Angela Merkel hat die ersten Tapferkeitsmedaillen verliehen. Während sie von einem "Ansporn für uns alle" sprach, gab es in Kundus einen schweren Anschlag auf amerikanische Soldaten.

Merkel, Ehrenkreuz der Bundeswehr, Getty

Merkel übergibt das neue Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit an Hauptfeldwebel Henry Lukacz. Foto: getty

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) haben an diesem Montag zum ersten Mal die neue Tapferkeitsmedaille an vier Soldaten verliehen: das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit.

Die vier ausgezeichneten Soldaten sind zwischen 28 und 33 Jahre alt. Am 20. Oktober 2008 griff ein Selbstmordattentäter ein deutsches Einsatzfahrzeug in Kundus an - die vier Feldwebel waren 500 Meter entfernt. Bei dem Anschlag wurden zwei deutsche Soldaten getötet, zwei weitere verwundet.

Fünf afghanische Kinder wurden durch die Explosion getötet, ein weiteres
verletzt. Die vier Soldaten halfen den Verletzten, obwohl das Fahrzeug brannte und Munition explodierte. "Sie sind durch ihren Einsatz für Recht und Freiheit zum Vorbild für Ihre Kameradinnen und Kameraden geworden", sagte Jung bei der Verleihung zu den Soldaten.

Merkel nannte den Einsatz der Soldaten einen "Ansporn, nicht nur für Ihre Kameraden, sondern für uns alle". Die Regierungschefin verteidigte die Verleihung der Tapferkeitsmedaille gegen Kritik. "Eine Armee im Einsatz braucht eine solche Auszeichnung", sagte sie. "In Deutschland wird zu wenig über Leistungen, Belastungen und Risiken der Soldaten gesprochen."

Die Linke kritisierte, die Bundesregierung begebe sich "auf einen gefährlichen Holzweg": "Rituale zur Glorifizierung und Verherrlichung des Soldatentums werden reaktiviert, um das politische Versagen der Bundesregierung zu überdecken", sagte Paul Schäfer, der verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion. Er bezeichnete die Verleihung als "Propaganda".

Beifall gab es hingegen von der SPD: Es sei richtig, dass die Leistungen und der Mut der Soldaten in entsprechender Art und Weise gewürdigt und anerkannt würden, sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. So werde auch hierzulande erklärt, was Soldaten im Ausland leisteten. "Davor haben wir hohen Respekt."

Ehrenkreuz für Tapferkeit (AP)

Das neue Ehrenzeichen der Bundeswehr für Tapferkeit: Was bedeutet das Wort im 21. Jahrhundert? Foto: AP

Fast zeitgleich mit der Verleihung an die vier Deutschen haben Kämpfer der radikal-islamischen Taliban in Kundus einen schweren Anschlag verübt. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin sagte, vier US-Soldaten seien getötet worden. Im Raum Kundus herrsche eine angespannte Sicherheitslage. Medienberichten zufolge handelte es sich bei den Opfern um amerikanische Polizeiausbilder. Bundeswehr-Soldaten seien nach der Explosion an den Tatort gerufen worden, bei dem Anschlag selber aber nicht zu Schaden gekommen.

Ähnlichkeit zum Eisernen Kreuz

Bereits im Vorfeld der Verleihung war die neue Auszeichnung scharf kritisiert worden. Denn während die einen in der Auszeichnung die längst fällige Anerkennung für Soldaten sehen, die heldenhaft ihr Leben für Deutschland riskieren, erkennen Kritiker in der neuen Medaille etwas ganz anderes: eine Anlehnung an das berühmte Eiserne Kreuz, das vor allem durch seine Verwendung im Dritten Reich berüchtigt ist und seit 1945 nicht mehr verliehen wurde.

Der Tapferkeitsorden hat schon rein optisch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Eisernen Kreuz - die haben allerdings sowohl das Bundesverdienstkreuz als auch die bisher gängigen Ehrenkreuze der Bundeswehr ebenfalls. Das Tatzenkreuz mit seinen nach außen breiter werdenden Balken wird sogar als Hoheitszeichen der Bundeswehr verwendet.

Die neue Medaille ist aber auch die erste Auszeichnung seit Bestehen der Bundeswehr, die ausschließlich für besondere Taten verliehen wird - völlig unabhängig von Dienstzeit, Rang oder Art des Einsatzes. Damit hat sie tatsächlich eine wichtige Gemeinsamkeit mit dem Eisernen Kreuz, das zum ersten Mal im Jahr 1813 vom preußischen König Friedrich Willhelm III. gestiftet wurde, um "Tapferkeit vor dem Feind" zu ehren.

(Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2) nächste Seite

In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Tapferkeit mit Beigeschmack
  2. Die gesetzliche Pflicht zur Tapferkeit