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Reiseführer Zürich:Erlebnistouren

Städte haben viele Facetten. Wenn Sie Lust haben, diese verschiedenen Gesichter mit all ihren einzigartigen Besonderheiten zu entdecken, wenn Sie jenseits bekannter Pfade geführt oder zu grünen Oasen, ausgewählten Restaurants oder typischen Aktivitäten geleitet werden wollen, dann sind diese maßgeschneiderten Erlebnistouren genau das Richtige für Sie. Machen Sie sich auf den Weg und folgen Sie den Spuren der MARCO POLO Autoren.

Zürich perfekt im Überblick

08:30

Gut beginnt der Tag mit einem Kaffee im Odéon am Bellevue. Das Jugendstilcafé ist zwar nur noch halb so groß wie zu der Zeit, als hier Lenin, Karl Kraus, James Joyce, William Somerset und viele prominente Dichter und Denker saßen - das Café war lange Zeit Intellektuellentreffpunkt. Doch es liegt strategisch gut am Schnittpunkt von See, City und Altstadt, und die Tische im Freien bieten schöne Logenplätze. Folgen Sie danach der Strömung der Limmat über den Hechtplatz und das Limmatquai hinunter. Die Wasserkirche mit der Krypta lohnt einen Besuch, und direkt gegenüber, am anderen Flussufer, steht das Fraumünster mit den berühmten Fenstern von Marc Chagall. Zurück am rechten Ufer steigen Sie die Treppen hoch zum Grossmünster , der Wirkungsstätte Zwinglis und einem Wahrzeichen der Stadt. Wer genug Puste hat, erklimmt hier die Stufen des Kirchturms. Die Mühe lohnt - von hier oben genießen Sie einen phantastischen Blick über die Stadt.

11:00

Von der Haltestelle Helmhaus (vor dem Grossmünster am Quai) fährt das Tram Nr. 4 in Richtung Altstetten-Nord über Limmatquai und Hauptbahnhof ins Trendviertel, das Industriequartier. Legen Sie einen Zwischenstopp am Museum für Gestaltung (gleichnamige Haltestelle) ein. Das wichtigste Museum der Schweiz in dieser Sparte zeigt neben umfangreichen Sammlungen zu Design, Plakatkunst und Kunstgewerbe immer auch aktuelle, hochinteressante Wechselausstellungen. Weiter geht's mit dem Tram 4 bis zur Haltestelle Quellenstraße: Hier bildet die große Markthalle mit einem Restaurant den Eingang zu Zürichs hippster Shoppingmeile, dem Viadukt . Machen Sie hier Mittagspause und genießen Sie die saisonale, marktfrische Küche des schlicht eingerichteten Restaurants Markthalle. In den Bögen des Bahnviadukts haben sich vornehmlich junge Unternehmen und Kreative eingemietet, es gibt viel Design und Mode, aber auch - am anderen Ende des Viadukts - den bei weitem besten Secondhand-Laden der Caritas. Neben dem Viadukt thront der Freitag Flagship Store . In den neun aufeinandergestapelten Bahncontainern können Sie bis auf die Dachterrasse hinaufsteigen, die einen Rundblick über das Industriequartier und auf den benachbarten Prime Tower , das zweithöchste Gebäude der Schweiz, bietet. Den Prime Tower besuchen Sie als nächstes, um im Clouds Bistro auf der 35. Etage bei spektakulärem Ausblick einen Kaffee zu genießen, bevor Sie vom Bahnhof Hardbrücke mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof zurückfahren.

15:30

Nun steht ein Bummel über die berühmte Bahnhofstrasse und durch deren Seitengässchen auf dem Programm. Die weltbekannte Zürcher Einkaufsstraße ist vornehmlich mit Läden bestückt, die nicht eben für Schnäppchen bekannt sind, aber schauen kostet ja nichts. Die Jules Verne an der Urania (Eingang in der Brasserie Lipp) bietet sich für einen Zwischenhalt mit Rundsicht und Kaltgetränk an. Bei der Confiserie Sprüngli am Paradeplatz, wo auch die Schweizer Großbanken ihre Hauptsitze haben, gibt's die berühmtesten süßen Mitbringsel, und wer auf hochwertiges Kunsthandwerk steht, stattet dem Schweizer Heimatwerk vor dem Bürkliplatz einen Besuch ab.

17:00

Genug vom Sightseeing und Einkaufsbummel? Dann steht an der Schifflände Bürkliplatz die Flotte der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft für Sie bereit. Die 90 Minuten dauernde kleine Rundfahrt (Abfahrt 17.10 Uhr) führt Sie zuerst am linken, dann am rechten Zürichseeufer entlang an den begehrtesten Vororten Zürichs vorbei, einer teuren Wohngegend mit vielen großen Villen. Genießen Sie die Aussicht bei einem Apéro im Bordrestaurant.

19:00

Zurück am Bürkliplatz geht's nun zum Abendessen wieder über die Bahnhofstrasse in den urchigen Zeughauskeller . Dort wird währschafte (deftige) Schweizer Küche geboten. So legen Sie einen guten Grundstein für den anschließenden Bummel im Dörfli , das Sie über die Münsterbrücke beim Fraumünster erreichen. Das Ober- und Niederdorf ist das älteste und stimmungsvollste Ausgehquartier der Stadt mit unzähligen Bars und Straßencafés. Schlendern Sie durch die Gassen, und lassen Sie sich nieder, wo es Ihnen gefällt.

Entlang der Limmat in den Westen

9:30

Leihen Sie sich am Hauptbahnhof an der Mietstation HB Nord neben dem Landesmuseum gratis ein Fahrrad und los geht es - am Landesmuseum vorbei zur Limmat und an ihr entlang zum Platzspitz , einer kleinen Parkanlage, die als Needle Park berühmt wurde, heute aber eine friedliche, grüne Oase für Einheimische und Reisende vom nahen Hauptbahnhof ist. An ihrem Ende, wo Limmat und Sihl zusammenfließen, führt eine Brücke hinüber zum Jugendzentrum Dynamo mit einem Gartencafé am Wasser, wo Sie sich einen ersten Kaffee genehmigen. Weiter geht es am rechten Limmatufer entlang, vorbei am Flussbad Oberer Letten, einem Szenetreff, dessen lange Holzroste fürs Sonnenbad bei gutem Wetter immer sehr gut belegt sind. 400 m zieht sich die Anlage beidseits des Kanals hin. Da es im Oberen Letten schnell eng wird, fahren Sie weiter zum Flussbad Unterer Letten am Ende des Kanals. Es ist kleiner und etwas ruhiger; hier legen Sie eine erfrischende Badepause ein.

11:30

Zwischen den beiden Bädern führt der Lettenweg auf dem stillgelegten Lettenviadukt hoch über den Fluss. Hier rückt die bläuliche Glasfassade des Prime Towers, des zweithöchsten Gebäudes der Schweiz, ins Blickfeld. Von hier aus wirkt es gar nicht so hoch. Die Route führt geradewegs zur Markthalle des Viadukt , wo sich Shopping Victims über viele kleine Designerläden freuen. Keine 100 m weiter, im Löwenbräu-Areal, kommen Kunstfreunde auf ihre Kosten. Dort ist nämlich neben verschiedenen namhaften Privatsammlungen und Galerien das Migros Museum für Gegenwartskunst untergebracht. Einen Besuch wert ist auch der Museumsladen, er ist hervorragend bestückt mit tollen Bildbänden und Literatur.

13:00

Dann geht es zurück zum Viadukt und von dort über Limmat-, Roggen-, Heinrich- und Ottostrasse zur Josefwiese . Sie ist eine der beliebtesten grünen Plätze bei Jung und Alt. Hier sonnen sich Hipster neben jungen Müttern und Rentnern aus dem Quartier, und die Stimmung ist immer gut. Die Josefswiese hat ihren Namen von der Josefstrasse, einer Lebensader des Trendviertels Kreis 5. Eine Fahrt durch die rund 1,5 km lange Straße stadteinwärts bringt Sie u.a. zu dem hervorragenden orientalischen Restaurant Damas (Ecke Quellenstrasse), wo Sie sich ein Mittagessen verdient haben.

15:00

Weiter Richtung Hauptbahnhof biegen Sie an der Langstrasse rechts ab; auf der Hauptachse des Zürcher Rotlichtbezirks herrscht auch bei Tag eine ganz besondere Atmosphäre. Sie fahren über den Helvetiaplatz hinaus bis zur Badenerstrasse und biegen dort rechts ab. Nach 200 m (Ecke Kalkbreite strasse) stoßen Sie auf die Genossenschaftssiedlung Kalkbreite - ein moderner Versuch, urbanen Lebensraum zu gestalten. Im Blex finden Sie tolle Bücher zu Zürich, im orientalischen Caférestaurant Bebek sollten Sie zumindest einen Kaffee trinken und sich dann den Dachgarten der Siedlung auf dem integrierten Tramdepot anschauen, bevor Sie auf dem selben Weg zurück zur Josefstrasse fahren. Im unteren Teil Richtung Hauptbahnhof bietet die Josefstrasse eine Reise durch die Welt. Hier sind Läden von allen Kontinenten zu finden, ebenso wie junge Schweizer Mode und Design wie z.B. im Rrrevolve. Bis zum Ausgangspunkt der Tour, dem Hauptbahnhof , sind es von hier nur noch ein paar Meter.

Aussichtsreicher Umweg zum Zoo

14:00

Die Standseilbahn Rigiblick bringt Sie vom Rigiplatz den Zürichberg hinauf zur Endstation Rigiblick . 100 m links von der Bergstation bietet die große Terrasse des Restaurant Rigiblick einen herrlichen Blick über die Stadt. Daneben liegt das Theater Rigiblick, und davor, auf einer Plattform des Germaniahügels, steht das Grabmal des Dichters Georg Büchner , der seine letzten Lebensmonate in Zürich verbrachte und hier 23-jährig an Typhus starb. Von hier folgen Sie der Susenbergstrasse bergauf, an mächtigen Villen vorbei - der Zürichberg ist das bevorzugte Wohnquartier Zürichs. Dann geht's links steil den Spyristieg hoch, an Schrebergärten vorbei zum Waldrand. Von hier aus gestaltet sich die Wanderung auf dem Gottlieb-Kramer-Weg und dem Orelliweg als gemütlicher Spaziergang mit prächtiger Aussicht über Stadt, See und Berge. Das Gipfelpanorama reicht von den Glarner Alpen über die Zentralschweizer Berge bis zum Berner Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau - und natürlich die Rigi am Vierwaldstättersee, die dem Ausgangspunkt den Namen gab. Auf einer Panoramatafel am Wegrand sind alle Gipfel mit Namen eingezeichnet.

15:00

Nach 30 Minuten gemütlichen Bummelns taucht rechts das Zürichberg auf, dessen Terrasse sich für einen Zwischenhalt mit Kaffee und Kuchen anbietet. Architekturinteressierte sehen sich bei der Gelegenheit den ungewöhnlichen spiralförmigen Anbau an. Leicht bergab geht es dann zur Endstation Zoo des Trams. Dahinter sind die Fahnen des Hauptsitz der FIFA zu sehen. Der 160 Mio. CHF teure Glaspalast der Architektin Tilla Theus in der Dreiwiesenstrasse ist leider nur von außen zu bewundern, Mauern und Zäune umgeben das Anwesen. Dahinter leuchtet von weitem schon die große Masoala-Halle des Zoo s. Am FIFA-Palast vorbei geht es in rund fünf Minuten über die Forrenweidstrasse zum Haupteingang des Zoo , für den Sie sich unbedingt viel Zeit nehmen sollten: Er bietet mit der Masoala-Regenwaldhalle nicht nur ein perfektes Abbild des madagassischen Regenwalds. Die Yaks und Kamele sind in tibetischer Umgebung untergebracht, die Elefanten in einem riesigen, schildkrötenartigen Haus, in dem der Regenwald Thailands imitiert wird. Die Krönung des Besuchs ist der Baumkronenweg in der Masoala-Halle - bei 28° Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 87 Prozent ein schweißtreibendes, aber tolles Vergnügen: Den Dschungel von oben zu sehen und die an Ästen baumelnden Affen unter sich, ist eine tolle Perspektive. Den Besuch abschließen sollten Sie im Masoala-Laden: Hier gibt es nicht nur afrikanische Spezialitäten wie Kaffee und Gewürze, auch Handwerk und Schmuck aus Madagaskar wird angeboten: Nützliches und Dekoratives, das Sie nirgends sonst finden. Vom Ausgang der Masoala-Halle geht es dann zu Fuß in sieben Minuten zurück zur Tramstation und mit den Linien 5 oder 6 zurück ins Zentrum.

Aufstieg zur Blüemlisalp

14:00

Ausgangspunkt der Wanderung ist die Station Forch der Forchbahn, die in 20 Minuten vom Bahnhof Stadelhofen hierherfährt. Folgen Sie von hier den gelben Schildern, die nach Erlenbach, dem Ziel des Ausflugs, weisen, der Kaltensteinstrasse unter der Autostraße hindurch zur Limbergstrasse, in die Sie rechts einbiegen. Dort zweigt nach ca. 1 km ein Wanderweg ab und führt Sie über Felder bis zum Weiler Wangen , dessen Bauernhäuser einem schon das Gefühl geben, weit weg von der Großstadt zu sein. Von da geht es ein Stück weit die Straße entlang in Richtung Limberg, bevor der Wanderweg nach einem kurzen Waldstück links zum Rüsselbach abbiegt. Der fließt in einem Tobel - so werden hierzulande schluchtartige Täler mit einem Bach genannt -, das über den Weiler Tobelrüti und das Mülitobel in den Küsnachter Tobel führt und durch einen 6 km langen lauschigen Weg erschlossen ist.

Links am Weiler Limberg vorbei, führt der Wanderweg Haken schlagend leicht bergauf durch einen lichten Wald und dann zweimal die Straße querend ziemlich steil bergab zur Blüemlisalp , einer richtigen Alp. Die Alpgenossenschaft betreibt hier ein ganzjährig geöffnetes Restaurant urschweizerischen Zuschnitts, das schmackhafte Landspezialitäten serviert. Im Sommer stehen auf dem Vorplatz Tische und Bänke zum Essen, Mosttrinken, In-der-Sonne-Sitzen und die Aussicht Genießen: Das ganze Alpenpanorama von den Glarner bis zu den Berner Bergen ist hier zu bewundern, und der hausgemachte Apfelstrudel mit Vanillesauce ist hervorragend.

16:00

Rund eine Stunde reine Gehzeit hat die Wanderung von der Forch hierher gedauert, für den nun folgenden Abstieg zum See benötigt man noch etwas weniger. Auf dem lauschigen Müliweg geht es durch den Wald direkt in das Erlenbacher Tobel und von nun an immer nur bergab. Vorbei an malerischen kleinen Wasserfällen und skurrilen Steinformationen führen schmale Stege und Brücken durch das Tobel, das an manchen Ecken einer Märchenlandschaft gleicht. An der Wallentalstrasse in Erlenbach endet der Tobelweg. Von dort aus geht es über die Weinberg- und die Schulhausstrasse hinunter an die Seestrasse und zur Schiffsstation Erlenbach . Der Rest ist Genuss im Sitzen: Jede Stunde, immer kurz vor der vollen Stunde, fährt von hier ein Kursschiff zurück zum Bürkliplatz in Zürich. Die Fahrt versetzt einen dann gänzlich in andere, südlich anmutende Gefilde: Der Blick auf die überbaute Goldküste, wie das rechte, sonnenbeschienene und eben sehr teure Ufer des Zürichsees bezeichnenderweise genannt wird, sowie auf die stattlichen Bürohäuser und schönen Hotelpaläste der Stadt weckt schon fast Erinnerungen an mediterrane Ferienerlebnisse.

Weiter zu Kapitel 18

Gabrielle Attinger wuchs am Zürichsee auf und studierte in Zürich Germanistik und Philosophie. Als Reiseleiterin und Rezeptionistin auf Kreuzfahrtschiffen bereiste sie die Welt. Dann machte sie ihre Leidenschaft zum Beruf und wurde Reisejournalistin und -redakteurin. Sie leitete lange den Reiseteil der „SonntagsZeitung“ und schreibt heute als freie Journalistin für Zeitungen und Magazine.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de