Reisetipps Montenegro

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Crna Gora

Kaum jemand im Westen kennt den wahren Namen des Landes: Crna gora - der Schwarze Wald. Das ist zwar die genaue Übersetzung des Worts Montenegro, doch werden im Land Diskussionen darüber geführt, was wichtiger ist: ein Name, den es seit über 500 Jahren gibt, den aber kaum ein Ausländer auszusprechen weiß, oder ein Name, den die Welt kennt. Zumindest die offizielle Touristenorganisation hat sich für den werbewirksameren Namen Montenegro entschieden.

Habsburger

Die alte österreichisch-ungarische Botschaft in Cetinje ist vielleicht der deutlichste Ausdruck von mehr als 100 Jahren glanzvoller Herrschaft der Doppelmonarchie in Montenegro. Oder, genauer: in Teilen Montenegros. Denn auf dem Wiener Kongress 1815 wurde dem Habsburger Reich nur das Gebiet um die Bucht von Kotor bis südlich von Budva zugestanden. Zu Beginn des 19. Jhs. hatte das österreichisch-ungarische Gebiet schon einmal kurze Zeit bis Cetinje gereicht, ehe Russen und dann Franzosen ihre Truppen schickten. Nach der Niederlage Napoleons hielt die Habsburger Herrschaft bis in den Ersten Weltkrieg hinein, weil auch auf dem Berliner Kongress 1878 der Küstenstreifen österreichischer Oberhoheit zugeteilt wurde. Nicht nur architektonische Spuren haben die Habsburger hinterlassen: palačinka (Pfannkuchen), escajg (Esszeug) und paradajs (Tomate) gehören zum alltäglichen Sprachschatz. Heute gehören Österreicher, aber auch Tschechen und Ungarn zu den beliebtesten Gästen in Montenegro.

Heldentum & Ehre

Čojstvo i junaštvo - Ehre und Heldentum stehen in der patriarchalischen Gesellschaft von Montenegro seit eh und je an erster Stelle. Denkmäler an jeder Ecke erinnern an frühere Heldentaten. Als die Türken auf dem Balkan herrschten, gelang es ihnen nicht, die Bewohner des bergigen Nordens zu unterwerfen - die Sage von ungebändigten Bergfürsten war geboren. Heute noch weiß jeder Montenegriner, welchem Clan (pleme) und welcher Bruderschaft (bratstvo) er angehört. Die Clans Vasojevići, Kuči und Piperi zählen zu den bekanntesten, ein Zusammenhalt innerhalb des Clans ist Gesetz. Der Tag des Familienschutzheiligen ist das größte Fest orthodoxer Montenegriner: Einmal im Jahr wird mit Freunden und Familie ausgiebig gefeiert, nachdem der Pope Haus und Hof gesegnet hat. Dabei ertönen auf dem Volksinstrument gusle, einem Streichinstrument mit nur einer Saite, monotone Heldengesänge.

Immobilien

Der Ausverkauf von Grund und Boden in Montenegro geht mit Riesenschritten voran, die Preise sind explodiert: In besten Lagen zahlt man bis zu 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Man geht davon aus, dass 1,5 Mio. m² im Besitz von Ausländern sind. Vor allem Russen haben das Land für sich entdeckt. Überall werden Luxushotels gebaut, mit Suiten und Helikopterlandeplätzen. Private Edelvillen werden direkt am Strand errichtet, ganze Buchten werden so zu „Russendörfern“. Nachdem die Küste fast leergekauft worden ist, wird in den bergigen Norden investiert. Seit 2008 dürfen die ausländischen Grund- oder Immobilienbesitzer ihren Besitz auf eigenen Namen eintragen. Das war bis dahin nicht möglich.

Njegoš, Dichterfürst

Straßen, Schinken, Käse und vieles mehr sind nach ihm benannt: Petar II. Petrović Njegoš (1813-51) ist die vielleicht facettenreichste Persönlichkeit der montenegrinischen Geschichte. Der früh an Tuberkulose gestorbene Bischof und Fürst reformierte nicht nur das marode, in überholten Clanstrukturen verhaftete politische System des Kleinstaats - und brachte das Land so näher an Europa. Auch der südslawischen Literatur setzte er mit dem „Bergkranz“ (Gorski Vjenac) ein Denkmal, das bis zum Beginn der Balkankriege Pflichtlektüre in ganz Jugoslawien war. Thema: der heldenhafte Befreiungskampf seines Vorvorgängers Danilo I. gegen die Türken und - Kehrseite der Medaille - die Ermordung Tausender zum Islam Konvertierter. Viele der Volksdichtung entlehnte Verse schrieb Njegoš im „Bergkranz“ zum ersten Mal auf, was die Vereinheitlichung der Schriftsprache entscheidend voranbrachte. Leseprobe: „Im Guten ist's ein Leichtes, gut zu sein/doch in der Not erkennt man erst den Helden.“

Seine letzte Ruhestätte fand Njegoš in einem überdimensionierten Mausoleum auf dem Lovćen, dem von Küste wie Hochland gleichermaßen sichtbaren „Olymp“ Montenegros.

Ökostaat

Der Ökologische Staat Montenegro, der 1991 ausgerufen wurde, besteht - so die Kritiker - nur auf dem Papier. 2008 wurde zwar eine Ökotaxe für alle einreisenden PKWs eingeführt, die Umweltschutzprojekte fördern soll, doch die rasante Bebauung des kleinen Lands hat wenig mit Umweltschutz zu tun. Der Wasserverbrauch in riesigen Hotelresorts an der Küste führt jedes Jahr im Sommer zu Wassermangel, der Stau an der Küstenstraße ist manchmal kilometerlang. Tatsächlich wird mit aller Kraft an diesen neuralgischen Punkten gearbeitet, Straßen werden gebaut, die Wasserversorgung verbessert, doch gilt auch hier: Der Umweltschutz bleibt dabei auf der Strecke. Die Bebauung der Halbinsel Luštica steht bevor, und in naher Zukunft sollen die majestätischen Berge Durmitor und Bjelasica erschlossen werden. Die NGO Most („Die Brücke“) | www.ngo-most.org, verlangt, dass der Skutarisee, Durmitor und Lovćen per Gesetz geschützt werden.

Sprache

Nach der Gründung des neuen Staats wurde per Verfassung die montenegrinische Sprache als Landessprache eingeführt. Bis dahin hieß die Sprache Serbisch, und tatsächlich sind zwischen diesen nun zwei Sprachen winzige grammatikalische oder wörtliche Unterschiede vorhanden. Zum Beispiel heißt hier der Fluss rijeka statt reka in Serbien, die Welt svijet statt svet oder morgen sjutra statt sutra. Die serbische Variante bleibt aber als Minderheitensprache weiterhin erhalten. Dobar dan, guten Tag, und hvala, danke, heißen in beiden Sprachen gleich. Nicht nur das: Serben, Kroaten, Bosnier und Montenegriner verstehen sich mühelos, egal, wie nun ihre Sprachen heißen. Im Süden und Nordosten von Montenegro wird auch Albanisch gesprochen, die Ausschilderung ist zweisprachig, wie zum Beispiel Ulcinj und Ulqin.

Strandleben

Die 270 km lange montenegrinische Küste hat es in sich: Zwischen der kroatischen und albanischen Grenze reihen sich 170 Strände wie Perlen aneinander. Für Familien mit Kindern besonders geeignet ist die Vielzahl der Kies- und Sandstrände zwischen Budva und Ulcinj. Felsen und tiefes Wasser findet man eher in der Bucht von Kotor. Viele kleine Buchten sind nur von der Wasserseite erreichbar.

Die Zeiten, als das Wasser der Adria an der montenegrinischen Küste so klar und sauber war, dass man tief unten den Grund des Meers sehen konnte, sind allerdings längst vorbei: Die rasante Entwicklung des Tourismus seit Mitte des 20. Jhs. bescherte der Küste reihenweise Hotels und Hotelanlagen. Die Hotelburgen, heute noch zu sehen, verschandelten die Landschaft und verschmutzten das Wasser. Denn die Abwässerkanäle waren in der unmittelbaren Nähe der Hotels angelegt worden und führten alle direkt ins Meer. Deshalb ist es kein Wunder, dass von 170 offiziellen Stränden an der montenegrinischen Küste nur 18 das begehrte Siegel „Blaue Flagge“ erhalten haben (Informationen unter www.blueflag.org/blueflag).

Doch Montenegros Küste besteht nicht nur aus offiziellen Stränden, vielmehr warten überall wunderbar versteckte Buchten darauf, entdeckt zu werden. Leider sind manche nur auf dem Wasserweg zu erreichen, sodass von größeren Städten wie Budva oder Herceg Novi viele Boote ständig an die sauberen Strände der Region fahren.

Das Strandleben ist in Montenegro kostenpflichtig - und oft richtig teuer. In der Bucht von Kotor oder im Bereich der Stadt Budva werden neuerdings living-rooms am Strand angeboten: Dicke Sessel, ein Kühlschrank und sogar ein Plasmafernseher, alles unter einem weißen Baldachin, warten auf betuchte Gäste, die bereit sind, bis zu 100 Euro pro Tag für ein Wohnzimmer am Strand zu bezahlen.

Zigaretten

Raucher können sich freuen: So billig wie zwischen Budva und Berane gibt es die Glimmstängel in Deutschland schon lange nicht mehr. Meist fehlt bei den bekannteren Marken allerdings die Steuerbanderole. Wegen angeblicher Zusammenarbeit mit der Zigarettenmafia ermittelte die italienische Justiz deshalb sogar gegen Premierminister Milo Đukanović - bis heute ohne Erfolg.