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Reiseführer Thailand:Essen & Trinken

Die thailändische Küche ist oft scharf, aber immer leicht – und zum Nachtisch wartet ein himmlischer Früchtereigen

An jeder Ecke dampft und brutzelt es in kleinen Kneipen. Fliegende Händler verkaufen gegrillten Tintenfisch, Fleischspießchen oder auf Eis gekühltes Obst. Fahrbare Garküchen parken am Straßenrand, ein paar Hocker und Tischchen stehen auf dem Gehsteig, und fertig ist das Open-Air-Restaurant.

Überm fauchenden Gaskocher oder über Holzkohle wird im Handumdrehen ein köstliches Essen zubereitet: Nudelsuppe mit Huhn oder Ente, gebratener Reis mit Krabben, ein Omelett mit Muscheln oder Pfannkuchen mit Ananasstückchen. Fleisch wird sparsam verwendet. Eher schon kommen Geflügel und Meeresfrüchte auf den Teller. Gemüse wird nur kurz gegart, bleibt dadurch knackig und behält seine Vitamine. Viele unterschiedliche Gewürze und Kräuter geben den Speisen den besonderen Pfiff, zum Beispiel Koriander, Zitronengras und -blätter, Ingwer, Basilikum, Tamarinde, Minze, Curry und Garnelenpaste. Nicht zu vergessen: Knoblauch und Chili!

Nur die gehobenen Speiserestaurants halten sich an feste Zeiten für Lunch (etwa 11.30 bis 14 Uhr) und Dinner (etwa 18 bis 22 Uhr). Viele Lokale aber tischen bis spät in die Nacht etwas auf, und Garküchen an den Straßen warten in den großen Städten und den Touristenorten sogar fast rund um die Uhr auf Gäste.

Thai-Gerichte kommen schon in mundgerechten Stücken auf den Teller oder können leicht mit Löffel und Gabel zerteilt werden. Gegessen wird mit dem Löffel in der rechten Hand. Die Gabel dient nur dazu, den Bissen auf den Löffel zu schieben. Lediglich Nudelgerichte und auch Suppen werden mit Essstäbchen gereicht, die von den Chinesen übernommen wurden. Ein typisches Thai-Menü für eine größere Runde besteht aus Speisen in bis zu fünf Geschmacksrichtungen: bitter, süß, sauer, salzig und scharf. Dazu gehört ein großer Topf mit Reis. Jeder bedient sich selbst, wobei es egal ist, in welcher Reihenfolge die Speisen verzehrt werden.

Thais verwenden Chili sehr großzügig. In Touristenlokalen werden die kleinen Scharfmacher jedoch sparsamer eingesetzt. Vorsichtshalber können Sie bei der Bestellung ein mai peht (nicht scharf) angeben. Standardgerichte wie gebratener Reis, gebratene Nudeln oder Nudelsuppen werden vom Gast selbst gewürzt. Auf jedem Tisch stehen dazu kleine Gefäße mit getrockneten und zermahlenen Chilischoten, Zucker (für die Nudelsuppe) und einer süßsauren Essigbrühe, in der frische Chilistückchen schwimmen. Anstelle von Salz gibt es nam pla, eine hellbraune Flüssigkeit aus fermentierten Fischen. Versetzt mit gehacktem Chili wird aus der Fischsauce pik nam pla – Vorsicht beim Dosieren!

Salat im deutschen Sinn, wie etwa grünen Salat oder Tomatensalat, gibt es in der Thai-Küche nicht. Ein typischer thailändischer Salat (yam) ist eher schon ein eigenständiges Gericht und wird gern als Zwischenmahlzeit verzehrt. Er ist fast immer sehr scharf! Zum Beispiel der herzhafte yam nüa, ein säuerlicher Salat aus gebratenen Rindfleischstückchen, garniert mit Knoblauch, Koriander, Zwiebeln und zerstoßenen Chilischoten. Sehr beliebt ist auch yam wunsen, dessen wichtigste Zutat Glasnudeln sind.

Thais lieben Süßigkeiten (kanom). Wobei die Betonung zumeist wirklich auf „süß“ liegt. Die kleinen Kalorienbomben finden Sie in allen Farben des Regenbogens an Ständen auf Festen, Märkten und bei Straßenhändlern. Besonders beliebt sind die in Bananenblätter eingepackten Leckereien aus Klebreis, der in Kokosnussmilch gegart wurde.

Thailand ist ein Paradies für feines Obst. Für Thais ist die Durian oder Stinkfrucht die Königin der Früchte. Das weißgelbe Fruchtfleisch unter der Stachelschale ist fast cremig weich – man wird entweder süchtig danach oder hat nach dem ersten Bissen für immer genug davon. Die Mango (mamuang) hingegen entzweit die Obstliebhaber nicht. Besonders gut schmeckt sie mit konzentrierter Kokosmilch und mit Klebreis. Thais schätzen auch grüne Mangostreifen, die sie in ein Zucker-Chili-Gemisch stippen. Hinter der weinroten Schale der delikaten Mangostan (mangkut) verbirgt sich weißes, saftiges Fruchtfleisch, das süßlich und zugleich etwas säuerlich schmeckt. Auch die haarige Rambutan (ngo), die feinen Litschis (lintschi) oder die wie Glöckchen aussehenden roten Javaäpfel (dschompu) sollten Sie probieren.

Das Angebot an frisch gepressten Obstsäften beschränkt sich meist auf Orangensaft. Trinkwasser (nam bau) aus Flaschen und Mineralwasser sind überall zu haben. Das beliebteste einheimische Bier ist Chang, eines der billigeren Gebräue. Ebenfalls im Land gebraut werden Marken wie Heineken, Tiger und Singha. Der preiswerte Rum Mekhong wird aus Reis destilliert und als „Whisky“ bezeichnet. Besser schmeckt der Saeng Som, der aber nicht pur getrunken wird, sondern als Longdrink mit Sodawasser und einem kräftigen Spritzer Limonensaft (Touristen mischen ihn gern mit Cola).

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Seit der Journalist Wilfried Hahn 1978 erstmals nach Thailand reiste, kehrt er jedes Winterhalbjahr dorthin zurück. Für Zeitungen und Reisemagazine hat er unzählige Artikel über das Land verfasst. Für MARCO POLO schreibt er die Reiseführer Thailand, Bangkok, Phuket, Ko Samui und Krabi. Und wo in Thailand gefällt es ihm am besten? „Überall dort, wo gelächelt wird – und das ist wirklich überall.“

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de