Reisetipps Türkei

Auftakt Türkei Was für ein Land!

Nicht umsonst nennt man die Türkei auch „Kleinasien“ oder „Brücke zwischen Europa und Asien“. Das Land ist ein geschichtliches und geografisches Abbild Europas und Asiens auf komprimiertem Raum. Hier findet sich einfach alles: lange Sonnenstrände im Süden und eine Gebirgskette, die das Land von West nach Ost durchzieht. Eine asiatische Steppe auf der anatolischen Hochebene und mitteleuropäische Wälder am Schwarzen Meer. Die Westküste gleicht einem antiken Freilichtmuseum. Und im heutigen Südosten der Türkei liegt die Wiege der menschlichen Ackerbauzivilisation. Das Geheimnis der Türkei? Ihre Vielfalt!

Tulpen stammen nicht aus Holland, sondern aus der Türkei. Der Garten Eden soll in Südostanatolien gelegen haben. Eine der ältesten bekannten menschlichen Siedlungen liegt im zentralanatolischen Çatal Hüyük. Sie datiert aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. und ist damit so alt wie Jericho. Es waren die frühzeitlichen Bewohner Anatoliens, die sich vermutlich als Erste vor fast 4000 Jahren der Schrift bedienten. Hätten Sie's gewusst?

Kommen Sie in die Türkei und lassen Sie sich überraschen! In kaum einem anderen europäischen Urlaubsland können Besucher eine solche Fülle von Kontrasten erleben: landschaftlich, gesellschaftlich, historisch, politisch. Geografisch liegt die Türkei zwischen Orient und Okzident - der Bosporus bildet die Grenze.

Ein Querschnitt entlang der West-Ost-Achse führt von den Getreidefeldern Thrakiens auf der europäischen Seite über die romantischen Buchten der Ägäisküste vorbei an den schneebedeckten Bergmassiven der anatolischen Hochlagen durch fruchtbare Täler bis zu den vulkanischen Alpen Kurdistans an der östlichen Grenze. Von Nord nach Süd geht es von den waldreichen Berghängen des pontischen Taurus am Schwarzen Meer über die gewaltige anatolische Steppe und die Mondlandschaft Kappadokiens zur Gebirgsscheide des Taurus, bevor man die Strände der südlichen Mittelmeerküste erreicht.

Anatolien wurde jahrtausendelang von den zwischen Ost und West hin- und herziehenden Völkern, Heerscharen und Religionen geprägt - auf ihrem Weg durch die Türkei werden Sie oft die gleichen Routen benutzen wie die Kreuzritter oder die Karawanen auf der Seidenstraße. Hethiter, Griechen, Römer, Byzantiner, Seldschuken, Mongolen, Kreuzritter und Osmanen hinterließen in Anatolien ihre bis heute sichtbaren Spuren.

Die Türkei hat jedem etwas zu bieten: dem Strandurlauber 1500 km Ägäis- und Mittelmeerküste mit - immer noch - vielen einsamen Buchten und dem saubersten Wasser Südeuropas. Naturfreunde finden eine artenreiche Flora und Fauna vor. In Naturparks haben so seltene Tiere wie der anatolische Gepard oder das Wildpferd überlebt. An einigen Mittelmeerstränden brüten die letzten Exemplare der Meeresschildkröte Caretta caretta. Auch Sportfreunden steht eine große Auswahl offen. Für Wanderer gibt es Mittel- und Hochgebirge, für Wintersportler eine wachsende Zahl erschlossener Skigebiete und für Taucher schillernde Reviere vor der Mittelmeerküste. Urlauber mit gehobenen Ansprüchen können sich in 5-Sterne-Anlagen zurückziehen. Selbst beim Golf ist die türkische Riviera mittlerweile dabei, etablierten Adressen wie der portugiesischen Algarve den Rang abzulaufen. Individualreisende finden in der Weite des anatolischen Hochlands und in der abgeschiedenen Bergwelt des Ostens Dörfer, in die sich nur selten ein Fremder verirrt.

Den Geschichtsinteressierten öffnet sich in der Türkei das größte Freilichtmuseum der Welt. Nicht einmal in Griechenland selbst können mehr Zeugnisse der griechischen Antike bewundert werden als in Kleinasien. Hinzu kommen die Kirchen, Paläste und Burgen der byzantinischen Kaiser (4.-15. Jh.) und die prachtvollen Hinterlassenschaften aus islamisch-osmanischer Zeit (16.-19. Jh.), etwa die großartigen Moscheen des Hofarchitekten Sinan in İstanbul und Edirne oder die Medresen, die Religionsschulen, von Konya.

Außer Israel gibt es kein Land, das so viele Reiseziele für christliche Pilger und theologisch Interessierte bietet wie die Türkei. In Antakya (Antiochia) an der syrischen Grenze sollen sich die Anhänger Jesu den Namen „Christen“ gegeben und Paulus seine Mission begonnen haben. Maria und der Apostel Johannes sollen in Ephesos gestorben sein - daran erinnern zwei byzantinische Kirchen. In den Tuffsteinhöhlen Kappadokiens hielten sich die frühen Christengemeinden vor der Verfolgung durch die Römer versteckt.

Die beste Jahreszeit für einen Türkei-Besuch ist die Badesaison von April bis Ende Oktober. Die Sommer sind am Mittelmeer heiß, im anatolischen Hochland und in der Osttürkei kommt zur Hitze die Trockenheit hinzu. Die Winter wiederum sind dort schneereich und bitterkalt. Im Winter, der sich bis in den April hinziehen kann, fällt auch in İstanbul regelmäßig Schnee. Am Schwarzen Meer wird das Wetter zu jeder Jahreszeit von einem regenreichen, feuchtwarmen Klima bestimmt.

70 Mio. Türken sind stolz darauf, Selbstversorger zu sein. Was Sie auf den Wochenmärkten sehen, stammt fast alles aus dem eigenen Land. Trotzdem gehören die Bauern zu den Ärmsten der Gesellschaft. Drei Viertel von ihnen besitzen kein eigenes Land und müssen für Großgrundbesitzer schuften. Die industrielle Produktion hat in den vergangenen Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht. Ob Elektronik, Haushaltstechnik, Computer, Autos (Lizenzen aus Japan und Deutschland) oder feine Herrenmode - das Siegel made in Turkey wird in der Welt nicht mehr belächelt.

Zwar liegen nur drei Prozent des 814000 km² großen Landes in Europa, die Türken verstehen sich dennoch als Europäer. Entscheidenden Anteil an dieser Haltung hat der Republikgründer Mustafa Kemal „Atatürk“ (Stammvater der Türken). Er wollte mit der orientalischen Vergangenheit des Landes brechen und den Anschluss an die europäischen Nationen schaffen. Er führte das lateinische Alphabet und europäisches Recht ein und verbannte die Religion aus dem öffentlichen Leben.

Doch heute, fast 70 Jahre nach dem Tod Atatürks, ist die Türkei immer noch ein zweigeteiltes Land. Auf der einen Seite die modernen Metropolen İstanbul, Ankara, İzmir und die westlichen Urlauberorte entlang der Sonnenküste. Auf der anderen Seite das völlig vernachlässigte, arme Ostanatolien, wo die Säuglingssterblichkeit doppelt so hoch ist wie im Landesdurchschnitt. Dort gelten archaische Traditionen wie das kompromisslose Verständnis von Ehre, vor allem in den kurdischen Clans, weiter fort. Seit Ende der 1990er-Jahre hat die junge Generation der Türken ihre eigene Dynamik entwickelt und sorgt dafür, dass ihr Land den Anschluss an Europa behält. In İstanbul können Sie so leben wie in Frankfurt oder Rom, können Cappuccino statt türkischen Mokka trinken, und in den Pubs der Großstädte trifft sich eine kosmopolitische urbane Mittelschicht, gut ausgebildet und mit guten Fremdsprachenkenntnissen. Sie ist die Hauptträgerin der Reformen, die der Türkei den Weg zur EU geebnet haben.

Machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihnen unterwegs so manches lang gehegtes Vorurteil über die Türkei abhanden kommt. Lassen Sie sich einfach überraschen. Entdecken Sie die Türkei!