sind für jene Zeit nicht nur die Höhe (42 m) und die Länge (182 m), sondern auch die Bautechnik. Die acht Pfeiler der nebeneinander stehenden Brücken wurden aus sogenanntem Holzbeton gegossen: In den Pfeilern stecken zur Stärkung und Stabilisierung des Bauwerks massive Baumstämme. Dennoch wurde 1927 nur eine der beiden Brücken in Betrieb genommen. Über die andere ist niemals ein Zug gefahren, da die Konstruktion am Ende doch als zu instabil galt. Von den Viadukten aus - sie liegen 25 km östlich von Gołdap und sind die höchsten diesen Typs in Polen - hat man einen herrlichen Panoramablick auf die Rominter Heide. Das Areal um die Viadukte ist mittlerweile in Privatbesitz und eingezäunt. Wer die imposanten Brücken besichtigen will, muss 2 Zł. Eintritt zahlen.