Reisetipps Französische Atlantikküste

Auftakt Französische Atlantikküste Was für eine Region!

500 km schönster Strände, verträumte Fischerdörfer, glanzvolle Badeorte und geschichtsreiche Hafenstädte - die Atlantikküste ist eine der vielseitigsten Regionen Frankreichs. Sonne, Sand und Meer ergänzen sich mit Wäldern und Seen zur perfekten Urlaubskulisse für Aktive und Genießer. Die Museen von Nantes, Bordeaux und Biarritz müssen sich hinter ihrer europäischen Konkurrenz ebenso wenig verstecken wie ihre Einkaufsviertel. Ihren unverwechselbaren Reiz verleiht der alten Kulturlandschaft jedoch das Savoir-vivre ihrer Bewohner. Freuen Sie sich auf bunte Märkte, hervorragende Restaurants und einige der besten Weine der Welt!

Die Zehen im weichen Sand, der Blick, wo sich Meer und Himmel treffen. Strandsegler sausen am Wasser entlang, die letzten Sonnenanbeter schütteln Sand aus ihren Handtüchern. In den Restaurants weiter oben am Strand klappern Kellner mit Geschirr. Bald werden sie Schaltiere auf Etageren türmen und gekühlte Weißweinflaschen entkorken. Das sprichwörtliche Savoir-vivre der Franzosen gehört zu den größten Vorzügen eines Urlaubs an der Atlantikküste. Den Rest erledigen Land und Landschaft: beinah unendliche Strände, sauberes Wasser, idyllische Fischerdörfer, geschichtsträchtige Städte und nicht zuletzt die 500 Weinschlösser rund um Bordeaux.

Abwechslung ist das Schlüsselwort für die Region, die sich von der südlichen Bretagne über die weite, flache Marschlandschaft der Vendée und die Pinien- und Kiefernwälder der Landes bis hin zur Felsenküste des Baskenlands erstreckt. Eine erste Perle in der langen Kette von Badeorten ist La Baule, ein Traditionsseebad mit herrlichem Strand, wunderschönen alten Villen und stilechtem Kasino. Bereits zur südlich sich anschließenden Côte de Lumière gehören die Inseln Noirmoutier und Yeu: ganz ohne Hochhäuser, dafür mit breiten Stränden, einem großen Netz von Radwegen und blühenden Malven vor Ferienhäusern und kleinen Hotels.

Wer sich für Inseln begeistert, hat bei La Rochelle mit der Île de Ré und der Île d'Oléron zwei weitere Ziele, auf denen sich - insbesondere im Falle Rés - im Sommer halb Paris trifft. Kilometerlange Brücken erleichtern (wie auf Noirmoutier) das Hinkommen. In den Wäldern verbergen sich schicke Villen, meist Sommersitze Pariser Prominenz. Die kommt aus gutem Grund, vereinen die Inseln doch eine intakte Landschaft aus Salzgärten und schöner Küste mit einem gastronomischen Angebot, das sich hinter dem der Hauptstadt kaum verstecken muss.

Jenseits der breiten Mündung der Gironde schließt sich die Côte d'Argent an. Sie ist geprägt von einem endlosen Band breiter Sandstrände und den Wäldern und Strandseen der Landes. Die Landes, die südlich des Bassin d'Arcachon beginnen, eines Binnenmeers mit ungezählten Wassersportmöglichkeiten, sind dünn besiedelt: Nur 34 Menschen teilen sich dort einen Quadratkilometer - im Gegensatz zu über 100 im Landesdurchschnitt. Das Land ist weit und flach, Reiter und Radler finden hier Hunderte Kilometer Wege. Viele davon führen durch den Küstenwald, den man anpflanzte, um Wind und Wanderdünen daran zu hindern, das Land zu vereinnahmen. Ergebnis ist das mit 10000 km² größte Waldgebiet Europas. Er ist mit seinen Kiefern und Pinien heute ein ebenso wichtiger wie ansehnlicher Wirtschaftsfaktor der Côte d'Argent.

Südlich von Capbreton und Hossegor verändert sich die Landschaft noch einmal. Die Côte Basque ist eine Welt für sich: Zerklüftete Steilküsten, das schicke Surfer- und Jetsetseebad Biarritz, das wunderhübsche Hafenstädtchen Saint-Jean-de-Luz, die Pyrenäen im Hinterland, eine dem Französischen völlig fremde (Zweit-)Sprache und eine alte Kultur, deren archaische Sportarten liebevoll gepflegt werden - das ist das Baskenland, wo Männer mit Baumstämmen werfen und ihre Kräfte beim Holzhacken messen.

Teils im Hinterland, teils direkt an der Küste liegen die Handelsstädte Nantes, La Rochelle und Bordeaux. Sie besitzen außer einem urbanen Unterhaltungs- und Einkaufsangebot jede Menge Kultur und Geschichte. Alle drei verdankten einen wesentlichen Teil ihres Reichtums dem Sklavenhandel. In ihren Häfen wurden Schiffe mit glitzerndem Plunder beladen, der in Westafrika gegen Menschen getauscht wurde. Die wurden in die Karibik verschifft und dort verkauft. Mit Indigo, Kaffee, Zucker und Kakao beladen, kehrten die Schiffe in ihre Heimathäfen zurück; das Geld, das die Fracht einbrachte, verwandelte sich in prachtvolle Paläste.

Schon mehr als anderthalb Jahrtausende zuvor hatten sich die Römer hier niedergelassen. Doch auch wenn sie die Südwestküste Galliens Aquitanien nannten (von aqua = Wasser), dreht sich hier nicht alles nur ums Wasser. Schließlich zeigten schon die Römer den Bewohnern, wie man aus Trauben Wein macht - ein Umstand, der die Geschichte der Gegend und den Alltag der Menschen nachhaltig prägen sollte. In Bordeaux nahm der Weinhandel in großem Stil seinen Anfang, er bescherte der Stadt jenen Wohlstand, der bis heute ihre - mittlerweile aufwendig restaurierte - Architektur prägt.

Zwischen Royan und Soulac-sur-Mer wälzt sich breit wie ein Meeresarm die Gironde als größte Trichtermündung Europas in den Atlantik. 100 km weit dringt die Flut durch die Gironde ins Landesinnere vor. Ihr Westufer, das Médoc, ist die Heimat einiger der berühmtesten Rotweine der Welt. Und natürlich wäre dies nicht Frankreich, würden sich die Menschen nicht bestens mit der Zubereitung der passenden Speisen auskennen. Fisch und Meeresfrüchte prägen die Speisekarten an der Küste, aus dem Hinterland kommen begehrte Genüsse wie Stopfleber und Entenbrust.

Trotz glanzvoller alter Seebäder wie Royan, Arcachon oder Biarritz ist die Französische Atlantikküste bodenständiger als weite Teile der Mittelmeerküste. An der Côte d'Argent liegt hinter den Dünen ein Campingplatz neben dem anderen, die Ufer der Binnenseen sind ein ideales Ziel für Familien mit Kindern. Das Preisgefüge ist deutlich familienfreundlicher als etwa zwischen Saint-Tropez und Nizza.

Und rund 500 km Strand lassen ahnen, dass die Atlantikküste ein Traumziel auch für Aktivurlauber ist. Wellen, Sand und Wind schaffen ideale Voraussetzungen zum Surfen, (Strand-)Segeln und Paragliden. Dank Flüssen und Binnenseen müssen auch Rafter, Angler und Bootssportler nichts entbehren, und wer die Kraft des Atlantiks fürchtet, findet an den Seen sichere Badeplätze. Viele von ihnen sind durch courants, durch Wasserläufe, miteinander verbunden; an ihren Ufern finden sich Urlaubsorte mit Ferienhäusern, Campingplätzen, kleinen Hotels und einem umfassenden Sport- und Freizeitangebot.

Diese Vielseitigkeit ist es, die viele Urlauber immer wieder hierher an den Atlantik zieht. Und irgendwo an dieser Küste, mit den Zehen im Sand und frischen Meeresfrüchten auf dem Teller, fällt Ihnen garantiert der alte Spruch vom Leben wie Gott in Frankreich ein. Sie werden sehen: Es ist etwas dran!