Reisetipps Rügen

Stichworte Rügen

Ernst Moritz Arndt

Einer der berühmtesten Söhne Rügens, nach dem das Museum in Garz und der Turm auf dem Rugard bei Bergen benannt sind. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, setzte sich Arndt (1769-1860) für die Bauernbefreiung ein. Er wurde in Groß Schoritz geboren, besuchte in Stralsund das Gymnasium und studierte in Greifswald und Jena. In Greifswald verlor er 1806 seine Professur, weil er offen gegen die napoleonische Fremdherrschaft auftrat.

Bakenberge

Die Landkarte Rügens verzeichnet mehrere Bakenberge: am Nordstrand von Wittow (28 m), bei Nardevitz auf Jasmund (111 m), nördlich von Vilmnitz (46 m) und bei Groß Zicker auf Mönchgut (65 m). Die Erhöhungen erhielten ihren Namen von Baken, die einst der Seefahrt als Orientierungszeichen dienten. Nachts brannten auf den Bakenbergen Pechfeuer.

Bernstein

Etwa 40 Mio. Jahre alt sind die kleinen, weingelben bis rötlichen Stücke, über die das Bernsteinmuseum in Sellin informiert. Das Bernstein genannte erhärtete Harz urzeitlicher Nadelbäume lässt sich bohren, sägen und schleifen, es brennt mit heller, stark rußender Flamme.

Fauna & Flora

In der Stubnitz und Granitz gibt es noch natürliche Buchenwälder. Teilweise üppig wächst der Sanddorn, dessen orangerote, vitaminreiche Früchte von den Einheimischen zu Saft und Marmelade verarbeitet werden. Unter Naturschutz stehen der Meerkohl, eine bis zu 70 cm buschartig verzweigte Pflanze, und die bis zu 40 cm hoch werdende Stranddistel mit kugelartigen Blüten. Möwen kommen fast überall vor, meist die an ihrem roten Schnabel erkennbare Lachmöwe. In der Ostsee fangen die Fischer Dorsch, Flunder und Hering, in den Boddengewässern Hecht, Barsch, Aal und Zander. Zur Fauna Rügens gehören auch Waschbär, Marderhund, Reh, Rotwild, Damwild und Wildschwein.

Findlinge

Die Eiszeiten haben mächtige Felsbrocken hinterlassen, Findlinge genannt. Der größte Geschiebeblock Nordeuropas liegt 200 m nordöstlich vom Göhrener Strand im Meer. Der Buskam genannte Stein hat eine Größe von 600 m³, sein Gewicht beträgt 1926 t. Die aus dem Meer herausragende Oberfläche besitzt einen Umfang von 40 m. Rügens zweitgrößter Findling ist mit 180 m³ und 600 t Gewicht der Große Stein 300 m östlich von Nardevitz. An dritter Stelle rangiert der 65 m³ große und 175 t schwere Stein von Blandow, der westlich von Lohme liegt. An vierter Stelle liegt der 61 m³ große Siebenschneiderstein, dessen Gewicht 165 t beträgt. Er befindet sich etwa 700 m nordwestlich von Kap Arkona.

Caspar David Friedrich

Friedrichs um 1818 entstandenes Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ besitzt Weltruhm. Entgegen anderslautenden Behauptungen zeigt das Bild aber nicht die Wissower Klinken, sondern die Viktoria-Sicht. Das belegen von Friedrich (1774-1840) gefertigte Skizzen eindeutig. Ein Vergleich ist aber heute nicht mehr möglich, denn die Natur hat in den vergangenen zwei Jahrhunderten unablässig an der Kreideküste modelliert. Der in Greifswald geborene bedeutende Maler der Romantik hat mit seinen Landschaftsbildern Rügen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Zwischen 1801 und 1826 hielt sich Friedrich sechsmal auf der Insel auf.

Hanse

Stralsund besann sich nach der Einheit seiner Traditionen und nennt sich seitdem offiziell Hansestadt. Mit dem ersten allgemeinen Hansetag 1356 in Lübeck begann die Entwicklung der Städtehansa. 1370 versammelten sich im Stralsunder Rathaus Vertreter der Hansestädte und zwangen den dänischen König im Frieden von Stralsund, seine Vormachtstellung aufzugeben. Im 14./15. Jh., als die mächtige Fernhandelsvereinigung auf dem Höhepunkt ihrer Macht war, zählte sie etwa 130 Städte als Mitglieder. Der letzte Hansetag fand 1669 statt.

Hiddenseer Goldschmuck

1872 und 1874 wurde bei Neuendorf der berühmt gewordene Hiddenseer Goldschmuck gefunden. Bis heute blieb ungeklärt, ob die furchtbare Sturmflut von 1872 den Schmuck aus dem Sand freigespült hat oder ob er von einem gestrandeten Schiff stammt. Aus alten Akten geht hervor, dass die Teile zu unterschiedlichen Zeiten nach Stralsund gelangten. Dort verwahrt das Kulturhistorische Museum die Kostbarkeit im Tresor, gezeigt wird eine originalgetreue Nachbildung. Im Heimatmuseum in Kloster auf Hiddensee ist eine verkleinerte Nachbildung zu sehen.

Inselstatistik

Zum Landkreis Rügen (974 km²) gehören 18 Nebeninseln, von denen einige nur fußballfeldgroß sind. Rügen selbst hat eine Gesamtfläche von 926,4 km². Die Gesamtlänge der Küstenlinie misst 574 km, die größte Ausdehnung von Nord nach Süd beträgt 51,4 km, die von Ost nach West 42,8 km. Die Insel hat 56 km Sand- und 27 km Naturstrand, die Strände an den Bodden messen 2,8 km. Höchste Erhebung ist mit 161 m der Piekberg auf der Halbinsel Jasmund, gefolgt vom Kreidefelsen Königsstuhl mit 117 m. Rügen mit seinen 77000 Einwohnern ist fast viermal so groß wie die Mittelmeerinsel Malta und zehnmal größer als Sylt. Die westlich vorgelagerte Insel Hiddensee hat eine Fläche von 18,6 km², in der Länge misst sie 16,8 km, die schmalste Stelle beträgt 250 m, die breiteste 3750 m.

Ludwig G. Kosegarten

Der Pfarrer von Altenkirchen (1758-1818) wurde durch seine Uferpredigten für die Fischer und die auf seine Initiative hin errichtete Kapelle in Vitt beim Kap Arkona bekannt. Die Tradition der Uferpredigten haben Rügener Pfarrer in den letzten Jahren wieder belebt. Kosegarten, zu seiner Zeit ein viel gelesener Schriftsteller, stand im Briefwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Johann Gottfried von Herder. Ab 1808 wirkte er als Geschichtsprofessor an der Universität Greifswald; begraben liegt er neben der Kirche in Altenkirchen.

Kraniche

Bis zu 40000 Kraniche rasten jeden Herbst mehrere Wochen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und auf Rügen, bevor sie nach Nordafrika weiterfliegen. Tagsüber suchen die Kraniche auf abgeernteten Feldern nach Nahrung, abends fliegen sie in langen Ketten zurück zu ihren Schlafplätzen in den flachen Boddengewässern. Der Graue Kranich, die einzige in Deutschland vorkommende Kranichart, kann bis zu 1,25 m Größe erreichen, seine Flügelspanne beträgt bis zu 2,45 m.

Kreide

„Weißes Gold“ sagen die Rüganer zur Kreide, die seit dem 19. Jh. auf ihrer Insel abgebaut wird. Die erste Schlämmerei nahm 1845 den Betrieb auf. Vor allem bei Sassnitz entstanden zahlreiche Tagebaue, mit dem 20. Jh. begann die industrielle Verarbeitung. Bis zu 500000 t wurden jährlich auf Schiffe verladen und weithin verschifft. Mehrere Hotels bieten Anwendungen mit „Original Rügener Naturheilkreide“ an. Rheumatische Beschwerden, Gelenkentzündungen sowie nervöse und organisch bedingte Verspannungen sollen damit gelindert werden. Kreidepackungsbäder wirken entschlackend, pflegen die Haut und fördern die Durchblutung.

Plattdeutsch

Ältere Rüganer sprechen untereinander oft noch Plattdeutsch. Binnenländlern fällt es meist schwer, den Inhalt eines solchen Gesprächs zu verstehen. Nach dem Rückgang des Lateinischen war Plattdeutsch, auch Niederdeutsch genannt, vom 14. Jh. an in Norddeutschland die Verkehrssprache. Ab dem 16. Jh. nahmen der Adel und das Bürgertum das Hochdeutsche an, für dessen Verbreitung Martin Luther mit der Bibelübersetzung einen grundlegenden Beitrag leistete. Das in zahlreiche landschaftlich gebundene Dialekte zerfallende Plattdeutsch blieb noch für Jahrhunderte Umgangssprache der einfachen Menschen.

Rohrdach

Die Häuser der einfachen Menschen waren in der Vergangenheit fast nur mit Rohr gedeckt (niederdeutsch Reet genannt). Wer wohlhabend war und das auch zeigen wollte, ließ sich Ziegel auf das Dach legen. Das Rohr konnten die Fischer und Kleinbauern an den Boddengewässern selbst ernten, für das Eindecken brauchten sie keine Handwerker. Heute ist es genau umgekehrt: Wer sein Haus mit Rohr decken lässt, muss schon etliches auf dem Konto haben, allein die Versicherungssumme beträgt wegen der erhöhten Brandgefahr ein Vielfaches der eines ziegelgedeckten Hauses. Wird Qualitätsarbeit geleistet, hält so ein Dach länger als 60 Jahre. Der Begriff Reet ist auf Rügen traditionell nicht gebräuchlich.

Seegras

Vor der Küste Rügens existieren auf dem Meeresboden große Seegrasfelder. Starker Seegang reißt die bis zu 2 m langen Pflanzen los und treibt sie an Land. Dort türmen sie sich oft bis zu halbmeterhohen Wällen auf. An warmen Tagen beginnen die braunen Pflanzen zu verwesen, dabei verbreiten sie einen üblen Geruch. In den Ortslagen der Seebäder wird bei der Strandreinigung, die durch die Kurtaxe finanziert wird, auch das Seegras weggeräumt.

Klaus Störtebeker

Zwölf Städte und Dörfer beanspruchen den legendären Volkshelden für sich. Einer der Sagen zufolge wurde er in Ruschvitz auf der Halbinsel Jasmund geboren. Störtebeker war einer der Anführer der um 1400 in der Ost- und Nordsee operierenden Freibeuter. 1401 wurde er in Hamburg hingerichtet. Auf Rügen werden Störtebeker 18 Schlupfwinkel nachgesagt, darunter der Hafen von Ralswiek. Die Störtebeker-Festspiele dort erzählen jährlich eine mögliche Geschichte aus seinem Leben.

Wellness

Im Dorint-Hotel im Stralsunder Hansedom ziehen Aromadämpfe durch die Bäder, im Hotel Hanseatic in Göhren können Sie im Blütenölbad entspannen, und im Cliff-Hotel in Sellin hantiert man mit der Rügener Heilkreide. Alle drei gehören zu den Hotels, die das Qualitätssiegel des Deutschen Wellness-Verbandes tragen. Die nach einer intensiven Prüfung verliehenen Zertifikate sind für die Gäste eine verlässliche Orientierungshilfe. Denn nicht immer ist dort, wo Wellness draufsteht, auch wirklich Wellness drin. Auf Rügen bieten zwei Dutzend Wohlfühltempel Badezeremonien, sanfte Massagen, heilende Kräuter und eine gesunde Küche, all das, was zum Auftanken von neuer Lebensenergie benötigt wird.