Reisetipps Erzgebirge

Szene Erzgebirge

Lars Neuenfeld

Überall, wo Trends aufzuspüren sind, ist auch der Chemnitzer anzutreffen. Vor einigen Jahren hatte er einen eigenen Jazz- und Bluesclub, um sich dann dem Stadtmagazin 371 zu widmen. Als Chefredakteur ist er auf der Suche nach den angesagtesten Neuerungen der Region. Außer in der Szene ist Lars Neuenfeld auch in der hügeligen Landschaft unterwegs. Schließlich ist Wandern eine seiner Leidenschaften.

Modern Art

Sie sind jung und brauchen die Kunst

Die Künstlerszene macht mit eigenwilligen Kunstaktionen und Galerieprojekten auf sich aufmerksam. Herausragender Event: die Begehungen. Ende August oder Anfang September beleben mehr als 30 junge Künstler mit neuen Sichtweisen leer stehende Läden und Wohnungen auf einem vergessenen DDR-Boulevard (www.begehungen-chemnitz.de). Neben der Entdeckungsreise durch ungewöhnliche Ausstellungsräume bietet das Festival Musik von jungen Bands, zeitgenössische Literatur, Theater und Künstlergespräche. Ebenfalls spannend: die Künstlergruppe The Next Art, die zwischen Grafik, Graffiti und Comic immer wieder Ausstellungen organisiert (www.thenextart.de). Bei Kunst in Sachsen hat man die Möglichkeit, den Kreativen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Über 200 Kreative, wie die Öl- und Aquarellmalerin Petra Hölzel (Gebrüder-Lay-Str. 24 | Plauen), nehmen teil und öffnen ihre Ateliers (www.kunstoffeninsachsen.de). Zudem bietet die Zwickauer Kulturnacht im Juli (www.zwickauer-kulturnacht.de) eine Plattform für Künstler der Region.

Kreative Küche

Der Teller als Bühne

Hier wird das Essen zum Event. Neue Restaurants setzen auf Zutaten und Rezepte aus allen Ecken der Welt und kreieren eine aufregende und undogmatische Freestyle-Küche. Gegrillte Dorade mit Löwenzahn-Pesto? Bärlauchsuppe mit Halloumi-Streifen? Linguine mit Zitronengras-Sugo, Chili und Zuckerschoten? Im Lessing (Franz-Mehring-Str. 10 | Chemnitz | www.lessing-restaurant.de) und im Janssen (Schlossstr. 12 | Chemnitz | www.janssen-restaurant.de) zelebriert man die neue Küche in angenehm lockerer Atmosphäre. Trotzdem: Die erzgebirgische Heimat wird nie verleugnet, auch wenn die Rinderroulade schon mal mit Mango, grüner Gurke und Chili-Senf gefüllt wird. Weitere Tipps: das Philines in Zwickau (Klosterstr. 1 | www.philines.de) und das mehrfach ausgezeichnete Schwanefeld in Meerane (Schwanefelder Str. 22 | www.schwanefeld.de).

Die neuen DJ's kommen

Fette Beats mit Lokalkolorit

Chemnitz kann sich in Sachen Skillz & Styles problemlos mit den Metropolen der Welt messen. Phlatline und Splash haben hier in den 1990ern die Basis geschaffen. Die Rookies von damals sind heute gefragte DJ-Stars. Jungs wie DJ Ron, Shusta oder Kenny D. legen erfolgreich in ganz Europa auf. Vor Ort sind sie in Chemnitz live u.a. im Starlight (Brückenstr. 17, www.party-chemnitz.de) oder im Brauclub (Neumarkt 1, www.brauclub.de), in Zwickau im Nightlife (Peter-Breuer-Str. 17, www.nightlife-zwickau.de) zu erleben. Die Szene steht nicht still: Neuer Crews entern die Szene. Zu erleben im AJZ (Chemnitztalstr. 54, Chemnitz, www.ajz.de) oder im Cube Club (Straße der Nationen, Chemnitz, www.cubeclub-chemnitz.de).

Schnitzkunst

Tradition in neuem Design

Designer machen sich auf, um die erzgebirgische Schnitz- und Drechselkunst gründlich zu entstauben. Snowboardende Weihnachtsmänner, kickende „Raachermännel“ oder Comicfiguren sind der Trend. Vorreiter: der Eppendorfer Kunsthandwerker Björn Köhler (Goetheweg 2 | www.bjoern-koehler.de). Ebenfalls mit viel Humor und neuen Ideen wartet Jürgen Ellert (Annaberger Str. 31 | Schönfeld | www.erzgebirgsstube.de) auf. Shopping-Tipp: Karlchens Shop in Scharfenstein. Schicker Laden mit einem Faible für neue Formen und Farben (Bahnhofstr. 45 B | www.karlchen-shop.de).

Bio Spezial

Öko für alle

Der Bio-Boom der letzten Jahre sorgt auch im Erzgebirge für kräftiges Wachstum und kulinarische Fantasie bei aufgeschlossenen Landwirten. Neue Hofläden bieten aber nicht nur leckere Gesundkost. Jeder der Höfe setzt dabei auf eigene Spezialitäten: Der Guidohof in Uhlsdorf zum Beispiel backt im traditionellen Holzofen Brote aus alten Getreidesorten (Am Ullersberg 31 | www.guidohof.com). Ebenfalls beeindruckend: die über 400 Jahre alte Wassermühle in Waldkirchen (Rolle Mühle | Zschopenthal 15 | www.rolle-muehle.de). Hier wird Bio-Getreide nur mit Wasserkraft gemahlen. Weitere Läden: Bochmann in Adorf (Hauptstr. 47) oder Casa Rustica in Lichtenau (Garnsdorfer Str. 20 | www.naturkostservice-lichtenau.de).

Fashion 4 you

Shootingstars in Sachen Mode

Von provokant bis stylisch setzen die Modemacher auf lässige Streetwear und unikate Muster. Die Jungs vom Label Superflu Societe (Brühl 41-43, Chemnitz, www.superflu.de) setzen auf grelle Motive. Ganz fest in der lokalen Hip-Hop-Szene sind die Macher vom Nine Hillz Store verankert (Brühl 45, Chemnitz, www.ninehillz.com). Ihr Label steht für Street-Credibility. Romantisch geht es bei der Chemnitzer Modemarke Ysteer (Wielandstr. 11, www.ysteer.de) zu. Cool: Werkstatt und Laden gehören meist zusammen, so kann man den Designern bei der Arbeit zuschauen.

Alles in Balance

Neuer Trendsport: Slacklining

Adrenalin pur! Mut beweisen heißt es beim Actionsport Nummer eins im Erzgebirge! Denn wenn man über das Seil balanciert, das über eine Schlucht - zum Beispiel am Teufelsstein - gespannt ist, ist unter einem das Nichts! Vorher sollte man aber in weniger schwindelerregenden Höhen üben. Nicht nur auf die Meterzahl unter dem Seil, sondern auf Spaß und Akrobatik kommt es den Slacklinern an. Die Anfänger versuchen, auf einem schmalen Riemen das Gleichgewicht zu halten, Profis üben Jumps und Turns. Im August findet im Chemnitzer Küchwald das Slackfest statt (www.slackfest.de), bei dem sich Slackliner aus ganz Europa treffen. Gleichgewicht kann man auch in den Klettergärten trainieren. Schöne Kletterparcours gibt es zum Beispiel an den Greifensteinen (Greifensteinstr. 44a | Ehrenfriedersdorf | www.kletterwald-greifensteine.de).

Cool & Funky

Neues Leben in alten Fabriken

Das Erzgebirge ist eine alte Industrieregion. Dementsprechend trifft man allerorten auf imposante Fabrikarchitektur. Neu belebt wurden diese mit schick durchdesignten Bars oder trendigen Partylocations. Hier trifft monumentale Gründerzeitbauweise auf das Design des 21. Jhs. So hat in einer alten Fabrik am Chemnitz-Ufer in den ersten beiden Etagen ein angesagtes mexikanisches Restaurant eröffnet, im Dachgeschoss etabliert sich das Del Sol als cooler Club (Beckerstr. 15-17 | www.vivamamajoes.info). Allein schon die ausladende Dachterrasse und der Blick über das nächtliche Chemnitz sind einen Besuch wert. Weitere Spots: Eine ehemalige Spinnerei in Glauchau ist heute einer der angesagtesten Konzertsäle (An der Spinnerei 8 | www.altespinnerei.de), die alte Werdauer Tuchweberei ein Partyclub (Turnhallenstr. 10 | Werdau | www.tuchfabrix.de). In Zwickau wurden die riesigen Hallen einer Maschinenfabrik in die schicke Diskothek Nachtwerk mit mehreren Floors umgebaut (Olzmannstr. 51 | www.disco-nachtwerk.de). Deutlich rauer und mit viel Indie-Spirit kommt dagegen der BPM-Club im Zwickauer 4er-Schacht daher (Äußere Dresdner Str. 50 | www.bpm-club.de).