Die Proteste peruanischer Indios eskalieren schlagartig - die Ureinwohner wehren sich gegen die Suche nach Öl und Gas im Amazonasgebiet.

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Tödliche Eskalation auf der Straße: Einheiten der Regierung (vorne) und Indios bei Bagua. (Foto: dpa)

Bei den schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren zwischen der peruanischen Polizei und demonstrierenden Indios sind bis zu diesem Sonntag nach unterschiedlichen Angaben bis zu 53 Menschen getötet worden.

Weitere 179 Menschen, 155 Indios und 24 Polizisten, seien verletzt worden, sagte Ministerpräsident Yehude Simon. Der seit fast zwei Monaten andauernde und bisher weitgehend friedliche Protest von Amazonas-Indios und Kleinbauern vor allem gegen die Erdölförderung war am Freitag schlagartig eskaliert.

Allein am Samstag kamen neun Beamte bei dem Versuch ums Leben, eine Geiselnahme in einer Einrichtung der staatlichen Ölgesellschaft Petroperu in Imacita zu beenden. Dort hatten Indios etwa 30 Polizisten in ihre Gewalt gebracht. 22 Beamte seien befreit worden, sieben weitere würden noch vermisst, sagte Verteidigungsminister Antero Flores.

Die Lage im peruanischen Amazonasgebiet ist seit Wochen angespannt. Bereits vor vier Wochen hatte Präsident Alan Garcia den Ausnahmezustand in vier Provinzen verhängt. In der Region werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet, die Garcia von ausländischen Firmen erschließen lassen will.

Dagegen wehren sich die Indiovölker in den Dschungelprovinzen, die sich zudem in ihren verfassungsmäßig garantierten Mitspracherechten übergangen fühlen. Garcia warf Indioführer Alberto Pizango vor, den Widerstand auf eine „kriminelle Ebene“ geführt zu haben.

Tödliche Speere

Am Freitag blockierten rund 5.000 Indios eine Dschungelstraße in dem Gebiet Curva del Diablo. Indioführer sagten, die Polizei habe aus Hubschraubern Tränengas abgeworfen und auf die Demonstranten geschossen.

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Ein peruanischer Soldat richtet seine Waffe auf einen gefangenen Indio (Foto: Reuters)

Die Polizei erklärte dagegen, die Indios hätten Polizisten mit Schusswaffen angegriffen. Unabhängige Informationen über die Zusammenstöße gab es nicht - Journalisten haben kaum Zugang in die entlegene Region.

Der peruanische Polizeichef José Sanchez Farfan sagte, die Demonstranten hätten auch Regierungsgebäude in Brand gesteckt. An einer Stelle sei eine Gruppe von sechs bis acht Beamten von Tausenden Indianern umzingelt und getötet worden - einige mit Speeren. Ministerpräsident Yehude Simon sagte in Lima: "Man kann nicht sagen, dass die Indios die Opfer waren."

Bischöfe unterstützen Kritik der Indios

Pizango wies den Vorwurf zurück, Demonstranten hätten Polizisten getötet. Die Demonstranten seien unbewaffnet gewesen, sagte der Präsident der Interethnischen Entwicklungsvereinigung des Peruanischen Dschungels. Er forderte internationale Menschenrechtsgruppen auf, einzuschreiten.

Die Indios protestieren seit April gegen die von Garcia erlassenen Verfügungen zur Erschließung ihres Landes und zur Ausbeutung der Bodenschätze. Die Ureinwohner werfen dem Präsidenten vor, nicht mit ihnen in redlicher Absicht über die Verträge gesprochen zu haben, die 30.000 Indios in sechs Amazonas-Provinzen betreffen. Damit habe er gegen die peruanische Verfassung und internationales Recht verstoßen, kritisieren sie.

Die katholischen Bischöfe in Peru veröffentlichten im vergangenen Monat eine Erklärung, in der sie die Kritik der Indios als gerechtfertigt bezeichneten. Garcia hat erklärt, das Gesetz sei für die Entwicklung Perus nötig.

Wegen der Proteste stoppte Petroperu am 26. April den Öltransport durch eine Pipeline in den Dschungelgebieten im Norden. Dadurch sei ein Schaden von 448.000 Dollar (316.000 Euro) entstanden, teilte Petroperu mit.

(dpa/AP/odg)

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Leserkommentare (1)



08.06.2009 10:52:37

U.Te.:

Man vergleiche nun diese Berichterstattung mit der Tibethysterie im letzten Jahr.

Tote Indios sind besitzen anscheinend nicht einmal ein Bruchteil von dem Wert der Tibeter, die man so schön gegen China instrumentalisieren kann.


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