Reisetipps Karibik - Große Antillen

Stichworte Karibik - Große Antillen

Architektur

Pastellfarbene Holzhäuschen, die sogenannten „Gingerbreadhouses“, finden sich überall in der Karibik, egal ob auf den englisch-, französisch- oder spanischsprachigen Inseln. Daneben gibt es die Prachtbauten der Kolonialherren: Stadtpalazzi im spanischen Stil des 16. und 17. Jhs., mit kunstvoll verzierten Arkaden, Säulen, Balkonen und verwunschenen Innenhöfen, sind vor allem in den Altstädten von Havanna, Santo Domingo und San Juan zu finden. Sehenswert sind auch die Herrenhäuser der Zucker- und Kaffeeplantagen.

Diktatoren

In der jüngeren Vergangenheit der Großen Antillen gibt es einige Namen, die den Bewohnern der Inseln noch heute kalte Schauer den Rücken hinunterlaufen lassen. Die Dominikanische Republik, Haiti und Kuba haben unter Diktatoren gelitten, wie sie die Welt nur selten gekannt hat: Fulgencio E. Batista auf Kuba, Rafael Leonidas Trujillo y Molina in der Dominikanischen Republik und die Duvaliers - „Papa Doc“ und „Baby Doc“ - auf Haiti herrschten über ihre Völker mit Gewalt und Folter, ihre Regierungen zeichneten sich durch Korruption und Verschwendung aus. Freiwillig verließen sie den Präsidentenstuhl nie, sie wurden durch Revolutionen aus dem Land gejagt oder fielen Attentaten zum Opfer. Vergessen hat man sie aber bis heute nicht.

Fauna

Die karibischen Inseln und die Bahamas sind Tummelplätze für Vogelkundler, Insektenliebhaber und alle, die sich für die Unterwasserwelt interessieren. Kolibris schwirren von Blüte zu Blüte, in den Wäldern leben seltene Papageienarten (wie die Puerto-Rico-Amazone, der grüne Papagei La Cotica in der Dominikanischen Republik oder der Tocororo auf Kuba). Aber auch Flamingos, Reiher und andere Wasservogelarten kommen in Sumpfgebieten und in Küstennähe vor. Krokodile, Wasserschildkröten, Leguane und Eidechsen sind neben Schlangen die am häufigsten vertretenen Reptilien, und Korallenriffe bieten Lebensraum für die unterschiedlichsten Tropenfische. Oft zu beobachten sind auch Wale, Delphine und Manatis (Seekühe). Zu den Landsäugetieren gehören eher die kleineren Spezies wie Fledermäuse, Mungos und Baumratten.

Flora

In den Regenwäldern der Inseln vulkanischen Ursprungs wachsen tropische Pflanzen verschiedenster Art. Farne, Bromelien, Palmen, Philodendren, Bambus, Orchideen und Epiphyten - Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen, sich aber selbstständig ernähren - sind nur einige der immergrünen Vertreter. In den Gärten und Parks blühen je nach Saison leuchtend rote Flamboyantbäume, gelbe und violette Bougainvilleen, Frangipani (Westindischer Jasmin) und Hibiskus. In der Landwirtschaft werden Nutzpflanzen wie Bananen, Kaffee, Kakao, Brotfrucht, Mango, Zuckerrohr und Ananas angebaut sowie alle erdenklichen Gewürze (Muskat, Ingwer, Nelken, Zimt, Chili, Tamarinde u.a.). Auf den Cayman Islands finden sich unter anderem Mahagonibäume, Bromelien und verschiedene Orchideenarten.

Haiti

Haiti gehört zu den ärmsten Ländern der westlichen Hemisphäre. 75 Prozent aller Menschen dort leben unter der absoluten Armutsgrenze. Nicht nur politische Unruhen, bei denen Korruption, Angst und Gewalt im Vordergrund stehen, auch die klimatischen Bedingungen (zwei Regenzeiten im Jahr, Hurrikane, Erdbeben) ermöglichen der Landbevölkerung kaum ein Überleben. Als Touristenziel bietet sich Haiti also auf längere Zeit nicht an. Es wird aus diesem Grund im Regionenteil dieses Reiseführers nicht beschrieben.

Hamaca

So lautet die indianische Bezeichnung für eine Schlafmatte, die zwischen zwei Bäumen aufgehängt wird. Der indianische Name ist mit dem Gegenstand zusammen von Seeleuten nach Europa gebracht worden, im Englischen ist daraus hammock geworden. Die Deutschen haben daraus das nahe liegende Wort „Hängematte“ gemacht, sodass der Ursprung kaum noch zu erahnen ist.

Indianer

Indianer heißen sie nur aufgrund eines Missverständnisses. Kolumbus, der einen westlichen Seeweg nach Indien suchte, glaubte in den karibischen Inseln einen Indien vorgelagerten Archipel entdeckt zu haben. Folgerichtig mussten die Bewohner der Inseln Inder sein. Noch heute haben Engländer und Amerikaner keine unterschiedlichen Bezeichnungen für die Bewohner Indiens und die Ureinwohner der Neuen Welt, weshalb sie zu der Verdeutlichung „Red Indians“ für die Prärieindianer genötigt sind. Die Indianer, die Kolumbus und seine Nachfolger auf den Inseln der Großen Antillen vorfanden, waren aus Südamerika über die Inseln der Kleinen Antillen eingewandert. Siboney, Arawaken und zu deren Stamm gehörende Taino wurden von den Spaniern gnadenlos als Heiden verfolgt, versklavt und in den Minen und auf den Plantagen als Zwangsarbeiter missbraucht. Da sie zudem kaum über Widerstandskräfte gegen die eingeschleppten europäischen Krankheiten verfügten, starben sie bald, und ihr Bevölkerungsanteil auf den Inseln verringerte sich stark.

Jesuiten

Die Jesuiten waren bis zum Verbot ihres Ordens im 18. Jh. in den spanischen Kolonien eine wichtige gesellschaftliche Institution. Ihnen oblag nicht nur die geistliche Betreuung der Kolonisatoren - oft waren die Beichtväter der Gouverneure und ihrer Familien Jesuiten -, in ihren Händen lag meist auch das Erziehungssystem auf den Inseln. Von ihrer Macht und ihrem Reichtum zeugen noch heute Sakralbauten auf Kuba und in der Dominikanischen Republik.

Kolumbus

Christoph Kolumbus war der erste europäische Tourist in der Karibik. Heute wissen die Lokalpatrioten auf jeder Antilleninsel stolz zu berichten, wann und auf welcher seiner Reisen Colón (so die spanische Fassung seines Namens) sie entdeckt oder gesichtet habe. Historisch gesichert ist das keineswegs - das Bordbuch, die Augenzeugenberichte und die Karten des Entdeckerzeitalters sind nicht immer zuverlässige Quellen. Aber vielleicht ist es ja auch nicht ganz so wichtig.

Korallen

Die grandiose Unterwasserwelt der Karibik besteht, ganz prosaisch, aus den Kalkskeletten der Korallenpolypen. Die höchstens 1 cm langen Tierchen errichten Schicht für Schicht die größten von Lebewesen geschaffenen Bauwerke der Erde, die Riffe. Dazu benötigen sie konstante Wassertemperaturen zwischen 20 und 30 Grad, viel Licht und vor allem Zeit. Durchschnittlich 1 cm im Jahr wachsen die Formationen durch Kalkablagerungen der Polypen. Eines der eindrucksvollsten Korallenriffe der Bahamas hat sich an der Ostküste der Insel Andros entwickelt.

Limbo

Wenn Sie mutig sind, versuchen Sie sich einmal an dieser akrobatischen Tanzübung, die zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Großen Antillen gehört. Mit weit zurückgelegtem Oberkörper winden sich die Tänzer unter einer Latte hindurch, die nach jedem Durchgang etwas tiefer gelegt wird.

Musik

Von den Großen Antillen aus haben viele Musikrichtungen und Tänze die Welt erobert: Aus Puerto Rico stammt die Salsa, aus Kuba kommen die Rumba und der Cha-Cha-Cha, aus Jamaika der Ska, Reggae, Soca und das, was als Calypso bekannt geworden ist. In der Dominikanischen Republik ist der Merengue zu Hause. So unterschiedlich diese Musikrichtungen auch sein mögen, sie haben unverkennbar Gemeinsamkeiten: In ihnen mischen sich auf immer neue Art afrikanische Rhythmen mit europäischen Traditionen, oft mit einem kräftigen Schuss nordamerikanischer Popmusik versetzt.

Rastafarians

Sie leben auch in europäischen und nordamerikanischen Metropolen: die Rastafarians mit ihren langen, in verfilzten „Dreadlocks“ herabhängenden Haaren. Und ihre Musik, der Reggae, ist um die Welt gegangen, gespielt von großen Stars der Popmusik wie Bob Marley und den Wailers oder Peter Tosh. Aber entstanden ist ihre Religion auf Jamaika, aus Jamaika stammt der Reggae, hier ringelten sich die Dreadlocks zuerst.

Der Begriff „Babylon“ fasst für die Rastafarians alles Weltliche, Verdorbene und Sündige zusammen, den Staat und die etablierte Kirche, kurz alles und jeden, das oder der nicht dem allein selig machenden Glauben an Haile Selassie Ras Tafari, den „Löwen von Juda“ und einstigen Kaiser von Äthiopien, angehört.

Sklaven

Da die Indianer sich den Belastungen durch die Zwangsarbeit für die Kolonialherren kaum gewachsen zeigten, kamen die Europäer in der Karibik bald auf die Idee, Sklaven aus Afrika zu importieren. Die dort gekaufte oder geraubte „Menschenware“ musste nach der schreckensvollen Atlantiküberquerung auf den Zuckerrohrplantagen unter furchtbaren Bedingungen arbeiten. Ihre Besitzer waren üblicherweise nur daran interessiert, den Anschaffungspreis möglichst schnell in Form von Arbeitsleistung wieder hereinzubringen. So betrug die Lebenserwartung eines Sklaven nach seiner Ankunft auf der Plantage nur zehn Jahre, dann wurde Ersatz gekauft.

Es entstand ein ungeheurer Bedarf an Sklaven: Im Zeitraum von 1518 bis 1870 wurden schätzungsweise über 15 Mio. Afrikaner in die Neue Welt verschleppt.

Voodoo

Wie auf fast allen Inseln der Karibik haben sich auch auf den Großen Antillen afroamerikanische Religionen herausgebildet. In ihnen ist der Geisterglaube der afrikanischen Sklaven eine enge Verbindung mit dem Christentum eingegangen. Am bekanntesten ist die haitianische Form, die als Voodoo oder Vaudau bezeichnet wird. Bei allen Formen ist der Glaube an mächtige Geister verbreitet, verbunden mit der Hoffnung, diese Geister durch die Fürsprache eines Zauberkundigen zu eigenen Gunsten zu beeinflussen. Diese Geister tragen sowohl Züge afrikanischer Gottheiten als auch die christlicher Heiliger, der Madonna oder der Erzengel.