John McCain, der Präsidentschaftsbewerber der US-Republikaner, hat Sarah Palin als Running Mate nominiert - möglicherweise eine allzu eilige Entscheidung. Denn Palin scheint angreifbarer zu sein, als den Republikanern lieb ist.

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John McCain und seine Vize-Kandidatin Sarah Palin Foto: Reuters

Vor wenigen Tage konnte sich John McCain über seinen Coup freuen. Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner überraschte Freund und Feind mit dem Namen Sarah Palin.

Nur wenige Beobachter hatten für möglich gehalten, dass McCain die Gouverneurin von Alaska zu seinem Running Mate machen würde.

Palin ist mit 44 Jahren relativ jung, weiblich - und gilt als erzkonservativ.

Gerade das letzte Attribut schien sich in den Tagen nach der Nominierung auszuzahlen: Sie habe Spenden von wohlhabenden Konservativen angezogen, die bislang nur sehr zögerlich McCain unterstützt hätten, hieß es.

In diesen Tagen soll das Duo auf dem Parteikonvent in St. Paul offiziell zu Präsidentschaftskandidat und Vizepräsidentschaftskandidatin gewählt werden - im Fall Palin mit Restrisiko.

Denn vieles deutet darauf hin, dass sich McCain sehr kurzfristig für die resolute Parteifreundin entschieden hatte - zu kurzfristig für den obligatorischen Kandidatencheck.

Wie die New York Times in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, gibt es Hinweise, dass ihr persönlicher Hintergrund in aller Eile überprüft wurde, bevor McCain sie am vergangenen Freitag der überraschten Öffentlichkeit vorstellte. McCain habe sie erst vier oder fünf Tage vor seiner Ankündigung ernsthaft in Betracht gezogen und dann erst am letzten Tag überprüfen lassen, so schreibt es die Zeitung und beruft sich auf Kreise der republikanischen Partei.

Offenbar hat die McCain-Truppe mehrere Punkte übersehen, die Palin zum Nachteil gereichen könnten:

In Alaska untersucht ein Ausschuss der New York Times zufolge, ob die Gouverneurin ihr Amt missbraucht hat, als sie den Beauftragten für die öffentliche Sicherheit, Walt Monegan, entließ. Monegan hatte sich geweigert, einen Polizisten zu feuern, der sich von Palins Schwester scheiden ließ. Diesen Montag wurde bekannt, dass die Gouverneurin wegen dieser Ermittlungen einen Anwalt engagiert hat.

Nach Angaben der Zeitung soll die 44-Jährige außerdem in den neunziger Jahren zwei Jahre lang in einer Partei Mitglied gewesen sein, die zeitweise für die Unabhängigkeit Alaskas eintrat. Auch eine zwei Jahrzehnte zurückliegende Verhaftung von Palins Ehemann Todd wegen Trunkenheit am Steuer führt das Blatt an.

Eine Schwangerschaft, die nicht ins Wunschbild passt


Diese Sorgen sind nicht das einzige Image-Problem Palins. Ihre 17-jährige Tochter Bristol erwartet ein Kind. Die Schwangerschaft der Minderjährigen ist für die Politikerin heikel, weil sie Sarah Palins forschen Kurs in Sexualfragen konterkariert.

Die fünffache Mutter hat sich als Vertreterin traditioneller Familienwerte einen Namen gemacht und genießt großes Ansehen gerade an der religiös-konservativen Basis der Partei. Sie lehnt Abtreibungen und Sexualaufklärung an Schulen ab. Stattdessen befürwortet sie Programme, die sexuelle Enthaltsamkeit von Teenagern fördern sollen.

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