Reisetipps Argentinien

Stichworte Argentinien

Bevölkerung

Argentinien gilt als „weißes“ Land Lateinamerikas. Dabei wird oft vergessen, dass es auch heute noch rund 850000 Indianer 17 verschiedener Ethnien gibt, die allerdings immer weniger werden. Die Indianer Südargentiniens wurden im sogenannten Wüstenfeldzug General Rocas (1875 bis 1879) weitgehend ausgerottet. Auch die Nomadenvölker der Huarpes und Pehuenches sind ausgestorben. Lediglich im Nordwesten sind noch Nachfahren der alten Inkakulturen zu finden, die Coyaindianer. Nur im äußersten Nordosten, in Misiones und Corrientes, kam es zu einem Kulturaustausch und zur Vermischung zwischen Spaniern und Guaraníindianern. Im 19. Jh. gesellten sich dann verschiedene Einwandererwellen aus Polen, Deutschland, Italien, Irland, der Schweiz und dem Nahen Osten zu den Nachfahren der spanischen Eroberer. In den beinahe drei Jahrhunderten bis zur Unabhängigkeit von Spanien entwickelte sich neben der kleinen Oberschicht von Kreolen - den bereits in Amerika geborenen Spaniern - auch eine große Gruppe von Mestizen, also Mischlingen von Weißen und Indianern. Am wenigsten bemerkbar macht sich in der heutigen Bevölkerung das indianische Erbe.

Cartoneros

Die cartoneros, die allgegenwärtigen Altpapiersammler, sind ein Zeichen der Verarmung, die das Land ergriffen hat. Ganze Familien von Arbeitslosen, die in besseren Zeiten in vielen Fällen zu den mittleren Einkommensschichten gehörten, ziehen mit alten Supermarktkarren durch die Straßen, um Altpapier, Kartons und Pappe zu sammeln.

Fauna und Flora

Die Tierwelt Argentiniens ist so vielfältig wie seine Landschaften. Fast 1000 Vogelarten sind am argentinischen Himmel zu beobachten, vom winzigen Kolibri, der sogar in den Gärten von Buenos Aires sein Fingerhutnest baut, bis zum Kondor in den Anden und dem Albatros an den Küsten Patagoniens, dessen Flügel bis zu 3 m Spannweite erreichen. In den Anden leben Lamas und deren langhaarige Verwandte, die Vikunjas. Im nördlichsten Bereich, der Puna, wachsen auf 3000 m Höhe Zwergsträucher, Polsterpflanzen und Kakteen, darunter der riesige Kandelaberkaktus. In Salta und Jujuy, an den ostandinen Gebirgshängen, blüht es dank vieler Niederschläge üppig. Jujuy wird deshalb auch von dichten Wäldern eingerahmt.

In Patagonien zieht sich im Windschutz der Anden ein breiter Gürtel von Südbuchenwäldern bis hin nach Feuerland. Zur Küste hin erstreckt sich die Einöde der patagonischen Steppe, der sich nur wenige Tiere anzupassen vermochten: guanacos (die südlichen Verwandten der Lamas), maras (Pampahasen), Springmäuse, peludos (Gürteltiere) und ñandúes (kleine Straußenvögel), die sich von der kargen Vegetation ernähren, und andererseits die Raubtiere, die diese Arten jagen: Füchse und selten gewordene Pumas. Riesige Schafherden machen der einheimischen Tierwelt die Weidegründe streitig und zerstören die Steppe. An den Küsten Patagoniens tummeln sich unzählige Seeelefanten, Pinguine, Seelöwen, Robben und Delphine; gigantische Bartenwale suchen Zuflucht, um ihre Jungen aufzuziehen.

Zur natürlichen Vegetation der feuchten Pampa Húmeda gehören die büscheligen, hohen Hartgräser. Riesige Viehherden sind hier zu Hause. Auf der trockenen Pampa Seca herrschen Dornensträucher vor.

Im äußersten Nordosten, im subtropischen Regenwald mit seinen bis zu 40 m hohen Baumriesen, wachsen Zedern, der rosa blühende lapacho negro und der yerba-Strauch, ein Stechpalmengewächs, aus dessen koffeinhaltigen, getrockneten Blättern der Matetee gewonnen wird. Hier leben Tukane, Kolibris, Geier, Papageien, Schmetterlinge, Waschbären, Kapuziner- und Brüllaffen, Wildkatzen und Tapire. Die Sümpfe um Corrientes sind Heimat des yacarés, des kleineren südamerikanischen Krokodils, und auch vieler Schlangen wie der gefürchteten jararás oder der Klapperschlangen.

Gauchos

Oft werden die modernen Viehtreiber Argentiniens, die peones, Gauchos genannt. Den eigentlichen Gaucho, den Mestizen, der sich fern von Recht und Gesetz in die Pampa zurückzog und als Outlaw verfolgt wurde, gibt es nur noch in der Literatur. Im 19. Jh. noch besungen in Werken wie „Martín Fierro“, einem Gauchoepos von José Hernández, konnte er im Argentinien des 20. Jhs. und bei exportorientierter Viehwirtschaft nicht überleben. Der einst romantisierte Gaucho wird nun als krimineller Viehdieb angesehen, falls er sich nicht in die neue Ordnung als Angestellter auf den estancias einfügte.

Geologie

Argentinien verdankt seine eindrucksvolle Landschaft zwei erdgeschichtlich weit auseinander liegenden Perioden. Im äußersten Westen begrenzen die Anden das Land. Das junge Kettengebirge wurde erst im Tertiär durch die Kollision der Ostpazifischen mit der Südamerikanischen Platte aufgefaltet. Heute noch tätige Vulkane und immer wieder auftretende Erdbeben weisen darauf hin, dass die gewaltigen Platten nach wie vor in Bewegung sind. Aus der Erdfrühzeit (dem Präkambrium) stammen dagegen die kristallinen Platten: die Brasilianische und die Patagonische. Sie bildeten einst einen zusammenhängenden Block, wurden jedoch durch Senkungsvorgänge im Erdmittelalter (Mesozoikum) voneinander getrennt. Durch diese Absenkung entstand das große, zentrale Tiefland des südlichen Südamerika, die 600-1000 km breite Ebene des Gran Chaco und der Pampa.

Südlich des zentralen Tieflandes erstreckt sich das Patagonische Tafelland. In Feuerland setzen sich die Bergketten der Anden schließlich in Ost-West-Richtung fort, wenn auch bereits deutlich niedriger. Hier erreichen die Gipfel nur noch eine Höhe von etwa 1400 m, bedeckt von Gletschern und ewigem Eis.

Klima

Argentinien weist eine Vielzahl unterschiedlicher Klimazonen auf. Im subtropischen Norden erreicht das Thermometer im Sommer oft eine Temperatur von 40 Grad, und auch die Sommer in Buenos Aires können mit einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent und Temperaturen von bis zu 35 Grad unangenehm heißfeucht werden, während man in Feuerland zur selben Zeit nur zwölf Grad misst.

Argentiniens Lage zwischen den Anden und dem Atlantik bestimmt die Niederschlagsmenge: Hochdruckgebiete über dem Atlantischen Ozean führen warme, feuchte Luft in den Nordosten, wo die höchsten Niederschläge des Landes mit bis zu 2000 mm im Jahr gemessen werden, mit kurzen, schweren Regenschauern im Sommer. Die Westwindzone bestimmt hingegen das Steppen- und Wüstenklima Patagoniens. Im Frühjahr und Herbst kommt es zu heftigen Stürmen. Der Regen wird jedoch von der 4000 m hohen Andenkordillere zurückgehalten. So fallen im patagonischen Osten oft nur um 200 mm Niederschlag im Jahr.

Militär

Das Offizierskorps bildet eine eigene Kaste in der argentinischen Gesellschaft. Das Ansehen der Militärs hat nach den Menschenrechtsverletzungen der Diktatur 1976-1983 und dem verlorenen Falklandkrieg stark gelitten. In den letzten Jahren wurden die Menschenrechtsverletzungen der Militärdiktatur erneut untersucht. Nach wie vor besteht in Argentinien aber eine nationalistische Kultur, die sich sowohl in den Schulbüchern als auch in den Straßennamen widerspiegelt, die immer wieder die Rolle der Militärs hervorheben.

Peronismus

Von 1946 bis 1955 war Juan Domingo Perón (1895-1974) Präsident Argentiniens. Eine klare politische Linie hat seine Gerechtigkeitspartei, der Partido Justicialista, nicht. Durch ein Programm sozialer Reformen hatte Perón die Gewerkschaften und die Besitzlosen Argentiniens für sich gewinnen können. Er kämpfte gegen die Armut, verstaatlichte Banken und Industrie als demokratisch gewählter, aber nahezu diktatorischer Alleinherrscher. Seine Frau Evita, eine ehemalige Schauspielerin, die 1952 starb, förderte mit vehementen Parolen den Enthusiasmus seiner Anhänger. Bis heute wird sie von alten und neuen Peronisten als Vertreterin des „wahren Peronismus“ verehrt. Peróns Einsatz für die Trennung von Kirche und Staat sowie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes führten schließlich 1955 zum Putsch der Militärs. Perón wurde 1973 erneut zum Präsidenten gewählt, konnte aber seine Versprechungen an die Arbeiter nicht halten. Innerhalb der eigenen Partei setzten Flügelkämpfe ein. Nach seinem Tod 1974 hinterließ er ein innenpolitisches Chaos. Seine dritte Frau, Isabel, übernahm die Macht, wurde aber bereits 1976 von einer Militärjunta gestürzt. Nach dem neoliberalen Kurs der peronistischen Regierung Menem zeichnete sich mit dem ebenfalls peronistischen Präsidenten Néstor Kirchner seit 2003 ein Mitte-Links-Trend ab. Seine Frau, Cristina Fernández de Kirchner, verfolgt denselben Kurs, nachdem sie die Präsidentschaftswahlen 2007 mit großem Vorsprung gewann.

Tango

Enrique Santos Discépolo, einer der bekanntesten Komponisten und Texter dieses Genres, bezeichnete den Tango als „einen traurigen Gedanken, den man tanzen kann“. Diese Definition entstammt noch der Zeit, als der Tango in Bars und Bordellen als einstimmendes Vorspiel getanzt wurde. Der laszive Tanz entstand in den Hafenvierteln von Buenos Aires, in La Boca und San Telmo. Die Frage nach den Wurzeln des Tangos ist allerdings nicht geklärt. Er entstammt der kubanischen Habanera ebenso wie dem Tango Andaluz, der kultischen Tanzpantomime Candombé und der uruguayischen Milonga, einem Sängerwettstreit, in dem sich - genau wie im Tango - alles um verlassene Liebhaber dreht. Seine spezifische Stimmung erhielt der Tango schließlich durch das ebenfalls aus Europa eingeführte Bandoneon, eine Knopfharmonika. Die Schritte waren anrüchig und die Texte meist noch schlimmer. Gesellschaftliche Anerkennung fand der Tanz erst, als 1907 in Paris die ersten Schallplattenaufnahmen gemacht wurden. Der Tango eroberte die Pariser Salons, und bald entstand eine orchestrale Salonversion der ehemaligen Spelunkenmusik. Heute gilt der Tango als Lied der Hauptstadt Buenos Aires. 24 Stunden am Tag sendet FM La Dos Por Cuatro auf 92,7 Megahertz Milongas und Tangos, während im Kabelfernsehen der Sender Sólo Tango Konzerte, Interviews und Tanzstunden überträgt. Im Internet findet man ausführliche Informationen über Tango in Buenos Aires unter www.tangodata.gov.ar, und in der Hauptstadt kann man natürlich vielerorts das Tangotanzen lernen.