Von Daniel Brössler

Aus Verdruss über ihre Partei wechselt Sylvia-Yvonne Kaufmann zur SPD - die Linkspartei verliert damit eine ihrer profiliertesten Europapolitikerinnen.

Kaufmann; SPD; Linke; dpaGrossbild

Die frühere stellvertretende PDS-Vorsitzende Sylvia-Yvonne Kaufmann hat die Seiten gewechselt und ist der SPD beigetreten (Foto: dpa)

Die Linkspartei hat eine ihrer profiliertesten Europapolitikerinnen verloren. Die frühere stellvertretende PDS-Vorsitzende Sylvia-Yvonne Kaufmann erklärte am Donnerstag ihren Übertritt zur SPD.

"Pure Ideologie siegte über Vernunft", sagte die Europaparlamentarierin im Willy-Brandt-Haus in Berlin über ihre bisherige Partei, der sie eine "europapolitische Geisterfahrt" vorwarf. Beim Europaparteitag in Essen habe sich die Linke "in ihrem Nein zum Lissabonner Reformprojekt der EU endgültig einbetoniert".

Auf dem Parteitag Ende Februar hatte Kaufmann ihre Zustimmung zu dem Vertragswerk bekräftigt. Der Europa-Spitzenkandidatin von 1994, 1999 und 2004 blieb daraufhin eine neue Listenaufstellung für die Europawahl im Juni versagt. Als Mitbegründerin der PDS habe sie sich um ein "klares proeuropäisches Profil" der Partei bemüht, sagte die 54-Jährige. "Nunmehr stelle ich fest, dass ich damit komplett gescheitert bin", betonte sie.

SPD-Chef Franz Müntefering begrüßte den Beitritt Kaufmanns. "Es ist klar, dass sie in die SPD passt", sagt er. Ihr Wechsel sei ein Zeichen dafür, dass "Lafontaine und Gysi die Linke in eine Sackgasse" führten. Natürlich hoffe die SPD, "Wähler von der Linken zu erreichen". Die Linke verzettele sich derzeit "in Gruppen und Untergruppen". Er sei davon überzeugt, dass die Linkspartei bei der Bundestagswahl "nicht gewinnt, womöglich auch abschmiert", sagte Müntefering.

Kaufmann warf ihrer früheren Partei vor, die SPD zu dämonisieren. Dabei fühle sie sich an die "unsägliche Vergangenheit" erinnert, sagte das einstige SED-Mitglied. Über mögliche künftige Aufgaben Kaufmanns in der SPD wurde bislang nichts bekannt. "Ich bin europapolitisch auf Jobsuche", sagte sie. Mit dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz, werde sie zu einem späteren Zeitpunkt darüber sprechen.

Der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Dietmar Bartsch, bedauerte den Wechsel Kaufmanns. Er wies aber auch darauf hin, diese Entscheidung sei erst nach deren Niederlage bei der Listenaufstellung für das Europaparlament gefallen. Vor Kaufmann hatte auch der Berliner Landespolitiker Carl Wechselberg die Linke verlassen und dies mit heftiger Kritik an der aus seiner Sicht von Parteichef Oskar Lafontaine betriebenen Radikalisierung verbunden.

(SZ vom 15.05.2009/aho)

ANZEIGE

mehr ...


Themen

Weitere Artikel in Europawahl 2009

Leserkommentare (7)



19.05.2009 15:39:19

Unschuldsvermutung:

Sylvia Yvonne Kaufmann brach im Jahr 2000 bei einem Parteitag der damaligen PDS (deren stellvertretende Vorsitzende sie war) in Tränen aus, weil sich die PDS nicht vehement gegen Blauhelm-Einsätze (!) – der Uno aussprechen wollte.

Ist doch klar wie Christan, dass diese tausendprozentige Pazifistin (hust!) nun zur SPD wechselt, die ja bekanntlich die innere Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt. Das hat wirklich üüüüüberhaupt nichts damit zu tun (böse, böse Unterstellung), dass sie bei ihrer Kampfkandidatur um einen Listenplatz für die Europawahl gescheitert ist.

Ciao Sylvia – wir werden Dich nicht vermissen – Leute wie Du sind bei der moralelastischen SPD wirklich besser aufgehoben.


4 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 ältere Kommentare nächste Kommentare

Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


Europa im Bild
Europa wählt - doch wen eigentlich? Die meisten Kandidaten sind unbekannt. Doch einige haben eine illustre Vergangenheit.
Die Grünen züchten Mutanten und die CSU macht Werbung für die Deutsche Post: Die Plakate zur Europawahl sind bunt, aber sind sie auch einfallsreich? Wählen Sie mit!
Toaster, Tattoos, Textilien - im Wahlkampf ist den Parteien jedes Werbemittel recht. <i>sueddeutsche.de</i> hat die schönsten ausgesucht.
Eine Kampagne soll den Bürgern vor Augen führen, was ihre Stimme in Europa bewirken kann.
Spiele-Kasten
Das Superwahljahr: Landtagswahlen, Bundestags- und Europawahl. 2009 sind die Bürger gefragt. Was wissen Sie über die wichtigsten Wahlen?
Jeder fünfte Deutsche kann kein Menschenrecht nennen. Und nur die wenigsten wissen mehr als drei Rechte. Kennen Sie sich besser aus? Testen Sie sich.