Reisetipps Venezuela

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Barrio

Wörtlich bedeutet barrio „Stadtviertel“. Mit barrios marginales sind die Armenviertel gemeint, die Slums, die sich wie ein Ring um jede größere Stadt in Venezuela gelegt haben. Selbst die Polizei hütet sich, bei Nacht in diese Viertel vorzudringen. Die barrios marginales sind nicht zuletzt Ausdruck der Tatsache, dass selbst im „reichen“ Venezuela die Güter der Nation sehr ungleich verteilt sind.

Bolas Criollas

Bolas criollas ist die venezolanische Variante des französischen Boule. In Venezuela spielt es jeder, Jung und Alt, Frauen und Männer, und wer gut situiert ist und über einen großen Garten verfügt, hat mitunter sogar eine eigene Bahn.

Caudillos

Als caudillos werden autoritäre, oft militärische Machthaber bezeichnet, die auf Grund ihrer Anhängerschaft und manchmal auch ihrer Popularität über ein Land herrschen, als sei es ihr persönlicher Großgrundbesitz: eine typisch lateinamerikanische Herrschaftsform, die mit dem modernen Verfassungsstaat kollidiert. Ein typischer caudillo - natürlich nur in den Augen seiner Kritiker - ist Venezuelas Staatschef Hugo Chávez.

Conquista

Unter conquista versteht man die Eroberung der Neuen Welt durch die damaligen Großmächte Spanien und Portugal samt ihren entsetzlichen Folgen. Die indianischen Hochkulturen wurden von einer kleinen, goldgierigen Meute von Eroberern, den Konquistadoren, zerstört. Hunger, Krankheiten und Kriege rafften rund zwei Drittel der Urbevölkerung dahin.

Cowboys

Wie sich ein Mythos um den Wilden Westen rankt, so umgibt auch einer die llaneros, ihren Machismo, ihren unbändigen Freiheitsdrang. In ihren Adern fließt das Blut spanischer Granden, geflohener Sklaven und wilder Indianer. Mit den Reiterhorden der llaneros konnte Simón Bolívar 1821 bei Carabobo die Spanier besiegen.

Erdöl

Erdöl - Segen und Fluch Venezuelas. Die Indios verwendeten den schwarzen Ölteer zum Abdichten ihrer Kanus. Erste industrielle Bohrungen erfolgten 1904. Mit dem Aufkommen der Autoindustrie schwoll der Durst nach dem „schwarzen Gold“. In La Rosa, östlich des Maracaibosees, sprudelte 1922 die erste große Quelle. Für ein Linsengericht verkaufte Diktator Juan Vicente Gómez in den 1920er-Jahren die Öllizenzen an die Amerikaner. Im Zweiten Weltkrieg wurde Venezuela zum zweitgrößten Erdölexporteur, das Öl wurde zum Schmiermittel von Politik und Wirtschaft. Die bonanza, der schnelle Wohlstand, und eine wachsende Schicht von Neureichen kamen mit den Petrodollars. 1976 wurde die Erdölindustrie verstaatlicht. Bis heute ist Venezuelas Wirtschaft vom Öl abhängig.

Fasten

Bei den Katholiken kommt zwischen Karneval und Ostern kein Fleisch auf den Tisch. Fisch jedoch ist erlaubt. Vielen Venezolanern wurde diese alljährliche Diät langweilig. Deshalb erklärten sie kurzerhand Schildkröten (morrocoy) und Wasserschweine (capibara) zu Fischarten, und schon war der Speiseplan um ein paar Varianten reicher. Der Ehrgeiz der Hausfrauen wurde durch das ungewöhnliche Rohmaterial angespornt. Besonders gut soll ein Ragout aus capibara mit Zwiebeln, Knoblauch und rotem Pfeffer munden. Die Bestände der friedlich in den Llanos lebenden Riesennager haben sich dadurch arg dezimiert, sodass der „Fisch mit Fell“ mittlerweile aus Kolumbien und Brasilien importiert werden muss. Schildkröten, die zum Auflauf pastel de morrocoy verarbeitet wurden, stehen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten und dürfen nicht mehr gejagt werden. Wasserschweinfilets allerdings finden in der Fastenzeit auf dem Quinta-Crespo-Markt in Caracas reißenden Absatz.

Gewalt

Die zunehmende Gewalt (violencia) ist ein großes Problem in den Metropolen, besonders in Caracas. Es kann vorkommen, dass in den ranchos, den Elendsvierteln von Caracas, bis zu 100 Personen an einem Wochenende sterben - meist handelt es sich um Bandenkriege. Viele Übergriffe haben ihre Ursache in dem krassen Missverhältnis zwischen Arm und Reich, das auch die sozialistische Regierung unter Hugo Chávez nicht mildern konnte. Manche Stadtgebiete in Caracas sollte man meiden, bestimmte Regionen ohne Wertgegenstände oder Handtasche besuchen, um Diebstählen vorzubeugen - z.B. den Paseo Orinoco in Ciudad Bolívar oder den Bulevar Sabana Grande in Caracas.

Hatos

Der hato ist die typische großflächige Viehfarm in den Llanos. Als eines der wenigen Länder Südamerikas hat Venezuela durch eine Agrarreform 1960 den traditionellen Großgrundbesitz - ein Überbleibsel der kolonialen Sklavenwirtschaft - aufgebrochen und so eine Teilmodernisierung der Landwirtschaft erreicht.

Indios

Die indianische Urbevölkerung zählt kaum mehr als 150000 Menschen. Zwei Drittel der indígenas leben in den traditionellen Stammesgebieten im Regenwald, in der Gran Sabana, auf der Halbinsel Guajira und im Orinocodelta. Nicht wenige Stämme - unter ihnen die archaischen Yanomami im Grenzgebiet zu Brasilien - sind durch das Vordringen von Goldsuchern und Siedlern in ihrer Existenz bedroht.

Kakao

Viele Genüsse untersagt die Kirche, so im 17. Jh. den Verzehr von Kakao. Doch das indianische Getränk wurde in Europa zunehmend beliebter, und zwar so sehr, dass auf dem Weltmarkt mit Schokolade Beträchtliches zu verdienen war. Besonders begehrt war der wunderbare Kakao aus Venezuela, den man Caracas nannte. Auch heute noch setzt er Maßstäbe, wie sich auf Plantagen in Paria und Santa Clara de Choroní überprüfen lässt.

Karneval

Auch in Venezuela wird der Karneval gefeiert, allerdings nicht so heiß wie in Brasilien oder Trinidad. Gemeinsam sind die europäisch-afrikanischen Wurzeln des Karnevals: die höfischen Maskenbälle auf der einen, die Sklavenfeste auf der anderen Seite. Die Vitalität der afrikanischen Linie setzte sich mit den Rhythmen und den bunten Phantasien durch. Karneval ist hier die Verherrlichung der Lebensfreude - ungestüm und sinnlich.

Korruption

Viele Politiker Venezuelas predigen öffentlich Wasser, trinken aber heimlich Wein. Petrodollars und Steuern versickern in den Taschen von korrupten Beamten, Richtern, Generälen und Politikern. Die Kleinen fängt man, die Großen lässt man laufen, mit diesem Gefühl der Ohnmacht mussten Millionen von Venezolanern über Jahrzehnte leben. Doch je dichter der Filz, desto stabiler ist er. Unter Präsident Chávez, so seine Kritiker, sei es schlimmer als je zuvor.

María-Lionza-Kult

Als katholisch bezeichnen sich 93 Prozent aller Venezolaner, doch in ihrem Glauben ist nicht nur Platz für die heiß verehrten Jungfrauen von Coromoto, Maracaibo oder der Isla de Margarita. Auch der María Lionza, einer schönen indianischen Prinzessin und wilden Naturgottheit, die auf einem Tapir reitet und im Triumvirat mit einem Schwarzen und einem Indianer regiert, wird auf Wallfahrten, mit Ritualen und Zeremonien gehuldigt.

Medien

Das Fernsehen ist in Venezuela ein einflussreiches Medium, weil es jeder Analphabet versteht. Besonders beliebt sind die unendlichen Fortsetzungsserien, die telenovelas. An zweiter Stelle stehen Musiksendungen und Konzerte populärer Bands. Tageszeitungen erreichen oft nur die oberen Zehntausend. Das Herz der Zeitung ist wie überall in Lateinamerika die Klatschkolumne. Hier kann sich die Eitelkeit der Elite nach Lust und Laune austoben, wenn sie dafür zahlt, dass Reporter über ihre Geburtstagsfeiern und Bälle berichten. Fürs Volk gedacht ist der Chávez-treue „Correo del Pueblo“.

Militär

Seit den Befreiungskriegen spielt das Militär in allen südamerikanischen Staaten eine wichtige Rolle. Die Militärs empfinden sich als Gralshüter der Nation. Immer wieder haben sie sich offen in die Politik eingemischt. Selbst im demokratischen Venezuela lässt sich gegen die Militärs politisch nichts bewegen. Seit 1999 wird Venezuela von dem - demokratisch gewählten - Militär Hugo Chávez regiert.

Nationalparks

Wachsendes ökologisches Bewusstsein und das Bedürfnis nach Erholung haben dazu geführt, dass der Naturschutz als staatliche Aufgabe akzeptiert wurde. Mehr als 15 Prozent der Landesfläche Venezuelas sind heute als Nationalparks, Naturdenkmäler oder ökologisch geschützte Areale ausgewiesen. Der erste Nationalpark wurde 1937 eingerichtet und nach dem Schweizer Henri Pittier benannt, der schon damals auf die Erhaltung der tropischen Wälder gedrungen hatte. Das Instituto Nacional de Parques Nacionales, kurz Inparques, verwaltet die mittlerweile mehr als 40 venezolanischen Nationalparks, von denen der Parque Nacional Parima-Tapirapecó (Amazonas) und der Parque Nacional Canaima (Bolívar) mit jeweils über 30000 km² die größten sind.

Plaza

Die plaza ist der Mittelpunkt jeder Stadt in Venezuela, besonders dann, wenn deren Gründung auf die koloniale Besiedlung zurückgeht - und fast ausnahmslos heißen sie Plaza Bolívar. Die plaza ist der urbane Salon; hier trifft man sich zu Plausch und Handel.

Rassismus

In Venezuela herrscht ein offener oder versteckter Rassismus, der von der kleinen, blasierten Oberschicht ausgeht, die stolz auf ihre europäische Herkunft ist. Je heller die Hautfarbe, desto höher der soziale Status. Auf dem Land ist diese Regel weniger ausgeprägt - schließlich arbeiten alle unter der Sonne.