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Vom Flachen Land Nach Fjord-Norwegen

Der erste Teil dieser Fahrt ist ganz und gar unnorwegisch: Nördlich vom Fährhafen Egersund erstreckt sich das flache, von Steinwällen durchzogene Ackerland der Region Jæren an der Nordsee. Es riecht nach Seetang, und fast immer weht der Wind. Fjorde und Fjell scheinen weit weg. Doch an der ersten Fähre beginnt das typische Westnorwegen: an den Fjorden von Ryfylke entlang und ins Gebirge, durch Tunnel und Täler bis zum Hardangerfjord und schließlich zum Sognefjord. Bis dahin legen Sie 510 km zurück - nehmen Sie sich für diese Tour mindestens drei Tage Zeit.

Haben Sie Badezeug dabei? Am Ortsrand von Egersund biegt die Straße 44 nach Norden ab, und schon bald tauchen herrliche Sandstrände auf. Im Sommer ist die Badetemperatur erträglich, Brett- und Kitesurfer nutzen die perfekten Wind- und Wellenverhältnisse, zwischen den Dünen liegen Sonnenanbeter. Fast 25 km weit erstrecken sich die Strände von Jæren bis nach Sola, ab und zu unterbrochen von Steinufern oder einzelnen, glatt gewaschenen Felsen.

Im flachen Land von Jæren ließen sich die ersten Menschen in Norwegen nieder. Sehenswert ist der alte Kirchhof von Varhaug neben der kleinen Kirche direkt am Meer. Neben dem alten Pfarrhof von Hå (15. Mai bis 31. Aug. Di-Fr 11-17, Sa, So 12-17 Uhr, Juli auch Mo 11-17 Uhr | www.fyr.no/fyra/obrestad/obre7.html), um 1790 erbaut und heute ein Kulturzentrum mit wechselnden Ausstellungen, liegen in Ufernähe rund 60 Grabhügel aus der Zeit der Völkerwanderung. Am Leuchtturm Obrestad fyr haben Sie einen wunderbaren Blick über die Küstenlandschaft.

Am Südrand der Stadt Sandnes verlassen Sie die Straße 44 und biegen auf die Straße 13 Richtung Osten ein. Die Fähre Lauvvik-Oanes (10 Min. | tgl. 35 Abfahrten) bringt Sie ins Land der Fjorde. In Lauvvik können Sie mit einem Ausflugsschiff einen halbtägigen Ausflug in den Lysefjord hinein machen (im Sommer tgl. | Tel. 51868770), um das berühmte Felsplateau Preikestolen oder den 1000 m hohen Berg Kjerag vom Fjord aus zu bestaunen - oder aber Ihr Fjordabenteuer auf der Straße fortsetzen. Wenige Kilometer vor Jørpeland geht es rechts zur Preikestolshytta, wo die zweistündige und teils anspruchsvolle Wanderung zur „Kanzel“ beginnt. Die Aussicht von dem 604 m hohen Plateau über den Fjord und die schneebedeckten Gipfel ist bei gutem Licht traumhaft.

Sie sind in Ryfylke angekommen, einer Landschaft der weiten Täler, großen Wälder und schmalen, weit verzweigten Fjorde und der Gebirge, die bis ans südnorwegische Setesdal reichen. Machen Sie in Årdal (55 km ab Oanes) Halt, schauen Sie den Lachsanglern am Fluss zu, und besuchen Sie die Dorfkirche, die Anfang des 17. Jhs. errichtet wurde und wunderschön in diese Landschaft passt. Einen herrlichen Blick über das Tal, das Dorf und zum Fjord hinüber haben Sie vom Bauernhof Høiland Gard (Tel. 51752775 | Fax 51751505 | post@hoiland-gard.no) aus, der fünf gemütliche Zimmer (€€) und vier Hütten (€) bietet. Nach Überquerung des Jøsenfjords bei Hjelmeland (10 Min. Fährfahrt | tgl. 22 Abfahrten) 17 km nördlich von Årdal haben Sie nach wenigen Kilometern einen schönen Blick ostwärts in den Fjord, bevor es nach einer kurzen Kletterpartie zum schmalen Erfjord und weiter zum Sandsfjord geht.

Bevor Sie auf der Straße 13 nach Osten Richtung Gebirge abbiegen, lohnt ein kurzer Abstecher zum Fjordort Sand (45 km ab Hjelmeland). Alltag und Arbeit in einem Fjorddorf ist das Thema des Regionalmuseums Ryfylkemuseet, das in einem restaurierten Boots- und Netzehaus untergebracht ist; am Kai ist der Rahsegler Brødrene af Sand vertäut (Museum und Schiff 21. Juni-10. Aug. Mo-Fr 9-16, Sa, So 12-16 Uhr, sonst Mo bis Fr 9-15 Uhr | Eintritt 30 NOK). Zwischen einem Bootshafen und der Mündung des Lachsflusses Suldalslågen liegt das stattliche Ryfylke Turisthotel (48 Zi. | Tel. 52792700 | Fax 52792701 | www.ryfylketuristhotel.no | €€€). Im Lachsstudio ganz in der Nähe kann man Lachsen und Meerforellen beim Aufstieg zusehen.

Die schwierige Teilstrecke der Straße 13 am See Suldalsvatnet entlang führt Sie für eine Weile von den Fjorden weg und ins Gebirge. Bei Breifonn (71 km ab Sand) stoßen Sie auf die E 134 nach Hardanger. Die südliche Landmarke dieses traditionsreichen Feriengebietes ist der im Frühsommer tosende Låtefossen, der neben der Straße in den Fluss stürzt. Der Wasserfall ist insgesamt 400 m lang und hat einen freien Fall von 165 m. Bleiben Sie im Industrieort Odda (39 km ab Breifonn) auf der rechten Uferseite, und machen Sie in Tyssedal Halt am Westnorwegischen Wasserkraft- und Industriemuseum (Mitte Mai-Anfang Sept. tgl. 10-17 Uhr | Eintritt 70 NOK). Das Kraftwerk ist ein sorgsam restauriertes Bauwerk aus der Zeit von 1900 bis 1920, als in Norwegen die Wasserkraft zur tragenden Säule der Energiegewinnung und Industrieentwicklung wurde. In Kinsarvik (41 km ab Odda) empfiehlt sich ein Stopp mit Übernachtung in einer komfortablen Hütte (Hardangertun | Tel. 53671313 | Fax 53671314 | www.hardangertun.no | €€). Wer gern wandert, kann durch das Tal Husedalen an vier Wasserfällen vorbei zur Hochebene Hardangervidda hinaufsteigen.

Nach der Fähre Brimnes-Bruravik (10 Min. | tgl. 40 Abfahrten) ist es nur noch eine knappe Stunde bis nach Voss (29 km ab Kinsarvik). Der Wintersportort, umgeben von bewaldeten Hängen am Ufer eines Sees gelegen, ist bevorzugtes Revier der Extremsportler. Wundern Sie sich also nicht, wenn über Ihnen Fallschirmspringer oder Paraglider zu Tal segeln. Nachdem die Wassertreppen des Tvindefossen passiert sind, beginnt auch bald der Aufstieg zum Pass Vikafjellet. Hier oben hält sich die Schneekante bis in den Hochsommer hinein, von den Rastplätzen aus lohnen sich kürzere und längere Wanderungen in die Bergwelt. Kurz vor Vik (58 km ab Voss) biegen Sie ab zur um 1150 erbauten Stabkirche von Hopperstad, deren gotischer Altarbaldachin mit prachtvollen Schnitzereien geschmückt ist. Auf der anderen Straßenseite steht die kleine Hove-Steinkirche (2. Hälfte des 12. Jhs.), das älteste Gebäude links und rechts des Sognefjords. Sie ist der letzte Stopp vor dem Sognefjord, dem Sie jetzt noch einige Minuten bis nach Vangsnes folgen, wo die Fähren nach Hella (15 Min. | tgl. 24 Abfahrten) und nach Dragsvik (10 Min. | tgl. 25 Abfahrten) fahren.

Norwegens Traumküste

Bei Steinkjer nördlich von Trondheim beginnt Norwegens schönster und längster Umweg. Sollten Sie sich für die Straße 17, den „langsamen Weg nach Norden“, entschließen, planen Sie für die 578 km und sieben Fähren viel Zeit ein. Sollten Sie unterwegs feststellen, dass Sie nicht mehr weiterfahren möchten, sind Sie auf dem besten Weg, Ihr Herz an diesen Küstenstreifen zwischen Trondheim und Bodø zu verlieren. Sandstrände und Wasserfälle, blaues Meer und faszinierende Berge, sagenumwobene Inseln, mächtige Gletscher und das Licht des Nordlandes - diese Vielfalt wartet auf Sie.

Vom Fähranleger in Vennesund (Fähre Holm-Vennesund | 20 Min. | tgl. 15 Abfahrten) aus ist der Berg Torghatten in der Ferne zu sehen. Sein auffälliges Merkmal ist ein Loch, so groß, dass „ein ganzes Schiff hindurchfahren kann“. Bleiben Sie zunächst in Vennesund, genießen Sie das Meer und den Sonnenuntergang an Nordlands Küste. Übernachten kann man im Vennesund Brygge og Camping (Sømna | 3 Rorbuer | 14 Hütten | Tel. 75027375 | Fax 75027336 | www.vennesund.no | €). Am nächsten Tag sind nach 50 km Brønnøysund, „die Stadt in der Mitte Norwegens“, und der von weitem bestaunte Torghatten das Ziel. Der Berg liegt 15 km westlich auf einer Insel. Ein 20-minütiger Weg führt Sie direkt an das 160 m und 35 m hohe Loch: Ein traumhafter Ausblick und die erfrischende Seeluft erwarten Sie.

8 km nördlich von Brønnøysund liegt auf dem Hof Tilrem der Kräutergarten Hildurs Urterarium (Juni-Aug. tgl. 10-17 Uhr | Eintritt 30 NOK | www.hildurs.no) - wahrlich eine Rarität. Immerhin ist ja der Polarkreis ganz in der Nähe, doch hier werden Rotwein und Kräutersuppe mit Zutaten aus eigenem Garten serviert. Nach 20-minütiger Überfahrt mit der Fähre Horn-Anndalsvågen (tgl. 8 Abfahrten) und 17 km schöner Küstenstrecke gelangen Sie nach Vevelstad/Forvik. Am Fähranleger liegt der 200 Jahre alte Handelsplatz Forvikgården, ein Stück weiter das Heimatmuseum und die Kirche (1796) mit einem Altarbild des Italieners Joseph Pisani. Wer langsam reisen möchte, sollte im alten Handelshof Handelsstedet Forvik (Tel. 75037131 | Fax 75037634 | €€) übernachten.

Oder Sie rollen auf die nächste Fähre. Sie braucht bis nach Tjøtta eine Stunde, die viel zu schnell vergeht. 19 km hinter Tjøtta liegt Alstahaug, das Herz von Nordland. Landeinwärts sehen Sie die wunderschöne Bergkette der Sieben Schwestern. Fast am Seeufer liegt neben der hübschen Kirche aus dem 12. Jh. der rot gestrichene Pfarrhof Alstahaug (Juni bis Mitte Aug. tgl. 10-19 Uhr | Eintritt 40 NOK). Vor 300 Jahren lebte hier Petter Dass, Nordlands großer Dichter, dessen Gedichtsammlung „Trompete des Nordlandes“ in jede norwegische Hausbibliothek gehört. Dank einer gut 1000 m langen Hängebrücke ist Sandnessjøen (5300 Ew.), die Fischereistadt am Ufer des Alst-fjords, schon von weitem zu sehen. Übernachtung: Rica Hotel Sandnessjøen | 48 Zi. | Torolv Kveldulvsonsgt. 16 | Tel. 75065000 | Fax 75065001 | www.rica.no | €€

Der nächste Fähranleger kommt bestimmt (Levang-Nesna | 25 Min. | tgl. 11 Abfahrten), und immer noch sind es rund 300 km bis Bodø. Auf der Landseite rücken die Berge jetzt immer näher an die Straße. Die Fähre Kilboghamn-Jektvik (1 Std. | tgl. 5-6 Abfahrten) wäre ja schon nichts Besonderes mehr - wenn nicht der imaginäre Polarkreis wäre. Der Kapitän wird sicher Bescheid sagen, merken werden Sie nichts. Was jetzt lockt, ist ewiges Eis. 28 km hinter Jektvik wartet bereits die Fähre Ågskaret-Forøy (10 Min. | tgl. 10 Abfahrten). Nach einer langen Etappe gibt es einen guten Grund, hier etwas mehr Zeit zu verbringen: Im Inneren des Holandsfjords ist der Engabreen, ein Gletscherarm des Svartisen, fast bis ans Meer herangerückt. Mit einem kleinen Ausflugsschiff kommen Sie von Holand oder Braset aus an die faltigen Eismassen heran. Übernachten können Sie im Halsa Gjestegård (18 Zi. und Gasthof | Tel. 75750677 | Fax 75750881 | kmeloeyv@online.no | €).

Nach Durchquerung des Svartisen-Tunnels legen Sie in Glomfjord (140 km vor Bodø) den letzten längeren Halt ein. Schon 1920 wurde unter dem Svartisen das erste Kraftwerk gebaut, seither gibt es in Glomfjord die Fabriken von Norsk Hydro. Im Industriemuseum (Öffnungszeiten: Meløy Turistinformasjon in Ørnes | Tel. 75754888 | Fax 75754808) des Konzerns im Ort erfahren Sie viel über Wasserkraft und Norwegens größtes Industrieunternehmen.

Am Ende der langen und erlebnisreichen Fahrt steht die kleine Kirche von Gildeskål (Führungen in der Sommersaison): 38 km nördlich von Ørnes biegen Sie auf die Straße 838 nach Norden ab und machen einen Spaziergang durch den kleinen Ort und zu dem vor 1250 errichteten Gotteshaus. Die Ruhe, das Hafenidyll und der traumhafte Blick in alle Richtungen stehen in starkem Kontrast zu den tosenden Wassermassen des später folgenden Saltstraumen und sind deshalb der richtige Abschluss der Fahrt durchs Nordland. Wenige Kilometer hinter dem aus luftiger Höhe beeindruckenden Mahlstrom endet die Straße 17 bei Løding an der Straße 80, und in Bodø endet diese Route. Informationen über die Straße 17 sind erhältlich bei Kystriksveien | Postboks 91 | 7701 Steinkjer | Tel. 74163617 | Fax 74161088 | www.rv17.no.