Reisetipps Hamburg

Stadtspaziergänge Hamburg

Entdecken Sie das Kontorhausviertel

Der Spaziergang führt ins wirtschaftliche Herz der Stadt. Ende des 19. Jhs. begannen die ersten Abriss- und Bauarbeiten. Handwerker, Bäcker und Fahrensleute gingen, Reeder, Makler und Spediteure kamen. Dauer 1-2 Std., je nach Lust und Laune. U 1, Meßberg

Startpunkt ist die Oberbaumbrücke 1, der Eingang zum Deichtorcenter (an der Willy-Brandt-Straße). Überrascht? Das spitz zulaufende Bürohaus ist nämlich ein Kontorhaus, aber es ist nicht aus Backstein und alt, sondern neu und ganz aus Glas und Stahl. Architekt Hadi Teherani musste 2002 viel Prügel für den gewagten Entwurf einstecken. Dabei führt der Glaskoloss die Tradition des hanseatischen Kontorhausbaus weiter. Das allererste Bürohaus dieser Art war der Dovenhof. Er stand dort, wo Sie heute, schräg gegenüber, das Spiegelhochhaus erblicken. Der Erbauer Martin Haller war schon zu Lebzeiten ein berühmter Architekt. Laeiszhalle, Hapag-Gebäude am Ballindamm, der alte Alsterpavillon und das Hamburger Rathaus, all diese Bauten stammen von ihm. Für das Hamburger Stadtbild am wichtigsten waren seine Baupläne für Hamburgs erstes Kontorhaus, das 1886 fertiggestellt wurde. Das Gebäude war für seine Zeit unglaublich modern. Es gab Paternoster, eine Hauspost, die Heizungskosten wurden quadratmetergenau abgerechnet. Im Krieg teilweise zerstört, wurde der Dovenhof später abgerissen. Wie einst dieser Bau ist auch das Deichtorcenter mit einer zukunftsweisenden Technik ausgestattet. Dank modernster Belüftungstechnik kommt es beispielsweise ganz ohne Klimaanlage aus. Wie schön das für seine Bewohner ist, genießt Hadi Teherani selbst, sein Büro liegt im vierten Stock.

Doch Sie wollen nun endlich ein altes Kontorhaus besichtigen. Wenden Sie sich in Richtung City, in wenigen Gehminuten stehen Sie vor der wunderschönen Backsteinfassade des Chilehauses, Ecke Klingberg/ Pumpen. 69 Häuser mussten für die Pläne von Architekt Fritz Höger abgerissen werden. Gehen Sie links herein in den Innenhof und besichtigen Sie das Treppenhaus (Portal A, links | nur Mo-Fr geöffnet). Figuren von Tieren, die in Südamerika heimisch sind, weisen darauf hin, dass Bauherr Henry B. Sloman sein Vermögen mit dem Salpeterhandel in Chile verdient hat; daher auch der Name Chilehaus. Verlassen Sie den Innenhof Richtung Burchardstraße. Rechts herum stoßen Sie auf ein weiteres schönes Treppenhaus (Portal C, Burchardstr. 13). Gegenüber liegt der Sprinkenhof (Burchardstr. 4-6). Auch hier betreten Sie den Innenhof. Der Bau ist noch riesiger als das Chilehaus und galt 1932 als größtes Bürogebäude der Welt. 16 Jahre dauerten die Bauarbeiten, die Architekten waren neben Fritz Höger die Brüder Hans und Oskar Gerson. Achten Sie auf das netzartige Muster in der Fassade und die vergoldeten Terrakottasteine. Das runde Treppenhaus ist phantastisch.

Verlassen Sie den Sprinkenhof wieder, und spazieren Sie über die Altstädter Straße, Schopenstehl, Große Reichenstraße bis zur Brandstwiete. Überall begegnen Ihnen alte Kontorhäuser: Montanhof (Kattrepel 2), Laeiszhof (Trostbrücke 1), Pressehaus am Domplatz (Speersort 1). Dazu gibt es interessante Neubauten, wie das Bürohaus Rolandsbrücke 4, 2005 von Carsten Roth erbaut. Der Neue Dovenhof (Brandstwiete 1) wurde 1994 erbaut. Eigentlich kein wirklich toller Bau, hätte er nicht im Innenhof gläserne Fahrstühle. Nehmen Sie den rechts vom Eingang, und seien Sie diskret. Dies ist ein Bürohaus und keine Touristenattraktion! Der Blick von oben ist einfach wunderbar. Linker Hand liegt das historische Kontorhausviertel mit seinen Backsteinbauten, weißen Holzfenstern und grünen Bronzegeländern auf den Dächern, rechts die Speicherstadt und die Hafencity. Ein Katzensprung ist es bis dorthin. Und dreimal dürfen Sie raten, was dort für Bürohäuser entstehen: lauter ganz moderne Kontorhäuser natürlich. Kontor leitet sich übrigens ab vom französischen Comptoir (Zahltisch). Womit wir dann endlich bei den Pfeffersäcken wären. Ein anständiger Hamburger Kaufmann geht nämlich nicht ins Büro, sondern ins Kontor!

Einmal rund um die Aussenalster

Die wunderschöne Tour rund um die Außenalster zeigt Ihnen viele Seiten Hamburgs: Sport und Kultur, Bürgerstolz und Mäzenatentum. Rechnen Sie mit gut 2-3 Stunden Fußmarsch.

7,5 km ist der Weg um die Außenalster lang. Ideal geeignet für die Joggingrunde, und genau dies nutzen zahllose Hamburger täglich. Aber Sie wollen ja was sehen. Ein schöner Startpunkt Ihrer Tour ist das schneeweiße Hotel Atlantic (An der Alster 72 bis 79), 1909 erbaut. Damals erlebte die Kreuzschifffahrt ihren ersten Boom, im Atlantic warteten die betuchten Gäste auf ihre Schiffe. Vielleicht treffen Sie in der Lobby Rocklegende und Hausphantom Udo Lindenberg. Er lebt seit über zehn Jahren hier. Gehen Sie runter ans Alsterufer, und wenden Sie sich nach rechts. Vielleicht wollen Sie einen Segelschein erwerben? Das könnten Sie bei der Segelschule Pieper (Atlanticsteg | Tel. 247578 | www.segelschule-pieper.de). Merke: Auf der Alster gelten eigene Gesetze. Rechts hat immer Vorfahrt und die Alsterdampfer sowieso. Am Schwanenwik 38 finden Sie das Literaturhaus, ein Ort für den ganzen Tag, mit stuckverziertem Gartensaal, Bücherladen und vielen Lesungen (tgl. | Schwanenwik 38 | Tel. 22702011 | www.literaturhaus-hamburg.de).

Weiter geht es entlang der Schönen Aussicht; nomen est omen: Der Blick zurück zur City wird immer schöner. Sollte Ihnen vor der Hausnummer 26 viel Polizei auffallen, keine Panik. Es geht um Personenschutz. Die von Martin Haller 1868 erbaute Alstervilla ist das offizielle Gästehaus des Senats. Der erste Gast, der nach dem Krieg hier wohnte, war die Queen, später kamen auch Diana und Charles. Ein Gebäude ganz anderer Art finden Sie etwas weiter: die Imam-Ali-Moschee. 1961 erbaut, heute ein wichtiges Zentrum der schiitischen Hamburger Muslime. Direkt gegenüber wird die Welt wieder urhanseatisch. Der NRV, Hamburgs traditionsreichster Segelclub, hat hier seinen Sitz, aufgenommen wird nur, wer zwei Bürgen vorweisen kann. Verlaufen können Sie sich nicht, auch wenn die Straße jetzt vom Alsterufer wegführt, nach einem kurzen Stück über die Sierichstraße biegen Sie links in die Bellevue ein, ein prachtvolles Bürgerhaus reiht sich an das andere.

Am Kopf der Alster, auf der Krugkoppelbrücke, sollten Sie eine Verschnaufpause einlegen. Vielleicht bei Bobby Reich? Ist Ihnen der Weg zurück zu lang, können Sie einen Alsterdampfer nehmen und sich bequem zurück zum Jungfernstieg schippern lassen.

Für die anderen geht es am grünen Westufer weiter. Das Alstervorland, durch das Sie jetzt laufen, ist erst seit 1953 für die Öffentlichkeit zugänglich. Vorher gehörte das Gelände zu den großen Villen am Harvestehuder Weg. An sonnigen Wochenenden ist es hier unglaublich voll. Heinrich Heines Verlag Hoffmann und Campe residiert noch heute an der Hausnummer 42. Sie passieren Pöseldorf, wo einst Jil Sander ihre Karriere in der Milchstraße begann. Dort gibt es noch heute mehrere gute Galerien, ein paar schicke Geschäfte und Restaurants.

In der Milchstraße 12, im ehemaligen Budge-Palais, residiert die städtische Musikhochschule. Am Ende Ihres Spaziergangs steht wieder ein „Weißes Haus“: das US-Konsulat. In der Nazizeit residierte hier die Gauleitung, seit 2001 ist die Straße davor komplett gesperrt (nehmen Sie den Weg links ans Wasser, traumhaft romantische Bänke!). Sollten Sie noch nicht genug haben: Der Alsterwanderweg führt von hier direkt bis an die Elbe, mitten durch die City. Benutzen Sie den Fußgängertunnel unter der Kennedy- und Lombardsbrücke, am Jungfernstieg biegen Sie in die Alsterarkaden ein, und dann geht es direkt am Alsterfleet bis zur Schaartorschleuse. Alster, Bürgervillen, City, Fleete und nun auch noch die Elbe: Facettenreicher kann ein Spaziergang in Hamburg nicht sein.

Auf und ab im Blankeneser Treppenviertel

Wie, was? Bergsteigen in Hamburg? Aber sicher doch! Ziehen Sie Ihre Wanderstiefel an. Sie kraxeln mitten durch das „Positano des Nordens“. Proviant brauchen Sie nicht, es gibt sehr schöne Rastplätze. Dauer: So lange Sie wollen, mindestens 2 Std.

Startpunkt ist der Blankeneser Bahnhof. Erstes Aufwärmtraining ist der Miniaufstieg zum Gossler-Haus, rechts über die Blankeneser Landstraße. Der prachtvolle weiße Bau wurde wie so viele der schönen alten Herrenhäuser im Hamburger Westen jahrzehntelang als Ortsamt genutzt, dann von der Stadt verkauft. Gleich geht es wieder runter über die Ampel. Dort wartet eine erste Stärkung: Scones in Lühmanns Café (tgl. | Blankeneser Landstr. 29 | Tel. 863442). Durch die Kirschtenstraße, linker Hand ein altehrwürdiges Gymnasium, und über eine Straße und einen Parkplatz erreichen Sie den Hessepark. Lassen Sie das Hessehaus, auch ein ehemaliges Ortsamt, rechter Hand liegen und verlassen Sie den Park nach rechts.

Direkt gegenüber beginnt der eigentliche Abstieg über die Charitas-Bischoff-Treppe. Sie sind im Herzen des Treppenviertels. Atemberaubend schön ist es hier! Rechts und links zum Greifen nah die alten Häuser, getrennt nur durch steile Treppen und schmale Wege. Sie blicken in Gärten und in Küchenfenster, rechts oberhalb sehen Sie die Flaggen auf dem Süllberg, unter Ihnen glänzt das Wasser der Elbe. Verständlich, dass jeder hier wohnen will, nicht wahr? Doch das ist schwer, viele der ehemaligen Kapitänshäuser sind seit Generationen in Familienbesitz.

Weiter geht es bergab, Sie kreuzen die Blankeneser Hauptstraße. Vielleicht kommt gerade der Kleinbus, hier „Bergziege“ genannt. Den könnten Sie jetzt besteigen und sich ans Elbufer kutschieren lassen. Schöner ist der Fußweg weiter über Schlagemihls Treppe bergab. Erneut kreuzen Sie die Hauptstraße. An der Hausnummer 38 gegenüber geht es vorbei und gleich links in die Hans-Lange-Straße (ist aber nur ein Weg). Fast sind Sie an der Elbe. Träumen Ihre Füße schon vom warmen Strand, Ihr Magen von einer leckeren Scholle im Fischclub Blankenese? Nix da, jetzt zeigen Sie mal, was in Ihnen steckt! Tief Luft holen und rechts zur Süllbergterrasse hoch. Hier ist es richtig steil. Beachten Sie das historische Dreehuhs für drei Fischerfamilien an der Elbterrasse 4-6, in die Sie rechts abbiegen. Sie erreichen die Süllbergterrasse. Kurz links und gleich wieder rechts treffen Sie auf den Kaffeegarten Schuldt, seit 130 Jahren im Familienbesitz. Der Kuchen ist hausgebacken, die Sahne selbst geschlagen, das Ambiente einmalig (tgl. ab mittags, im Winter nur Sa/So | Tel. 862411). Nun haben Sie es fast geschafft. Aus dem Café nach links, noch einmal ca. 200m bergab und die nächste Möglichkeit wieder links hoch. Nach wenigen Metern stehen Sie vor dem steilen Aufgang zum Süllberg. Luxusrestaurant, Hotel und vor allem: ein Biergarten. Ein unglaublicher Blick über die Elbe und ein kühles Weizen: Gipfelglück!