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Balikbayan

Obwohl die Filipinos ihre Heimat über alles lieben, arbeiten und leben derzeit etwa 11 Mio. von ihnen im Ausland. Ursachen dafür sind in erster Linie Armut und wirtschaftliche Not in ihrem Heimatland. Die sogenannten balikbayan verdienen in Ländern wie Saudi-Arabien, Hongkong und Singapur als Chauffeur, Kindermädchen oder Musiker erheblich mehr als auf den Philippinen, wo der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn bei knapp sechs Euro am Tag liegt. Die Auslandsfilipinos kurbeln mit ihren Devisentransfers kräftig die heimische Ökonomie an. Ungefähr 13 Mia. US-Dollar haben balikbayan allein im Jahr 2007 in die Heimat überwiesen. Hinzu kommen Geld und Importgüter, die sie bei regelmäßigen Besuchen auf den Philippinen ihren Familien schenken.

Demokratie

Die nach US-Vorbild gestaltete präsidiale Demokratie ist fragil und stößt vor allem im Wahlkampf an ihre Grenzen. Gekaufte Stimmen, eingeschüchterte Kandidaten und verschwundene Wahlurnen bestimmten erneut die Präsidentschaftswahlen im Mai 2004. Gloria Macapagal Arroyo wurde mit knapper Mehrheit im Amt bestätigt, der Skandal um einen Wahlbetrug mündete in ein Amtsenthebungsverfahren, das Arroyo aber überstand. Obgleich es ökonomisch aufwärtsgeht, sinken ihre Popularitätswerte kontinuierlich.

Ethnische Minderheiten

So freundlich die Filipinos Fremden begegnen, so wenig Achtung bringen sie den eigenen ethnischen Minderheiten entgegen. Etwa fünf Prozent der Insulaner gehören zu den rund 100 verschiedenen Volksgruppen, die bereits von den Kolonialmächten unterdrückt worden waren. Die Stämme der Ureinwohner verteilen sich über den ganzen Archipel. Offiziell gelten auch die über 4 Mio. Moslems als ethnische Minderheit. Die Kultur der Ureinwohner geht zunehmend verloren, oft werden sie als billige oder gar unbezahlte Arbeitskräfte ausgenutzt. Durch eingeschleppte Krankheiten sowie Unter- und Mangelernährung infolge ihrer Verdrängung aus den angestammten Gebieten ging die Gesamtzahl der Angehörigen ethnischer Minderheiten drastisch zurück. Von den verbliebenen Nachkommen leben heute die meisten unter ärmlichen und beengten Verhältnissen am äußersten Rand der philippinischen Gesellschaft.

Manche Stämme wie die Negritos, Mangyan und Batak weichen seit Jahrhunderten der Zivilisation aus und führen ein abgeschiedenes Dasein. Die in den Kordilleren Nordluzons ansässigen Igorot (Menschen der Berge) oder die im Süden des Archipels in der offenen See als Nomaden lebenden Badjaos halten an uralten Traditionen und Bräuchen fest.

Familie

Ein Filipino ohne Familie ist wie eine Blume ohne Licht. Zweifelsohne gibt es kaum ein Land auf der Welt, in dem die Familie einen so hohen Stellenwert hat wie auf den Philippinen. Während dem Vater die Rolle des Wirtschaftsbosses zukommt, ist die Mutter Managerin für Erziehung und Haushalt und hält in schweren Zeiten die Moral aufrecht. Oft nimmt sie noch zusätzliche Jobs an, um die Haushaltskasse aufzubessern. Jungen werden grundsätzlich zu kleinen Machos erzogen, während Mädchen früh lernen, Verantwortung für ihre kleineren Geschwister zu übernehmen. Ältere Familienangehörige werden nicht als Belastung betrachtet, sondern können sich des Respekts des ganzen, oft mehrere Dutzend Verwandte umfassenden Clans sicher sein.

Glaube und Aberglaube

Die Bewohner der Philippinen sind ein zutiefst gläubiges Volk. 81 Prozent sind Katholiken, weitere 9 Prozent bekennen sich ebenfalls zum Christentum und gehören etwa der protestantischen Kirche, der Iglesia ni Christo oder der Philippine Independent Church an. So ist der Inselstaat neben Osttimor das einzige christlich geprägte Land Asiens, lediglich im Süden des Archipels regiert der Koran.

Obwohl christliche Riten wie Taufe oder Hochzeit ausgiebig zelebriert werden, ist eine animistisch geprägte Wundergläubigkeit tief verwurzelt. Die Frömmigkeit der Filipinos lässt die Verehrung der Jungfrau Maria ebenso zu wie die Anbetung von Geistern.

Wunderheiler praktizieren noch im 21. Jh. wie ihre Vorväter: Durch allerlei magische Mittel wie Handauflegen, Kräutersäfte und spirituelle Zeremonien sollen Krankheiten und andere Übel gelindert oder geheilt werden. Auch christliche Prozessionen sind oft mit heidnischen Elementen verbunden. Sie wirken auf Außenstehende wie bunte Karnevalsumzüge.

Hahnenkampf

Böse Zungen behaupten, dass ein Filipino bei einem Hausbrand zunächst seinen Kampfhahn und dann erst Frau und Kinder rettet. Unbestritten ist der in vielen Teilen der Welt geächtete Hahnenkampf auf den Philippinen ungeheuer populär. Die Kampfhähne erhalten spezielles Futter, werden mit Medizin gestärkt und mit besonderem Shampoo gewaschen - nur um sonntags mit einer rasiermesserscharfen Klinge am Fußgelenk auf ihren Gegner losgelassen zu werden. Das blutige Spektakel endet meist nach wenigen Sekunden und teilt die Zuschauer in Gewinner und Verlierer. Beim Hahnenkampf können die Männer unbeobachtet von ihren Frauen der verbreiteten Wettleidenschaft frönen. Während die Pesos ausgetauscht werden, endet der besiegte Hahn im Kochtopf. Dem notdürftig zusammengeflickten Sieger steht dieses Schicksal früher oder später ebenfalls bevor.

Jeepneys

Ihr viel gerühmtes Improvisationstalent stellten die Filipinos einmal mehr mit der Erfindung des Jeepneys unter Beweis. Dieses grellbunt bemalte Vehikel, das mindestens 16 Leuten Platz bietet und überall auf dem Archipel den Transport von Menschen, Tieren und Gütern gewährleistet, ist eine philippinische Version des amerikanischen Militärjeeps. Fahrgestell und Aufbauten der robusten Gefährte, die von US-Truppen nach ihrem Abzug 1946 zurückgelassen wurden, hat man schlicht verlängert. Bis heute hat sich an diesem Design nichts Wesentliches geändert. Jeepneys sind längst zu einem nationalen Symbol geworden.

Naturgewalten

Die Philippinen liegen auf dem Feuergürtel genannten Bereich der Erdkruste. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind typisch für dieses geologisch äußerst instabile Gebiet. Die Inselbewohner fürchten vor allem die 18 noch aktiven Vulkane. Zu Recht, wie die Eruption des nördlich von Manila gelegenen Mount Pinatubo im Jahr 1991 bewies. Nach Jahrhunderten völliger Ruhe erwachte der Vulkan damals wieder zum Leben und brachte fast 1000 Menschen den Tod, 50000 Anwohner verloren außerdem bei dem gewaltigen Ausbruch ihr Hab und Gut.

Auch Erdbeben haben keinen Seltenheitswert. Irgendwo grummelt es immer im Bauch der Philippinen. Meist zwischen Juni und November ziehen zudem alljährlich um die 20 Taifune heran, die mit heftigem Wind und starkem Regen vor allem die Insel Luzon und den Nordosten der Visayas beeinträchtigen können. In selteneren Fällen fegen die tropischen Wirbelstürme auch zentral über die Region und richten dabei erhebliche Schäden an.

Prostitution

Prostitution hat eine traurige Tradition auf den Philippinen. Seit 1900 entstanden rund um die US-Militärbasen in Zentralluzon ganze Girly-Städte, in denen sich vor allem die amerikanischen GIs vergnügten. Heute sind es Sextouristen aus Europa, Amerika oder Australien, die sich auf die Suche nach preiswerten Liebesdiensten der Filipinas begeben. Schätzungen zufolge gibt es etwa 375000 zumeist sehr junge Prostituierte. In Manila und anderen Touristenzentren treiben zudem seit den 1990er-Jahren vermehrt Pädophile ihr Unwesen. Kindesmissbrauch ist zwar auch auf den Philippinen ein gesellschaftliches Tabu, dennoch verkaufen laut Unicef zwischen 60000 und 100000 Kinder ihre Körper an Fremde, um die bitterste Not ihrer Familien zu lindern.

SMS

Die Filipinos sind davon überzeugt, Weltmeister im Verschicken von SMS-Nachrichten zu sein: Mehr als 200 Mio. elektronische Kurznachrichten zirkulieren pro Tag quer durchs Land. Ob im Sitzen, Stehen oder Laufen, im Restaurant, Sportstudio oder Kino - die Insulaner schicken von überall Freunden und Verwandten kurze Nachrichten aufs Handy. Oder zetteln damit gar eine Revolution an: Zehntausendfach wurden im Januar 2001 SMS verschickt, die erfolgreich zum Widerstand gegen den damaligen Präsidenten Estrada aufforderten. Heute können sich die Philippinen rühmen, das einzige Land zu sein, das sein Staatsoberhaupt mithilfe von Mobiltelefonen abgesetzt hat. Im letzten Wahlkampf war die knapp ein Cent teure Botschaft ein beliebtes Propagandamittel der Parteien.

Sprachen

Für Linguisten sind die Philippinen mit ihren mehr als 70 Dialekten ein unerschöpfliches Betätigungsfeld. Offiziell anerkannt sind aber nur zwei Sprachen: das auf Tagalog (der Muttersprache der Tagalen auf Luzon) basierende Filipino und das amerikanische Englisch. Etwa 75 Prozent der Bevölkerung beherrschen die englische Sprache. Verbreitet ist außerdem Taglish, ein Gemisch aus Tagalog und Englisch. Mitglieder der Oberschicht sprechen zudem vereinzelt Spanisch oder Chinesisch.